Reaktionsverbundenheit

28. Februar 2012

Das ADAC Motorwelt Blog-Team widmet sich dem teuer Tanken im Lande. Am Montagmorgen bedankte es sich herzlich für die Meldungen der Kraftstoffpreisbeobachter am Wochenende. Es wusste: Das teuerste von ihnen gemeldete Super E10 gab es am Sonntag an der Aral-Tankstelle in der Georgstraße 48 in 49809 Lingen. Es kostete 1,659 Euro/Liter. Da war nicht nur ich dann auch herzlich bedankt. 5 km von der BP Raffinerie, die auch den ARAL-Konzern beliefert, der zu BP gehört, den teuersten E10-Sprit der Republik. Das hat schon was Ärgerlich-Pikantes!

Übrigens bittet der ADAC seine Kraftstoffpreisbeobachter, nur die Preise für Super E10 und Diesel zu melden. Alles weitere hier. Unser Bundeskartellamt übt sich derweil in oscarverdächtiger Flachanalyse: „Der Markt wird von fünf großen Mineralölkonzernen gemeinsam beherrscht, die sich gegenseitig wenig Wettbewerb machen“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt vor ein paar Tagen zur „Rheinische Post“. In diesem Oligopol seien die Konzerne in der Lage, Preissteigerungen im Großhandel an die Benzinverbraucher weiterzugeben. Das Kartellamt könne jedoch keine verbotenen Preisabsprachen nachweisen. Aber die Konzerne seien allein durch ihre „Reaktionsverbundenheit“ (das ist zweifellos das Unwort des Quartals) in der Lage, den Preiswettbewerb auszuschalten. Finden Sie nicht auch, dass diese Analyse der obersten deutschen Kartellbehörde ganz großes Kino ist?

Ähnlich kleinformatig wie die „Wettbewerbshüter“ denkt auch eine Initiative, deren Aktivisten „am 1. März nicht tanken“ wollen.  Rund 1,3 Mio Facebook-Nutzer sind angeblich dabei (bis jedenfalls die entsprechende facebook-Seite am letzten Freitag gelöscht wurde) und sie alle müssen jetzt entweder am 29. Februar oder am 02. März ihre Tanke ansteuern. Welch ein Mut zeichnet also diesen Boykottaufruf aus! Wir erkennen in ihm eine unheimlich konsequente, tiefgängige Aktion sozialen Ungehorsams, weshalb es auch schon gleich den nächsten Protestaufruf bei facebook gibt: Am 01.07.12 in ganz Deutschland kein Eis essen!

Findet ihr auch, dass der Eis-Preis alle Rekorde bricht? Dann macht mit und kauft diesen einen Tag kein Eis. Dieser eine Tag soll der Eis-Mafia die Macht der Konsumenten – nämlich unsere zeigen!

Also ärgert Euch mit mir spritmäßig weiter, Freunde! Ich muss dazu auch noch den ADAC  lobend erwähnen – harte Zeiten für kleine Blogger.

13 Antworten to “Reaktionsverbundenheit”

  1. Frank O. said

    Herr Koop, ich finde es sehr bedauerlich das weder der ADAC noch Sie erkennen wie geschäftsschädigend solche Beiträge für den Betreiber sind.
    Mal abgesehen davon, dass diese Tanke gar nicht die teuerste der Republik war, hat der Betreiber keinen Einfluss auf die Preise.
    Als Pächter verdient er 1 Cent pro verkauftem Liter, als Eigentümer sogar 2 Cent und dabei ist die Höhe des Preises egal. Wenn sie da dann noch die laufenden Kosten wie Strom, Personal usw. abrechnen sollten auch Sie schnell erkennen, dass eine Tankstelle ohne Shop, Waschstraße, Lotto, Reifenwechsel usw. gar nicht lebensfähig ist.
    Doch zurück zu den Preisen ….
    In den letzten Tagen gab es bei Aral mehrfach bundesweite Preiserhöhungen, diese werden fast immer um 18 Uhr getätigt und betragen , in der Regel, 5 -6 Cent pro Liter ( vom Diesel und E5 Preis). Als Betreiber bekommen sie eine Vorgabe mit Reaktionszeiten in der der sie Preisunterschiede, zu Mitbewerbern in der Umgebung, über das ROSIplus-System (Onlinesystem von Aral) melden können. Reagiert ein Mitbewerber nicht auf die Preiserhöhung oder anders als erwartet können sie frühstens ab 23 Uhr eine Preisänderung beantragen. In der Regel wird diese aber mit irgenwelchen fadenscheinigen Begründungen abgelehnt ( das es sich z.B. um einen weniger wichtigen Mitbewerber handelt oder das System nicht erreichbar ist und sie es nach 7 Uhr nochmal versuchen sollen).
    Weiterhin ist es inzwischen zum Standard geworden, dass die Preise morgens und tagsüber wieder sinken werden, (teilweise gibt es 6 mal am Tag neue Preise) damit sie abends wieder angehoben werden könenn.
    Diese bundesweiten Preiserhöhungen gibt es im Wechselspiel bei Aral,Shell und Jet.
    Preisbasprachen gibt es in der Tat nicht aber stillschweigend wird bei jeder Erhöhng nachgezogen. Verwunderlich ist auch das die BP 30 Milliarden Gewinn meldet, trotz großer Ölkatastrophe.
    Der Betreiber einer solchen Tankstelle ist hier das schwächste Glied in der Kette und darf sich täglich hunderte Beschwerden anhören.

    Ihre Anmerkung über die ortsansässige Raffinerie kann ich nur belächeln.
    Ihr Kanzlei liegt 50 m neben dem Amtsgericht und zum Landgericht nach Osna gibts wunderbare Zugverbindungen.
    Ich sehe da enormes Sparpotenzial.

  2. Seerose said

    Da war doch was!!!
    Brent Spar, die Ölplattform sollte in der See versenkt werden, und Greenpeace hatte die wunderbare Idee Shell zu boykottieren.
    Bekanntlich hat es wunderbar geklappt! Ich schlage vor, alle Araltankstellen zu boykottieren. Und das solange bis die Zahlen der Gewinne zurückgehen, dann mal schauen wie sie reagieren. Ich glaube, das man nur so etwas bewirken kann, auf unsere Politiker ist kein Verlass!

    • Folgebier said

      @Seerose: Aralboykott, das trifft nur die Tankstellenpächter und die leiden schon genug. Was glaubt du eigentlich, woher die freien Tankstellen oder auch die Shell-Tankstellen ihren Kraftstoff beziehen? Richtig, aus der nächstliegenden Raffinerie durch Tauschgeschäfte. Und das wäre hier die BP-Raffinerie in Holthausen als Mutter von Aral. Sollte also Aral boykottiert werden, werden die Preise auch bei Shell und den Freien in der hiesigen Region anziehen.

      • ulrie said

        Leute,was ist das doch für eine verquere Disussion !

        Ihr wisst doch auch , daß der Staat so roundabout 60 Prozent des Spritpreises einkassiert, incl. Ökosteuer plus Mehrwert darauf.

        Ihr wisst doch auch,daß horrende Ausgaben anstehen zur Rettung von Griechenland,Wulff,dem Euro,Portugal usw.

        Um das zu stemmen, m ü s s e n die Autofahrer so teuer wie möglich tanken, sozusagen aus patriotischen Gründen. Und natürlich Sprit verbrauchen !!! Sonst retten wir nix.

  3. kib said

    @ Lieber Frank O. Mich hat „Leute Heute Ulrike“ auf die richtige Spur gebracht.
    Sie hat Recht, denn wir Bürger sind gefragt: Ab morgen werde ich direkt 25 km Umweg für den Weg zur Arbeit in Kauf nehmen ( und die bittere Pille schlucken, dafür früher aufzustehen, teuer an der „Zapfe“ zu zahlen & unnötig CO2 in die Luft zu plästern).

    Im Gegenzug erwarte ich aber, dass zwingend die Emslandarena gebaut wird und vor allem die Steuern erhoben werden, ich denke, damit sind wir auf dem sichersten Weg das Projekt „Lili“ zu stoppen…
    Dank Ihnen dafür Ulrike (so verquert muss man erst einmal denken können).

    • ulrike said

      Das mit dem verquer kann ich nicht anders , vermutlich angeboren .

      Lili sehe ich nur leer fahren, – natürlich mit Fahrer.

      Der Spritpreis in Lingen ist nach meinen Erfahrungen seit den fünfziger Jahre besonders hoch , trotz der Nähe zur Raffinerie. Manches Mal irgendwo in der Walachei deutlich tiefer.

      Falls gerade jemand von Euch Berlin Richtung Norden Bundessraße 2 verläßt : fast am Stadtausgang liegen zwei Markentankstellen einander direkt gegenüber. Ich vermute mal, der niedrigste Spritpreis bundesweit.

  4. kib said

    @ allen Unken-Rufern: Ich bin Ulrike (mit oder ohne „k“) sehr wohl gesonnen!

  5. Frank O. said

    So sieht sowas übrigens aus:

    Bundesweite Preiserhöhung per 12.03.2012

    Sehr geehrter Geschäftspartner,

    die Shell hat heute eine Preiserhöhung durchgeführt.

    Wir möchten Sie informieren, dass wir heute um 21:00 Uhr ebenfalls eine bundeseinheitliche Mindestpreisanpassung vornehmen werden.

    Bis zum Ende der Reaktionszeiten werden wir einen Preis von 169,9 ct/l für Super 95 /E5 (Schutzsorte) und 154,9 ct/l für Diesel nicht unterschreiten.

    Bitte beachten Sie die Reaktionszeiten unten:

    Diese gelten für Stationen mit 24-Stundenbetrieb. Sofern Ihre Station nicht durchgehend geöffnet ist, reagieren wir erst ab 7 Uhr morgen früh.

    Bitte achten Sie darauf, dass die Preiserhöhung zum oben angegebenen Zeitpunkt bei Ihnen eingestellt wird. Ist die Erhöhung spätestens 30 Minuten nach dem oben vorgesehenen Umstellungszeitpunkt nicht erfolgt, stellen Sie bitte die erhöhten Preise manuell ein. Bei Unklarheiten fragen Sie bitte unbedingt in der Abteilung Pricing nach. Falls Sie die Abteilung telefonisch nicht erreichen können, senden Sie bitte über ROSIPlus oder Ihr Mailsystem eine entsprechende Nachricht an xxxxx@aral.com oder schicken Sie uns ein Fax an die Faxnummer 069 xxxxxxxx

    Stellen Sie bitte keine anderen als die vorgesehenen Preise ein.

    Bitte achten Sie auch auf die folgenden Reaktionszeiten auf nicht erhöhte Wettbewerber nach einer Erhöhung durch Aral:

    Prüfung nichterhöhte Marken (Shell, Esso, Total, OMV etc.): heute nach 22:00 Uhr

    Prüfung nichterhöhte Jet, HEM, GO, STAR, BFT etc.: heute nach 23:00 Uhr

    Prüfung nichterhöhte Freie: morgen nach 8:30 Uhr

    Prüfung nicht erhöhte Märkte: morgen nach 09:30 Uhr

    Melden Sie Preise bitte nur, wenn sich nach der Erhöhung des jeweiligen Wettbewerbers noch eine Preisdifferenz gegenüber Ihrem Preis ergibt bzw. der Wettbewerb nicht binnen der o. g. Zeiten erhöht hat.

    Wichtiger Hinweis: Der Inhalt dieses Schreibens ist streng vertraulich zu behandeln. Jede Weitergabe dieser Informationen an Dritte ist untersagt.

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