Superbowl

6. Februar 2012

Für alle, die sich im Lingener Qurt gerade die Nacht wegen des Superbowl um die Ohrenschlagen und doch nicht die US-Werbung sehen können. Hier der Volkswagen-Clip und ein guts Nächtle für Euch, die New England Patriots und die New York Giants…

Kälte

6. Februar 2012

In Hannover regiert weiterhin die Kälte. Erneut müssen nämlich Menschenrechtler Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) warnen. Dieses Mal vor bevor stehenden Abschiebungen in das winterliche Kosovo. „Wer jetzt in das Kosovo deportiert, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Menschen in Not sehenden Auges in den Tod zu schicken“, sagte der Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Tilman Zülch, am Samstag in Göttingen. Nach seinen Angaben sollen morgen drei Romafamilien mit kleinen Kindern aus Niedersachsen in das Kosovo abschoben werden. Ausländerbehörden  planen dann eine Sammelabschiebung von Roma vom Flughafen Düsseldorf aus.

Eisige Kälte bis zu 28 Grad unter Null mache das Leben der Roma-Minderheit im Kosovo vollends unerträglich, sagte Dzafer Buzoli, GfbV-Vertreter im Kosovo. Viele Roma müssten in Hütten aus Plastik und Brettern leben. Strom werde, wenn überhaupt vorhanden, rationiert. Die meisten Romafamilien hätten keine Isolierung in den Häusern, das fließende Wasser sei eingefroren. „Trinkwasser gibt es nur im Supermarkt zu kaufen, wofür die verarmten Familien kein Geld haben“, sagte Buzoli weiter.

Die meisten Kinder der in den 1990er Jahren oder früher geflüchteten Roma sind „in Deutschland geboren und aufgewachsen“, erklärte Zülch. Sie sprächen Deutsch als Muttersprache. Für ihre Integration hätten sich Lehrer, Sozialarbeiter, Geistliche, christliche Gemeinden, Flüchtlingsräte, Menschenrechtler und viele andere Bürger engagiert. „Unnachsichtig verschleudern viele deutsche Minister und Abgeordnete dieses Kapital, beklagen aber gleichzeitig das kinderlose Land.“

„Es reicht nicht aus, wenn man täglich vergangene Verbrechen beklagt, darunter auch den Völkermord an deutschen und europäischen Sinti und Roma, und dann die Opfer der Romapogrome im Kosovo aus unserem Lande jagt“, fügte Zülch hinzu. Die GfbV fordere deshalb die Innenminister von Bund und Ländern auf, sich eingedenk des Völkermordes an 500.000 Sinti und Roma endlich für eine Kontingentlösung für die noch 8.100 in Deutschland verbliebenen Roma aus dem Kosovo einzusetzen und ihnen ein Bleiberecht zu gewähren.

Übrigens: Einen „sensibleren Umgang mit Flüchtlingen“ versprach Ministerpräsident McAllister auf dem Jahresempfang der hannoverschen Landeskirche am 6. Januar 2012 im Kloster Loccum. Davon ist noch nicht viel zu spüren, im Gegenteil: Die niedersächsische Landesregierung scheint weiterhin auf Humanität und Familienschutz bei Flüchtlingen zu pfeifen. Der niedersächsische Umgang mit Flüchtlingen ist unsensibel, inhuman, unerträglich. Dies zeigt auch diese aktuelle Abschiebung aus Emden.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Baden-Württemberg. Die dort seit dem letzten Mai regierende grün-rote Landesregierung hat die Abschiebungen erst einmal ausgesetzt. Zunächst soll sich  eine Delegation des Petitionsausschusses des Stuttgarter Landtags im Kosovo ein Bild über die Lage der Roma-Minderheit machen. Mit Spannung wird jetzt der Bericht der Abgeordneten erwartet. Er soll in einem Monat vorliegen.

(Foto: Winter am Maschsee in Hannover,  © markunti / flickr CC; Quellen: dpa, Nds Flüchtlingsrat)