5 Kls 404 Js 3608/10

31. Mai 2011

Ein kleiner Überblick  über das heutige Urteil des Landgerichts in Mannheim in Sachen gegen Kachelmann, Jörg (Aktenzeichen 5 Kls 404 Js 3608/10).

  • Landgericht Mannheim  – Pressemitteilung vom 31.05.2011 – Freispruch für Jörg Kachelmann
  • Kachelmann-Prozess: Medienreaktionen – Kachelmanns Gegner – „plattgemacht“ – Medien – sueddeutsche.de – Freispruch für Jörg Kachelmann: Am Ende eines aufsehenerregenden Prozesses ist eigentlich keiner richtig zufrieden. In der Kritik der Medien: Staatsanwälte, Verteidiger, das Gericht – und die eigenen Kollegen. Eine Presseschau.
  • Und das Kachelmann-Buch? | aliceschwarzer.de – Liebe Frau Schwarzer, von Anfang an war klar, dass im Fall Kachelmann die Wahrheit niemals ermittelt werden kann. Wie die unaufgeklärten Menschen im Mittelalter haben Sie ohne Hintergrundwissen Partei bezogen.
  • Kachelmann-Richter rügt Medien scharf (Panorama, NZZ Online) – Ein wesentlicher Teil des mündlichen Urteils im Fall Kachelmann besteht aus einer Verurteilung der journalistischen Vorgehensweise. Nach Meinung des Landgerichts Mannheim hat diese nichts mehr mit öffentlicher Kontrolle der Justiz zu tun. In Meinungsforen und Blogs seien im Laufe des Verfahrens die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten, des mutmasslichen Opfers, aber auch der Richter mit Füßen getreten worden.
  • Gewohnt klar und deutlich resumiert Sabine Rückert in DIE ZEIT:
    „Jörg Kachelmann zur Strecke zu bringen, galt jedenfalls die Anstrengung der Staatsanwaltschaft Mannheim, die den Wettermoderator vom Tag der Anzeige an mit maximalem Eifer verfolgt hatte. Die Staatsanwälte Lars-Torben Oltrogge und Oskar Gattner hatten die Vergewaltigungsaussage der Nebenklägerin von sich aus nie hinterfragt, sondern stets zu Ungunsten des Beschuldigten ermittelt.
    Dass die Aussage der Frau in entscheidenden Teilen erlogen war, hatte allein die Verteidigung heraus gefunden, von der auch alle weiteren Kachelmann enlastenden Ermittlungen angeschoben werden mussten. Nichts konnte den Glauben der Staatsanwälte erschüttern, ein Vergewaltigungsopfer vor sich zu haben. Selbst als von allen ihren Anklagepunkten zuletzt kein Stäubchen mehr übrig war, forderten die Staatsanwälte im Schlussplädoyer noch die Verurteilung dieses Angeklagten – abseits aller im Prozess gewonnenen Erkenntnisse und vorbei an allen Gutachten der Sachverständigen. Trotzdem bedankten die Landrichter sich im mündlichen Urteil noch bei diesen Staatsanwälten für deren angebliche Sachlichkeit.
    Dem Bürger aber muss die Vorstellung in die Hände solcher Ermittler zu fallen Angst machen. Kein Wunder, dass so viele Menschen anstanden vor dem Sitzungssaal. Jeder unter ihnen könnte morgen durch die Anzeige seines Nachbarn, seiner Ehefrau, seines Kollegen, seiner Sekretärin in den Hexenkessel der Strafjustiz geraten. Und dann – wehe ihm, wenn er es mit solchen Staatsanwälten zu tun bekommt.“

Alles andere als dieses heutioge Urteil war undenkbar. Mir ist schon rätselhaft, weshalb die Strafkammer 5 des Landgerichts Mannheim angesichts der schon früh durch die Verteidigung erarbeiteten, bekannten Widersprüche und Lügen der Zeugin die Anklage überhaupt zur Hauptverhandlung zugelassen hat und dann noch für den Freispruch 43 (oder waren es schon 46 ?)  Verhandlungstage benötigte.  Aber ich weiß, dass nicht viele Angeklagte die Kraft und das Geld haben, einem solchen Ansturm zu widerstehen, wie er hier durch die Staatsanwaltschaft, das Gericht und manche Medien nebst den sog Opferschutzverbänden ausgeübt worden ist. Einseitiger gehts nimmerbis hin zu den Erklärungen nach dem heutigen Urteil

 

Noch ein Nachtrag: (01.06.2011)
Wie gewohnt qualitativ beeindruckend – der Beitrag von RA Udo Vetter in seinem lawblog

(Danke an den ibbtown-Blog für das Material der oberen vier Punkte; Foto: Jörg Kachelmann 2008 (c) Rene Mettke CC)

6 Antworten to “5 Kls 404 Js 3608/10”

  1. Michael Sänger said

    Seit heute Morgen zehn Uhr bringen alle Nachrichten als TOP-Meldung das Urteil im Fall Kachelmann. Eben habe ich das Radio ausgestellt und diesen Blog angestellt. Aber ich hätte vorher meinen Kopf verwettet, dass dieses Thema hier auch noch mal „verhandelt“ (wie die Juristen so schön sagen) wird. Volltreffer! Wo sich RA RK juristisch äußert, hat er recht. Auch seine Erwiderung zu A. Schwartzer stimmt. Aber wenn er zur Verstärkung seiner Argumentation sich auf das Feld der Geschichte und Philosophiegeschichte begibt, dann wird das oberflächlich und schlagwortlastig! Wenn RK schreibt „Wie die unaufgeklärten Menschen im Mittelalter haben Sie (Er meint A. Schwartzer)ohne Hintergrundwissen Partei bezogen.“, dann zeigt das tiefe Unwissenheit über die Geschichte und Kultur des MA. Die „unaufgeklärten Menschen des Mittelalters“??
    Da haben Millionen von Menschen in einer Epoche gelebt, die von etwa 800 bis etwa 1400, also so um die sechs Jahrhunderte gedauert hat. RK bezeichnet sie alle als „unaufgeklärt“. Als Strafverteidiger würde er diesen Satz als unzulässige Generalisierung bezeichnen. Die Menschen des MA haben zweifelsohne in anderen Verhältnissen gelebt als wir Menschen der Neuzeit. Aber haben denn die „aufgeklärten Menschen“ der Neuzeit etwas Besseres hervorgebracht als Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und Ablaßhandel? Es ist derzeit „in“, die geistesgeschichtliche Epoche der Aufklärung zu verklären als Quantensprung der zivilisatorischen Entwicklung der Menschheit. Aber was hat denn in dieser Epoche der Aufklärung stattgefunden? Keine Kreuzzüge, dafür ein menschenverachtender Holocaust, keine Religionskriege, dafür die zwei schlimmsten Weltkriege der Menschheitsgeschichte, kein Ablaßhandel, dafür ein menschenverachtender globaler Kapitalismus, der ganze Völker verhungern läßt.
    Das Glaubensbekenntnis von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit hat doch nur in wenigen Teilen der Welt zur Befreiung des Menschen aus Unterdrückung geführt und selbst in funktionierenden Demokratien werden deren Rechtsgrundsätze umgangen, wenn es um die Interessen der Mächtigen geht. Es ist doch das Gleiche wie im Christentum: Die Botschaft von der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit hat die Welt im Großen und Ganzen doch auch nicht verbessert.
    Also, lieber RK, wenn schon Äußerungen zu Kachelmann, dann bleib bei „deinen Leisten“ und bemühe nicht noch die Geschichte des Abendlandes,
    denn das Thema ist zu komplex im Gegensatz zum Fall Kachelmann, über den kein Redakteur auch nur ein Wort verlieren, geschweige denn das Mittelalter dazu heranziehen würde, wenn es sich nicht um Herrn Kachelmann handeln würde, der sich medial herrlich vermarkten läßt. Auch eine Episode im Nachzeitalter der Aufklärung! Aber wir können dieses Thema gern mal bei zwei Flaschen Wein vertiefen!

  2. Vielleicht können wir uns jedenfalls dahin verständigen, dass das Zeitalter der Aufklärung zur Neuzeit zählt. In diesem Sinne habe ich den vom ibbtown-blog übernommenen Hinweis auf die unaufgeklärten Menschen des Mittelalters verstanden bzw. will ihn so verstanden wissen. OK?!

  3. Ulinne said

    „Liebe Frau Schwarzer, von Anfang an war klar, dass im Fall Kachelmann die Wahrheit niemals ermittelt werden kann. Wie die unaufgeklärten Menschen im Mittelalter haben Sie ohne Hintergrundwissen Partei bezogen.“

    …, ja, und dann arbeitete sie dabei noch für die BILD …!
    Wie tief ist diese Frau gesunken, ich fasse es nicht! Ein selbstgerechtes, eitles Plapperweib.

    Und – tja, der Selstprofilierungs-Versuch dieser Staatsanwaltschaft ist gründlich in die Hose gegangen. Schlampige, nur auf ein Ziel hin orientierte Untersuchungen, Tunnelblick, Starrköpfigkeit. Damit hat man sich auch dort keinen guten Dienst erwiesen. Die hatten Kachelmanns neuen Verteidiger wirklich verdient.
    Bei *dieser* Kammer werden wohl bei zukünftigen Prozessen – so sie sich denn mit Prominenten befassen und entsprechend berichtet wird – alle Lichter angehen …“ 😦

  4. Hans Peters said

    Ist Dir aber schon klar, dass der Artikel ein Jahr alt ist? Die Zeit und DIE ZEIT haben
    Sabine Rückert längst recht gegeben…

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