Seltsame Konserve

19. Oktober 2011

Da war ich gestern Abend reichlich irritiert. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat eine Studie über sexuellen Missbrauch im Kindesalter erstellt. Sie belegt, dass der Missbrauch in den letzten 20 Jahren um rund ein Drittel zurückgegangen ist. Dann höre ich in einem Tagesschau-Film, lediglich ein einziger (von über 11000) Befragten habe erklärt, von einem katholischen Priester missbraucht worden zu sein. Und während die ARD-tagesschau gleichsam Kirchenentwarnung gibt und manch Positives berichtet, blendet sie Bilder aus der Lingener St. Bonifatius Kirche  ein. Mit Weihnachtsbaum. Was hat unsere katholische Hauptkirche mit sexuellem Missbrauch zu tun? Nun gar nichts. Eine seltsame Medien-Konserve.

11 Antworten to “Seltsame Konserve”

  1. bolle said

    sicher???, oder ist dieses Thema nicht nach wie vor tabuisiert?? Auch wenn es „dein Spezialgebiet „ist . Ich könnte weder für die katholische noch für die evangelische Kirche ein Votum abgeben.

  2. kib said

    Was ist „HAUPTKIRCHE“ bitte?
    Robert, vermutlich hast Du jahrelang auf einem sehr hohen, einsamen Baum gesessen!
    Recht hast Du: Unsere katholische Kirche hat mit sexuellem Missbrauch gar nichts zu schaffen: Denn, sie ignoriert selbigen schlichtweg ( zu Lasten nicht gerade weniger sexuell missbrauchter Opfer!!!).
    Wie kommst Du darauf, dass in der „heiligen Sankt Bonifatius Kirche“ alles zum Besten steht: die Statistik sagt anderes, und das eine derart schöne Kirche in den Asservaten des NDR liegt ist allzu verständlich…

  3. hans said

    Was ist das denn für eine Wortkreation: „Kirchenentwarnung“?
    Wo Menschen sind und tun, ist Licht und Schatten, das gilt für die Kirche, die Familien, die Schulen und die Heime gleichermassen.

  4. Michael Sänger said

    Zu Bolle kann ich nur sagen: Es hat ja auch niemand verlangt, dass er für die katholische und für die evangelische Kirche ein Votum abgeben soll. Also ist dieser Satz höchst überflüssig.

    Zu kib: Das stimmt doch einfach nicht, dass die katholische Kirche den sexuellen Missbrauch ignoriert. Ich bin nicht katholisch, aber dass dieses Problem die Verantwortlichen bis ins Mark erschüttert und die „ganz einfachen katholischen Menschen“ zutiefst verunsichert hat, kann man doch überall nachlesen.

    Richtig ist, dass bestimmte „katholische Kreise“ das nach wie vor verdrängen oder aussitzen wollen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Herr Meisner aus Köln, seines Zeichens Kardinal und Erzbischof, sich zu diesem Thema öffentlich noch nicht erschüttert geäußert hat, obwohl er doch sonst zur Verkommenheit dieser Gesellschaft ständig was zu sagen hat.

    Also kib: Nicht so schnell vorurteilsbehaftete Meinungen loslassen.

  5. kib said

    Lieber Herr Sänger,

    ein rein schriftlicher Austausch ist schwierig. Ich werde Sie gern bei Gelegenheit auf das Thema persönlich ansprechen (und freu mich auf ein Gespräch, das mich sehr sicher bereichert!). Vorweg eins: Ich kann mich nicht so objektiv zu dem Thema äußern wie Sie (oder vielleicht doch? „Gretchenfrage“?): Ich stehe im intensiven Austausch mit einem Missbrauchsopfer und bleibe daher sehr (!) strikt bei meiner Einschätzung: Die katholische Kirche ignoriert, was ignoriert werden kann, und der Wunsch nach „Aufklärung bzw. Hilfe der Opfer“ ist nachweislich in den höchsten (!) Führungsebenen (ich denke, damit meinten sie „bestimmte Kreise“) der katholischen Kirche nicht vorhanden; . Der Fisch stinkt immer vom Kopf …manches Mal sehr arg!
    Ihr Zitat:
    ….Ich bin nicht katholisch, aber dass dieses Problem die Verantwortlichen bis ins Mark erschüttert und die „ganz einfachen katholischen Menschen“ zutiefst verunsichert hat, kann man doch überall nachlesen…..

    Herr Sänger: Was man „überall“ nachlesen kann interessiert mich nicht. Ich möchte allerdings (als ehemaliges Mitglied) die katholische Kirche / Glauben wahrlich nicht verurteilen eher l!

    Glauben Sie mir bitte, ich versuche meine Vorurteile weitestgehend abzubauen (aber: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut)

    In diesem Sinne, ich bemüh mich! Sie sich auch!
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,788237,00.html

    Ihnen einen schönen Restsonntag!

    • Mit der Aussage „Ich kenne aber jemand…“ kann man dieses Thema schlechterdings nicht diskutieren. Fakt ist: Die katholische Amtskirche arbeitet das Thema auf. Daran kann nicht gezweifelt werden -ungeachtet des Umstandes, dass nicht alle Würdenträger vorn dabei sind bzw. „nachweislich“ einzelne der Herren erheblichen Nachholbedarf haben und dass auch nicht alles perfekt gelingt. Aber guckst Du zum Beispiel hier . Der Weg scheint mir richtig und ein Stück weit auch vorbildlich zu sein. Aber wer dies beiseite schieben will, schiebt eben und beruft sich dann auf ein nicht überprüfbares einzelnes Schicksal. Schade.

  6. bolle said

    @kib, ich kann das nur bestätigen! Auch ich habe mit Menschen eine Beziehung, die zu tiefst enttäuscht wurden von der Institution der christlichen Kirchen.

  7. Michael Sänger said

    Ja, nun möchte ich wirklich gern wissen, wer denn kib ist, der oder die sich gern mit mir (am liebsten bei Schäfers Brotstuben in der Burgstraße oder noch besser im TPZ-Cafe) austauschen möchte! Ich warte und antworte jetzt nicht auf diesen Beitrag. Vielleicht ergibt sich das im persönlichen Gespräch viel besser.

    • Hallo Michael,

      ich habe kib gerade diese E-Mail geschrieben:

      Ja, beste/r kib, dann nimm mal Kontakt auf zu Michael Sänger. Hier seine E-Mailadresse

      ms.theater@XXXXXX
      Nächtliche Grüße

      R

      ps Ich frage MS bei Gelegenheit mal, was daraus geworden ist.

      Dies zu Deiner Kenntnis. Halte mich bitte auf dem Laufenden.

      Auch an Dich nächtliche Grüße
      R

  8. kib said

    Den Wunsch nach einem persönlichen Austausch mit Herrn Sänger habe ich ausreichend kommuniziert: Robert, Deine Mail war „große Show“, und nötig wie eine Dritte Schulter!
    1. Lieber Herr Sänger,
    ein rein schriftlicher Austausch ist schwierig. Ich werde Sie gern bei Gelegenheit auf das Thema persönlich ansprechen (und freu mich auf ein Gespräch, das mich sehr sicher bereichert!).

    Bye the way: Frau Beckmann „kennt da auch jemanden“:
    http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/missbrauch-bergmann-fordert-konsequente-hilfe-fuer-opfer_aid_678068.html

  9. Das mit den Bildern zum Text in den Nachrichtensendungen läuft so:.Ein Redakteur schreibt einen Text und gibt ihn weiter. Der Text wird als Ton aufgenommen. Wenn das soweit in Ordnung ist, heißt es: „So nun `gieß mal ein paar Bilder drüber´. “ Das sind dann die „Konserven Bilder“, die auf Vorrat gedreht wurden. In diesem Fall fiel der Schnittregie eben nix anderes ein (oder es war nichts anderes verfügbar) als die Retortenbilder aus der Kirche. (Aus eigener Erfahrung)
    Zu dem konkreten Tagesschau Beitrag: Es ist schon ärgerlich mit welcher Leichtfertigkeit Klischees bedient werden. Bemerkenswert war die Kommentierung eines Vertreters eines Opferverbandes. Es sei eigentlich kein Rückgang zu verzeichnen, denn viele Betroffene würde keine Angaben machen. Aha! Das würde also bedeuten: Bei der ersten Untersuchung haben alle Angaben gemacht und jetzt nicht. Oh, heilige Einfalt. Wenn die statistische Erhebung einen Rückgang auswirft, dann spiegelt der prozentuale Rückgang tatsächlich die Wirklichkeit ab, selbst, wenn die absoluten Zahlen nicht richtig sein sollten. Alles klar?
    So ein Quatsch wird dann unkommentiert gesendet.

    Ich habe mir angewöhnt die Tagesschau nur noch mit Funkkopfhörern als Ton zu verfolgen. Dabei füttere ich meine 3 Hunde. Das was ich dabei sehe – Hundenäpfe und fröhliche Wauwaus – passt meistens genauso gut oder wenig zu den Texten, wie das was uns die Nachrichtenredaktion der ARD anbietet.

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