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8. September 2011

Lingen, Burgstraße 7

und Sie sehen, wie man ein historisches Gebäude durch gezielt-angeflanschte Radweg-Hinweise effektiv verschönern kann. Das wirklich Deprimierende ist, dass die Arbeiter sich auch noch richtig Mühe gegeben haben, das (an dieser Stelle überflüssige) Radwegeschild zusammenzuschrauben. Und das Werk ist völlig missglückt. Denn merke: Ein Rosenstock  und Bentheimer Sandstein haben unbedingt  in den Hintergrund zu treten, wenn Emsländisch-Wegweisendes Richtung Freren, Gauerbach, Brögbern, Meppen und andernorts zu präsentieren ist..

Und um die Kritik abzurunden: Nicht weniger beeindruckt auf dem  historisierenden „Burgstrasse“-Straßenschild die Beachtung der Rechtschreibregeln, nach der man das stimmlose s als doppeltes ss nach kurzem Selbstlaut (= Vokal) schreibt, aber ß  nach langen Selbstlauten (= Vokalen). Sie verstehen? Strasse oder Straaaaaaaße?

Dann zieren auch noch ein Warnblinklicht mit Schalter nebst  eine Verteilerdose  die Hausfassade des  Baudenkmals. Danke an die großartige Versicherung, die solches vom Eigentümer verlangt. Goldschmiedin Uschi, wem muss ich schreiben, um den Charakter dieses 356 Jahre alten, für Lingens „Stadtarchitektur so bedeutenden Haustyps“ (Baldur Köster, in: Lingen – Architektur im Wandel, München 1988) zu bewahren?