Vorkehrungen

22. November 2011

Heute in der Ratspost:

Sehr geehrte Damen und Herren, 
für die morgige Ratssitzung haben sich neben der Lingener Tagespost auch die Ems-Vechte-Welle und ev1.tv angemeldet. Die Redakteure werden jeweils Ton- bzw. Bildaufnahmen während der Sitzung machen. Ich bitte Sie, dafür die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen.

Mit freundlichen Grüßen
Rebekka GXXX

Pressereferat
Stadt Lingen (Ems)
Oberbürgermeisterbüro
Elisabethstr. 14-16
49808 Lingen (Ems)

Driving Range

22. November 2011

Morgen am Mittwoch wird der Lingener Stadtrat die Vernichtung eines 80-100-jährigen Stieleichenwaldes am und für den Golfplatz Emstal nahe Gut Beversundern beschließen. Für das Abholzen stimmt die CDU-Mehrheit aus reinen Gründen der Gefälligkeit gegenüber den Funktionären des Golfcubs, dessen Golfer genau da, wo sie jetzt das Golfen proben (“Driving-Range”) doch eher mit ihren Limousinen parken wollen. Also verschieben sie die “Driving-Range” nach Süden und da steht der Wald im Weg. Folglich muss er weg. Auch der dort vorhandene, von der Ausrottung bedrohte Hirschkäfer kann dies nicht verhindern. Hierüber habe ich schon früher berichtet. Und jetzt wird es  ernst – auch für die Grabstätte derer von Galen, die durch das Abholzen bedenklich nah an die Flugbahn der Golfbälle rückt.

Wir erleben eine  neuerliche, umweltfeindliche und gänzlich überflüssige Lingener Abholzerei – “natürlich” wieder in Altenlingen, wo der auch nach der Kommunalwahl weiterhin CDU-beherrschte Ortsrat alles abgesegnet hat. Gemeinsam mit der Stadt-CDU und dem Landkreis hat man den einzigartigen, hochwertigen Wald einfach aus dem Schutzbereich des Landschaftsschutzgebietes Emstal herausgenommen. Einmal mehr eine ungewöhnlich klebrige politische Entscheidung.

Peter Blauert (Sprecher des Ortsverbandes Lingen  von Bündnis’90/Die Grünen, dem ich für die Erlaubnis danke, das Papier zu veröffentlichen) hat dankenswerterweise hier alles Notwendige zusammengetragen, was zu sagen und zu zeigen ist, bevor die CDU erneut Bäume fällt…, pardon, fällen lässt. Wie Sie sehen, ist die Abholzung auch bereits in vollem forstwirtschaftlichen Gange.

(Fotos: ©  Bündnis’90/Die Grünen Lingen)

Fortschritt

22. November 2011

“Greetland”, der umstrittene 82-Mio-Euro-Ferienpark im ostfriesischen Greetsiel, kommt nicht.  61.9 Prozent der Einwohner in der Gemeinde Krummhörn, zu der Greetsiel gehört, haben sich am Sonntag bei einer Bürgerbefragung gegen das Projekt ausgesprochen. Nur 38 Prozent stimmten dafür. Ein Investor aus Sachsen wollte „Greetland“ auf knapp 9 Hektar direkt vor den Toren Greetsiels bauen. Ferienwohnungen, ein Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant und Schwimmbad sowie eine Wasserburg als “architektonisches Highlight” waren geplant.

Bislang besuchen mehr als eine Million Touristen pro Jahr Greetsiel, weil der Ort geprägt ist von Windmühlen, historischen Giebelhäusern und Krabbenkuttern im Hafen. Da musste der sächsische Plan zu einem klassischen Konflikt führen: Die 2009 gegründete Bürgerinitiative “Stopp Greetland” sammelte mehr als 15.000 Unterschriften gegen das Vorhaben. Ihre 100 Unterstützer verfolgten dabei ganz unterschiedliche Ziele. Manche hielten das Projekt für zu groß und befürchteten einen Preiskampf bei den Tourismus-Angeboten, andere warnten vor dem Verkehr von 20.000 zusätzlichen Pkws oder der Zerstörung des Landschaftsbildes und des dörflichen Charakters. Die Befürworter erhofften sich dagegen vor allem rund 100 neue Arbeitsplätze und deutlich bessere touristische Möglichkeiten als bisher.

Am Sonntagnachmittag dann waren die Sprecher der Bürgerinitiative  überglücklich und sprachen von einem großartigen Erfolg. „Wir sind überglücklich, das Ergebnis ist eindeutig“, sagten Diane Saathoff und Petrus Boomgarden von der BI.

Das sah Bürgermeister Johann Saathoff (SPD) auch so. Der SPD-Mann war für Greetland, will aber  das Ergebnis der Befragung respektieren. Greetland sei gestorben, sagte er. Jetzt aber, so Saathoff,  müsse überlegt werden, wie es mit dem Tourismus in der Region weitergehe. Insgesamt zeigte er sich von dem Ergebnis enttäuscht, weil sich “die Bürger für das Traditionelle und gegen den Fortschritt entschieden” hätten. Doch vielleicht, denke ich mir, haben sich die Bürger am Sonntag auch für nachhaltigen Fortschritt und gegen traditionelle Dynamik entschieden.

Sehr enttäuscht äußerte sich Unternehmensberater Klaus Freund von der Greetland-Projektgesellschaft. „Wir haben viel Arbeit und Kapital in das Projekt gesteckt. Das Ergebnis schmerzt, wir sind von der Deutlichkeit überrascht.“ Der mit der Landesregierung erarbeitete Masterplan für den Tourismus an der Nordsee habe einen Rückschlag erlitten. Mit dem Aus würden auch keine der angepeilten 100 neuen Arbeitsplätze entstehen. „Kein Investor wird dort einen neuen Anlauf starten“, sagte Freund.

Die Ostfriesen-Zeitung kommentierte gestern, die Bürgerbefragung sei ein Lehrstück für die Demokratie, setzte aber hinzu, es gelte jetzt die Schwächen im Tourismusangebot zu stoppen,die sich nach einem Blog so zeigen, dass “Scharen von Ausflüglern und Ausflügerinnen durch die Einkaufsstraße ziehen und sich in den Läden die immer gleichen Sortimente von maritim-touristischem Kitsch anschauen”. Das Nein allein sei zu wenig.

Also wollen wir mal sehen, ob die Krummhörner das jetzt erkennen und was sie ggf. aus der Erkenntnis dann machen.

Mehr...

(Quelle: Ostfriesen-Zeitung. Foto: Hafen von Greetsiel im März 2011, © Sail over CC)

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.014 Followern an