Tiefer

15. März 2012

Mit einer technokratisch-nichtssagenden Presseerklärung hat die „Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest in Aurich“ neue Eingriffe in das Ems-Flussbett (Foto lks.) zwischen Papenburg und dem Dollart mitgeteilt. Welche genau, verschweigt das Behördenpapier. Der Planfeststellungsbeschluss, auf den die „Presseinfo“  Bezug nimmt, geht auf das Jahr 2007 zurück, als die Landkreise Emsland und Leer beantragt hatten, die Ems für die immer größeren Kreuzfahrtschiff-Neubauten der Papenburger Meyer Werft zu vertiefen und die Fahrrinne an einigen Stellen zu verbreitern. Das wurde jetzt durch die Behörde gestattet.

Naturschützer an der Ems kritisieren die Ausbaumaßnahmen seit langem. Ständig  wird das Flussbett der Ems ausgebaggert, um  die Kreuzfahrtriesen der Papenburger Meyer-Werft ausliefern zu können. In weniger als 30 Jahren haben Vertiefungen und Begradigungen des Fahrwassers zusammen mit lang andauernden Baggerkampagnen  zu einer massiven Verschlechterung der ökologischen Verhältnisse in der Unterems geführt. Die Wasserwerte des Flusses sind längst so schlecht, dass im Sommer  dort durch den Sauerstoffmangel keine Fische mehr überleben.

Also ist eigentlich die Renaturierung der unteren Ems bitter nötig. Im Gespräch mit den Landesbehörden und Naturschützern vor Ort sollten eigentlich durch die Umweltschützer von BUND, NABU, WWF und anderen bis 2013 praxisorientierte Renaturierungskonzepte entwickelt werden, damit Wanderfische wie der Lachs wieder in ihre angestammten Laichgebiete gelangen und in den Röhrichten und Auenwäldern geschützte Vogelarten erfolgreich brüten können. Aus beidem wird nach dem neuen Planfeststellungsbeschluss wohl nichts werden – aus den Gesprächen und der Renaturierung.

Wer den Planfeststellungsbeschluss lesen will, muss sich übrigens antrengen. Nicht nur, weil er 900 Seiten Behördendeutsch umfasst. Er muss auch extra während der Öffnungszeiten die Ratshäuser der Städte und Gemeinden längs der Ems aufsuchen. Im Internet veröffentlicht die Behörde ihn nämlich wohl nicht. Das könnte ja auch durch mehr Bürgerbeteiligung eher stören. Ausgelegt wird der Beschluss außerdem mitten in den Oster-Schulferien – also vom 2. bis 16. April. Wie die Nichtveröffentlichung im Internet ein weiterer  Behördentrick, um Bürgerbeteiligung zu erschweren.

Wie steht es hoch oben auf der Presseerklärung aus Aurich: „Wir machen Schifffahrt möglich“ – „und die Natur mausetot“ fehlt.

Foto: Unterems (c) Wattenrat