Klarer Fall

20. November 2011

„Klarer Fall von Notwehr“
via fefe 

1. Brasilien

2. USA

Strukturen

20. November 2011

Der französische Atomkonzern Areva betreibt in Lingen (Ems), Karlstein (Main) und Duisburg das Unternehmen Advanced Nuclear Fuels, kurz ANF. Nach Angaben des „Spiegel“ will Areva in Deutschland 1300 Stellen streichen. Einzelheiten werde die Unternehmensführung in Paris am 13. Dezember bekanntgeben, meldete das Magazin gestern, ohne Nennung von Quellen, und setzte hinzu: Mit dem Plan reagiere der „Weltmarktführer für Nukleartechnik“ auf die Stilllegung von acht deutschen Atomkraftwerken und bis zum Jahr 2022 ganz aus der Atomenergie auszusteigen, berichtete der „Spiegel“ weiter. Der Bedarf an Brennstäben sei drastisch zurückgegangen.

Nun ist es zunächst kein Wunder, dass bei einem Ausstieg aus der Atomenergie keine Brennstäbe und damit auch keine Brennstäbefabrik mehr gebraucht werden. Andererseits produziert ANF Brennstäbe für den weltweiten Einsatz, so dass die Begründung, der Bedarf an ihnen sei bei aktuell rund 440 AKWs „drastisch zurückgegangen“ dann nicht stimmen kann, wenn -glaubt man den Protagonisten der Atomenergie- diese Form der Energieerzeugung weltweit auf dem Vormarsch sei. Die Areva-Pläne  belegen also indirekt, wieviel bloße Propaganda die Kernenergielobby betreibt…

Auch ANF Lingen ist von den Areva-Kürzungsplänen betroffen. Das ist an diesem Wochenende nicht wirklich neu: Am 18.10. hatte zunächst die französische Zeitung L’Express über Areva-Stellenkürzungen berichtet. In Deutschland seien 800 Arbeitsplätze betroffen. Tags darauf informierte die Lingener Lokalzeitung, dass auch die 340 Jobs bei ANF im Industriepark Süd nicht ungeschoren bleiben; genaueres sei bei ANF aber nicht bekannt. Es folgte ein Proteststreik im  belgischen Areva-Werk in Dessel („FBFC„), dessen Schließung im März kommenden Jahres beschlossene Sache ist (mehr…).

Ende Oktober kündigte dann der deutsche Areva Technikvorstand Ulrich Gräber (Erlangen) aus Protest gegen die Stellenkürzungen seinen Rücktritt an (O-Ton des Unternehmenssprechers damals: „Rücktritt, um Kontinuität und Stabilität bei der Umsetzung der neuen Strategie zu gewährleisten“ – oha!) ; ihm folgt zum 1. Januar  Stefan vom Scheidt. Gleichzeitig wechselt auch die kaufmännische Leitung. (mehr…)

Der angekündigte Rücktritt Gräbers zwei Wochen nach Bekanntwerden der ersten Areva-Pläne drängt die Frage auf: Hängt dieser Schritt mit der Spiegel-Meldung zusammen, dass nicht mehr 800 Arbeitsplätze sondern deutlich mehr, nämlich 1300,  in Deutschland wegfallen werden, darunter auch zahlreiche Stellen von Ingenieuren? Der Spiegel schreibt auch:  Zwei Standorte sollen komplett geschlossen werden. Erlangen mit seinen Tausenden Mitarbeitern wird dies nicht sein. Also lässt die Spiegel-Meldung kaum schöne Weihnachten für die ANF-Familien erwarten.

Der Hintergrund all dessen: Areva ist zu 90% im Besitz des französischen Staates. Den neuen französischen Finanzmister François Baroin stört sehr, dass der Konzern in den letzten beiden Jahren 1 Milliarde Euro Verlust gemacht hat. Das könne nicht so weitergehen, dachte Baroin und forderte in einem Brandbrief eine Umstrukturierung und eine bessere Berücksichtigung der Aktionärsinteressen, also der Interessen der französischen Steuerzahler.

Und jenseits des Geldes? „LT-Nachbar“ Hans-Joachim W. kommentierte vor Monatsfrist rigoros die Stellenstreichungen im Nachbarblog der Lokalzeitung so:

„Wer den Ausstieg aus der Atomenergie wirklich ernsthaft voran bringen will, darf nicht weiterhin mit der Herstellung von Brennelementen ermöglichen, dass diese Technologie betrieben wird. Wenn Atomkraftwerke in Deutschland, zugegebener Maßen auf hohen technischen Standard, abgeschaltet werden, dürfen weniger sichere AKW’s in anderen Ländern nicht weiter betrieben werden. Es ist unmoralisch, mit der Lieferung von Brennelementen an solche AKW’s viel Geld zu verdienen.
Aber bei Geld, besonders bei viel Geld, hört die Moral auf.“

Was noch?
Neue Mitarbeiter sucht derweil Areva Wind (mehr…). Auch ein Zeichen. Die Strukturen ändern sich.

TNT

20. November 2011

Katharina König (Foto re.), 1978 in Jena geboren, ist seit 2009 Thüringer Landtagsabgeordnete für die Partei „Die Linke“. Die Diplom-Sozialarbeiterin engagiert sich seit 1999 im „Aktionsbündnis gegen Rechts“ in Jena. In einer Rede im Thüringer Landtag legte sich König mit ihrer eigenen Partei an, als sie darlegte, warum sie die DDR als einen Unrechtsstaat sieht. Wegen dieser Position forderten PDL-Altmitglieder die Rückgabe ihres Mandats, doch die Mehrheit ihres Die Linke-Kreisverbandes und Fraktionsvorsitzender Bodo Ramelow stellten sich hinter sie.

Katharina König hat besondere, eigene Erfahrungen mit den Jenaer Neonazis. Gar nicht da, wo man so etwas erwartet, sondern im Internetportal von t-online finde ich dazu eine Reportage von Martina Borusewitsch. Sie berichtet, wie Beate Zschäpe, Mitglied des mörderischen Neonazi Trios von Zwickau, die heutige Landtagsabgeordnete in den 1990er Jahren zusammenschlug. Und wie Katharina König  scharf kritisiert

„den Thüringer Verfassungsschutz und die Polizei, die das Nazi-Trio 1998 trotz eindeutiger Hinweise nicht fassten. Damals gab es von dem Vorsitzenden des [rechtsextremistischen] „Thüringer Heimatschutzes“ Tino Brandt, der als V-Mann arbeitete, einen Hinweis auf Zschäpe, Mundlos und Bönhardt, die mit Sprengstoff experimentierten. „Am 26. Januar ist die Razzia“, so König, bei der die Polizei Rohrbomben und 1,4 Kilogramm TNT fand, „aber erst am 20. Februar startet die große internationale Fahndung mit Bildern in der Zeitung“. Da war das Trio längst abgetaucht. Brandt sagte mittlerweile, dass es Solidaritäts-Konzerte für Zschäpe, Mundlos und Bönhardt gegeben habe, Tausende Mark seien gesammelt worden – „das müssten die Behörden gewusst haben“. „Ich glaube, die haben das nicht nur maßlos unterschätzt – das sind mindestens Versäumnisse, wenn nicht sogar bewusstes Fehlhandeln“, wettert König.“

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(Foto: © Die Linke, Fraktion im Thüringer Landtag)