Blackmail

3. Februar 2012


Blackmail
Vorprogramm Zen Zebra
Lingen (Ems) – Alter Schlachthof
Freitag, 03.02.2012 – 20 Uhr
Eintritt: 17 €

Wiederaufforsten

3. Februar 2012


Ein kurzer Zwischenruf, weil es da seit gestern diese Presseerklärung der CDU zum Altenlingener Forst gibt und sich medial wieder alles überschlägt:
Die CDU-Ratsmitglieder wollen die übereilt abgeholzten und gerodeten 9 Hektar Waldflächen östlich der Waldstraße schnell los werden und bebauen lassen. Das versuchen sie, in ihrer Presseerklärung zu verschleiern. Zwar schreibt  die Lingener Mehrheitspartei, sie wolle den von ihr rücksichtslos durchgedrückten Bebauungsplan im Altenlingener Forst ändern. Die noch nicht abgeholzten 24 Hektar Waldflächen sollen das bleiben, was sie sind: Wald. Doch schon da muss man zurückdenken: Genau diesen Vorschlag hat sie vor drei Jahren im Rat abgelehnt. Dann präsentierte sie vor einem Jahr ihre Schnapsidee, 2 Kilometer weiter südlich des von ihr zu verantwortenden Kahlschlags Weide- und Ackerflächen  aufzuforsten, die der Stadt nicht gehören und über die die Stadt auch nicht verfügen kann. Über diesen Plan findet sich natürlich nichts in der gestrigen CDU-Erklärung. Auch will die Partei weiterhin eine angebliche „Entlastungsstraße“ quer durch den Altenlingener Forst Richtung alte B 70, wo die CDU schon übereilt und teuer ein renoviertes Haus samt Grundstück kaufen und abreißen ließ. Aber vor allem soll die mit Macht durchgesetzte Abholzung dauerhaft geadelt werden:

Die inzwischen  auch noch gerodeten Flächen, die die ausgesprochen hartnäckige Natur gerade zurück erorbert,  sollen schnell verkauft werden. Das ist die gestrige wahre Botschaft der CDU; man solle, heißt es,  die 9 Hektar „aktiv anbieten“ – die bisherige Gangart der Stadtverwaltung „reicht nicht“ … „wegen der Gewerbesteuer“. Man will also das genaue Gegenteil einer ausgewogenen Lösung. Die „lokale Wirtschaft“, an die die Union die 9 Hektar verkaufen will,  ist übrigens auf dieses Schutzwaldareal nicht angewiesen. Ein Betrieb dort ist angesichts der Empörung in der Bürgerschaft über den Kahlschlag auch eine ausgemacht schlechte Adresse für jedes Unternehmen, das etwas auf sich und sein öffentliches Erscheinungsbild hält. Für moderne Betriebe gibt es auch genügend Flächen an anderer Stelle in Lingen (und im Zweifel in Wietmarschen-Lohne, das sich schon lange ungeniert aus dem Fundus Lingener Firmen bedient und bedienen kann, weil CDU und Verwaltung tatenlos zusehen).

Und bei all diesen Widersprüchlichkeiten gießt die CDU salbungsvolle Sprüche über ihre Vermarktungsaufforderung: Man wolle den Unfrieden überwinden. Mit diesem Politsprech verschweigt die Ratsmehrheit, dass sie den Unfrieden selbst gesät hat. Und dass ihre Vorschläge ihn bloß zementieren. Wenn die CDU ruft: „Es ist Zeit, dass am Altenlingener Forst etwas passiert.“, dann muss das bedeuten: Wiederaufforsten! Nur das überwindet den Unfrieden und ist ausgewogen, Anbieten und Verkauf sind das Gegenteil.

ps Die BürgerNahen, Bündnis’90/Die Grünen und die SPD schlagen übrigens gerade gemeinsam die „Bürgerinitiative pro Altenlingener Forst“ für den städtischen „Umweltpreis 2012“  vor. Mal sehen, ob die CDU-Mehrheit jedenfalls das mitträgt. Aber vielleicht schlägt sich die Ratsmehrheit auch selbst vor. Ganz ausgewogen.