FDP 2.0

12. September 2011

Über die Kommunalwahlen in Lingen will ich noch etwas nachdenken, bevor ich meine Analyse hier niederschreibe. Zurzeit beschäftigt mich, was sich da tut im deutschen Parteienspektrum: Laut Umfragen hat die Piratenpartei alle Chancen, am nächsten Wochenende in das Berliner Abgeordnetenhaus einzuziehen. Meinungsforscher sehen sie wenige Tage vor der Wahl bei gut 6 %.

Die Zahl der Mitglieder stieg bundesweit im Jahr 2009 auf rund 12.000. In Niedersachsen liegt die Zahl der Mitglieder derzeit bei 1040.

Gestern nahmen die Piraten das erste Mal an Kommunalwahlen in Niedersachsen teil und haben 18 Sitze in den Landkreisen und kreisfreien Städten gewonnen. Am besten schnitt die Partei nach Angaben des niedersächsischen Landeswahlleiters mit 4,8 % in Delmenhorst ab. Dort sicherten sich die Piraten wie auch in Wolfsburg, Braunschweig und in der Region Hannover zwei Sitze. Je einen Sitz haben sie in den Räten von Oldenburg und Osnabrück. Die Zahl aller Mandate – von den Kreistagen bis zu den Gemeinderäten – bezifferte die Partei auf 58. Landesweit errangen die Piraten gestern 1,0 Prozent aller Stimmen.

Die Piratenpartei entstand in Deutschland im September 2006. Ursprünglich ging es ihr vor allem um den freien Austausch von Wissen im Internet. Mittlerweile engagiert sich die Partei auch für Themen wie ein garantiertes Grundeinkommen, für Bildung und den öffentlichen Nahverkehr.

Mit dieser Programmatik nähert sie sich Gruppierungen wie attac oder DemokratieJetzt. Ersetzen die Piraten damit die sterbende FDP?  Heißt FDP also künftig eher Für Die Piraten, Folgt Den Piraten? Die Piratenpartei trifft offenbar die gleichermaßen liberale wie konsequente Lebenseinstellung der Generation Twitter. Wird sie also FDP 2.0?

(Quelle dpa)

12 Antworten to “FDP 2.0”

  1. lingentheo said

    Eine Partei schafft sich ab!

    Dabei hatte sich Beeck doch so an dem Ergebnis bei der OB-Wahl von 23,24 % orientiert. Orientierungslos dümpeln er und die Partei mit 2,98 % dahin, das dürfte der Rekordverlust aller Zeiten sein.

    Ich denke, Beeck wird den Laden in Lingen dicht machen, sein Kreistagsmandat hat er ebenfalls verloren. Als nächstes wird er den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke abgeben müssen.
    Datt kommt davon, wenn man den Wähler dauerhaft für dumm verkaufen will und nichts kann, als ständig mit klugen Sprüchen rumzueiern…
    Ach so, Herr Koop, meinen aufrichtigen Glückwunsch zum Wahlergebnis.

    • Michael Sänger said

      Ich kann diesem Kommentar uneingeschränkt zustimmen, mit einer Einschränkung: Hat Herr Beeck wirklich mit „klugen“ Sprüchen „herumgeeiert“?

      Ich habe es hier schon einmal gesagt: Herr Beeck hat zweifelsohne ein rhetorisches Talent, aber Rhetorik allein genügt nicht und sei sie noch so gut. Sie ist nur ein Hilfsmittel, Ideen, Gedanken oder politische Utopien zu vermitteln. Und davon habe ich bei den Beiträgen, die ich in Stadtratssitzungen von Herrn Beeck miterleben konnte, so gut wie nie was gespürt. Und irgendwann merkt das ein Publikum und verhält sich bei der Wahl so wie gestern.

      Ich empfehle ihm, sich einmal intensiv mit der Geschichte des Liberalismus zu beschäftigen, z.Bsp. mit Thomas Dehler, das könnte ihm helfen, wieder einen politischen Standpunkt zu finden. Das wollen die Menschen von ihren Führungsfiguren, dass sie eine politische Meinung haben und sie auch glaubhaft vorleben, sonst werden sie in den Wahlen abgestraft – so wie gestern.
      Michael Sänger

      • auchauslingen said

        keine Sorge, Herr Beeck wird ein warmes Plätzchen am Katzentisch der CDU-Fraktion bekommen und darf seine AR-Pöstchen behalten.

        Und daß die heutige FDP-Mannschaft, egal ob in Bund, Land oder Kommunen irgendwas mit Begriffen wie „Liberalismus“ oder „Thomas Dehler“ anfangen kann, sei mal bezweifelt.

        Obwohl: da gibts doch das Thomas-Dehler-Haus in Berlin, wo der Vorsitzende logiert.

        Muß ja ein cooler Typ gewesen sein oder ist das der, dem das Haus gehört?

  2. Alan Shore said

    Ich teile die Begeisterung für solche Splitterparteien nicht. Ich hoffe bei der nächsten Bundestagswahl auf ein Drei-Fraktionen-Parlament. Jede Gruppierung, die sich nur durch Einzelinteressen politisch engagiert und nicht das große Ganze im Blick hat, schadet der Stabilität einer Demokratie.

    Das gestrige Wahlergebnis war enttäuschend: Ich hätte mir erhofft, dass die CDU ihre absolute Mehrheit einbüßt und SPD, Grüne und BN koalieren würden. Leider hat sich gezeigt, dass trotz aller Unzufriedenheit mit der CDU die Bürger gerade in den Wahlbereichen I, II und III diesen Wechsel nicht wollten – schade, vielleicht endlich in fünf Jahren…. Trotzdem noch herzliche Glückwünsche an Robert Koop und die 3 Bürgernahen.
    Ich hoffe, dass alle Oppositionsparteien eine schlagfertige und einheitliche Politik gegen die CDU anstreben und sich nicht mehr gegenseitig das Leben schwer machen, sonst wir das in 5 Jahren auch nichts!

  3. altodis said

    Servus Robert,
    zunächst einmal Glückwunsch zu Euren vier Sitzen! Klasse…
    Bevor Du mal wieder „kurz die Welt rettest“ und abschweifst gen FDP (die offensichtlich fast niemand politisch wahrnimmt- warum auch?):
    Wir hatten Kommunalwahlen und daher sei die Frage gestattet:
    Wie geht es in Lingen weiter???? Knallen Briefkästen nachts hoch, muss sich Deine Ratskollegin weiterhin Metaphern wie „Ackergaul“ gefallen lassen, werden diffamierende E-Mails an xyz verschickt…. ??? Bitte nicht!!!

  4. Hansi said

    Liebe Blogleser,
    lasst uns doch einmal kurz rechnen.
    Die Wahlbeteiligung lag bei ca. 50%. Die F.D.P. erreicht nicht einmal 3%. Also wählt von 100 Bürgern noch einer die“ Liberalen“.
    Offensichtlich sind in den goßen Städten heute schon die Piraten die wahren Liberalen; oder?

    „Schauspieler“ wie Rösler u. Westerwelle betimmen die Richtung und echte Liberale wie z.B. Gerhard Baum tauchen unter.
    Schade!

  5. Frank O. said

    FDP=FastDreiProzent
    Der Drops ist gelutscht.

  6. „Datt kommt davon, wenn man den Wähler dauerhaft für dumm verkaufen will und nichts kann, als ständig mit klugen Sprüchen rumzueiern…“

    Zumindest in mancherlei Hinsicht (wenngleich die obige Formulierung etwas harsch und pauschal gewählt ist), triftt dies auch in meinen Augen zu.

    Was wirklich unverschämt, da verzerrt dargestellt, von Herrn Beeck war: Die Tatsache, dass er tatsächlich den Versuch unternahm, die offenkundigen Mängel und Tierschutzverletzungen in der Massentierhaltung mit einer pseudorationalistischen Argumentationsarchitektur zu rechtfertigen, die keinerlei allgemeingültige, geschweige denn überhaupt handfeste Grundlage hat. Wenngleich ich Herrn Beecks Intelligenz schätze, so bin ich doch überzeugt davon, dass ein Rechtsanwalt (der gewiss verhältnismäßig professionelle und durchdachte kommunale Politik betreibt) diese besondere Angelegenheit jedoch wenig wissenschaftlich, sowie gesellschaftlich wenig fortschrittlich betrachtet, sondern mehr aus einer anachronistischen Interessenslage heraus eine Lanze für ein veraltetes, tierfeindliches System zu brechen ersucht.

    Für alle Interessierten hier ein kleiner Artikel, der fachkundige professorale Sichtweisen erläutert, die der von Herrn Beeck höchstpersönlich „dementierten Emslandisierung“ aufs Deutlichste widersprechen:

    http://www.die-gruenen-meppen.de/massentierhaltung.php
    http://www.nachhaltigwirtschaften.net/scripts/basics/eco-world/wirtschaft/basics.prg?a_no=4037

    Wer so eine Haltung wie diejenige von Herrn Beeck vertritt, ist definitiv kein Umweltschützer, sondern ein mit Lorbeeren sich selbst schmückender Erhalter des Status Quo, bestenfalls ein tendenziell ökologisch orientierter Ökonomist, der die Zierde seiner eigenen Gartenpracht und Fensterbank als ausreichende Klimaschutzmaßnahme betrachtet!

  7. Noch etwas Witziges am Rande… (ab ca. 1:48): „Er untersucht seit 30 Jahren den Zusammenhang zwischen Nikotin und Lungenkrebs, ohne irgendwelche Ergebnisse. Der Mann ist ein Genie. Er könnte die Gravitation widerlegen.“

    Natürlich ist das Thema ein anderes, aber die „Verkaufsstrategie“ ist dieselbe. 😉

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