Biberschwanz

6. Juli 2011

 1970 hat Bernhard „Bernd“ Merswolke das Lingener Schloss Herzford erworben. Bis dahin gehörte es einer Herzog Arenberg Gesellschaft und die hatte das barocke Meisterwerk nahezu ruiniert. Der Burggraben verlandete, die Häuser versifften geradezu und 1956 wurden die beiden Torhäuser der Anlage abgerissen. Sie seien unnütz, baufällig, hieß es. Seit 40 Jahren nun baut Bernd Merswolke sein und unser Herzford wieder auf. Schritt für Schritt mit Sorgfalt und ohne öffentliche Zuschüsse. Vor einer Woche feierte er jetzt mit Gästen Richtfest. er baut die beiden Torhäuser wieder auf, links und rechts der vom Lingener Kunstschaffenden Friedel Kunst vor einigen Jahren neu erschaffenen Brücke. Petra Berning, eine der wenigen Architekten im Nordwesten, die sich ganz dem Erhalt wertvoller Bauarchitektur verschrieben hat, ist ebenso mit von der Partie wie der Antiquar Wolfgang Schnieders, der längst ein Experte für Sandsteinarbeiten geworden ist, und Klaus Rosemann, der als Architekt für die Arbeiten verantwortlich zeichnet und auf alten Zeichnungen mit der Lupe die Zahl der Verblenderreihen auszählte, um die Gebäudehöhe originalgetreu zu rekonstruieren. Andreas Eyinck ließ in einem spontanen Vortrag die Geschichte von Schloss Herzford vorüber ziehen und wusste dabei sogar Neues zu berichten: Dendrologische Untersuchungen weisen nach, dass das Herrenhaus etwa 14 Jahre älter ist, als bisher gedacht; es dürfte schon 1718 entstanden sein. Also dürfen wir uns auf das herrlicheJubiläumsjahr 2018 freuen.

Es war ein wirklicher Genuss, an diesem Nachmittag auf Schloss Herzford in der Elberger Schlipse dabei zu sein und zu erleben, dass Denkmalpflege etwas anderes ist, als kommerzielle Gestaltungsshow oder die Dienstbarmachung historischer Architektur für kurzfristige geschäftliche Verwendungen.

Übrigens habe ich Bernd Merswolke versprochen, mit ihm gemeinsam alte Biberschwänze aus Ton zu suchen, die die Dachseiten der beiden Torhäuser eindecken sollen. Der Hausherr sucht alte, historische Exemplare und zwar solche, wie sie zerbrochen links auf dem Foto zu sehen sind. Die hochkant präsentierten neuen Exemplare sind nicht so sein Ding.
Kennen Sie vielleicht eine Biberschwanz-Altquelle? Dann schicken Sie mir bitte eine E-Mail. Bestimmt werden Sie dann auch zur bevorstehenden Einweihung der beiden Torhäuser eingeladen. Keine Frage – Bernd Merswolke macht das.