Klarname

7. August 2011

Lautstark wird das Ende der Anonymität im Netz verlangt. Abgesehen davon, dass es diese Anonymität in Deutschland so gar nicht gibt, führen uns solche Forderungen immer mehr in Richtung Überwachungsstaat.

Warum das so ist, begründet der Kollege Udo Vetter (Foto re.)  in diesem Beitrag für das ZDF-Blog Hyperland:

„Etwa um 1580 fügte ein Unbekannter Anekdoten und Schwänke aus dem Leben eines Grenzgängers und Außenseiters zusammen. Heraus kam die „Historia von D. Johann Fausten“. Das Buch war nicht nur die Grundlage für das Aushängeschild deutscher Literatur schlechthin, nämlich Goethes „Faust“. Es war auch gesellschaftskritisch und politisch damit unbequem. Kein Wunder, dass sich der Verfasser entschied, seinen Namen vom Einband zu lassen. Lebte er heute und könnte er es sich sich nicht leisten, mit seiner brisanten Thematik in Verbindung gebracht zu werden, ließe er sein Werk wahrscheinlich gar nicht drucken.

Er würde es gleich ins Internet stellen – als E-Book zum Beispiel oder auf ein Blog. Dabei sollte er sich allerdings beeilen. Denn nun branden Rufe nach einem „Ende der Anonymität“ im Internet auf. Setzen sie sich durch, stehen die Goethes von morgen womöglich ohne Stoff für ihren nächsten Bestseller da.

Die so vehement vorgetragene Forderung nach einer Klarnamenpflicht in der Online-Kommunikation kommt aus zwei Richtungen. Einmal sieht die deutsche Politik Handlungsbedarf. Im Gegensatz zu den besonnenen Norwegern, schwimmt sie dabei ungeniert im Kielwasser des Massenmords von Oslo. Erst sollte die Vorratsdatenspeicherung wiederbelebt werden, nun verlangt Innenminister Hans-Peter Friedrichs im neuen „Spiegel“ das Ende für anonyme Seiten. Blogger wie etwa der bislang nicht ermittelte „Fjördman“, dessen Äußerungen im Internet den Osloer Attentäter motiviert haben sollen, müssten mit „offenem Visier“ argumentieren.

Daneben sperren sich Internetgiganten mehr und mehr…“

Fortsetzung hier auf der Blogseite des ZDF 

(Text: Udo Vetter; Foto: Udo Vetter auf der re:publica 2011 – © re:publica 2011 CC)