Wetterkachelmann

21. Juli 2011

Um das bislang reichlich durchwachsene Sommerwetter hierzulande will ich mich nach der Rückkehr aus dem Urlaub nicht wirklich kümmern. Aber wetterkachelmann.wordpress.com bedarf natürlich der hinweisenden Erwähnung – schon weil Lingen am heutigen Tag mehrfach so grenzwertig daherkommt (guckst Du unten).

Wir erleben: Ein Meteorologe schlägt im web 2.0 ein (Scherz!). Herzlich willkommen. Obwohl: Die richtig gute, weil lokale Wettervorhersage für Lingen, das Emsland und die Grafschaft Bentheim findet dieser Blog, nicht erst seit Adler Buggys Hinweis, über diesen Link. Tot ziens!

ps
Wetten, dass das Sommerwetter 2011 so besser wird:  Sie klicken erst Kachelmann unten, dann den besagten Buggy-Link an und warten ein paar Tage – in echt!

Schwätzen

21. Juli 2011

Einen „Pranger für Ware, die rechtlich in Ordnung ist“, nannte gestern der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Matthias Horst, das neue Internetortal der Verbraucherschutzzentralen lebensmittelklarheit.de gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung NOZ. „Rechtlich in Ordnung“, man hört’s und lässt es sich lebensmittelgerecht auf der Zunge zergehen. Horst weiter: Man prüfe jetzt eine Klage. Huch!

Bei den Kitikern vorn dabei auch wieder einmal die  (agrar)industrieabhängigerorientierte FDP: Ministerin Ilse Aigner (CSU) fahre „einen ihrer typischen Alleingänge“, bemängelte der aus dem nördlichen Emsland stammende FDP-Agrarlobbyist Michael Goldmann in derselben Zeitung. Sie transportiere „die Ängste der Verbraucher vor Lebensmitteln“. Aus dem Ministerium wird tatsächlich die kleine Webseite mit, im Vergleich zu den Agrar- und Lebensmittelsubventionen geradezu lächerlichen, 775.000 Euro gefördert -aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Was daran „hoch riskant“ sein soll, wie Goldmann schwätzt, weiß wohl nur er selbst. Aber er weiß ja auch sonst, was gut ist: vom Gesetzgeber ungezügelte Massentierhaltung beispielsweise.

Der Verbraucherschutzorganisation foodwatch.de ist immerhin mit dem neuen Portal zufrieden („Schritt in die richtige Richtung“), wenn auch zurecht die Grünen davor warnen, -jenseits von schützenden Gesetzen und Vorschriften- den Verbraucherschutz der Verbrauchern selbst aufzubrüden. Nach der offiziellen Freischaltung am Mittwoch war das neue Portal  im Internet zunächst völlig überlastet und nicht erreichbar. Der „Pranger“ war unter dem sekündlichen Zugriff  Tausender von Aufrufen zusammen gebrochen. Das soll aber sich ab sofort ändern, versicherten die Verbraucherschutzzentralen (Heute morgen um 7 Uhr war aber trotz der Zusicherung wieder Zugangschaos… @-( )

Auf der neuen Internetseite www.lebensmittelklarheit.de  können Verbraucher melden, wenn sie sich durch die Aufmachung eines Produkts getäuscht fühlen. Die Redaktion des Portals gibt dem Hersteller dann Gelegenheit zur Stellungnahme. Für Ärger bei Verbrauchern sorgt zum Beispiel, wenn Fruchtprodukte keine Früchte, sondern nur künstliche Aromen enthalten. Oder wenn Schafskäse aus Kuhmilch stammt, eines der ersten Thema auf der neuen Seite. Ja, derlei Beschiss ist „hoch riskant“. Allerdings kaum für die Verbraucher.

ps Gibt’s übrigens schon ein „iPhone-Lebensmittelklarheit-App“? Sollte ich besser meinen Laptop nebst Internetzugang dabei haben, wenn ich bei meinem italienischen Kaufmann mit vier Buchstaben (A vorn und I hinten) einkaufe? Oder kommt doch irgendwann und endlich  die von FDP und Lebensmittelindustrie so heftig bekämpfte Ampel?

pps Welche Spenden erhalten die FDP und Lobbyist Goldmann eigentlich aus der Branche?

Innenbereich II

21. Juli 2011

Die Internetseite BauNetz.de ist  nach eigenen Angaben das größte deutschsprachige Online-Architekturmagazin. Ihr Herzstück sind die täglichen Meldungen zu den wichtigsten Themen der internationalen Architekturszene: „immer um halb vier auf der Website und bei 25.000 Abonnenten direkt in der Mailbox“. BauNetz berichtet jetzt über  die Entwicklung des Bereichs Alter Hafen in unserer Stadt.

Die Verwaltung hat nämlich -ich finde gerade gar nicht, wo dies beschlossen worden ist-  „drei Architekturbüros“ damit beauftragt, Konzeptplanungen zu erstellen. Man wolle  ein Höchstmaß an städtebaulicher Qualität und architektonischer Aussagekraft sicherstellen“, heißt es in einer aktuellen Vorlage.

Alle drei Entwürfe, berichtet BauNetz unter Berufung auf die Stadtverwaltung, seien „gleichermaßen noch im Rennen“. Das wundert mich etwas, weil die beiden Beiträge von Fritzen + Müller-Giebeler (Ahlen) und nps Tchoban Voss (Hamburg) eher nicht so pralle und gegenüber den ersten Überlegungen vor 15 Jahren keine Weiterentwicklung sind. Auch beim, von der Bauverwaltung favorisierten Plan von Bolles + Wilson (Münster) muss man sicherlich noch sehr genau hinsehen. So wird durch den Hotelriegel nebst Innenhof rund ein Viertel des Uferzugangs und ein Rundweg um den Hafen blockiert. Und vor allem: Wo bleiben die Kfz?

Etwas Sorge macht mir auch das Planverfahren: Der Bebauungsplan, also die kommunale Vorgabe, wie der Bereich künftig genutzt werden soll, wird im beschleunigten Verfahren aufgestellt. Es gibt also beispielsweise keine Umweltverträglichkeitsprüfung, worüber man aber im Bereich der Halbinsel zwischen Alter Hafen und Kanal aber nachdenken muss. Vor allem ermöglicht das Verfahren vorweg genommene Baugenehmigungen, bevor der Bebauungsplan bestandskräftig ist. Da wird der Rat um der Stadtentwicklung willen Verantwortung übernehmen sowie aufpassen müssen und nicht schon den Umstand für ausreichend halten, dass ein Investor kommt, der Geld in die Hand… Das kennen wir ja zur Genüge – und was dabei an Gemeinwohl auf der Strecke bleibt.

Auch der Beschlussvorschlag selbst gibt zu Bedenken Anlass, beschreibt er das Plangebiet doch sehr (!) ungenau als „das gesamte Areal des Alten Hafens, sowohl östlich der Wasserfläche nördlich der Lindenstraße einschließlich der derzeit unbebauten Grundstücke nördlich der Kanalgasse“.

Der Bebauungsplan Nr. 173 soll (immerhin und endlich!) in der nächsten Zeit erstellt  werden, und es werden, wie ich bei BauNetz lese, auch  „Investoren ausgewählt“. Von wem und nach welchen Kriterien, ist da nicht vermerkt. Die Beiträge der drei „von der Verwaltung“ ausgesuchten und beauftragten Architekturbüros sind jedenfalls vom 25. Juli bis zum 15. August im Foyer des Rathauses (während der Rathausöffnungszeiten) ausgestellt. Leider mitten in der Sommerferienzeit, was eigentlich nicht der Fall sein soll; darüber haben sich die Ratsvertreter schon vor Jahren geeignet. Aber die Verwaltung macht mit heftiger Billigung der CDU-Ratsmehrheit eh, was ihr in den Kram passt; daher ist auch niemand auf die nahe liegende Idee gekommen, die Ausstellung bis Ende August zu präsentieren und ie Vorschläge der Architekten durch diese selbst den Bürgerinnen und Bürgern vorstellen zu lassen. Immerhin soll (zu den Architektenvorschlägen) aber eine Bürgerversammlung stattfinden, für die ich mich eingesetzt habe. Der Bebauungsplan allerdings wird vorher ohne größere Öffentlichkeit zurecht gelegt. Dazu gibt es nur „Gesprächstermine in der Verwaltung“. Also muss man, wenn man kann und will, sehr darauf achten, dass sich eine Bebauung präzise an der Arbeit des letztlich beauftragten Architekturbüros ausrichtet und nicht nach dem wahrscheinlich deutlich großzügigeren Rahmens des B-Planes.

Womit wir wieder bei der Auswahl des Investors und der inhaltlichen Vorgaben für ihn wären. Immerhin geht es um einen der letzten großen und freien Bereiche im Innenbereich unserer Stadt.

(Grafiken oben: Bolles + Wilson, Entwurfskonzept Alter Hafen Lingen: © Bolles + Wilson (Münster); Bildergalerie hier)