Helmut Schmidt

4. Dezember 2011

 

18 Antworten zu “Helmut Schmidt”

  1. küster said

    Eine große, großartige Rede.

  2. Waltraud Schober said

    Chapeau!

  3. Hansi said

    Ein kluger alter Mann. Ein großer Europäer.
    Beeindruckend auch, dass er die Leistung seiner ehemaligen Gegner (z.B Helmut Kohl) bei der Integration Deutschlands in die europäische Staatengemeinschaft würdigt.
    Sein politisches Vermächtnis ist die Stärkung Europas, fernab von jeder „Kleinstaaterei“
    Lasst uns auf diesen weisen Mann hören!

  4. Michael Sänger said

    Ich kann die Begeisterung über Helmut Schmidt nicht so ganz teilen. Gewiß, es hat etwas Faszinierendes, wenn alte und lebenskluge Leute über die Welt und das Leben reden. Aber es ist leicht, sich zu den Fragen der Politik zu äußern, wenn man keine Verantwortung mehr zu tragen hat.

    Großväter sind bei den Enkeln oft beliebter als die Väter. Das beifallklatschende Publikum klatscht doch nur, weil Helmut Schmidt die tiefe Sehnsucht nach weisen und beschützenden Vaterfiguren befriedigt. Das, was er in seiner Rede gesagt hat, haben hundert andere vor ihm schon gesagt, nur sie hießen eben nicht Helmut Schmidt.

    Dass z. Bsp. Deutschland sich vor einer Vormachtstellung in Europa hüten soll, mein Gott, das ist doch allen geschichtsbewußten Deutschen nach 1945 klar. Aber wenn ein 92jähriger Helmut Schmidt das sagt, dann ist das eben der Weisheit letzter Schluss. Die Masse der Menschen ist immer schnell begeistert von solchen, die mit einfach strukturierten Sätzen ohnehin allgemein bekannt Wahrheiten verkünden.

    Die Herren Kohl und Schmidt hatten ihre Zeit, wo sie reden und handeln konnten. Was würden wir denn sagen, wenn Hermann Bröring nach einem Jahr die Arbeit seines Nachfolgers Winter kommentiert. Wir würden sagen: Der ist in Rente und soll sich nicht mehr einmischen.

    Die Älteren unter diesen Bloglesern mögen sich erinnern: Wie hat sich denn Helmut Schmidt anfang der 80er Jahr im Zusammenhang mit dem NATO-Doppelbeschluss geäußert und verhalten? Wie äußerte er sich in seiner Amtszeit als Bundeskanzler über die Demonstranten gegen Gorleben? Damals waren alle JUSOS gegen Schmidt und heute – in die Jahre gekommen – zollen sie ihm Beifall!?

    Hat ihn nicht schließlich die SPD die Gefolgschaft verweigert und so seinen Sturz bewirkt? Nichts gegen die SPD, aber wenn sie mich von ihrem politischen Programm überzeugen will, dann will ich die Meinung der derzeitigen Politiker hören, denn die gestalten vielleicht eines Tages Politik.

    Helmut Schmidt, er sei hochgeehrt und wertgeschätzt, aber welchen Zweck haben seine Reden, wenn er aus Altergründen politisch nichts mehr bewirken kann. Und ganz nebenbei: Seine Kanzlerkanditatenkür mit Steinbrück hat bei vielen Genossen Zähneknirschen hervorgerufen, die aber trotzdem seine Rede mit „standing ovations“ bedachten.

    • Deine Meinung teile ich nicht. Nur kurz meine Thesen: Lebenserfahrung und Weisheit Älterer findet in unserer Gesellschaft und im politischen Leben der Deutschen keine ausreichende Beachtung. Deine These, dass sie „ihre Zeit (hatten), wo sie reden und handeln konnten“, klingt mir zu sehr nach einer Fußballerweisheit, wonach man nach dem Abpfiff (oder dem Ende der aktiven Zeit) auf dem Platz kein Tor mehr schießen kann. Das übersieht aber, dass man auch später ein verdammt guter Trainer, Kommentator, Analyst sein kann.

      Nicht Viele haben die in Schmidts Rede deutlich werdende Fähigkeit, in größeren zeitlichen Zusammenhängen zu denken und aktuelles Geschehen in diese Zusammenhänge einzuordnen und sichtbar zu machen. Offenbar geht diese Fähigkeit im politischen „Tagesgeschäft“ verloren oder wird nicht beachtet. Ersetzt wird sie dann all zu oft durch populistische Wendemanöver und Beliebigkeit. Oder wofür stehen heute die regierenden Parteien, d.h. CDU/CSU und die FDP denn wirklich? Was sind ihre Grundsätze? Wo sind sie -Modewort!- „verortet“? Auch anderswo gibt es nur wenige politische Linien, die über die Jahre Bestand haben.

      Als Juso (also junger SPD-Mann) habe ich Anfang der 1980er Jahre die Positionen Schmidts in der Doppelbeschlussdebatte für falsch gehalten und halte sie bis heute für gefährlich. Niemand kann heute sagen, was sich ohne den NATO-Doppelbeschluss ereignet hätte. Daher ist es müßig darüber zu streiten. Unsere Befürchtungen als Doppelbeschlussgegner haben sich nicht bewahrheitet. Die Geschichte hat eine andere Antwort gefunden. Gottseidank.

      Du irrst besonders, wenn Du behauptest, Helmut Schmidt trage keine politische Verantwortung. Gerade der Publizist Schmidt trägt diese Verantwortung. Und er wird ihr mehr als gerecht. Oder?

      ps Es mag ja sein, dass nicht alle Peer Steinbrück als KaKa wollen. Aber eine schlechte Besetzung wäre er nicht. Ich erinnere mich, wie er seine Kompetenz 2008 als Finanzminister in der letzten großen Wirtschaftskrise bewiesen hat.

    • Frank O. said

      Herr Sänger, Sie haben fast Recht.
      In diesem Lande bleibt es dabei, es kommt nicht drauf an, was man sagt sondern wer und wie man es sagt.

  5. altodis said

    @ Herr Sänger, Ihr Zitat: Er (Helmut Schmidt) ist in Rente und soll sich nicht mehr einmischen….
    Sehr heikel; ich glaube eher , Sie, lieber Herr Sänger halten sich besser zurück!!!

    • Michael Sänger said

      Altodis verwechselt die Ebenen! Ich würde nie auf den Gedanken kommen, in meine frühere Schule zu gehen und dort eine Stunde über die Schlechtigkeit der heutigen Pädagogik zu reden. Aber ihr Satz „Sehr heikel; ich glaube eher, Sie, lieber Herr Sänger halten sich besser zurück!!!“ (und dann noch mit drei Ausrufezeichen) hat etwas Drohendes an sich, sollte ich jetzt besser nicht mehr nachts durch Lingens Straßen gehen?

      • ulrike said

        Es reicht ja auch ,lieber Herr Sänger, wenn Sie tagsüber durch Lingen laufen oder Fahrrad fahren und sich die diversen Schwachpunkte der Stadtentwicklung anschauen. Und wenn wir beide uns dann treffen, dann gehen wir zu Heilemann einen Kaffee trinken und besprechen alle relevanten Themen dabei. Von den anderen, wie kib usw. kriegen Sie sowieso nur Körbe.

  6. Dierke said

    Seitdem ich seine Bücher – die letzten – gelesen habe, hat mich seine Rede gestern, voller Widersprüche, nicht mehr überrascht. Auch ich stimme Herrn Sänger zu. Helmut Schmidt ist dabei, die wirklich gute Erinnerung an seine Kanzlerschaft zu zerstören. Und das bedaure ich sehr…

  7. Dierke said

    Weder Bundesstaat noch bloßer Staatenbund. Wie paßt sein Werben für eine europäische Transferunion und eine offenbar unbegrenzte Beistandspflicht für bedrängte Euro-Staaten zu seinem Urteil, daß die Demokratie in der EU durch die Rettungsaktion schon Schaden genommen habe? Schmidt stellt einen Totalausfall des Europäischen Parlaments in der Bewältigung der aktuellen Krise fest. Nimmt man Schmidts Befund ernst, brauchte man weitere Haftungs- und Finanzverpflichtungen erst dann einzugehen, wenn es demokratisch zugeht in der EU. Stattdessen verlangt Schmidt im Interesse der Europäischen Einigung eine höhere Verschuldung Deutschlands, aber bitte ohne irgendwelche Ansprüche…. dazu paßt dann eben auch noch das mitfühlende Herz für Griechenland.

    Schmidt hat Visionen, die mögen ehrenwert sein. Sein Bonmot lautete einmal. „wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“

  8. kib said

    Leute!
    Entschuldigen Sie, Ulrike: Ich habe Ihre Anmoderation geklaut! Soll nicht wieder vorkommen, versprochen.
    Altodis sitzt gerade neben mir und wir streiten uns etwas herum:
    Wer hat wann, vor allem von wem Körbe erhalten? Sollten Sie einen erhalten haben … her damit- ich benötige noch einen 🙂
    Ulrike, wenn`s etwas Dringendes ist, fragen Sie bitte beim rückengeplagten Blogbetreiber nach meiner privaten Email (darauf kommt es nun auch nicht mehr an- haben mittlerweile eh viele Blogleser. Sie vermutlich auch, oder?)
    Sarkasmus beiseite:
    Adventliches Versprechen, von kib & Altodis : Ulrike bekommt keinen Korb!!!!!
    Kleinteiligkeit ist aber nicht mein Ding: Ich kann ja nicht ständig bei Heidi oder Heilemann sitzen. Also:
    In diesem Jahr bekommen wir das vermutlich nicht hin. Max nix, denn Roberto kennt doch eh all seine Strategen: Vielleicht lädt er im Neuen Jahr zum RKB- Kränzchen ein?

    Robert, wir haben vermeintlich in letzter Zeit nicht viel gemeinsam, aber eines dann doch: Einen sicheren Geschmack, wer dieses kleine Kränzchen ausrichten sollte.
    Eine schöne Adventszeit wünscht kib

  9. kib said

    Nee, Stef, da bin ich nun nicht bei Dir: Was „ Wissenstransfer“ angeht, höre ich gern auf ältere Mitmenschen! (egal ob Kettenrauchend, Männer oder Frauen,,,).* Vor allem dann, wenn selbige nichts mehr zu verlieren haben (das unterstelle ich einen 93 jährigen Schmidt- nach dem Verlust seiner Loki).
    Reflektieren wir zwei (so ganz ohne Schmidt) und entwickeln ein Gefühl für Zeit & Erfahrungen…… : Meine Gedanken & Ideen innerhalb der letzen Jahre haben sich verändert (aber ich bin ja erst vierzig), aber vor allem war ich nie „Bundeskanzler“. Beides ist : GUT SO!
    * Ich bin diesbezüglich ein regelrechter „Wissensschnorrer“. Sehr wichtig sind mir deshalb Erfahrungen von Menschen, die den Krieg bzw. den Aufbau der Bundesrepublik erlebt haben.

  10. Stef said

    @kib: Erst einmal habe ich überhaupt nichts dagegen gesagt, auf ältere Menschen zu hören, sondern ich habe mich über die „gute Erinnerung an seine Kanzlerschaft“ gewundert. Ich teile sogar Ihre Meinung: Es ist interessant und oft auch lehrreich, älteren Menschen zuzuhören. Ich teile auch Ihre Meinung, dass sich Gedanken und Ideen im Laufe der Zeit verändern, allerdings besteht der Mensch trotzdem aus der Summe seines Lebens. Meine Meinung. (Danke dafür, chm)

    Allerdings ist Helmut Schmidt kein tatteriger Greis, der vor Schulkindern im Ohrensessel sitzt und mit einem bisschen Restverstand aus seinem bewegten Leben erzählt. Er ist topfit und tritt in Polit-Talkshowes auf, wirbt zur Zeit unverblümt für einen gewissen SPD-Politiker, den er gerne als Kanzler sehen möchte und wird nicht ohne Grund auf SPD-Parteitage als Redner eingeladen. Was er sagt, hat bei einer bestimmten SPD-Klientel und auch bei anderen Leuten ernstzunehmenden Einfluss, also nehme auch ich ihn ernst und betrachte ihn nicht nachsichtig als älteren Mann, der viel zu erzählen und nichts mehr zu verlieren hat.

    Mich hat der Umgang mit ihm in den letzten Jahren immer wieder gewundert. Obwohl er sich vor seiner Offizierskarriere im engen Umfeld der Widerstandsgruppe Cato Bontjes van Beeks bewegte, obwohl sein Vater laut Schmidts eigenen Angaben wiederholt Juden versteckt hat, obwohl Schmidt als Offizier sowophl an der Ost- als auch an der Westfront war und in seiner Position beim Schauprozess gegen die Männer des 20. Juli zugegen war, bestritt er in einem Interview mit der FAZ 2005, von KZs und dem Mord an den Juden gewusst zu haben. Erst nach dem Krieg habe er davon erfahren. Das hat er noch öfter gesagt, und komischerweise werden diese Aussagen so gut wie nicht hinterfragt.

    1992 sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, dass aus Frankreich, England und Deutschland keine Einwanderungsländer gemacht werden dürften:„Das ertragen diese Gesellschaften nicht. Dann entartet die Gesellschaft . . .“ Ja, er hat das Wort „Entartet“ benutzt. Schmidt wurde 1958 aus dem Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion abgewählt mit der Begründung, er sei Militarist, und er verlor auch 1983 aufgrund seiner fragwürdigen Sicherheitspolitik das Vertrauen der SPD. Schmidt hat 2008 Lafontaine und 2010 Obama in eine Reihe mit Adolf Hitler gestellt.

    Mehr Beispiele von Aussagen dieses umjubelten Mannes spare ich mir jetzt. Ich persönlich kann all das nicht beiseite schieben, bloß weil der Mann alt ist und nichts mehr zu verlieren hat. Dafür ist sein Einfluss nach wie vor zu groß.

    Ich verstehe außerdem auch nicht, warum er überall rauchen darf. Fünfzigjährigen, die seit 30 Jahren Kette rauchen, fällt es genauso schwer, mal ein Stündchen oder auch zwei aufs Rauchen zu verzichten. Die müssen das aber. Nur Helmut Schmidt, der muss gar nichts und darf alles und bekommt dafür auch noch Beifall. Verstehe ich nicht.

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