Eemskanaal

6. Januar 2012

800 Anwohner des Eemskanaals im niederländischen Friesland können noch nicht nach Hause. Die Deiche der Wasserstraße  sind weiterhin instabil.  Nach tagelangem Regen waren die Anwohner von vier Dörfern am frühen Freitagmorgen vorsorglich  evakutiert worden. Die Uferbefestigung des Eemskanals drohte infolge übermäßiger Belastung durch Wind und tangelangem Regen nachzugeben. Das Abpumpen des Wassers in die Nordsee war durch die Sturmtiefs Ulli und Andrea behindert worden. Tagsüber pumpten dann am Freitag die Schöpfwerke Hunze (Groningen) und Aa’s in Noorderzijlvest ununterbrochen Wasser aus dem Kanal in die Nordsee. Dadurch sankder Wasserpegel aber nur leicht. Am Abend mussten die Pumparbeiten wegen der einsetzenden Flut dann aber unterbrochen werden. Bei dem befürchteten Deichbruch würden in der Nachbarregion des Emslandes und Ostfriesland hunderte Hektar Land bis zu 1,5 Meter tief im Wasser stehen.

Am Samstag wird entschieden, ob die Rückkehr der Evakuierten möglich ist, aber das Wasser bleibt nach Aussage des Chefs des Katastrophenstabs, des Groninger Bürgermeister Johan Peter Rehwinkel, „ein großes Problem“.  Daher ist auch die Evakuierung von 4000 Kühen und Schaden aus dem besonders bedrohten Gebiet bei Woltersum noch in vollem Gange. Dort sehen die Experten immer noch das Risiko einer Überflutung.

Der Eemskanaal ist der Verbindungskanal zwischen Groningen und Delfzijl; er wird stark von der Berufsschifffahrt genutzt und führt von der Oostersluis in Groningen bis zur Seeschleuse in Delfzijl.

Einsteigen

6. Januar 2012

Neues von der Atomwirtschaft in der Region: Die französische Atomkonzern Areva, der in Lingen eine Fabrik für Brennelemente von Kernkraftwerken betreibt und gerade einen milliardenschweren Verlust aufzufangen sucht, will nach Angaben der niederländischen Wirtschaftszeitung Het Financieele Dagblaad von gestern beim internationalen Urananreicherer Urenco einsteigen. Urenco betreibt im westfälischen Gronau die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage und gehört zu einem Drittel RWE und EON. Auch der niederländische und britische Staat halten jeweils ein Drittel an Urenco.

RWE und EON hatten im September 2011 angekündigt, ihre Urenco-Anteile verkaufen zu wollen. Dem niederländischen Zeitungsartikel zufolge haben die beiden Atomkonzerne dafür den Finanzdienstleister Merrill Lynch beauftragt. Laut Het Financieele Dagblaad kämen Länder wie Russland und Brasilien aus vertragsrechtlichen Gründen nicht als Käufer in Frage. Die Zeitung zitiert einen anonymen Insider mit den Worten: „Areva geht es bei Urenco nicht um die Dividende, sondern um die Synergie. Das Haus des Nachbarn ist eine einmalige Kaufgelegenheit.“

Areva entwickelt bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit Urenco über das Joint Venture ETC die Zentrifugentechnik zur Urananreicherung. Da auch der britische Staat seine Urenco-Anteile verkaufen möchte, könnte Areva theoretisch die Mehrheit am Urananreicherer erwerben. Mit dem Einstieg würde der französische Staatskonzern international eine dominierende Stellung bei der Urananreicherung einnehmen, weil Urenco bislang der größte Konkurrent ist. Areva kämpft in den letzten Monaten mit konzerninternen Problemen und Überkapazitäten.

Urenco besitzt derzeit nach eigenen Angaben bei der Urananreicherung einen weltweiten Marktanteil von 27 Prozent. Allein die Urananlage in Gronau kann mittlerweile jedes zehnte Atomkraftwerk auf der Welt mit angereichertem Uranbrennstoff zur Brennelementefertigung versorgen.

„Ein Verkauf der Urenco-Anteile von RWE und EON an Areva ist keine Lösung. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kann nur die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau und der anderen Urenco-Anlagen eine zukunftsweisende Lösung sein. Wir fordern deshalb die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung auf, umgehend die Chance zu nutzen, die sich durch den Ausstieg von RWE und EON für den Atomausstieg in Deutschland ergibt. Das Motto muss lauten: Stilllegen statt verkaufen,“ so Udo Buchholz (Foto lks.) vom Arbeitskreis Umwelt Gronau und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Weitere Informationen der Anlagenkritiker:
www.urankonferenz2012.de
www.urantransport.de
www.sofa-ms.de

 

(Quelle: Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau; Foto (c) GAL Gronau )

2 Uhr morgens

6. Januar 2012

Während sich in Berlin ein Niedersachse von einer unwahren Peinlichkeit in die nächste quasselt, steht Niedersachsens Abschiebeminister Uwe Schünemann (CDU) erneut in der Kritik. Er trägt die Verantwortung für den gescheiterten Versuch, die sechsköpfige Roma-Familie Keqaijs in das Elend des kosovarischen Winters abzuschieben. Die taz berichtet:

„Niedersachsen wollte erneut eine Roma-Familie ins Kosovo abschieben. Die für Mittwochnacht angesetzte Rückführung nach Pristina scheiterte jedoch: Die sechsköpfige Familie Keqaj tauchte mit zwei chronisch kranken Kindern unter. Am Nachmittag dann setzte das Verwaltungsgericht Osnabrück die Abschiebung vorerst aus.

Zuvor hatten der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sowie die Oppositionsparteien Innenminister Uwe Schünemann (CDU) aufgefordert, die Keqajs in Deutschland zu lassen.

Die Familie lebt seit 2009 im Flüchtlingslager Hesepe bei Bramsche. Die Mutter leidet an Lungenproblemen, die siebenjährige Tochter hat an einen Herzfehler, der zehnjährige Sohn wurde wegen langer Migräneattacken in einem Osnabrücker Krankenhaus behandelt.

Kurz vor Weihnachten hatte die Ausländerbehörde ihnen die Abschiebung angekündigt. Die Keqajs sollen sich „ab 2 Uhr morgens …“

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