Troy Davis

21. September 2011

In den USA protestieren Tausende Menschen gegen die umstrittene Vollstreckung des Todesurteils gegen Troy Davis. Der Mann  soll heute 19.00 Uhr Ortszeit (Donnerstag 01.00 Uhr MESZ) im Gefängnis von Jackson im Bundesstaat Georgia hingerichtet werden. Davis wurde 1991 wegen der Ermordung eines weißen Polizisten zum Tode verurteilt. Bis heute beteuert er seine Unschuld und die Beweise für seine Schuld fehlen: Der schwarze Verurteilte soll 1989 in Savannah (Georgia) einen jungen weißen Polizeibeamten getötet haben, der einem zusammengeschlagen am Boden liegenden Obdachlosen helfen wollte. Sieben von neun Zeugen haben seit dem Mordprozess im Jahr 1991 ihre Aussage widerrufen oder abgeändert. Zudem war die Tatwaffe nie gefunden worden. Es gab auch keine physischen Beweise wie DNA-Spuren. Das Todesurteil stützte sich hauptsächlich auf die Aussagen eines Mannes, der Davis am Tatort gesehen haben will. Dieser Zeuge war selbst zuvor in Verdacht geraten, das Verbrechen begangen zu haben.

Mit einem Antrag auf einen Lügendetektortest ist Troy Davis wenige Stunden vor der Hinrichtung gescheitert. Der Begnadigungsausschuss lehnte das Gesuch „rundweg“ ab. Die Anwälte von Troy Davis wollen die Exekution mit der Giftspritze mit einem weiteren Antrag in letzter Minute verhindern. Troy Davis will die letzten Stunden mit seinen Angehörigen und Freunden verbringen. “Er will nicht drei Stunden getrennt von seiner Familie verbringen an dem Tag, der möglicherweise der letzte seines Leben sein könnte, wenn es keinen Unterschied macht“, sagte der Verteidiger Stephen Marsh

Der Fall Davis gilt als einer der umstrittensten seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA vor 35 Jahren. Hunderttausend Menschen in allen Teilen der Welt hatten für eine Verschonung des heute 42-Jährigen gekämpft, auch eine Reihe Prominenter setzte sich für ihn ein – darunter Papst Benedikt XVI., Friedensnobelpreisträger, zahlreiche US-Kongressabgeordnete und ein früherer Direktor der Bundespolizei FBI.

Davis rief in einer Botschaft dazu auf, auch nach seinem Tod weiter daran zu arbeiten, seine Unschuld zu beweisen – und die anderer Gefangener. „Dieser Kampf für Gerechtigkeit endet nicht mit mir“, hieß es in dem Brief, den Amnesty International USA auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. „Dieser Kampf ist für alle Troy Davises, die vor mir kamen, und für alle, die nach mir kommen werden.“

Update:
Nachdem der US Supreme Court einen weiteren Aufschub bgelehnt hat, ist allen Protesten zum Trotz
Troy Davis heute, 22.09.2011 um 5 Uhr MESZ  hingerichtet worden:

Speichern

21. September 2011

Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher (Foto lks)  hat gerade in einem Interview mit dem SPIEGEL den Ausstieg seines Weltkonzerns aus der Atomtechnologie verkündet und erklärt, der Atomausstieg Deutschlands sei ein Jahrhundertprojekt.

Das zentrale Problem dabei: Die Speicherung der regenerativ erzeugten Energien. Weht nämlich der Wind zu stark oder produziert eine Solaranlage zu viel Strom, ist es bislang kaum möglich, diese Stromüberschüsse zu speichern. Deshalb werden Windräder bei zu hoher Stromproduktion entweder abgeschaltet oder die erzeugte überschüssige Energie wird kostenfrei vorübergehend in die Stromnetze benachbarter Staaten wie Tschechien oder Polen eingeleitet.

Das Problem muss schnell gelöst werden: Schon in acht Jahren sollen nicht ganz 40 % und bis 2050 dann 80 Prozent des Strombedarfs erneuerbar erzeugt werden. Wie löst man den Wechsel von langen Phasen der Überproduktion – zum Beispiel im windreichen Herbst – mit Zeiten des Mangels, etwa im Winter? Speicherlösung könnte sein, den erzeugten Windstrom in Gas umzuwandeln. Denn Gas kann problemlos gespeichert werden. „Das Erdgasnetz hat heute eine Kapazität von über 220 Terrawattstunden“, sagt nicht nur Stephan Rieke vom Start-up-Unternehmen Solar Fuel Technology, „damit kann Deutschland über zwei Monate lang versorgt werden.“ Zum Vergleich: Heutige  Pumpspeicherkraftwerke, mit denen regenerative Energie ein bisschen gespeichert wird, reichen nur für Stunden.

Grundlagen für die Gas-Speicher-Lösung  hat  der  französische Chemiker Paul Sabatier (Foto lks) schon 1923 entdeckt. Der Nobelpreisträger von 1912 entdeckte ein Verfahren („Sabatier-Prozess“) zur  Umwandlung von Strom zu Erdgas. In einem Elektrolyseverfahren wird mit Hilfe des Windstroms Wasser in seine Grundbestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Wasserstoff wird dann in einem zweiten Schritt mit Kohlendioxid zu Methan (CH4) umgewandelt. Dieses  synthetische Erdgas kann anschließend ins deutsche Erdgasnetz eingespeist und damit gespeichert werden.

Seit zwei Jahren gab es eine ganz kleine Pilotanlage in Stuttgart. Seit März wird der Sabatier-Prozess  unter der  Bezeichnung „Solarfuel“ in einer etwas größeren Testanlage beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Mosbach erprobt. 2013 soll die erste größere Anlage quasi vor unseren Stadttoren im emsländischen Werlte  in Betrieb gehen. Sie wird 6,3 Megawatt Strom verbrauchen und ist 250-mal größer als die Testanlage von ZSW.

Ein wirtschaftliches Problem ist allerdings noch der große Energieverlust bei der Umwandlung, die 20 bis 40 Prozent der eingesetzten Energie beansprucht. Bei der Rückwandlung von Methan in Strom geht nochmals mehr als die Hälfte der Energie verloren.  Zwar erscheint das alles besser, als den mühsam erzeugten Ökostrom wegzuwerfen. Für den wirtschaftlichen Erfolg ist aber mehr notwendig. Hieran wird zu forschen sein…

(Quellen: ZEIT, Telepolis, 100% erneuerbare)