Niveau

26. Juni 2011

Christine hat am Mittwoch angerufen und einfach gefragt, ob wir vielleicht die beiden Karten für das Adoro-Konzert nach Sögel haben und mitfahren wollten. Annette sagte sofort Ja – also waren wir am Samstagabend in Sögel. Beim Adoro-Konzert. Adorno kannte ich (hat meines Wissens nie auf einer Bühne gesungen). Aber ich bekenne: Die Sangeskünstler von Adoro, zwei Tenöre und drei Bariton-Sänger, kannte ich bis dahin nicht. Inzwischen habe ich nachgelesen, dass die fünf klassisch ausgebildeten Sänger  Elemente der Oper mit deutschsprachigen Popsongs verbinden.

Um es mal so zu sagen: Ist nicht meine Musik, aber manchmal darf man auch ein süßen Likör  trinken. Die 100 Minuten Adoro-Konzert vor dem Sögeler Ludmillenhof waren wie Tee mit drei Stück Zucker und sie waren nass. Denn es regnete viel und wir mussten uns richtig fest in Plastik verpacken.  Die kulinarische Meile war -sagen wir- stark ausbaufähig, die wenigen Toiletten für die Frauen eine Tortur. Aber eigentlich war es trotz allem ein schöner Freiluft-Abend, der mit (nur) einer Adoro-Zugabe (von zwei Liedern) zu Ende ging; das von stundenlangem Regen nassgepladderte, in 3200 Plastikponchos (Danke an den Veranstalter!) verpackte Publikum konnte nicht mehr länger klatschen. Aber es war einer dieser typischen Emsland-Sommerabende, von dem wir noch Jahre erzählen werden.

Gleichzeitig ging vor der Meyer-Werft in Papenburg das zweite emsländische  Regen-Spektakel an diesem kalten Juniabend über die Open-Air- Bühne. Mit Ich + Ich , Juli,  den Scorpions und  ein paar anderen Showgrößen. O-Zitat aus dem so genannten Liveticker: „Es regnet und regnet und regnet..“ Ist ja egal, das Wetter, denn: „Papenburg , you kick ass.“ Hier die in der Ems-Zeitung verweigerte Übersetzungshilfe. Auch Papenburg bekam also 2011 sein Stückchen sommerliche Popkultur. 25.000 freuten sich.

Und bei uns in Lingen? Ja, Freunde, bei uns is nix mit einem Marktplatzkonzert 2011. Wir haben Weinlaube. Schon im zweiten Jahr gibt es keine Freiluft-Veranstaltung vor dem historischen Rathaus. Zugetragen wurde mir allerdings, man habe ernsthaft (!) bei Elton John nachgefragt. Dessen Management habe für seinen Auftritt 500.000 Euro verlangt, wobei mir nicht ganz klar ist, ob nur für sich (was ich annehme) oder für ein Konzert mit Band & Drumherum. 500.000 Euro „lassen sich nicht darstellen“, habe es dann begriffsmodisch geheißen. Früher sagte man etwas schlichter „zu teuer“. Anschließend gab es unverhofft (und dank Beziehungen)  ein Doppelpack-Schnäppchenangebot mit Atze Schröder am ersten und Xavier Naidoo am Abend danach. Das sei aber  (tatsächlich !)  „unter unserem Niveau“ gewesen; so soll es wirklich im Kreis der Verantwortlichen um die hauptamtliche LWT-Spitze gesagt worden sein. Der Lingener LWT organisiert solch eine Open-Air-Veranstaltung oder (wie letztes und dieses Jahr) eben nicht. Nun denn! Beim dem uns so lieb und teuer gewordenen LWT stellt sich die Niveaufrage bekanntlich längst ganz anders, und ich freue mich, dass „die Politik“ in Lingen jetzt mit einem Beirat versucht, dieses kommunale Langweilerprojekt (mit angeschlossenem Bermudadreieck, wo bekanntlich manches verschwindet) ein bisschen in den Griff zu bekommen.

Hier als sonntägliche Entschädigung der abgelehnte Xavier Naidoo. (Atze ist übrigens am 9.7. in Cloppenburg unterwegs).

3 Antworten zu “Niveau”

  1. bolle said

    Gerade gelesen, dass Atze im Euregium in Nordhorn im April mit neuem Programm Schmerzfrei auftritt. Ich glaube er hätte gern seine Show in Lingen Open-Air vorgestellt, denn die Emslandhallen mit dem gefliesten Backstagebereich hat ihm noch nie gefallen. Wir sind anschließend mit ihm in der Stadt in eine örtliche Lokalität gewechselt- Atze inkognito;-) Super Spaß:-)) Die Gerüchteküche kochte anschließend in Lingen;-))

  2. klaus said

    Da sich doch alle für die neue Emslandarena einbringen sollen, denke ich, dass die Zeit des LWT erst noch kommt und wenn die Arena fertig ist, werden wir ein Konzert nach dem anderen erleben. Vielleicht kann man ja auch die Decke der Arena öffnen und dann haben alle ein Freiluftkonzert.
    Wenn dann mal ein Konzert nicht ausverkauft ist, kann die Stadt Lingen und damit wir Bürger für die Umkosten aufkommen. Also wenn da mal zwei Jahre nichts gelaufen ist… was soll`s denn. Mit Simply Red und Public Viewing hat man doch schon miese eingefahren, also bitte…es wird schon klappen…
    Gut das wir auch noch woanders hinfahren können, falls uns das Programm für die Arena nicht zusagt…demnächst werden Sie vielleicht aufgefordert nur noch in die Arena zu gehen, also nutzen Sie weiterhin so nette Einladungen.

  3. Christine said

    Ich möchte hiermit auch noch mal ein großes Lob an den Veranstalter des ADORO-Konzertes aussprechen, denn es ist nicht selbstverständlich 3200 Regenponchos auszulegen. Nicht zu vergessen, dabei lag auch noch ein Knicklicht, für das Abschlusslied, oder welches auch immer. Alles in allem eine SEHR nette Geste und sie bleibt mir, wie so vieles an diesem Abend, in guter Erinnerung. Der Regen allerdings weniger in GUTER…..Was fehlte, war eindeutig eine Großbildleinwand, damit man auch in den letzten Reihen Laszlo und Co. hätte gut erkennen können. Des weiteren war die Regelung mit dem Equalizer nicht harmonisch. Hinten hörte man mehr Musik, weniger Stimme.

    @klaus
    gute Idee mit dem Öffnen der Decke der Arena….vielleicht bekommt man dann auch mal ein SommerREGENkonzertfeeling. Einfach aufmachen, wenn’s regnet: REGEN VERBINDET 😉

    Apropos Arena: Ich ärgere mich heute, seinerzeit in der BI Arenawahn tätig gewesen zu sein und Hand in Hand bzw. manchmal eher Auge um Auge, Zahn um Zahn mit Circus Krone zusammen gearbeitet zu haben. „Unser“ Ziel war seinerzeit ein anderes. Mein’s ist es heute noch! Ich denke eher wirtschaftlich und zukunftsorientiert!

    Fazit:
    Ich werde für liebe Menschen weiterhin nette Einladungen aussprechen. Wer weiß, vielleicht in Zukunft für die ARENA…..? Ach ne, da gibt es ja für die Lingener demnächst Zwangstickets…..

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