beide Recht

19. August 2011

Nördlich der Kreisstraße, die von Altenlingen zur A31-Auffahrt Wietmarschen führt, und damit mitten im geschützten „Landschaftsschutzgebiet Emstal“ wollen Investoren und Wachendorfer Landwirte viele Windkraftanlagen bauen. Dabei geht es um Natur und Landschaft und um verdammt viel Geld; denn Windkraftanlagen bringen für die Grundeigentümer -zig Tausende Euro Pacht – jedes Jahr ein deutlich fünfstelliger Betrag. Wenn sich dann oben der Generator dreht und unten der Mais wächst, rollt der Rubel Euro in ungeahntem Tempo. Die SPD ist dafür, die BN sind es nicht. Die Lingener CDU traut sich vor der Kommunalwahl tatsächlich, keine Meinung zu haben zu veröffentlichen.

Am Montag habe ich mich bei Claus Alfes, bekennender Fan von Preußen Münster und einer der wenigen ausgewiesenen Ökologen in der regionalen Sozialdemokratie, über sein Ja zu den Plänen beschwert. Hier (mit seiner Zustimmung) die E-Mails, die wir zum Thema gewechselt haben:

Von: Robert Koop
Datum: 15. August 2011 00:19  MESZ
An: Claus Alfes

Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber  Claus,

Du weißt, dass ich Dich und Deine Arbeit sehr schätze. Nicht mehr so sehr schätze ich die Arbeit des BUND im Emsland, dem Du angehörst und der leider nichts im Kampf um den Altenlingener Forst beigetragen hat. Ich bin deshalb aus dem BUND ausgetreten.

Jetzt zitiert Dich die SPD Lingen in einem Eigenbericht, in dem sie sich für den Bau von Windenergieanlagen im Landschaftsschutzgebiet ausspricht.  So weit, so schlimm. Aber Deine, von der SPD jetzt wiedergegebene Aussage zum Bau dieser Windkraftanlagen  im Landschaftsschutzgebiet Emstal nahe Wachendorf erzürnt mich. Die von Dir geforderte Vernetzung von drei verstreut liegenden besonders schutzwürdigen Flächen, deretwegen Du die Windkraftanlagen befürwortest, geht allemal auch ohne sie. Ziel müsse sein, lese ich Deine Aussage, Naturschutz, Landwirtschaft und Energieerzeugung in Einklang zu bringen. Das sind wohlfeile Worte, aber alles drei geht eben nicht im Landschaftsschutzgebiet, wenn man dessen Schutzcharakter ernst nimmt. Windenergieerzeuung kann genauso wenig im Landschaftsschutzgebiet erfolgen wie dort ein Campingplatz betrieben werden kann. Das ist vor nicht einmal 15 Jahren geprüft und im Stadtrat entschieden worden. Das Landschaftsschutzgebiet wurde als ungeeignet für Windenergie erkannt. Jetzt wird die der Ausweisung als Schutzgebiet geschuldete, fehlende Bebauung als Grund für die besondere Geeignetheit für einen Windpark genannt. Absurd!

Das Landschaftsschutzgebiet Emstal erhält die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes und die Erholungsfunktion dieser Landschaft. Guckst Du hier. Das passt nicht zur Windenergie.

Trotzdem  soll nun die private Vermögensbildung mit -verschwiegenen !-  jährlichen Pachtzahlungen für die Anlagen im deutlich 5stelligen Bereich an Grundeigentümer ermöglicht und alles, was das Landschaftsschutzgebiet Emstal ausmacht, soll beiseite gedrückt werden.  Das ist ganz schlimmer Lokalopportunismus und man muss nicht Schirrmacher heißen und für die FAZ schreiben, um diese Entscheidung zugunsten weniger Landwirte und zulasten von Landschaft und Natur für grundlegend falsch zu halten.

Schade, dass Du das anders siehst.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Koop

 

Von: Claus Alfes
Datum: 16. August 2011 21:42 MESZ
An: Robert Koop

Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Robert,

Zunächst: Meine Wertschätzung für Deine Person und Deinen unkonventionellen Stil möchte ich ausdrücklich betonen, und daran wird sich auch nichts ändern.

Ich habe mich seit 1990 bemüht, eine Vernetzung der drei Naturschutzgebiete in Wachendorf zu erreichen, aber ohne jeden Erfolg. Jetzt würde sich auf dem Wege der Kompensation für den Windpark die Möglichkeit eröffnen, dieses Ziel doch noch zu erreichen.

Welchen Preis würde man dafür zahlen? Den Bau von Windrädern in einer trostlosen Ackerlandschaft, die sich vom Autobahnzubringer kilometerweit nach Norden erstreckt, bei einer Breite von 400 bis 900 Metern. In dieser Ackerlandschaft befindet sich kein schutzwürdiger Quadratmeter. Die Bezeichnung „Landschaftsschutzgebiet Emstal“ trifft nicht den Charakter dieses Raumes.

In meinem kurzen Statement während der SPD-Begehung habe ich mehrfach betont, dass ich die Position „Landschaftsschutzgebiete dürfen nicht angetastet werden“ für ehrenwert halte.

An diesem Standort gibt es aber nichts zu schützen, stattdessen soll dort alternative Energie erzeugt werden, und auch dafür setze ich mich ein.

Selbstverständlich bin ich gerne bereit, die Angelegenheit vor Ort mit Dir zu erörtern.

Noch etwas Anderes: Die Entwicklung des BUND Emsland (völliges Abtauchen seit Jahren) enttäuscht mich sehr und stimmt mich traurig.

Alles Gute!

Claus

Von: Robert Koop
Gesendet: Dienstag, 16. August 2011 22:33
An: Claus Alfes
Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Claus,

danke für Deine prompte Antwort. Die Antwort auf das Problem kann aber doch nicht sein, das Landschaftsschutzgebiet nun völlig kaputt gehen zu lassen, nachdem die Herren Landwirte die exzessive Vermaisung favorisiert haben. Das LSG muss zurück entwickelt, es muss verbessert werden. Zum Beispiel, indem die öffentliche Hand Grunderwerb tätigt und andere Nutzungen ermöglicht. Durch eine Energieerzeugungsanlagenplatzierung geht das aber nicht.  Wobei ich Dir auch widerspreche, dass in dieser Ackerlandschaft kein schutzwürdiger quadratmeter ist. Es gibt immerhin Ackerrandstreifen und Wallhecken.

Du musst wissen. Es  ist ein knallhartes Geschäft: Unten hektarweise Mais und oben Windkraft. Weißt Du, wieviel ein Grundeigentümer ohne jede Leistung an dieser Winkraft verdient? Wat meinste?

Und das Landschaftsbild gibt es auch noch. Die LSG-Satzung schützt auch dies.

Abendliche Grüße

Robert

ps Hast Du übrigens gesehen, wie weit es gekommen ist? Die FDP Lingen wirbt jetzt damit, sie sei sozial. Das Nächste wird sein, dass die Erde doch eine Scheibe ist…

Von: Claus Alfes
Gesendet: Donnerstag, 18. August 2011 15:41
An: Robert Koop
Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Robert,

natürlich kann es nicht darum gehen, „das Landschaftsschutzgebiet nun völlig kaputt gehen zu lassen“.

Das wäre beim Bau des Windparks in Wachendorf auch nicht der Fall. Im Umfeld der Windräder betrifft der Eingriff eine reine Agrarsteppe, nichts Anderes.

Der als Kompensation für den Bau der Anlage vorgesehene Vernetzungsstreifen zwischen den Heidedünen der „Kamelrennbahn“ und dem Naturschutzgebiet „Moorschlatts und Heiden in Wachendorf“ liegt einige hundert Meter weiter südlich innerhalb des Landschaftsschutzgebietes und würde den gesamten Wachendorfer Raum enorm aufwerten.

Wirtschaftliche Überlegungen sind aus meiner Sicht nicht Gegenstand dieser Diskussion. Dass ich politisch links stehe, weißt Du.

Gegen eine Veröffentlichung unserer insgesamt vier E-Mails habe ich keinerlei Bedenken. Es ist schon komisch: Irgendwie haben wir beide Recht.

Alles Gute!

Claus

 

(Foto: Agrarsteppe Maisacker, © DUH)

25 Antworten to “beide Recht”

  1. Weltbürger said

    Ich kann, was die Überlegungen zum Windpark in Wachendorf betrifft, Herrn Alfes nur voll und ganz zustimmen. Der geplante Standort wird nichts und niemanden stören und wenn man, wie von Alfes vorgeschlagen, den Vernetzungsstreifen schafft, ist auch der Umwelt gedient.
    Wollen wir es mit der Energiewende ernst nehmen, brauchen wir zusätzliche Windparks. Dass davon der eine oder andere mehr profitiert, ist so und war auch in der Vergangenheit nie anders. Eine Neiddiskussion ist an dieser Stelle völlig unangebracht und spielt der sicherlich hier und da immer noch vorhandenen Atomlobby voll in die Karten.
    Ich persönlich kann dem Standort sehr viel mehr abgewinnen als dem von den BürgerNahen favorisierten Standort im Altenlingener Forst. Allein die Nähe zur Bahnlinie läßt mir diesen Standort eher ungeeignet erscheinen.

  2. Hajo Wiedorn said

    Die SPD ist nicht vorbehaltlos für diesen Windpark, wir haben in Zusammenarbeit ganz klare Vorbehalte geäußert. Ich habe beim Ortstermin gesagt, wenn zu diesen Vorbehalten Einigung erzielt wird, sei der Windpark an dieser Stelle möglich. So stand es übrigens auch mit den Aussagen von Claus Alfes in der Mitteilung an die Presse. Diese kritischen Aussagen sind allerdings in der LT nicht wieder zu finden.
    Wer den Originalbericht mit Fotos lesen möchte kann das auf der website der Lingener SPD tun.

  3. Frank O. said

    Während in Lingen mal wieder diskutiert wird was wann und vor allem wo hin darf fährt in Osnabrück bereits der erste elektrisch betriebene Bus im Linienverkehr und die Stadtwerke garantieren jedem Privathaushalt bis 2018 grünen Strom und das natürlich aus eigener Produktion.

    tut zwar nix zur Sache, ist aber so.

  4. Buggy said

    Es wird hier eine Win-Win-Win-Situation hergestellt.

    1.) für die Anwohner und Grundstückseigentümer wegen dem finanziellen Profit
    2.) die Stadt wegen der zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen
    3.) die Natur wegen der sinnvollen Vernetzung verschiedener Biotope

    Ist doch eigentlich nicht schlecht, oder?

    Ich habe die Windkraft jedenfalls lieber als Biogasanlagen…

    • lingentheo said

      …wieviel verdient denn nun ein Grundeigentümer (Bauer) ohne jede Leistung an Windkraft? und: wie groß ist der Flächenansatz für 1 Anlage?

      • Buggy said

        das ist abhängig von der Höhe der Anlage; es gibt Modelle, die nach Windstromertrag gestaffelt sind- letztlich ist es auch Abhängig vom Verhandlungsgeschick der Grundbesitzer.

        Irgendwo habe ich hier im Blog „fünfstellig“ gelesen- das passt, bezieht sich aber auf ein Jahr! 😉

        • Buggy said

          Achso- Flächenansatz:

          ich habe keine genauen zahlen zur Hand. je höher die Anlagen, desto weniger Windräder pro Fläche.

          Die Anlagen sollen sich nicht gegenseitig den Wind wegnehmen.

          Deshalb würde ich vom Bauchgefühl sagen, dass eine 185m hohe Anlage mindestens 370 m von einer anderen Anlage entfernt sein sollte.

  5. Michael Sänger said

    Der liebe Robert Koop sen. ist ja gegen alles, Protest ist seine „geistige Heimat“ und so kennen wir ihn und nicht wenige mögen ihn deswegen, weil es immer Menschen geben sollte, die gegen bestehende Machtstrukturen protestieren, was auch in Ordnung ist. Soweit so gut. Aber dass er jetzt auch zu den Leuten gehört, die gegen Windkraftanlagen Bedenken anmelden, das ist doch kurios! Mein Gott, wir alle wissen, dass wir unsere Welt kaputt machen mit unserer erdausbeutenden Energieverschwendung und dass künftige Generationen das alles bezahlen müssen. Deutschland ist eines der wenigen Länder auf diesem Globus, das alternative Energiegewinnung vorantreibt. Spätere Generationen werden sich dankbar daran erinnern. Und da regt sich doch tatsächlich jemand auf, weil in einem „Landschaftsschutzgebiet“ vier Windräder stehen sollen. Was bitte zerstören diese Windräder in diesem Landschaftsschutzgebiet? Nichts! VIelleicht bekommen ein paar Frösche ein WIndradtrauma. Alle sind für Umweltschutz, aber wenn es konkret wird oder wenn ein Windrad Geräusche macht, dann bitte nicht in meiner Nähe, dann lieber geräuschlosen Atomstrom oder benzinbetriebene Notstrom-Aggregate. Immer nach dem Satz: „Heiliger Sankt Florian, behüt unser Haus, zünd´ andre an.“ Diese ewige Protesheuchelei ist schwer zu ertragen. Dass es dabei auch um Geld geht, ist doch völlig klar, wer ist denn so naiv und glaubt, dass Windkrafträder aus reiner Naturfreundlichkeit gebaut werden? Aber mir ist es lieber, es fließt Geld für Windkraftanalgen als z. Bsp. für Waffenexporte. Man kann auf dieser Welt und in diesem Leben nicht alles haben, immer müssen die Menschen mit Halbheiten leben. Der Protest vieler junger Menschen derzeit in europäischen Ländern gegen ein Leben ohne Perspektiven ist gerechtfertigt, aber der Protest gegen vier Windräde in Wachendorf dagegen ist lächerlich.

    • Lieber Michael Sänger,
      die – auch gern von meinen politischen Gegnern verbreitete- Wahrnehmung, ich sei gegen alles, ist eine falsche. Um so mehr ärgert es mich, wenn kein politischer Gegner und zudem ein kluger Kopf diese Mär aufnimmt und verbreitet.

      Also: Ich bin nicht gegen, ich bin für! Für das Meiste, um es genauer zu sagen: Zum Beispiel bin ich für den Altenlingener Forst und für Wald im allgemeinen wie besonderen, ich bin für den Storch auf der Wiese am Ems-Vechte-Kanal, für Platanen in der Stadt, für Denkmalschutz, für Durchblick und für Baukultur, für den TuS und für den ASV (der heute 3:0 gewonnen hat), für das Landschaftsschutzgebiet, für vielfältige Kultur, für den Kunstverein und den Alten Schlachthof, für Freiheitsrechte, für das Landschaftsbild, für gutes Wetter und für die freie, kritische Diskussion, für Rotwein, für gute Presse, für Sinfonien, Till Brönner und Tim Benzko, für lecker Essen (guckst Du!) und für Hunderte von Windkraftanlagen. Ich könnte für die Ergänzung dieser Aufstellung sein, wenn es gewünscht wird.

      Und was bitte zerstören diese Windkraftanlagen im Landschaftsschutzgebiet? Nun denn, ich verrate es: die unverbaute Landschaft.

      • Kib said

        Lieber Robert,
        den ersten Absatz Deiner Antwort an Herrn Sänger habe ich begeistert gelesen und mich auf einen Austausch, wie es ihn in diesem Blog früher einmal gab, sehr gefreut.
        Deine Ausführungen im zweiten Absatz sind allerdings enttäuschend & erinnern an

        @ Herrn Sänger: Ich habe ihren Beitrag insgesamt drei Mal gelesen und von Mal zu Mal lauter genickt !

        • Grüne Gurke said

          @kib
          Deinen Kommentar finde ich ziemlich oberflächlich, weil Du nichts begründest. Um in Deinem Stil zu kommentieren: Deine Kommentare waren früher schon mal besser.

          Blogbetreiber RK wird meistens so dargestellt und empfunden, dass er immer dagegen ist (Du und @Michael Sänger machen das mit). Diese Darstellung ist aber viel zu vordergründig. Beispiele: Wenn jemand für Denkmalschutz ist, ist er auch gegen den Abriss des Baudenkmals. Wenn RK für das Zeigen des Deichkoenigin-Video ist, ist er gegen die Schützenfestleute, die keine Veröffentlichung wollen. Man könnte die Beispiele auf alle anderen Positionen in diesem Blog übertragen. Für oder gegen – es kommt immer auf den eigenen Standpunkt und die Sichtweise an – und in Lingen darauf, was die Tagespost darüber schreibt.

          Dagegen zu sein, nur um Dagegen zu sein, ist etwas anderes. Einen solchen Standpunkt habe ich aber bei RK noch nicht festgestellt. Er will andere Lösungen und schreibt auch welche. Eigentlich leicht zu erkennen.

      • Michael Sänger said

        Also diese ganze Diskussion scheint doch nur mit Rotwein vernünftig zu Ende geführt werden können!!!

        • Michael Sänger said

          Der Beitrag ist falsch plaziert, er gibt nur einen Sinn als Antwort auf Robert Koops Antwort an mich, also kib und Grüne Gurke rückwärtsw überspringen!

  6. reinhard-rauscher said

    Nur an Rande: Es geht hier konkret um sechs Anlagen mit 135 mtr. Nabenhöhe, 185 mtr. Gesamthöhe!

    • Hans Peters said

      Erstmal, Herr Rauscher, erstmal.
      Wer weiß schon, was wird. Wir erleben doch gerade, dass Landschaft keine Lobby hat und in unserer „dynamischen“ Gegend Geld alles erreicht. Es kann selbst den Schutz der in Jahrhunderten unverbauten Landschaft zugunsten privaten Profits in wenigen Monaten zur Seite fegen. Es ist zum Kotzen!

  7. Buggy said

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier einige Vorbehalte haben, weil dieser Windpark für Grundstückseigentümer und Betreiber ein gutes Geschäft wäre!

    Es gibt einen Eingriff in die Natur und der wird ausgeglichen. Herr Alfes hat oben weiter Pro und Contra sachlich gegenübergestellt und sich insgesamt Pro ausgesprochen.

    Lasst die Unternehmer doch bitte etwas verdienen (Auch wenn die Gewinne mit dem EEG von fast allen Stromverbrauchern gezahlt werden).

    Das ist Wirtschaftsförderung und Naturschutz in einem!

  8. Grüne Gurke said

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass einige hier Probleme haben, differenziert zu überlegen. Der Energieumstieg kann sicher nicht bedeuten, dass jede alternative Energieerzeugung nun bejubelt werden muss – gleichgültig ob und welche Nachteile sie hat. Sie Buggy, sind selbst sehr kritisch, wenn es um Biogasanlagen geht, weil die Landwirte -also auch Sie- unter den hohen Pachtpreisen leiden, die die Betreiber für Maisäcker zu zahlen bereit sind. Koop hat offenbar Probleme mit der „Verspargelung der Landschaft“ in dem ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet. Ihm geht es also erst mal nicht um das eigene Portmonee. Das ist eine ehrenwerte Einstellung, die man nicht so diskreditieren darf, wie Sie, Buggy, dies tun.
    Das Umsteuern braucht Augenmaß. Es wird nicht gelingen, wenn Privatleute wegen des eigenen Portmonees entscheiden wo und wie umgesteuert wird. Ich finde diese thematische Zusammenstellung im STERN ganz vernünftig, weil sie die dinge auf den Punkt bringt:
    http://wap.stern.de/op/stern/de/ct/-X/detail/wirtschaft/sternde-Serie-Energiewende-Deutschland/1713817/

  9. otto h said

    Mich würde es niemals stören, wenn jemand sein Eigentum dazu nutzt, um damit Geld zu verdienen. So empfinde ich es auch als völlig legitim, wenn ein Landwirt Interesse daran hat, ein paar Hundert Quadratmeter seines öden Ackers für 25.000 Euro und mehr pro Jahr an den Betreiber einer Windmühle zu verpachten. Würde der Acker mir gehören, würde ich ihn sicher ebenfalls gerne verspargelt sehen.
    Den Ihnen eigenen Altruismus dürfen sie nicht auch von den „armen Nebenerwerbsbauern“ in Wachendorf verlangen, lieber Robert Koop. Die wollen ihren Kindern auch ab und zu mal ein Ei zum Sonntagsfrühstück gönnen.

    Doch die ganze Diskussion wird hier sowohl von den betroffenen Bauern, wie auch von der momentan so schweigsamen, aber doch zur gleichen „Interessengemeinschaft“ gehörigen Mehrheitsfraktion im Lingener Rat sehr heuchlerisch geführt.

    Die Bauern schieben Umweltgründe vor, statt offen über ihre finanziellen Motive zu sprechen. Wer durch den hemmungslosen Maisanbau die Landschaft so verschandelt und den Boden durch den notwendigerweise massenhaften Düngereinsatz verschlimmbessert, dazu durch ebenfalls zwangsweise notwendige, extensive Bewässerung der Maisfelder mit dem entnommenen, großen Mengen Grundwasser auch noch dafür sorgt, dass die Phosphate möglichst schnell mit dem Sickerwasser dahin gelangen, wo das wertvolle Wasser vorher gekommen ist, dem glaubt doch ohnehin keiner mehr, dass er bei Windmühlen an Umweltschutz denkt.

    Für die CDU Waldabholzer-Fraktion im Rathaus ist die von den Wachendorfer Parteigängern gewünschte Verspargelung tatsächlich sogar in zweierlei Hinsicht hoch willkommen. Eine Genehmigung wäre zunächst einmal ein Freundschaftsdienst unter Gleichgesinnten. Das kennt man ja bereits zur Genüge. Doch so kurz vor den Wahlen ist erst mal Klappe halten angesagt. Wenigstens das hat man vor einem Jahr schmerzvoll gelernt.

    Doch die Genehmigung von Windmühlen im Landschaftsschutzgebiet NACH den Wahlen ist strategisch für ein weiteres Projekt der Waldabholzer-Fraktion wichtig. Nämlich für den immer noch fest auf der Agenda stehenden Bau der niemand entlastenden Entlastungsstraße durch den Altenlingener Forst. Mit der damit einhergehenden Abholzung eines weiteren über 250 Meter breiten Streifen Waldes parallel zum Tanklager der Raffinerie. Die Beschlüsse dazu sind im Bebauungsplan 19 mit den Stimmen der Mehrheitsfraktion längst festgeschrieben.

    In Folge braucht man dafür jedoch eine vorherige Aufweichung des Status als Landschaftsschutzgebiets jenseits des Kanals. Nimmt man durch den Bau von Windmühlen der Landschaft den Schutzstatus kann man nämlich endlich auch eine Straße quer hindurch zur Emsbrücke bauen. Ohne diese Möglichkeit wird der ohnehin schon schwachsinnige Charakter der Entlastungsstraße ohne Entlastungswirkung nämlich vollends zur Lachnummer. Doch dazu kein Ton von der Holzfällerfraktion. Wer sich bislang gefragt hat, wie die den Bau einer viel befahrenen Straße mitten durchs Landschaftsschutzgebiet deichseln wollen, der weiß es spätestens jetzt.

    Bevor sich die Damen und Herren im Stadtrat noch einmal den Zorn der Bevölkerung zuziehen, schickt man diesmal lieber unauffällig die Freunde im Altenlingener Ortsrat vor, die in ihrem Parteiorgan ganz unverdächtig sogar damit zum Wahlkampf bimmeln, indem man die weitere, großflächige Abholzung des Altenlingener Forstes freimütig auf der Agenda setzt. Die umschreiben das jedoch ganz unschuldig mit der dringenden Notwendigkeit des baldigen Baues der geplanten Entlastungsstraße. Dies natürlich zum Wohle und im Interesse der Altenlingener Bürger. Man gibt vor, die Anwohner vor Lärm und Geruchsbelästigung schützen zu wollen, trägt tatsächlich jedoch erst beides zu ihnen vor die Haustüre.

    Und als ob dies nicht schon genug der Heuchelei wäre, nimmt man ihnen auch noch gleichzeitig weiteren Schutzwald, der vor genau solchem Lärm und Geruch schützen soll. Das wird jedoch tunlichst nicht erwähnt. Sollen die dummen Bürger doch selbst dahinter kommen und wieder auf die Straße gehen! Dann ist es ohnehin wieder zu spät. Wie so etwas gemacht wird, hat die Holzfäller Fraktion uns ja bereits vor gut zwei Jahren sehr erfolgreich vorgeführt. Die Vorgehensweise in dieser Sache ist schon nicht mehr als heuchlerisch zu bezeichnen, sie ist geradezu hinterhältig.

    Ja, und da schließt sich der Kreis mal wieder. Mag der Bau von Windkraftanlagen tatsächlich die von den Mais-für-Biogas-Bauern ohnehin schon verschandelte Landschaft nicht mehr wesentlich beeinträchtigen, so sollten wir dennoch um 5 Minuten vor 12 das endgültigen Aus des Landschftsschutzes verhindern. Denn nur so können wir weiteren Frevel verhindern, der bereits beschlossen ist, aber ernsthaft erst umgesetzt werden kann, wenn das Landschaftsschutzgebiet entlang der Ems gefallen ist. Was den befreundeten Bauern zur finanziellen Wohltat dient, dient der jetzt-erst-recht-Waldabholzer-Fraktion dazu, die Beschlüsse zum Altenlingener Forst hämisch weiter verfolgen zu können.

    Vernetzung von Landschaftsschutzgebieten hört sich eigentlich gut an, Herr Alfes. Doch neben der Vernetzung von Landschaft ist auch VERNETZTES DENKEN dringend gefragt. Nur dann erkennt man, dass Vernetzung auf der einen Seite zwar positive Folgen haben könnte, aber eben auch gleichzeitig desaströse Auswirkungen andernorts, weil man damit ungewollt verantwortungsloses Handeln von Politik fördert.

  10. lingentheo said

    @ otto h – ich lese:
    „Der Ihnen (Koop) eigene Antruismus“, ergo:
    OTTO H, DER EGOIST und ROBERT KOOP, DER SELBSTLOSE HEILSBRINGER FÜR LINGEN (und das mitten im Wahlkampf).
    Schöne Märchenstunde, die Sie da abhalten, mehr als peinlich…

    Wikipedia: Bedeutung Antruismus:

    selbstlos,aufopfernd, uneigennützig, edel, beseelt, edelmütig, fühlend, innig, sanftmütig, seelenvoll, hochherzig, idealistisch

    Bedeutung: einfühlsam | Art: Adjektiv
    fühlend, vernünftig, rücksichtsvoll, einfühlend, verständig, umgänglich, einsichtig, verträglich

    Bedeutung: empfindsam | Art: Adjektiv
    verständnisvoll, gutmütig, fein, sensibel, musisch, sinnenhaft, sinnlich, verletzbar, empfindend, vornehm, empfänglich, ästhetisch, weitherzig, sanft, gefühlvoll, sensitiv, tiefgründig, verinnerlicht, verletzlich, verwundbar, feinbesaitet, hellhörig, taktvoll, verstehend, erotisch, schwärmerisch, nobel, zart fühlend, tiefsinnig

    Bedeutung: engagiert | Art: Objekt
    weltverloren, hingebungsvoll, weltentrückt, hochfliegend, lebensfremd, verträumt, träumerisch, weltfremd, unrealistisch, aufopferungsvoll, wirklichkeitsfern

    Bedeutung: gefühlvoll | Art: Adjektiv

    gemütsreich, kontemplativ, mit Liebe, zartbesaitet, beseelt, feinsinnig, romantisch, zart, feinfühlig, zärtlich, emotional, salbungsvoll, feinfühlend, mitfühlend, teilnahmsvoll, innerlich, rührselig, voller Liebe, ausdrucksvoll, gefühlsselig, gefühlstief, einfühlsam, seelenvoll, zart besaitet, gemütvoll, liebevoll, irrational, theatralisch, feinnervig, mitleidig, weich, empfindlich, larmoyant, von Liebe erfüllt, gefühlsbetont, dünnhäutig, reizempfindlich, empfindsam, sentimental

    Bedeutung: großmütig | Art: Adjektiv

    aufopfernd, edelmütig, idealistisch, ehrbar, edel, von hoher Gesinnung, aufrecht, ehrenwert, achtbar, ehrenhaft, adlig, ideal, charakterfest, ritterlich

    Bedeutung: selbstlos | Art: Adjektiv

    fürsorglich, innig, mütterlich, rührend, hochherzig, uneigennützig

    Bedeutung: uneigennützig | Art: Adjektiv

    barmherzig, gemeinnützig, anteilnehmend, hilfreich, sanftmütig, hilfsbereit, sozial, selbstlos, unegoistisch

  11. otto h said

    @Lingentheo

    Wenn Sie lesen, sollten Sie richtig hinsehen. Ich schrieb was über Altruismus und nicht ANtruismus. Zwei mal falsch geschrieben gleich einmal nicht verstanden? Muss wohl, bei so einem wirren Text.

    Wenn wieder nüchtern, einfach noch einmal versuchen.

  12. lingentheo said

    @ onkel otto: trotzdem, Eigentum verpflichtet…, Sie Egoist!

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