Innenbereich II

21. Juli 2011

Die Internetseite BauNetz.de ist  nach eigenen Angaben das größte deutschsprachige Online-Architekturmagazin. Ihr Herzstück sind die täglichen Meldungen zu den wichtigsten Themen der internationalen Architekturszene: „immer um halb vier auf der Website und bei 25.000 Abonnenten direkt in der Mailbox“. BauNetz berichtet jetzt über  die Entwicklung des Bereichs Alter Hafen in unserer Stadt.

Die Verwaltung hat nämlich -ich finde gerade gar nicht, wo dies beschlossen worden ist-  „drei Architekturbüros“ damit beauftragt, Konzeptplanungen zu erstellen. Man wolle  ein Höchstmaß an städtebaulicher Qualität und architektonischer Aussagekraft sicherstellen“, heißt es in einer aktuellen Vorlage.

Alle drei Entwürfe, berichtet BauNetz unter Berufung auf die Stadtverwaltung, seien „gleichermaßen noch im Rennen“. Das wundert mich etwas, weil die beiden Beiträge von Fritzen + Müller-Giebeler (Ahlen) und nps Tchoban Voss (Hamburg) eher nicht so pralle und gegenüber den ersten Überlegungen vor 15 Jahren keine Weiterentwicklung sind. Auch beim, von der Bauverwaltung favorisierten Plan von Bolles + Wilson (Münster) muss man sicherlich noch sehr genau hinsehen. So wird durch den Hotelriegel nebst Innenhof rund ein Viertel des Uferzugangs und ein Rundweg um den Hafen blockiert. Und vor allem: Wo bleiben die Kfz?

Etwas Sorge macht mir auch das Planverfahren: Der Bebauungsplan, also die kommunale Vorgabe, wie der Bereich künftig genutzt werden soll, wird im beschleunigten Verfahren aufgestellt. Es gibt also beispielsweise keine Umweltverträglichkeitsprüfung, worüber man aber im Bereich der Halbinsel zwischen Alter Hafen und Kanal aber nachdenken muss. Vor allem ermöglicht das Verfahren vorweg genommene Baugenehmigungen, bevor der Bebauungsplan bestandskräftig ist. Da wird der Rat um der Stadtentwicklung willen Verantwortung übernehmen sowie aufpassen müssen und nicht schon den Umstand für ausreichend halten, dass ein Investor kommt, der Geld in die Hand… Das kennen wir ja zur Genüge – und was dabei an Gemeinwohl auf der Strecke bleibt.

Auch der Beschlussvorschlag selbst gibt zu Bedenken Anlass, beschreibt er das Plangebiet doch sehr (!) ungenau als „das gesamte Areal des Alten Hafens, sowohl östlich der Wasserfläche nördlich der Lindenstraße einschließlich der derzeit unbebauten Grundstücke nördlich der Kanalgasse“.

Der Bebauungsplan Nr. 173 soll (immerhin und endlich!) in der nächsten Zeit erstellt  werden, und es werden, wie ich bei BauNetz lese, auch  „Investoren ausgewählt“. Von wem und nach welchen Kriterien, ist da nicht vermerkt. Die Beiträge der drei „von der Verwaltung“ ausgesuchten und beauftragten Architekturbüros sind jedenfalls vom 25. Juli bis zum 15. August im Foyer des Rathauses (während der Rathausöffnungszeiten) ausgestellt. Leider mitten in der Sommerferienzeit, was eigentlich nicht der Fall sein soll; darüber haben sich die Ratsvertreter schon vor Jahren geeignet. Aber die Verwaltung macht mit heftiger Billigung der CDU-Ratsmehrheit eh, was ihr in den Kram passt; daher ist auch niemand auf die nahe liegende Idee gekommen, die Ausstellung bis Ende August zu präsentieren und ie Vorschläge der Architekten durch diese selbst den Bürgerinnen und Bürgern vorstellen zu lassen. Immerhin soll (zu den Architektenvorschlägen) aber eine Bürgerversammlung stattfinden, für die ich mich eingesetzt habe. Der Bebauungsplan allerdings wird vorher ohne größere Öffentlichkeit zurecht gelegt. Dazu gibt es nur „Gesprächstermine in der Verwaltung“. Also muss man, wenn man kann und will, sehr darauf achten, dass sich eine Bebauung präzise an der Arbeit des letztlich beauftragten Architekturbüros ausrichtet und nicht nach dem wahrscheinlich deutlich großzügigeren Rahmens des B-Planes.

Womit wir wieder bei der Auswahl des Investors und der inhaltlichen Vorgaben für ihn wären. Immerhin geht es um einen der letzten großen und freien Bereiche im Innenbereich unserer Stadt.

(Grafiken oben: Bolles + Wilson, Entwurfskonzept Alter Hafen Lingen: © Bolles + Wilson (Münster); Bildergalerie hier)

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