Wortlaut

8. Januar 2012

Für die, die da waren und nachlesen möchten, und für die, die nicht da waren und nachlesen möchten. Der Bürgerempfang begann mit dem A-capella-Gruppe Molto vocale, dann folgte der neue „Imagefilm“ der Stadt, anschließend die rede des Oberbürgermeisters. Hier der Wortlaut der Rede von Lingens OB Dieter Krone (Foto unten) auf dem Neujahrsempfang der Stadt heute Mittag im Saal der Wilhelmshöhe (Logo lks):

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich darf Sie alle herzlich zum Bürgerempfang 2012 begrüßen und Ihnen ein glückliches, friedvolles, erfolgreiches und gutes Jahr 2012 wünschen. Es freut mich sehr, dass so viele von Ihnen der Einladung gefolgt sind und ich hoffe, dass wir bei vielen Gesprächen und guter Musik gemeinsam schwungvoll ins neue Jahr starten können. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei der Gruppe Molto Vocale bedanken. Sie haben uns mit Ihrem Handwerkerlied schon passend eingestimmt und ich freue mich auf die Zugabe.

Bürgerempfang 2012 – das heißt, Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, stehen heute im Mittelpunkt. Doch was bedeutet das eigentlich für Sie, die Sie in Lingen wohnen, leben und arbeiten? Was ist Lingen für Sie?

Dazu haben wir Bürgerinnen und Bürger, Pendler sowie Gäste unserer Stadt in unserem neuen Imagefilm befragt. Dieser Film soll künftig auf Messen oder auch bei besonderen Veranstaltungen gezeigt werden. Ab morgen können Sie ihn auch auf unserer Internetseite und unserem Facebook-Auftritt sehen. Jetzt aber erst einmal viel Vergnügen bei der Premiere von „Lingen – das bist Du“.

Was prägt das Herz unserer Stadt? Das habe ich mich in meiner Vorbereitung zu diesem Tag und auf diese Rede gefragt: Wofür steht unsere Heimatstadt? Was macht Lingen aus – einmal für mich persönlich, aber auch in meinem Amt als Lingener Oberbürgermeister?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die wirtschaftlichen Aspekte zählen, dass es das kulturelle Angebot und die soziale Infrastruktur sind, die den Reiz einer Stadt ausmachen. Doch prägt das alles wirklich das Herz unserer Stadt?

Letztendlich ginge doch jegliche Wirtschaftskraft, jegliches Kultur- und Betreuungsangebot ins Leere, wenn nicht Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, hier leben und arbeiten und wohnen und somit auch unsere Stadt mit Leben füllen würden.

Auch wenn Sie alle vielleicht nicht immer im Fokus der Öffentlichkeit stehen, sondern vielmehr Themen wie die EmslandArena, der Emsauenpark oder auch der Ausbau der Hallen I und II diskutiert werden, so sind es doch in Wirklichkeit Sie alle, um die es am Ende geht!

– Sie sind es, die hier wohnen, arbeiten und die letztendlich – wie in dem Film gerade dargestellt – Ihre Kinder in den Kindertagesstätten gut versorgt wissen.

– Sie sind es, die später einmal in der Emsland-Arena stehen und zu den Liedern von Udo Lindenberg oder Clueso mitrocken oder aber mit der HSG Nordhorn/Lingen um den Sieg im entscheidenden Aufstiegsspiel fiebern.

– Sie sind es, die hier Ihr Geld verdienen und beispielsweise in einem der Lingener Unternehmen unser Land mit Energie versorgen.

– Sie sind es, die etliche Stunden Ihrer Freizeit damit verbringen, sich um andere zu kümmern oder aber im Falle eines Bombenfundes – wie im letzten Jahr – die Betroffenen zu evakuieren und für die Sicherheit in unserer Stadt zu sorgen.

– Und, nicht zu vergessen, Sie sind es, die durch die Straßen unserer Innenstadt flanieren und bei schönem Wetter in eines der vielen, gemütlichen Straßencafes einkehren oder aber durch die Geschäfte ziehen auf der Suche nach den neuesten Trends und der angesagtesten Mode.

Sie sind Lingen, meine Damen und Herren!

Oder anders herum gesagt: „Lingen, das bist Du!“

Jede Stadt und jede Kommune lebt von ihren Bürgern! Das bedeutet einerseits, dass jeder Einzelne von Ihnen gefragt ist, mit zu gestalten und mitzuwirken in unserer Stadt. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass wir als Stadt alles dafür tun müssen, um neue Menschen in unserer Stadt begrüßen zu können.

Drei große Themenkomplexe werden uns meiner Ansicht nach im Jahr 2012 sowohl auf Bundesebene als auch regional hier in Lingen vorrangig beschäftigen. Angesichts der sehr niedrigen Arbeitslosenquote, die aktuell in Lingen nur noch 2,8 Prozent beträgt, wird uns in erster Linie das Thema Fachkräftemangel oder besser Fachkräftebedarf massiv in Anspruch nehmen. Das zweite Thema umfasst den weiten Komplex der Energiewende und der damit verbundenen Neuorientierung auch für Lingen. Und das dritte Thema wird das der aktiven Bürgerbeteiligung in politischen und gesellschaftlichen Prozessen sein.

Lassen Sie mich zunächst auf den Komplex „Fachkräftebedarf“ eingehen:

Der Landkreis Emsland hat zusammen mit der Ems-Achse und dem Wirtschaftsverband in diesen Tagen zum Thema Fachkräftebedarf eine Idee vorgestellt. Unter der Regie des Landkreises landeten über die Weihnachtsfeiertage 120.000 Türanhänger – mit einem aufgedruckten Hirschlogo – in allen Postkästen der Region. Nach dem Motto „Mama und Papa wollen nur Dein Bestes“ wollten die Akteure darauf aufmerksam machen, dass auch das Emsland moderne Jobs bietet und eine attraktive Region ist. Damit sollen sich junge Menschen nach dem Studium oder der Ausbildung wieder zurück ins Emsland orientieren.

Zurück ins Emsland! Bei diesem Appell müssen wir uns natürlich auch in Lingen fragen lassen: Sind wir attraktiv für zukünftige Bürgerinnen und Bürger? Können wir im Wettbewerb mit anderen großen Städten mithalten? Wie sind wir aufgestellt und wo wollen beziehungsweise müssen wir weitere Verbesserungen erreichen?

Werfen wir zunächst gemeinsam einen Blick auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftskraft unserer Stadt. Dass sich der Weg für Studenten und Absolventen zurück in unsere Stadt lohnt, das beweisen die derzeit rund 23.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigen und die zahlreichen attraktiven Arbeitsplätze. Jeder Einzelne von Ihnen allen – sei es die Frau im Steuerberater-büro, der Arbeiter im Heizungsbaubetrieb oder die Altenpflegerin im Seniorenzentrum – Sie alle zusammen verkörpern mit den 3.400 ansässigen Firmen aller Branchen eindrucksvoll die Wirtschaftskraft unserer Stadt. Zu den Unternehmen zählen dabei Ein-Personen-Betriebe, der Mittelstand, aber auch Weltkonzerne. Große familiengeführte Firmen wie Rosen, Müller, Kampmann oder Mainka, aber auch Aktiengesellschaften wie RWE, BP und GDF Suez, um hier nur einige zu nennen. Teilweise gehören die Unternehmen und Firmen zu den Weltmarktführern in ihrer Branche. Für Schulabgänger und Hochschulabsolventen bieten sich somit vielfältige Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt.

Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen bilden in Lingen einen gesunden Branchenmix. Nicht umsonst hat die Wirtschaftskrise hier nicht so stark durchgeschlagen, wie in anderen Regionen.

Besonders ausgeprägt ist bei uns der Bereich Energiewirtschaft. Lingen hat sich durch die gewaltigen, zukunftsträchtigen Investitionen von 750 Millionen Euro in den letzten drei Jahren seitens des RWE-Konzerns zu einem der modernsten und größten Energiestandorte Europas entwickelt. Erst vor wenigen Wochen konnten wir neue Vorschaltgasturbinen in Betrieb nehmen. Insgesamt werden heute über sechs Millionen Haushalte von Lingen aus mit Strom versorgt. Das ermöglicht unter anderem eines der effektivsten und umweltschonendsten Gaskraftwerke der Welt.

Gerade Lingen als „Stadt voller Energie“ muss sich angesichts der anstehenden Energiewende allerdings fragen, wo die Reise hingehen soll. Spätestens 2022 wird das Kernkraftwerk Emsland vom Netz gehen. Indirekt betroffen davon sind zahlreiche weitere Unternehmen und Dienstleister in der Region.

Ein großes Standbein der hiesigen Wirtschaft bricht damit weg. Doch auch wenn dieser Wechsel sicherlich viele Veränderungen und eventuell Einbrüche mit sich bringen wird, so müssen wir ihn gleichzeitig auch als Chance verstehen. In intensiven Gesprächen der letzten Monate mit der RWE-Konzernzentrale sind die gemeinsamen Interessen in die langfristige Sicherung des Standortes Lingen herausgestellt worden. Nur durch nachhaltig angelegte und zukunftsträchtige Investitionen können wir die hoch spezialisierten Fachkräfte halten. Wir haben die Chance und müssen sie aktiv nutzen, um neue Technologien und Unternehmen aus dem Energiesektor nach Lingen zu holen.

Nicht nur vor dem Hintergrund der Energiewende stellt das 21. Jahrhundert eine besondere Herausforderung dar. Auch Partnerschaften und insbesondere Familien wird in unserer heutigen Zeit ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt, das sich auf die gesamte Familie auswirkt. Wenn es um die Wahl des zukünftigen Lebensmittelpunktes geht, spielen insbesondere die weichen Standortfaktoren eine gewichtige Rolle – dabei entscheidet die ganze Familie, wo sie leben möchte.

Auch wenn der Film bewusst eine Arbeitnehmerin gezeigt hat, so bietet die Zahl der derzeit erwerbstätigen Frauen bei uns im Emsland einen eher nüchternen Anblick: Mit nur 37 Prozent liegt das Emsland deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (46 Prozent) und bildet eines der Schlusslichter bundesweit. Keine Kommune, keine Stadt kann es sich heute noch erlauben, auf Frauen in der Arbeitswelt zu verzichten. So hat auch die Industrie- und Handelskammer im letzten Jahr ganz bewusst das Motto „Gemeinsam für Fachkräfte“ gewählt und Strategien zur Bekämpfung des Fachkräftemangels erarbeitet. Ein wesentlicher Punkt: die bessere Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt.

Es ist längst an der Zeit, umzudenken. Das muss einmal in den Köpfen jedes Einzelnen von uns passieren. In den Köpfen der Familie, die es möglich macht, dass sowohl Frau als auch Mann arbeiten geht. Und in den Köpfen der Unternehmer, die das Potenzial der Frauen erkennen und ihnen beispielsweise flexible Arbeitszeit- oder auch Homeoffice-Modelle bieten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dürfen wir nicht außer Acht lassen. Damit meine ich sowohl die Kinderbetreuung als auch die Pflege von Angehörigen, die sicherlich für viele von Ihnen schon heute zum Alltag gehört. Hier müssen die genauen Bedürfnisse des Einzelnen erkannt und entsprechende Möglichkeiten geschaffen werden.

Lingen – das bist eben Du!! Jeder Einzelne ist hier gefragt.

Wir als Stadt, als Rat und Verwaltung, sind aufgefordert, die äußeren Rahmenbedingungen zu schaffen. Lingen bietet fünf Familienzentren, zahlreiche Kita- und Hortplätze und lange Öffnungszeiten von 7 bis teilweise sogar 20 Uhr.

An dieser Stelle möchte ich auch einmal den vielen Erzieherinnen und Erziehern, Kindertagespflegekräften sowie Mitarbeitern in der Kinderbetreuung danken, die diese langen Zeiten möglich machen. Sie alle leisten durch Ihren Einsatz einen wesentlichen Beitrag für die Attraktivität unserer Stadt. Somit können wir eine Betreuungsquote von mittlerweise 36 Prozent für die unter Dreijährigen anbieten. Die Quote für Kinder über drei Jahren liegt sogar bei über 100 Prozent. Insgesamt haben Stadt, Landkreis und die entsprechenden Träger in den letzten fünf Jahren über 6,5 Millionen Euro in die Kitas investiert. Schon in diesem Jahr werden wir in sechs weiteren Kindertagesstätten Erweiterungen planen beziehungsweise umsetzen. Auch dafür sind derzeit 2,9 Millionen Euro insgesamt vorgesehen.

Eine zuverlässige Betreuung für die Kleinsten ist das eine – ein gutes Bildungsangebot für die heranwachsenden Kinder das andere. Auch hinsichtlich dieses Aspektes braucht Lingen keinen Vergleich zu scheuen. Unsere Stadt hält ein vielschichtiges Bildungsangebot vor, das alle Merkmale eines Oberzentrums abdeckt. So bieten alle städtischen Grundschulen sowie die Haupt- und Realschulen ein Ganztagesangebot. Es gibt Förderschulen, eine Gesamtschule, Gymnasien in privater und staatlicher Trägerschaft, Berufsfachschulen und Berufsgymnasien.

Zudem wirft ein großes Ereignis bereits seine Schatten voraus: Im Herbst werden wir an der Kaiserstraße endlich die Eröffnung des neuen Campus-Geländes der Hochschule Osnabrück feiern können. Mehr als 31 Millionen Euro kostet der neue Campus, der sicherlich zu einem der schönsten des Landes werden wird und den Hochschulstandort Lingen endlich zu einer „richtigen“ Studentenstadt macht! Dazu gehören selbstverständlich auch Studentenwohnheime. Im vergangenen Jahr konnten wir die ersten Wohnheime direkt gegenüber dem neuen Campus-Gelände einweihen – und die Studenten haben „ihre“ neuen Wohnungen mittlerweile nicht einfach nur bezogen, sondern mit „Legoland“ bereits liebevoll getauft. Ein Zeichen, dass sich die Studenten bei uns in Lingen wohlfühlen.

Damit das so bleibt und sich auch künftig die „NeuLinge“ schnell bei uns einleben und nach dem Studium hier bleiben, sind wir alle gefordert! In diesem Bereich beschreitet beispielsweise das Regionetzwerk der Hochschule neue Wege, die Studierenden an die Unternehmen vor Ort zu vermitteln. Wir haben die Kapazitäten hier, nutzen wir sie also auch! Und auch die häufig – so auch im Film – geforderte Mensa, wird spätestens 2013 kommen. Schließlich sollen die Studierenden vor Ort wohnen und leben können!

Für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft spielt das Qualifikationsprofil der Arbeitnehmer eine entscheidende Rolle. Die Unternehmen sind nur so erfolgreich wie ihre Mitarbeiter gut ausgebildet sind. Insofern sind die Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung weitere wichtige zentrale Standortfaktoren. Mit dem ersten Lingener Bildungsgipfel haben wir im Dezember den Auftakt zu einer Reihe weiterer Bildungsgipfel gesetzt. Die große Resonanz hat gezeigt, dass der Bedarf an Gesprächen und gemeinsamen Konzepten zwischen Bildungseinrichtungen einerseits und der Wirtschaft andererseits vorhanden ist. Auch künftig wollen wir damit den Rahmen und den Anfang für weitere Gespräche, „Lernpartnerschaften“ und Kooperationen bieten. So soll als nächstes der Übergang vom Gymnasium an die Hochschule oder auch in die Arbeitswelt beleuchtet werden.

Unter dem Stichwort „lebenslanges Lernen“ hält Lingen vielfältige Formen der Erwachsenenbildung vor, dazu zählt zum einen das Programm der Volkshochschule. Aber auch das Ludwig-Windhorst-Haus fügt sich in dieses Angebot ein. Bereits im März wird das Haus seine umfangreichen Neubaumaßnahmen – unter erheblicher finanzieller Beteiligung der Stadt – mit einer Festwoche abschließen.

Unsere zukünftigen Bürgerinnen und Bürger können in Lingen also arbeiten und lernen. Doch womit können wir Fachkräfte noch überzeugen? Ich bin der Meinung, auch in Punkto „Wohnen“ ist ein gutes Angebot wichtig – und das nicht nur für die Fachkräfte!

Wir halten in der Stadt für jeden Geldbeutel erschwingliche Grundstücke und auch Mietwohnungen bereit. Unterschiedliche Ansprüche vom Leben im Grünen und trotzdem zentrumsnah werden im neuen Emsauenpark bedient. Durch die optimale Lage, circa 1.000 Meter Luftlinie vom Marktplatz entfernt, können Familien, die ihren Arbeitsplatz im Stadtgebiet haben, möglicherweise auf das zweite Auto verzichten. Ein riesiger, rund 13 Hektar großer Stadt- und Bürgerpark, direkt an der Emsaue gelegen, soll zukünftig Ausflugs- und Erholungsziel innerhalb der Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger sein.

Wohnmöglichkeiten stehen in naher Zukunft zudem auf dem Gelände des Alten Hafens zur Verfügung. Die Planungen für dieses Areal haben wir letztes Jahr erstmals vorgestellt und das Projekt geht weiter voran. Doch egal, ob im Emsauenpark, im Alten Hafen oder in den Ortsteilen: Alle Angebote bieten den Reiz städtischen Wohnens im Grünen und stimmen optimistisch. Und trotzdem:

Die Einwohnerzahl Lingens ist von 2008 bis 2010 um fast 1.000 Bürgerinnen und Bürger gesunken. Erst im letzten Jahr blieb der Wert bei 55.500 Einwohnern stabil. Wir müssen, um diese Zahl zu halten und noch zu steigern, weitere Anstrengungen unternehmen, ausreichend Baugrundstücke und Wohnungen vorzuhalten! Die Nachfrage ist momentan sehr groß und das ist auch gut so. „Wohnen“ muss dabei aber nicht immer zwangsläufig das Eigenheim mit Garten bedeuten. Gerade angesichts des demografischen Wandels sollten wir über Konzepte zu neuen Wohnformen und Nachverdichtungen in bestehenden Wohnlagen nachdenken. Konkret geht es darum, wie man durch die Änderung bestehender oder die Aufstellung erstmaliger Bebauungspläne die Ausnutzbarkeit der Grundstücke verträglich erhöhen kann. Beispielsweise dadurch, dass nach Grundstücksteilung eine weitere rückwärtige Bebauungsmöglichkeit entsteht oder durch einen Neubau mit mehr Wohnfläche ersetzt werden kann.

Bereits im Februar werden wir Bauherrenseminare anbieten, in denen in Kooperation mit Experten der Architektenkammer alle Fragen rund ums Bauen für Interessierte fachkundig und neutral beantwortet werden. Sie sehen, wir wollen auch hier neue Wege gehen – für jeden soll der individuelle und passende Wohnraum dabei sein. Erst mit den Menschen erhalten unsere Kindergärten, unsere Schulen, unsere Vereine ihre Daseinsberechtigung.

Arbeit, Bildung, Wohnen – drei Schlagworte, die die Attraktivität einer Stadt wie Lingen beschreiben beziehungsweise ausmachen. Nicht außer Acht lassen dürfen wir jedoch auch die Gesundheit. Was nützten mir das schönste Haus, die beste Bildung und ein guter Job, wenn ich keine ausreichende medizinische Versorgung vor Ort habe?

Auch das Gesundheitswesen in Lingen ist gegenüber anderen Regionen überdurchschnittlich gut aufgestellt. Was viele gar nicht wissen: Nach Branchen gegliedert nimmt der Bereich Gesundheit und Sozialwesen mit knapp 3.000 Arbeitsplätzen den ersten Rang ein. Allein in den letzten vier Jahren sind fast 600 Arbeitsplätze in diesem Sektor neu geschaffen worden. Wir punkten also nicht nur im Energie-, sondern auch im Gesundheitsbereich!

Neben erstklassigen Arbeitsmöglichkeiten bietet Lingen eine Rund-um-Versorgung für das gesamte Emsland: Das St. Bonifatius-Hospital wird derzeit modernisiert und komplett umgebaut. Erst kürzlich eröffnete das Krankenhaus den hochmodernen, emslandweit einzigartigen Hybrid-OP für Gefäßchirurgie – die Fachärzte zählen zu den besten Deutschlands. Weitere prämierte Fachärzte arbeiten im „Boni“ und gewährleisten so eine optimale Versorgung der Patienten und damit unserer gesamten Region.

Die Hedonklinik mit ihrem Rehazentrum steht für zukunftsweisende Konzepte in Medizin und Pflege und ist weit über die Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Das Ärztehaus Medicus-Wesken bündelt sämtliche Leistungen unter einem Dach und bietet so kurze Wege für Ihre Versorgung. Darüber hinaus setzen sich das Genial-Netzwerk sowie zahlreiche Arztpraxen, Pflege- und Seniorenzentren Tag für Tag für unsere Gesundheit ein.

Neben einer guten Versorgung spielt auch die Gesundheitsvorsorge eine große Rolle. Eine gesunde Seele wohnt in einem gesunden Körper heißt es in einem Sprichwort. Und dazu gehören nun einmal auch Bewegung und Sport. Rund 85 Vereine laden in Lingen zu sportlicher Betätigung ein – vom Breitensport bis hin zur Individualsportart. Viele, gut erreichbare Sportplätze und Sporthallen in den Orts- und Stadtteilen warten auf die Fußballer, Volleyballer oder Leichtathleten. Zusätzlich bieten Fitnessstudios die Möglichkeit zum Training und zum Ausgleich von Schule und Beruf. Nicht zu vergessen sind das Linus Freizeitbad und der neue 6.000 Quadratmeter große Sauna- und Wellnesspark!

All diese Sport- und Entspannungsmöglichkeiten können ausschlaggebend bei der Wahl des künftigen Wohnortes sein! Neben dem Sportangebot ist dabei auch das kulturelle Angebot von Interesse.

„Die ganze Stadt eine Bühne“ – heißt es so treffend in einer unserer Broschüren. Die vielen verschiedenen Spielorte und Events verleihen unserer Stadt ein ganz besonders Flair. Neben dem Theater und der Kunsthalle bietet auch das TPZ ein vielfältiges kulturelles Angebot.

Das Abifestival sorgte mit über 12.000 Besuchern für ein „volles Haus“ und überregionale Aufmerksamkeit. Das von Schülern alljährlich organisierte größte Festival seiner Art zeigt, welch unglaubliches Potenzial unsere Stadt birgt. Wir ziehen aber aus den Erfahrungen des letzten Jahres auch die Konsequenz, ein neues Sicherheitskonzept zusammen mit den Veranstaltern, der Verwaltung und den Hilfsorganisationen auf den Weg zu bringen.

Sie sehen, in Punkto Kreativität können wir durchaus mit den „Großen“ mithalten. Sogar die Strickguerilla und die Liebesschlösser sind mittlerweile aus Düsseldorf und Köln zu uns herübergeschwappt. Es freut mich, dass sich einige berufen fühlten, unsere Stadt in ganz praktischer Art und Weise mit zu gestalten und einfach mal die Bäume zu umstricken – wer sich ein eigenes Bild machen möchte, kann dies in der Kivelingsstraße tun.

Lingen – das bist eben Du!

Das beweisen die zahlreichen, ehrenamtlich tätigen Lingenerinnen und Lingener in den verschiedensten Vereinen, Verbänden und Organisationen immer wieder aufs Neue. Etwa die Kivelinge, die uns über die Pfingsttage mit ihrem mittelalterlichen Spectaculum ein großartiges Fest und viele unvergessliche Momente beschert haben.

Oder die Feuerwehr, die während des Brandes in der Raffinerie so beherzt zur Tat schritt. Am Tag des Ehrenamtes konnten sich alle Ehrenamtlichen auf dem Marktplatz der Stadt präsentieren. Auch wenn dieser Sommertag leider vor allem durch sehr viel Regen geprägt war, war es doch ein voller Erfolg für alle Anwesenden und Ausgezeichneten.

Als großen Gewinn möchte ich die Spendenaktionen der Stadt Lingen zugunsten von Japan und für Ostafrika hervorheben. Sie alle haben mit jedem einzelnen Cent Ihre Solidarität für die Menschen in dem Katastrophen- und Hungergebiet deutlich gemacht. Wie heißt es so schön, jeder Cent zählt und das war bei diesen Aktionen besonders deutlich. Immerhin konnten wir so über 118.000 Euro für den Neubau des Kinderheims der Thuiner Franziskanerinnen in Japan bereit stellen. Erst vor wenigen Tagen hat mir eine Schwester der Franziskanerinnen geschrieben – ich darf ihren herzlichen Dank an Sie weitergeben!

Sport, Kultur, Ehrenamt – und Shopping! Den Status Lingens als Einkaufsstadt möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen! Sogar aus den benachbarten Niederlanden kommen viele Menschen in unsere Stadt, um ihrer Leidenschaft zu frönen – wie auch der Film gezeigt hat. Kein Wunder: Die Lookentor-Passage als Einkaufsmall in Ergänzung mit den vielen inhabergeführten Geschäften, die die Stadt beleben, lockt nach wie vor viele Besucher in unsere Stadt. Und unsere Verkäuferinnen und Verkäufer sind es, die die langen Öffnungszeiten bis teilweise 24 Uhr oder auch am Sonntag möglich machen. Auch dafür mein herzlichster Dank! Mit der Sanierung der Marienstraße werden wir in diesem Jahr übrigens einen weiteren Akzent setzen und das Bild unserer Innenstadt weiter verschönern.

Sie sehen, meine Damen und Herren, Lingen ist in vielerlei Hinsicht äußerst attraktiv aufgestellt und hat für seine derzeitigen und zukünftigen Bürgerinnen und Bürger schon heute einiges zu bieten! Werben Sie – in Anlehnung an die Hirsch-Kampagne – in ihrem persönlichen Umfeld für Lingen. Dann wird das Gespenst „Fachkräftemangel“ einiges von seinem Schrecken verlieren.

Auch die Energiewende wird uns in diesem Jahr begleiten. In den kommenden Monaten, meine sehr verehrten Damen und Herren, wollen wir uns neu ausrichten!  Wir wollen anfangen, ökologisch neue Wege in Lingen zu beschreiten. Die Bundesregierung hat die Ziele vorgegeben. Gemeinsam mit Rat und Verwaltung werden wir diesen Wandel aktiv mit gestalten. Windkraft, Photovoltaik, ÖPNV und E-Mobilität heißen die Stichworte.

In Bezug auf Elektromobilität hat die Bundesregierung kürzlich einen Nationalen Entwicklungsplan veröffentlicht. Bis zum Jahr 2020 sollen demnach eine Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Experten sind sich einig, dass eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz der Fahrzeuge die Verfügbarkeit von Ladestationen ist. Eine Elektro-Mobilitätsstation für E-Fahrräder, E-Roller und E-Autos verbunden mit einem Car-Sharing-System ist ein erster Schritt in eine CO2-einsparende und umweltfreundliche Zukunft. Noch in diesem Jahr wollen wir eine solche Servicestation in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes einrichten.

Windenergie heißt das zweite Stichwort. Zur Förderung dieser regenerativen Energie ist das Stadtgebiet in einer ersten Untersuchung anhand festgelegter Kriterien analysiert worden. Sechs Potenzialflächen sind auf diese Weise ermittelt worden. Jetzt muss in einer zweiten Untersuchung eine Feinanalyse erfolgen. In den nächsten Monaten sollten wir die Ergebnisse vorliegen haben, um dann aktiv die Ansiedlung von Windkraftanlagen vorantreiben zu können.

Wenn es um erneuerbare Energien geht, dann sprechen wir immer auch von der Kraft der Sonne und damit Photovoltaik-Anlagen. Die Aufstellung solcher Anlagen auf Dächern von städtischen Gebäuden wird derzeit intensiv geprüft und seitens der Verwaltung mit großem Interesse voran getrieben. In diesem Jahr überlegen wir zudem, inwiefern auch Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger – hier beispielsweise per Genossenschaftsmodell – beteiligt werden können.

Darüber hinaus möchten wir das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs weiter verbessern. Der Lili-Bus, die Abkürzung steht für Linie für Lingen, ist mittlerweile fester Bestandteil des Stadtbildes. Die kleinen, bunten Busse sind gar nicht mehr wegzudenken. Die Nutzerzahlen sind – allen Prognosen zum Trotz – höchst erfreulich auf mittlerweile über 4.500 Fahrgäste rasant gestiegen – Tendenz weiter steigend. Um die Auslastung der beiden Projektlinien nach Brögbern und in den Gauerbach weiterhin zu verbessern, werden in den nächsten Wochen zusätzliche Haltestellen und angepasste Fahrtzeiten eingerichtet.

Aber auch hier sind Sie gefragt, liebe Bürgerinnen und Bürger: Lingen, das bist Du! Rücken Sie von Ihren alten Gewohnheiten ab, nutzen Sie dieses umweltfreundliche Angebot. Lassen Sie das Auto häufiger zuhause stehen und sparen Sie damit bares Geld – pro Fahrt zahlen Sie übrigens nur einen Euro! Letztendlich profitieren alle: Sie, die Umwelt und unsere Stadt.

Sie sehen, es werden vielfältige Anstrengungen unternommen, Lingen nicht nur attraktiv für Sie, sondern auch für potenzielle Neubürger zu halten und weiter auszubauen. Bei all den berechtigten Anstrengungen müssen wir aber stets unsere Finanzen im Blick behalten. Dies gilt besonders bei der Ausgabenseite. Gerade bezogen auf den demografischen Wandel ist es unumgänglich, liebgewonnene Standards kritisch zu überdenken und nachhaltig zu konzipieren. Wir alle, der Rat, die Verwaltung und auch Sie, die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, wir alle müssen uns an dem finanziell Machbaren orientieren. Es gilt, an die solide Finanzpolitik der letzten Jahre anzuknüpfen.

Die kommenden Jahre stellen uns alle vor besondere Herausforderungen. Zum Schluss meiner Rede darf ich Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, deshalb herzlich einladen, sich zusammen mit dem Rat und der Verwaltung, am neuen Strategieprozess „Zukunftsstadt Lingen“ aktiv zu beteiligen und mitzuwirken. In einem bewusst offen angelegten Prozess gilt es, gemeinsam die Zukunft unserer Stadt und damit unsere persönliche Zukunft zu planen und zu gestalten.

Wie soll das Gesicht der Stadt in zehn bis fünfzehn Jahren aussehen? Wo wollen wir zukünftig strategisch stehen? Wie wollen wir beispielsweise mit Themen wie Wohnen und Infrastruktur umgehen? Wie sollen unsere Orts- und auch Stadtteile aussehen? Welche Rolle spielen Themen wie Ökologie und nachhaltige Umweltplanung? Welche strukturellen Veränderungen müssen angesichts des demografischen Wandels für Senioren vorgenommen werden? Wie wollen wir mit dem Thema Mobilität umgehen?

Auf diese und weitere gesellschaftliche Fragen wollen wir gemeinsam nach Antworten und Lösungen suchen. Alle Zukunftsvisionen für eine nachhaltige Stadtentwicklung in den nächsten 15 Jahren sind in einem kommunikativen Prozess und unter Einbindung von Politik, Verwaltung, Experten und Bürgern zu erörtern.

Was ist das Herz unserer Stadt, habe ich eingangs gefragt. Lingen hat 55.500 Einwohnerinnen und Einwohner. Jeder Einzelne leistet seinen Beitrag und prägt damit das Gesicht unserer Stadt. Meine klare Antwort lautet: Sie sind das Herz!

Lingen – das bist Du!“

Stadtfahrt I

8. Januar 2012

1985 quer durch Lingen (Ems). Teil I. Hochgeladen von .