Feuerwerk

22. Dezember 2011

Die Verantwortlichen des Landkreises Emsland bejubeln die der Region zugeschriebene Dynamik, was ich mehrfach in diesem kleinen Blog als reichlich sinnfrei kritisiert habe. Am 5. und 6. Dezember war man im Emsland wieder einmal ganz dynamisch, als in Papenburg der auf der britischen Isle of Man registrierte Frachter „Thor Liberty“ Fracht aufnahm (Foto lks: Laderaum des Schiffes): 69 „Patriot“-Raketen und 150 Tonnen Sprengstoff (offenbar hochexplosive Pikrinsäure). Die hat gestern an Bord des Frachtschiffes die Polizei  im finnischen Kotka entdeckt, weil – wie Medien berichten-   insgesamt 150 Tonnen militärischer Sprengstoff  „nicht vorschriftsgemäß verpackt waren“ (!), was Hafenarbeitern aufgefallen war. Waffen und Sprengstoff sollten wohl nach Südkorea. Der NDR präzisiert, es handele sich um einen genehmigten Waffen-Transport der Bundesregierung in das ostasiatische Land.  Das Besondere: Waffen und Sprengstoff waren flott als Feuerwerk deklariert. SPIEGEL-online berichtet heute weiter dies:

„Bei den in Finnland sichergestellten „Patriot“-Flugabwehrraketen handele es sich um eine deutsche Lieferung für Südkorea, teilte das Hauptzollamt Oldenburg mit. Nach Angaben des deutschen Zolls waren die Waffen im Papenburger Hafen verladen worden und hatten im Emder Hafen das deutsche Zollgebiet verlassen. In beiden Häfen seien sie von den Zollbeamten kontrolliert worden. Die Ausfuhr von Kriegswaffen ist per Gesetz streng reglementiert. Es habe eine Sammelausfuhrgenehmigung und eine Genehmigung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz vorgelegen. „Ausführer war das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung“, sagte der Sprecher. Die Ausfuhr von Waffen sei für den Emder Zoll nicht außergewöhnlich. „Das kommt öfter vor“, sagte er.

Weitere Auskünfte konnte das Hauptzollamt wenig später nicht mehr erteilen. Man möge sich an das Bundesfinanzministerium wenden, es sei oberster Dienstherr in Zollangelegenheiten, sagte ein Sprecher des Zollamts SPIEGEL ONLINE. Doch auch dort ist die Informationslage eher spärlich: Die „Thor Liberty“ habe Fracht an Bord gehabt, die „ordnungsgemäß angemeldet und anschließend ausgeführt wurde“, sagte eine Sprecherin.

Angaben zum genauen Inhalt der Fracht? Keine.

Ein Kommentar zu Berichten, die Lieferung sei nicht fachmännisch gesichert worden? Fehlanzeige.

Angaben dazu, warum die Fracht als „Feuerwerk“ deklariert worden sei? Keine.“

Soweit der SPIEGEL.

Deklariert als Feuerwerk? Nun – das in den USA hergestellte Waffensystem „Patriot“  dient der Abwehr von Flugzeug- und Raketenangriffen. Die Flugkörper können eine fast vierfache Schallgeschwindigkeit erreichen und sollen Ziele in großer Höhe  und einer Entfernung von mehr als 100 Kilometern treffen. Pikrinsäure detoniert bei sehr raschem Erhitzen oder durch eine Initialzündung mit größerer Kraft als TNT. Da frage ich mich, ob solche Ladung auf einem Schiff gut aufgehoben ist, das erst einmal quer durch den Kontinent schippert, um wie ein DHL-Laster hier und da noch diverse andere Güter aufzunehmen. In Kotka beispielsweise Ankerketten.

Jetzt wird jedenfalls finnisch korrekt untersucht. Und die „Thor Liberty“ liegt – ganz undynamisch- im finnischen Kotka fest.

(Foto: © www.marinetraffic.com)

Update:  Das Hamburger Blatt bläst heute, am Freitag,  zum Rückzug. Zitat:

„So nahmen die Behörden am Freitag ihre Behauptung zurück, dass die Raketen als „Feuerwerkskörper“ deklariert worden seien. Im Rundfunksender YLE sagte ein Zollsprecher, dass Beamte das englische Wort „rocket“ falsch übersetzt hätten. Auch der Sprengstoff hätte sich entgegen ersten Angaben als legal an Bord befindlich und als vorschriftsmäßig gelagert erwiesen. “

mehr hier (auch die kritischen Kommentare sind lesenswert)

Update 2: Am 2. Weihnachtstag haben die finnischen Behörden die Beschlagnahme aufgehoben. Mehr hier… 

Post

22. Dezember 2011

Unlängst konnten wir über den Protest der Gemeinde Emsbüren lesen, wo die Deutsche Post Briefe nur noch zustellt, wenn sie dazu ausreichend Lust und Personal hat. Ich habe mich da gefragt, wo so etwas neben Emsbüren sonst noch passiert. Jetzt lese ich im „Meine Güte-Blog“  von Falk Madeja, dass die Niederländer schon ein reales Stück weiter sind.

Denn „…. zwischen 2005 und 2010 ist die Zahl der Briefe in den Niederlanden um von 5,6 Milliarden auf 4,8 Milliarden gesunken – und das hat Folgen. Die Firma PostNL, früher einmal TNT, ist in großen Nöten. Nun hat PostNL im Wirtschaftsministerium anfgefragt, montags keine Briefe mehr austragen zu müssen.

Die Alternative: es müssten etliche der 19.000 Briefkästen geschlossen werden, oder etliche der 2000 Postfilialen. Einerseits klingt das dramatisch, andererseits: Laut PostNl wird eh nur ein Prozent der Post am Montag in die Briefkästen geworfen, das Wirtschaftsministerium sagt zwei Prozent, schreibt De Volkskrant. So sollen es dann auch 85 Prozent aller Niederländer nicht so schlimm finden, wenn am Montag keine Post mehr kommt. Diese Woche am Mittwoch will das Parlament darüber diskutieren.

Am Montag dann eine echte Hiobsbotschaft für PostNL So soll

weiter im Meine Güte Blog lesen