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21. November 2011

OB Dieter Krone hat unlängst die „Vermarktung des Emsauenparks“ im Lingener Stadtteil Reuschberge zu einem seiner politischen Arbeitsschwerpunkte erklärt. Immerhin soll auf dem Gelände der ehemaligen, übereilt, sinnfrei und reichlich kopflos abgerissenen Scharnhorstkaserne der Bundeswehr  ein völlig neues Stadtquartier entstehen. Da muss man dann das Beste draus machen.

Vorgestern, am Samstag, gab es dazu einen wichtigen Termin im IT-Zentrum der Hallen des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks, über den heute die Lokalpresse, die Ems-Vechte-Welle und abends dann auch EV1-tv durchweg positiv berichten. Regionale Architekten präsentierten ihre Entwürfe, Grundrisse und Ideen für neue Häuser im Emsauenpark Reuschberge. Durchweg alle Teilnehmer der Veranstaltung waren am Samstag voll des Lobes und freuten sich über den unerwartet großen Ansturm. Die Messe-Idee hatten maßgeblich Hochbauamtsleiter Peter Krämer und Helmut Höke, Prokurist der kommunalen Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft (GEG), entwickelt. Grundlage war die Überlegung, dass das Baugebiet für 300 bis 400 neue Wohnungen städtebaulich wie gestalterisch nur gelingen könne, sofern Bauwillige einen Überblick über die unterschiedlichen Vorstellungen der Architekten und Bauträger gewinnen können. Bei einer herkömmlichen Vergabe gelingt dies regelmäßig nicht.

Das neue Wohnen entsteht bekanntlich nur etwa 1000-Meter-Luftlinie vom Marktplatz entfernt, zwischen Dortmund-Ems-Kanal im Osten und der Ems im Westen. Der Vorteil gegenüber den vermeintlich günstigeren Grundstücken in Nachbargemeinden oder Ortsteilen: Familien brauchen kein zweites Kraftfahrzeug. Entstehen sollen Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, Stadtvillen und Stadthäusern. Südlichwestlich des Wohngebietes entsteht ein rund 14 Hektar großer Park, der „die natürlichen Landschaftselemente der Emsauen mit modernen Wasserelementen, Gastronomie und Spielflächen vereint“, wie es auf der Internetseite der Stadt heißt.

Noch vor Weihnachten sollen im Stadtrat die Grundstückspreise festgelegt werde. Unterschiedliche Grundstücksgrößen von ca. 250 m² für Stadthäuser bis 1.500 m² werden dann auch zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Die ersten Grundstücke im neuen Emsauenpark werden voraussichtlich schon in zwei, drei Monaten vergeben. Zusätzliche Informationen zum Emsauenpark vermittelt die Broschüre Emsauenpark. Gebaut wird dann ab Sommer 2012. Interessenten können sich unverbindlich hier für ein Grundstück bewerben.
Zusammen mit Mitgliedern  der Stadtratsfraktion „Die BürgerNahen“  habe ich mich am Samstagnachmittag über die Pläne und Entwürfe der ausstellenden Architekten und Bauträgern informiert: Bau- und Planungsteam Hansi Surmann GmbH/Freren, Bruno Braun Architekten/Düsseldorf (Stöckler Immobilien und Bau GmbH/Lingen), Conzeptbau M. Wessmann Immobilien & Gutachterbüro/Lingen, Deeken Architekten/Lingen, Fickers Architekten/Lingen, Krämer + Susok Architekten BDA/Lingen, Liedtke + Lorenz GbR/Lingen, Meyerrose | Wübben Architekten/Meppen, mg architekturgesellschaft mbh/Meppen, Plan |Concept Architekten/Osnabrück, PRO Immobilien GmbH/Lingen, WBR Architekten • Ingenieure/Lingen, w+ID InnenArchitektur und Design/Lingen und 2e Architekten Hülsmann und Sowka/Meppen. Besonders gefiel dabei die Zusammenstellung von zehn völlig unterschiedlichen Stadthausentwürfen. Sie war übrigens deutlich besser als das nachstehende Foto.
An der Ausstellung nahmen außerdem auch die Architektenkammer Niedersachsen und die Stadt selbst sowie mit der Sparkasse Emsland und der Volksbank Lingen eG teil, also die beiden führenden regionalen Kreditinstitute. Leider war die Veranstaltung schon nach sieben Stunden zu Ende. Sinnvoll ist es daher, die einzelnen Arbeiten und Ideenskizzen der beteiligten Architekten dauerhaft online ins Netz zu stellen. Allerdings hat der Lingener Fahrradhändler Andreas Lutter die Domains emsauenpark.de und  emsauenpark-lingen.de -sagt man- gegrabbt? Er hat sie sich jedenfalls schon vor geraumer Zeit unter den Nagel gerissen, wird sie aber sicherlich gern abgeben, wenn man ihn höflich fragt.
Und dann wird eine neue Fußgänger- und Radfahrer-Brücke von Reuschberge über den Dortmund-Ems-Kanal in die Stadtmitte geführt werden. Da hoffe ich persönlich ganz still und leise darauf, dass dies kein 08/15-Bauwerk nach Art der Bundeswasserstraßenverwaltung („schnell, genormt und preiswert“) wird sondern eine Verbindung, die das Stadtbild deutlich aufwertet, mag es dann vielleicht auch ein bisschen teurer werden (Blätterst Du hier…).
Foto: Junge Lingener Architekten auf der Emsauenpark-Messe: Arnd Vickers und Sebastian Deeken, von lks., © robertsblog;)

17 Antworten to “Entwickeln”

  1. ulrike said

    Leute,so eine richtige Designerbrücke muß es aber auch sein.Werden die Kosten für das geschmackvolle Ambiente denn auch auf den Quadratmeterpreis umgelegt? Wird denn die interessierte Öffentlickeit jemals darüber informiert werden ,mit welchen Summen die “ öffentliche Hand “ (das ist ja irgendwer, nicht wir Steuerzahler) jeden zum Kauf anstehenden Quadratmeter subventioniert ? Ich denke da an Abrißkosten, Infrastruktur zum Bauen,See mit Park und die Dekontaminierung und Entsorgungskosten des verseuchten Bodens.Kann das das Doppelte sein?Bin mal gespannt.

    • Frank O. said

      @ ulrike
      Ist das ihr Ernst?
      Abrisskosten,Dekontaminierung und Entsorgungskosten an den Käufer weitergeben?

      • ulrike said

        Eben.Was ist zusätzlich als Gesamtkosten zu veranschlagen?Das bezahlen wir beide.

        • Sagen wir mal besser: Ihr beide beteiligt Euch daran. Die Gesamtkalkulation soll vor Weihnachten auf dem Tisch liegen. Dann melde ich mich. Versprochen.

          • Frank O. said

            Naaaaa, da beteilige ich mich doch lieber an der neuen Osnabrück-Arena, die viel schöner,größer und teurer wird als die Lingener.
            Und da braucht gar nix abgeholzt werden.
            Wenn sie denn kommt.

  2. hans1550 said

    Nochmal für das Protokoll: Den Vertretern der Studenten waren („damals“) 1000 Meter Distanz zum Marktplatz zu weit für ein Studentenwohnheim.

  3. Analyst said

    Warum sind denn bloß die höchsten Gebäude für den Südwesten – also auf der Sonnenseite – des Wohnviertels geplant?.

    • Tiger, T. said

      Vorausschauende Planung!

      In den kommenden Jahrzehnten gibt es in den Ems-Auen Sonne satt, wer nobel und hautkrebsfrei wohnen möchte braucht Schatten, viel Schatten.

      Die Planer der sonnenabwehrenden Stadthausreihe kannten offensichtlich die neuesten Zahlen der Weltwetterorganisation (WMO) zum Ausstoß von Treibhausgasen, … clevere Jungs und Mädels.

  4. Frank O. said

    Der Flyer und die Planung machen ja schon Geschmack.
    Typisch für Lingen ist allerdings,dass ich in der kompletten Planung nichts über eine Anbindung an den ÖPNV finde.

    • Tiger, T. said

      Gut erkannt,
      doch es ist fraglich, ob der zukünftige Emsau-Stadtvillenbewohner auch der typische ÖPNV-Nutzer sein wird.

      Eine Alternative bietet da eher die von dem Blogbetreiber angesprochene „neue Fußgänger- und Radfahrer-Brücke von Reuschberge in die Stadtmitte“ mit stadtbildprägendem Charakter. Auch dies ist eine ökologisch begrüßenswerte Idee, dennoch sollte man hier nicht kleckern, sondern klotzen und sich auf eine Ausbauvariante einigen, die es auch erlaubt, mal schnell mit dem Cayenne oder dem Touareg in die City zu rauschen.

      • Bitte weniger Zynismus, junger Mann! Es wird darauf ankommen, die Grundstückspreise so zu gestalten, dass auch Menschen, die weder Cayenne noch Touareg fahren, sich eine Immobilie für ihre Familie leisten können.

        • Frank O. said

          Genau, und irgendwie müssen die Kinderlein ja zur Schule oder in den Kindergarten kommen.
          Vielleicht kann man es ja noch über den Wasserweg mit in die Planung aufnehmen. In Hamburg klappt das ja auch. 😉
          Was bin ich wieder ein Schelm….

      • ulrike said

        Th. Tiger mit seinem “ Zynismus “ trifft dabei ins Schwarze. Die Grundstücke sind nicht zu einem Niedrigpreis für alle zu veräußern .Nochmal die Frage : wer bezahlt die Differenz zu den tatsächlich entstandenen Kosten ? Und in welcher Höhe , um die Grundstücke zu einem erzielbaren Preis auf den Markt zu werfen?

        • Klaus said

          Na ja wenn ich mir die anderen Grundstückspreise hier in Lingen anschaue, Dann kann ich mir die Preise schon vorstellen. Also für einen normal Sterblichen viel zu hoch, aber an Lingener verhältnisse angepasst. Es kommt wie es kommen muss. Es werden bestimmt viele Mietwohnungen entstehen. Zwar auch noch teuer, aber irgendwo müssen die Mieter ja auch hin.

  5. Brad Chase said

    Das sehe ich genau so. Der Preis wird durch die GEG unter Hinzunahme von Steuergeldern aus dem Stadtsäckel gestützt. Ist er ja auch schon. Direkte Gelder von über 1 Mio € sind schon geflossen. Und aus „sozialen“ Gesichtspunkten werden weitere Rechenkunststücke folgen.
    Die normale junge Familie mit einem normalen Gehalt wird in die Röhre gucken. Sie sind das Klientel, dass dann die Mietwohnungen der kapitalstarken Anleger mieten darf. Und wenn nicht, so dürfen sie die Grundstückskosten im Emsauenpark auf jeden Fall finanziell stützen.
    Schönes soziales Lingen. Ich würde mir wünschen, dass Lingen auch jungen bauwilligen Familien bezahlbare Grundstücke in einer „Normallage“ anbietet. Übrigens: ich bin mir sicher, dass die Bewohner der Stadtvillen auch Zweit- und Drittwagen der gehobenen Mittelklasse mitbringen werden. Ich schlage vor, dass genug öffentlicher- subventionierter- Parkraum für diese Fahrzeuge mitgeplant wird.

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