Belange

7. Februar 2012

Die an der Vermarktung ihrer Flächen interessierten Wachendorfer Landwirte versuchen weiterhin, im Landschaftsschutzgebiet Emstal den Bau von Windkraftanlagen durchzusetzen. Die versprechen ihnen einen höchstmöglichen Verdienst. Die Rede ist gar von 20.000 Euro und mehr pro Windrad und pro Jahr (!). Das Probem ist die 30 Jahre alte Landschaftsschutzverordnung, an der zuletzt der Lingener Golfclub Emstal knabberte, um 40 Parkplätze anzulegen, wird im Herbst ein 80 – 100jähriger Stieleichen_Wald abgeholzt. Ihn hatte man -Hirschkäfer hin oder her- aus dem Landschaftsschutzgebiet hinausgetrennt. Die Landschaftsschutzverordnung Emstal beiseite drücken  wollen auch die Wachendorfer. Ein Naturschützer sagte dazu vor ein paar Tagen zu seinen Gesprächspartnern der Lingener Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“, dies sei – gelänge das Vorhaben- „eine Katastrophe“. Und andernorts geschieht ähnliches und macht den politischen Umweltschützern von Bündnis’90/Die Grünen bisweilen richtige Probleme. In Oldenburg beispielsweise. Das berichtet jetzt die taz und schreibt:

Als Grünen-Politiker hat man es manchmal wirklich nicht leicht: Windkraftanlagen sind gut, Baumaßnahmen in einem Landschaftsschutzgebiet eher böse. Und wenn beides zusammenkommt, gibt es Gewissenskonflikte. Die bekommen Oldenburger Grüne derzeit zu spüren: Sie kündigten an, die Errichtung eines Windparks auf dem Stadtgebiet vorerst auf Eis legen zu wollen – und ernten dafür Unverständnis, Spott und Häme. „Grüne drehen Windräder zurück„, schreibt die örtliche Nordwest-Zeitung. Seit 2009 plant die selbsternannte „Übermorgenstadt“ Oldenburg die Errichtung von vier, möglicherweise auch fünf Windkraftanlagen auf einer der wenigen freien Flächen auf städtischem Gebiet, den sogenannten Bornhorster Wiesen, direkt an der A 29 gelegen. Ein Gutachten hatte dieses Areal, auf dem Kiebitze, Fledermäuse und Blessgänse leben, als das am besten geeignete ausgewiesen – allerdings müsste für den Bau der Landschaftsschutz teilweise aufgehoben werden. Im Vorjahr hat der Rat ein entsprechendes Verfahren auf den Weg gebracht. Mit Unterstützung der Grünen. Schließlich habe es sich bei dem gewählten Standort um den „am wenigsten schädlichen“ gehandelt, sagt …

Fortsetzung auf der Seite der taz

13 Antworten zu “Belange”

  1. Buggy said

    „Als Grünen Politiker hat man es auch nicht leicht….“

    Einerseits stellt man sich als Ökopartei dar und führt ein EEG ein, dass die regenerativen Energien stark fördert, „erntet“ dann den politischen Erfolg- aber gleichzeitig werden die Landwirte, die sich zu Energiewirten entwickelt haben, vor Ort diffamiert, weil sie gierige Menschen sind und die Biogasanlagen mit Mais füttern.

    Ähnlich die Situation mit dem Wind. Auch die durch den Atomausstieg notwendigen neuen Stromtrassen geht es ähnlich zu: Alle wollen neue Trassen, die Zustimmung ist um so höher, je weiter die Leute entfernt wohnen. Dann ist es mMn auch legitim, dass ein Grundbesitzer (oft Landwirt) auch angemessen entschädigt wird. Aber diese werden dann auch wieder gerne beschimpft und abgestempelt….

    Ich nehme das den Umweltpolitikern sehr übel, dass sie sich nicht mal an die Seite der Landwirte stellen können.

    • Das wundert mich jetzt schon. Ich will nicht groß den grünen Bauern Graefe zu Baringdorf und andere erwähnen, um die gute Beziehung der Grünen zu den Landwirten zu unterstreichen. Allerdings reden wir über Landwirte und bäuerliche Familienbetriebe, nicht über Agrarfabriken und GmbH&Co KGs. Oder wogegen hat sich Landwirt Buggy letztes Jahr in Freren-Bardel gewehrt?

      Umsteuern, ökologisch verträglich und nachhaltig, aber nicht mit hauruck und ichichich und alles und immer und mehr…. Das ist notwendig. Vielleicht können wir uns darauf verständigen.

  2. Buggy said

    da liegen wir auch nicht weit auseinander!

    Nur was mich nervt, ist diese gespaltene Zunge: einerseits regenerative Energien fordern und fördern und andererseits die daraus resultierenden Konsequenzen der Landwirtschaft vorwerfen.

    Zum Thema Biogasanlagen:

    Diese machen einzelbetrieblich durchaus Sinn, sind aber insgesamt für unsere Region kein Segen.
    Deshalb fordert das Landvolk im Emsland nur „kleine“ 500 kW Anlagen zu genehmigen und von allen größeren Anlagen Abstand zu nehmen.
    In Freren soll ja eine 4 – 5 MW (also 10x so groß) entstehen. Sie SOLL nur mit Abfällen gefahren werden und die Gärreste so weit aufbereitet werden, dass zum Schluss nur noch Wasser herauskommt. Eine solche Anlage gibt es bisher nirgends. Wir Landwirte haben allergrößte Zweifel, dass dieses Konzept aufgeht und haben zudem große Zweifel an der Redlichkeit des Investors. Daher haben wir uns auch gegen dieses Pilotprojekt gewehrt und werden es auch weiter kritisch verfolgen.

    zu den guten Beziehungen der Grünen zu den Landwirten:

    auch Ostendorff (http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ostendorff) ist Bauer. Aber fragen sie mal hiesige Landwirte über ihre Meinung zu den Grünen… da haben alle noch die Amtszeit von Künast vor Augen…
    Mit Friedrich Ostendorff kann man inoffiziell sicherlich gut und sachlich diskutieren, aber gerade von landwirtschaftsfernen Politikern wird mir die normale Landwirtschaft zu sehr skandalisiert und die Öko-Landwirtschaft glorifiziert.

    Sehr viele konventionell wirtschaftende Landwirte haben große Angst vor Rot-Grün oder Schwarz-Grün nach der nächsten Bundestagswahl. Nachdem die FDP nur noch homöopathische Umfragewerte erreicht wird auf eine große Koalition gesetzt.

    Schon jetzt steigen viel zu viele Betriebe aus (vor allem Sauenhalter) weil sie anstehende Investitionen für den Tierschutz nicht mehr leisten können. So kommen jedes Jahr mehr und mehr Ferkel aus Holland und Dänemark nach Deutschland. Was da jetzt abgeht, hat nichts mehr mit dem normalen Strukturwandel (der Betrieb hat keinen Hofnachfolger und scheidet deshalb aus) zu tun- Landwirte im besten Alter müssen aussteigen, das tut mir richtig weh (ich kenne viele dieser Vollblutlandwirte). Und die Welle mit immer wieder neuen Vorgaben für die Landwirtschaft beginnt erst richtig an zu rollen. Nur die wirklich großen Betriebe werden da weiter marschieren, die mittleren und kleinen Betriebe werden verstärkt aufgeben.

    Deutsche Alleingänge machen hiesige und gesunde Strukturen kaputt! Beispiel: Legehennenhaltung. Nach dem Verbot der Käfighaltung ist der Selbstversorgungsgrad in Deutschland unter 50% gerutscht. Viele Käfige wurden hier abmontiert und irgendwo weiter im Osten aufgestellt, ein Huhn mehr hineingestopft und die Eier wieder nach Deutschland eingeführt. Was hat es gebracht? Wenig. In Deutschland haben wir seitdem starke Zuwächse bei Bodenhaltung und Freilandhaltung, aber selbst diese Ställe stoßen auf Kritik. Es handele sich bei einem 40000er Legehennenstall mit 16 ha großen Auslauf schließlich auch um die sogenannte böse Massentierhaltung.

  3. @buggy
    Ganz kurz von unterwegs in der Mittagspause

    Biogasanlagen – richtig! Einzelbetrieblich machen sie Sinn. Aber welche Anlage der letzten Jahre ist das schon: Einzelbetrieblich?

    Künast – Es gibt gegen die Politik von Renate Künast keine Alternative. Dass Landwirte aussteigen, hat etwas mit der nicht-landwirtschaftlichen Konkurrenz und dem durch sie und die großvermarktung durch Lidl, aldi, Metro und Co. zu tun.

    Alleingänge – Es ist trotzdem richtig, gegen den Größenwahn zu sein und auf Nachhaltigkeit zu setzen.

  4. Tiger, T. said

    Mal zur Geschäftsordung:

    Ich würde diesem Kommentar von R.K gern uneingeschränkt zustimmen,
    finde es aber doof, zu schreiben, dass ich diesem Kommentar uneingeschränkt zustimme.

    Daher:
    Ich möchte die „Däumchen“ zurück!

    Meiner Erinnerung nach war doch nur die Torten-Testerin dagegen oder ?
    Die paar Troll-Klicks waren doch eher lustig, hat doch jeder schnell geschnallt.

  5. kib said

    Herr Tiger, Sie irren: Frau Adam war das „Däumlein an der Waage bzw. der Daumen, der das Fass…“… völlig schnurz, denn Frau Adam war völlig im Recht bzw. ich diesbezüglich auf ihrer Seite (wenn inhaltlich identische Aussagen völlig konträr bewertet werden, darf man das Bewertungssystem in Frage stellen: Selbst, wenn der Anlass „blaue Schafe“ im nördlichen EL sind 🙂

    Mangels virtueller Daumen (mit eigenen bin ich sehr eigen) bekämen sowohl Buggy als auch Robert einen dicken „Hoch“ Daumen von mir: Ein aufschlussreicher Blog- Dialog….

    • Plötzlich und unerwartet lese ich hier meinen Namen? Mir waren die Daumen im Generellen ehrlich gestanden egal. Lediglich war ich verwundert-amüsiert, dass ich zu einem relativ harmlosen Kommentar 18 Daumen nach unten bekam und fragte mich, wer sich an so einem Blödsinn derart vergnügen kann.
      Nachgelesen: Herr Tiger schrieb, die Daumen seien „endlich“ weg. Und kib schrieb, die Daumen seien „überbewertet“. Nur um das nochmal klarzustellen. Ich hatte lediglich damit gerechnet, gegen Ende 100 Daumen nach unten bekommen zu haben. 😉 Von mir aus können die Daumen wieder eingeführt werden.

      Spaß beiseite, wenn ich hier schon unfreiwillig in diese Diskussion einbezogen werde, möchte ich Buggy einmal ausdrücklich zustimmen:
      Der Verbraucher muß endlich lernen, dass ER (bzw. SIE) die Verantwortung trägt. Es ist korrekt: Nicht der böse Landwirt ist zu verurteilen, sondern derjenige, der die „billigen“ Dinge kauft. Ich stimme auch voll zu: Eine Heuchelei ist es, Strom aus alternativen Energien zu fordern und sich gegen die dazu notwendige Infrastruktur zu wehren. Dem ist nichts hinzuzufügen.

      A pro pos Tortentesterin: Die komplette Tortenliste findet sich jetzt hier: http://www.waslosinlingen.de/blog/category/chrissiskolumne/tortenliste/ Und hiermit wende ich mich wieder den angenehmen Dingen des Lebens zu. Daumen hoch!

  6. kib said

    davon unberührt mag ich Tiger, Ts Humor auch sehr gern 🙂
    er (sie) hat wenigstens welchen…:)

  7. BMG said

    Einspruch!
    Fast alle Biogasanlagen in unserer Region sind als einzelbetriebliche Anlagen errichtet worden. Auch Anlagen mit ausgelagerten Blockheizkraftwerken machen Sinn. Diese müssen da stehen, wo auch eine Wärmeabnahme gegeben ist. Problem bei den Biogasanlagen in unserer Region ist natürlich die Konkurrenzsituation zu den Veredlungsbetrieben, insofern passen Anlagen eher in Ackerbauregionen.
    Inwieweit der verstärkte Ausstieg von Landwirten etwas mit der nichtlandwirtschaftlichen Konkurrenz zu tun hat, erschließt sich mir nicht. buggy’s Argumentation dazu ist schlüssig und nachvollziehbar.
    Beim Tierschutz sind wir deutlich weiter als viele andere EU-Staaten. Hier suggeriert der Begriff „Massentierhaltung“ eine rückwärtsgewandte Entwicklung, die nicht der Realität entspricht.

  8. kib said

    @BMG: Stattgegeben 🙂 – Sie drolliger Mensch: Salesch oder Hold ? http://www.youtube.com/watch?v=UCZmJSf_DIc

    Ich bin mitunter sehr träge im Denken bzw. hinke noch arg nach – was das Thema „Wideraufforsten* in Altenlingen betrifft: Sie helfen mir aber vermutlich auf die Sprünge…, oder?

  9. Daddeldu said

    Der Daumen muss wieder her, damit einigen Schwaflern in solch einem Blog der 👎 gezeigt werden kann,,,,
    Ernsthaft, Robert, denk drüber nach!!!

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