Speichern

21. September 2011

Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher (Foto lks)  hat gerade in einem Interview mit dem SPIEGEL den Ausstieg seines Weltkonzerns aus der Atomtechnologie verkündet und erklärt, der Atomausstieg Deutschlands sei ein Jahrhundertprojekt.

Das zentrale Problem dabei: Die Speicherung der regenerativ erzeugten Energien. Weht nämlich der Wind zu stark oder produziert eine Solaranlage zu viel Strom, ist es bislang kaum möglich, diese Stromüberschüsse zu speichern. Deshalb werden Windräder bei zu hoher Stromproduktion entweder abgeschaltet oder die erzeugte überschüssige Energie wird kostenfrei vorübergehend in die Stromnetze benachbarter Staaten wie Tschechien oder Polen eingeleitet.

Das Problem muss schnell gelöst werden: Schon in acht Jahren sollen nicht ganz 40 % und bis 2050 dann 80 Prozent des Strombedarfs erneuerbar erzeugt werden. Wie löst man den Wechsel von langen Phasen der Überproduktion – zum Beispiel im windreichen Herbst – mit Zeiten des Mangels, etwa im Winter? Speicherlösung könnte sein, den erzeugten Windstrom in Gas umzuwandeln. Denn Gas kann problemlos gespeichert werden. „Das Erdgasnetz hat heute eine Kapazität von über 220 Terrawattstunden“, sagt nicht nur Stephan Rieke vom Start-up-Unternehmen Solar Fuel Technology, „damit kann Deutschland über zwei Monate lang versorgt werden.“ Zum Vergleich: Heutige  Pumpspeicherkraftwerke, mit denen regenerative Energie ein bisschen gespeichert wird, reichen nur für Stunden.

Grundlagen für die Gas-Speicher-Lösung  hat  der  französische Chemiker Paul Sabatier (Foto lks) schon 1923 entdeckt. Der Nobelpreisträger von 1912 entdeckte ein Verfahren („Sabatier-Prozess“) zur  Umwandlung von Strom zu Erdgas. In einem Elektrolyseverfahren wird mit Hilfe des Windstroms Wasser in seine Grundbestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Wasserstoff wird dann in einem zweiten Schritt mit Kohlendioxid zu Methan (CH4) umgewandelt. Dieses  synthetische Erdgas kann anschließend ins deutsche Erdgasnetz eingespeist und damit gespeichert werden.

Seit zwei Jahren gab es eine ganz kleine Pilotanlage in Stuttgart. Seit März wird der Sabatier-Prozess  unter der  Bezeichnung „Solarfuel“ in einer etwas größeren Testanlage beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Mosbach erprobt. 2013 soll die erste größere Anlage quasi vor unseren Stadttoren im emsländischen Werlte  in Betrieb gehen. Sie wird 6,3 Megawatt Strom verbrauchen und ist 250-mal größer als die Testanlage von ZSW.

Ein wirtschaftliches Problem ist allerdings noch der große Energieverlust bei der Umwandlung, die 20 bis 40 Prozent der eingesetzten Energie beansprucht. Bei der Rückwandlung von Methan in Strom geht nochmals mehr als die Hälfte der Energie verloren.  Zwar erscheint das alles besser, als den mühsam erzeugten Ökostrom wegzuwerfen. Für den wirtschaftlichen Erfolg ist aber mehr notwendig. Hieran wird zu forschen sein…

(Quellen: ZEIT, Telepolis, 100% erneuerbare)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.