What we see

23. Dezember 2011

Ensetzen: Hans Lichtenecker zeigt einer Afrikanerin eine Gesichtsmaske

Das Kulturgeschichtliche Museum Osnabrück zeigt noch bis 12. Februar im Akzisehaus eine Ausstellung, die sich mit einer Hinterlassenschaft der deutschen Kolonialzeit im heutigen Namibia, dem ehemals Deutsch-Südwest-Afrika beschäftigt. 1931 hatte der deutsche Künstler, Abenteurer und selbst ernannter Anthropologe Hans Lichtenecker für sein „Archiv aussterbender Rassen“ in Namibia Afrikaner fotografiert, Gipsabgüsse von ihren Köpfen und Gesichtern gemacht und ihre Stimmen auf Wachswalzen aufgezeichnet. Erst 2007 wurden die Aufnahmen wiederentdeckt und übersetzt. Nach Stationen in Kapstadt, Basel und Wien ist die Präsentation nun erstmals in Deutschland zu sehen.

Die Berliner Kulturwissenschaftlerin und Afrikanistin Dr. Anette Hoffmann hat Lichteneckers verstörende Hinterlassenschaft, die den europäischen Rassismus und Kolonialismus des frühen 20. Jahrhunderts dokumentiert, nun als Kuratorin in einer Ausstellung verstehbar zusammengeführt. Die kritische Aufarbeitung von Lichteneckers Projekt entlarvt  die erniedrigende Praxis der Vermessung des Menschen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika seit dem späten 19. Jahrhundert.

„What We See“ rückt das Sprechen der Menschen in den Mittelpunkt, die Lichteneckers pseudowissenschaftliche Arbeit am eigenen Leib erfahren und erdulden mussten. Die Ausstellung konstruiert einen fragilen Raum von Bildern und Stimmen, Geschichten und Porträts, historischen Dokumenten und aktuellen Kunstwerken. Das koloniale Körperarchiv von Hans Lichtenecker wird dabei bewusst nicht nachgebildet. Auch seine Gipsabgüsse sind nicht zu sehen. Statt dessen werden Lichteneckers audiovisuelle Repräsentationspraktiken kritisch und mittels unterschiedlicher Ton- und Bildmedien beleuchtet.

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Akzisehaus (Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück)

Lotter Straße 2 –  Osnabrück
Tel. 0541 / 3232207

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Mittwoch und Freitag 11 bis 18 Uhr
Donnerstag 11 bis 20 Uhr
Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr

 

© für Foto: Namibian Scientific Society in Windhoek, Quelle Marktplatz-Osnabrück