Last minute

10. September 2011

Ein kleiner „last minute Wahbeitrag“ sei mir noch gestattet: Als besonders unehrlich und nicht nur als Ausdruck schlechten Gewissens und entsprechender Politik habe ich in diesem Wahlkampf empfunden, dass der 57-jährige CDU-Landratskandidat Reinhard Winter mit keinem Wort  in seinen Programmaussagen das drängende ökologisch-wirtschaftliche Thema „Massentierfabriken“ erwähnt. Deshalb bin ich dem Meppener „Aktionsbündnis Bauernhöfe statt Agrarfabriken Nord-West“ sehr dankbar, dass er dem schweigsamen  und auf seinen Wahlplakaten dank Bildbearbeitungsprogramm nur halb so alt wie 57 erscheinenden Kreisrat das Notwendige gefragt hat. Es sind sieben Fragen zur Massentierhaltung im Emsland und das Aktionsbündnis stellt Winters Antworten neben die der mit ihm konkurrierenden Landratskandidaten Dr. Friedhelm Wolski-Prenger (SPD) und Nikolaus Schütte zur Wick (Bündnis ’90/Die Grünen) sowie der im Kreistag vertretenen UWG*, für die mangels eigenem Landratskandidaten deren Kreistagssprecher antwortet, der Meppener Architekt Günther Pletz.

Die 4 x 7 Antworten empfinde ich als sehr aufschlussreich. CDU-Mann Winter nimmt darin -wie auch anders!- eine gänzlich verwaltungsunkritische, rückwärts gewandte Schönrede-Position ein.

Lesen Sie selbst!

* Die Lingener Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“ hat in den beiden Kreistagswahlkreisen insgesamt zehn Kandidaten für die Wahl zum Kreistag Emsland aufgestellt. Sie kandidieren morgen auf der Liste der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Emsland.

4 Antworten to “Last minute”

  1. Buggy said

    Diese Fragen sind doch alleine schon eine Anklage gegen die Nutztierhalter! Da wird eine Grenze zwischen Schwarz und Weiß gezeichnet, aber letztlich nicht beantwortet, wo Industriell, Agrarfabriken und „Massen“ beginnen. Was sind denn nun die immer wieder zitierten „kleinen und mittleren“ Betriebe?

    Die Antworten der vier Kandidaten gefallen mir alle nicht. Nur Winter sieht die Sachlage noch ein wenig realistisch.

    Interessant ist ein Nebensatz von Schütte zur Wick auf die Frage:

    „Sehen Sie sich selbst als politischer Anwalt der ländlichen Wohnbevölkerung und einer bäuerlichen Landwirtschaft mit kleinen und mittelgroßen Höfen oder eher als Befürworter eines agrarindustriell geprägten Emslands?“:

    […] Einige Landwirte werden aber auch die Betriebsgröße erhöhen müssen. […]
    ————–
    Meine Sicht der Dinge:

    – wir werden niemals die Wachstumsschritte der letzten 10 Jahre im Emsland weiter fortsetzen können, allerdings darf jungen, gut ausgebildeten und hoch motivierten Landwirten auch nicht generell eine Erweiterung in zukunftsfähige Größen verwehrt werden!

    – Großbetrieb ist nicht gleich Tierquälerei und Bio muss auch nicht immer besser sein.

    – Initiativen zur Förderung von regionaler Vermarktung gab es immer wieder und die sind auch zu begrüßen, aber ich würde mir nicht allzu große Hoffnungen machen, dass dieses gelingt.

    – Unsere Agrarmärkte sind weitgehend frei, d.h. die Landwirtschaft mit ihrem vor- und nachgelagerten Bereichen agieren weltweit- das gilt übrigens auch für die Biobranche!

    – Wir werden das Höfesterben mittelfristig nicht aufhalten können, denn bereits jetzt ist häufig absehbar, dass kein Hofnachfolger geboren wurde bzw die Erben lieber anderen Berufen nachgehen möchten.

    – Wir Landwirte müssen mehr Öffentlichkeitsarbeit machen, damit der informationswillige Verbraucher sich ein realistisches Bild von der Landwirtschaft machen kann.

    • Frank O. said

      Graue Haare gibt es gar nicht. Es gibt Schwarz und Weiß und es scheint doch Grau.

      @Buggy

      Ihre letzten 3 Kommentare, und dieser, zeigen mir zwar das Sie Landwirt mit Herz und Seele sind aber Sie verschönigen doch eine ganze Menge.
      Sie machen Zuhause sicher einen guten Job aber ganz so leichtgläubig ist der Verbraucher nicht mehr, wie sie es hier vermitteln.
      Prickings-Hof ist eben überall und niergendwo.
      Wenn sie denn verstehen was ich meine.
      Ich denke aber schon.

  2. Arndt said

    Auch wenn die Wahl gelaufen ist mal zum Interview: Es ist in meinen augen erschreckend, dass hier nur der Herr Winter durch Fachkompetenz, brillieren kann. Auch wenn er da sehr viel Verwaltungskram, was für den Normalbürger nicht sofort verständlich sein muss, von sich gibt, finde ich das besser, als die Aussage von Herrn Schütte zur Wick, einfach mal wachsen zu müssen. Da hat einer einfach überhaupt keine Vorstellung, wie schwierig und riskant es für einen Betrieb ist, seine Größe zu erhöhen. Landtechnisch ist es allein durch hohe Pachtpreise bedingt ein sehr teures unterfangen, Hähnchenställe sind kaum mehr zu genehmigen und die Gewinnspanne schmälert auch immer weiter ab und für neue Konzepte muss man ersteinmal die Geschäftsinfrastruktur errichten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.