Mittendrin IX

28. September 2011

Die Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück (Foto re.) hat jetzt die Anklage der Osnabrücker Staatsanwaltschaft gegen den früheren Speller Pfarrer Andreas H. wegen Verdachts der Vergewaltigung einer seinerzeit 14-jährigen nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Das Hauptverfahren wird nicht eröffnet, beschloss die 3. Große Strafkammer (Aktenzeichen 3 KLs 20/11).

Eine Frau hatte dem heute 51-jährigen Pfarrer vorgeworfen, er habe sie als damals 14-jährige im Sommer 1990 in Haren zwei Mal vergewaltigt. Der Geistliche  war seinerzeit als Kaplan in Haren tätig gewesen. Er hatte auch im Ermittlungsverfahren die sexuellen Kontakte eingeräumt, aber betont, diese seien einvernehmlich und ohne Gewalt geschehen.

Die Frage, ob entgegen dieser Einlassung Gewalt angewendet worden sei, lasse sich -so der Beschluss der  Jugendkammer, die vor ihrer Entscheidung hochrangige Sachverständige bemühte,-  nicht mehr klären. Der Verdacht werde durch keine Beweise gestützt. Ein denkbare Straftat wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener ist längst verjährt. Der Beschluss der Strafkammer ist rechtskräftig; denn weder die Anzeigeerstatterin noch die Staatsanwaltschaft  haben gegen den Gerichtsbeschluss ein Rechtsmittel eingelegt.

So eine zurückhaltende Reaktion geschieht eigentlich nur dann, wenn sich im Laufe des sog. gerichtlichen Zwischenverfahrens die Verdachtsgründe pulverisiert haben. Hier hatte die Strafkammer nach Anklageerhebung zwei der renommiertesten Sachverständigen Deutschlands mit ergänzenden Gutachten beauftragt.Der Berliner Psychiater Prof. Dr. Hans-Ludwig Körber sollte klären, ob das Erinnerungsvermögen der Anzeigeerstatterin aufgrund psychischer Störungen möglicherweise getrübt und damit falsch war. Prof. Dr. Max Steller (Charité Berlin) fand anschließend  in seinem aussagepsychologischen Gutachten keine hinreichenden Anhaltspunkte, anhand derer er die belastende Aussage der Nebenklägerin zur Frage der Gewaltkomponente hätte verifizieren können. Die Aussage der Zeugin, so Steller in seinem ausführlichen Gutachten, sei  hinsichtlich der Schilderung der Gewaltanwendung nicht umfangreich und anschaulich genug, um auf ihren Wahrheitsgehalt sichere Rückschlüsse ziehen zu können. Da auch in dem sogenannten Zwischenverfahren, in dem das Gericht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet, die Unschuldsvermutung gilt, hat die Kammer die Anklageschrift nicht zur Hauptverhandlung zugelassen.

Das Bistum Osnabrück, so eine Pressemitteilung, habe den Beschluss des Landgerichts zur Kenntnis genommen. Gegen den ehemaligen Pfarrer wird aber noch ein kirchenrechtliches Verfahren beim Vatikan geführt, dessen Entscheidung noch aussteht. Bis zum Ausgang dieses Verfahrens bleibt der Seelsorger seiner kirchlichen Ämter enthoben. Ungeachtet des straf- wie kirchenrechtlichen Verfahrensausgangs dürfte es für den durch das Verfahren gebrandmarkten Andreas H. mehr als schwierig werden, seine berufliche Tätigkeit als Priester in einer Gemeinde wieder aufzunehmen.

Mich überzeugt die Entscheidung. Wenn im Zuge großer öffentlicher Aufgeregtheit zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche 20 Jahre nach einem Geschehen Vorwürfe erhoben werden, braucht es in einem Rechtsstaat belastbare Beweise und Anhaltspunkte für ein Strafverfahren gegen einen unbescholtenen Mann, mag er sich auch vor zwei Jahrzehnten moralisch fragwürdig verhalten haben. 

Sooo gern

28. September 2011

Vor einigen Tagen hatte ich hier über die Oldenburger Bau_Werk-Ausstellung „Es muss nicht immer Backstein sein“ berichtet. Diese Veranstaltung geht morgen, Donnerstag, 29. September ab 19 Uhr  mit einer Abschlusspodiumsdiskussion zu Ende: „Baukultur Nordwest – Gibt es ein neues, architektonisches Selbstbewusstsein?“ Die Einladung kündigt an „Gemeinsames Nachdenken mit jungen Architekten aus der Region“. Und da ist „unsere“ lokale Architektenszene durch Arnd Vickers vom Vickers Architekturbüro, Lingen, vertreten.

Außerdem sind dabei Oliver Ohlenbusch (gruppeomp architekten bda, Bremen und Rastede), Lars Frerichs (9° architecture, Oldenburg und Amersfoort (NL)) sowie Christoph Bliefernicht (Architekturbüro Bliefernicht, Oldenburg). Alle geben in kurzen „PechaKucha“-Vorträgen einen Einblick in ihre Arbeit und diskutieren im Anschluss über Fragen zur regionalen Identität in der Architektur der Metropolregion Bremen-Oldenburg.
Es moderiert Architekt Peter Salomon, Oldenburg. Anschließend folgt das Abschlussfest der bau_werk Saison 2011 mit Musik und Gesprächen an der bau_werk Bar.

Freunde, ich würde sooo gern dabei sein, bin aber wohl zeitlich dazu nicht in der Lage. Wer fährt hin/nimmt teil und berichtet anschließend hier im Blog? Bitte per PM.

Umwerfend

28. September 2011

Neues aus der Anstalt vom 27.09.2011: Pelzig, Priol und Dieter Hildebrandt waren umwerfend gut. Mediathek des ZDF hier:
Wenn auch Ihnen diese Sendung mehr als Spaß bringt, nutzen Sie bitte Ihren E-Mail-Verteiler zur Information Ihrer Freunde und Bekannten.

(Aktueller Tipp von Albrecht Müller auf NDS)

Deutungshoheit

28. September 2011

Aus dem Blog von Michael Spreng:

„Bis vor einer Woche konnte die Piratenpartei ihr Bild in der Öffentlichkeit selbst bestimmen. Sie hatte die Deutungshoheit über sich selbst. Sie tauchte unter der öffentlichen und veröffentlichten Meinung durch. Sie prägte ihr eigenes Image im Internet und mit witzigen Plakaten (“Warum häng ich hier eigentlich. Ihr geht  ja eh nicht wählen”) und origineller Fundamentalkritik an den etablierten Parteien (” Wir sind die mit den Fragen. Ihr seid die mit den Antworten”).

Seit ihrem sensationellen 8,9-Prozent-Erfolg bei der Berliner Wahl haben die Piraten die Deutungshoheit verloren. Eine Internet-Partei lernt die Macht der alten Medien kennen. Das Fernsehen, die Zeitungen und Zeitschriften prägen jetzt das Bild der Piraten in der Öffentlichkeit – mehr als es das Internet kann. Talkshows und andere TV-Auftritte verändern die Hierarchie der Piraten oder stellen sie erst her. Das zentrale Wahlversprechen Transparenz wird hart geprüft.

Die TV-Sender suchen sich ihre fernsehkompatiblen Typen. Weil der Berliner Spitzenkandidat Andreas Baum vor einer Kamera wenig attraktiv ist, sucht sich…“

Fortsetzung auf Sprengsatz.de