Eigene Belange

27. Mai 2011

Der VfL Osnabrück ist in dieser Woche nicht nur trostlos abgestiegen. Es wird gerade auch reichlich gegen ihn und seine Macher ermittelt. Wegen der Prügelszenen am Rande des verlorenen Relegationsspiels zwischen dem VfL Osnabrück und Dynamo Dresden hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Der Kontrollausschuss hat beide Vereine angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. Sie sollen die Vorfälle aus ihrer Sicht schildern“, erklärte DFB-Mann Michael Morsch am Donnerstag.

Bereits während der Partie hatten Dynamo-Anhänger auf der Tribüne Fahnen angezündet und Feuerwerkskörper abgebrannt. Nach dem 3 : 1-Sieg der Gäste stürmten Hunderte Dresdner Fans auf das Spielfeld. Dabei kam es zu Tritten und Schlägen gegen Polizeibeamte, Ordner und Fotografen. Im Stadion wurden Kameras, Werbebanden und Sitzschalen zerstört. Gleichzeitig sollen Osnabrücker Fans versucht haben, die eigene VfL-Geschäftsstelle zu stürmen.

Das taten dann am Donnerstagmorgen auch die regionalen Zoll- und Steuerfahnder: Bei einer Durchsuchung beschlagnahmten sie umfangreiche Unterlagen in der VfL-Geschäftsstelle. Zeitgleich durchsuchten die  Fahnder Vorverkaufsstellen und die Wohnungen von 18 aktuellen und ehemaligen VfL-Spielern  und stellten Geschäfts- und Gehaltsabrechnungen sicher. „Bei dem Ermittlungsverfahren geht es um den Verdacht der Steuerhinterziehung durch Verantwortliche des Vereins und eine Vermarktungsgesellschaft“, sagte Staatsanwältin Wibke Warnking. „Die Verfahren richten sich nicht gegen die Spieler, sondern gegen den Verein beziehungsweise gegen neun Verantwortliche.“

Bei einer Betriebsprüfung für die  Jahre 2006 bis 2009 waren laut Staatsanwaltschaft Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Im Detail beanstandete  der verantwortliche Betriebsprüfer des Finanzamtes, es gebe für rund 20 Freundschaftsspiele über den Zeitraum von vier Jahren keine Nachweise über die zugeflossenen Einnahmen. Auch die  Einnahmen aus Spielen der zweiten Mannschaft des VfL tauchten nicht in den Geschäftsbüchern auf. Die  Erlöse aus Fanartikelverkäufen sollen ebenfalls nicht vollständig versteuert worden sein, weil man, so Verantwortliche des Vereins auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, Trikots (Foto lks.) und andere Fanartikel „zu eigenen sportlichen Belangen“ genutzt, dies aber möglicherweise nicht ausreichend dokumentiert habe.

Außerdem geht es um eine 200.000-Euro-Zahlung an einen Gütersloher Spielervermittler. Der Betrag rühre, hieß es auf der  Pressekonferenz, aus einer Vereinbarung aus dem Jahr 2003. Damals hatten die Osnabrücker „billig“ Spieler von dem Berater verpflichtet. Für den Fall eines Aufstiegs wurde allerdings eine Nachschlagzahlung vereinbart. 2007 stiegen die Niedersachsen dann in die Zweite Bundesliga auf und damit erhielt der VfL die Rechnung des Spielerberaters über 200.000 Euro plus Umsatzsteuer. Der VfL zahlte. Das Problem laut VfL Vizepräsident Gert Lehker: „Wir konnten dazu keinen Vertrag mehr vorlegen.“ Das Finanzamt glaubt daher, es sei eine verdeckte Gehaltszahlung.

Zuletzt ging es um „Gehaltsvorauszahlungen“ in Höhe von 22.000€, mit denen man einen finanziell „klammen“ Spieler unterstützt habe. Der Spieler habe kurze Zeit später den Verein verlassen und den vorgestreckten Betrag bis heute nicht beglichen. Folglich musste die Summe in den Geschäftsbüchern abgeschrieben werden. Daraus habe sich für den Betriebsprüfer  der Verdacht einer Schwarzgeldzahlung ergeben.

Mal sehen, was wird. Ich wette jedenfalls drauf, dass der DFB noch in diesem Quartal seine Ermittlungen abgeschlossen hat und beide Vereine zahlen. Die anderen Ermittlungen werden deutlich länger dauern und mit einer tatsächlichen Verständigung enden.

Suchfunktion

27. Mai 2011

Martin Koopmann (Foto re.), Druckereibesitzer und auch sonst ganz in Ordnung, ist bei der letzten Kommunalwahl von vielen Wählern im Stadtteil Bramsche  in den Lingener Stadtrat gewählt worden. Inzwischen ist er in seiner Fraktion nach den CDU-Irrungen und -Wirrungen der OB-Wahl 2010 zum stellvertretenden Vorsitzenden aufgestiegen. Bei aller Solidarität mit seiner Ratsmehrheit bürstet er ganz gern einmal gegen den Strich. Und er fragt nach. Zum Beispiel am 26. Januar 2011 in der Ratssitzung, als Martin Koopmann nach dem Verbleib bestimmter E-Mail-Adressen fragte. Zufällig sprachlich verunglückt, heißt es dazu im Protokoll der Ratssitzung:

TOP 12.3 Internetauftritt der Stadt Lingen (Ems)  

Herr Koopmann fragte, ob die Suchfunktion für Mitarbeiter der Stadtverwaltung wieder auf der Internetseite zur Verfügung gestellt werden könne. Herr Krone erklärte, dass derzeit an einem neuen Internetauftritt der Stadt Lingen (Ems) gearbeitet werde. Dabei werde auch diese Anregung mit verwirklicht. Es werden aber zum Schutz der Mitarbeiter in bestimmten Arbeitsbereichen keine personenbezogenen Daten des jeweiligen Mitarbeiters hinterlegt. Es werde versucht, für die Übergangszeit bis zum vollständigen neuen Internetauftritt eine Lösung zu finden. 

An diesem Stand hat sich bis heute -vier Monate später- nichts geändert. Daher hier mein Zwischenruf:

Lieber Dieter Krone,

bislang ist der Internetauftritt der Stadt, der geändert werden soll, immer noch der alte. Was jahrelang unter http://www.lingen.de  selbstverständlich war (und hier beim Landkreis Emsland weiterhin ist) hat die Stadtverwaltung 2010 klammheimlich von der Seite genommen: Das E-Mail-Verzeichnis ihrer Mitarbeiter; die etwas höher besoldeteen Rathaus-Mitarbeiter waren darin sogar mit flottem fotogen-Portrait aufzufinden, das jeweils der Steuerzahler bezahlt hat.  Seit einem Jahr ist dies anders. Weder der Stadtrat noch seine Ausschüsse haben diese Änderung beschlossen. Die Verwaltung hat es einfach gemacht, weil es ihr gefiel. Natürlich hat die Streichung der E-Mail-Datei nichts mit dem Schutz der Mitarbeiter in bestimmten Arbeitsbereichen (welchen?) zu tun  sondern damit, für Bürger erreichbar zu sein (oder eben nicht).

Es offenbart ein seltsames Selbstverständnis dieses öffentlichen Dienstes, nur das mitzuteilen, was man selbst für mitteilenswert  hält und alles andere nicht. Dafür dann noch den Schutz der Mitarbeiter zu bemühen, wirkt auf mich arrogant. Für die Exekutive in einem demokratischen Rechtsstaat ist es nämlich selbstverständliche Dienstpflicht, mit Namen und E-Mail-Adresse im Verzeichnis der eigenen Behörde auffindbar zu sein. Durch eine solche Veröffentlichung wird nichts und niemand gefährdet. Eine öffentlich zugängliches E-Mail-Verzeichnis aller Mitarbeiter des Rathauses und aller kommunalen Gesellschaften ist ein Muss. Für die Meinung, das Gegenteil sei richtig, sollten Sie sich nicht so schnell vereinnahmen lassen.

Bis das E-Mail-Verzeichnis wieder zu finden ist, hier mein Tipp des Tages:
Weiterhin ist (offenbar ganz ohne Sicherheitsbedenken!) das Telefonverzeichnis der Lingener Stadtverwaltung auf http://www.lingen.de vorhanden und zwar als pdf-Datei hier. Klicken Sie es an, suchen und nehmen dann den ersten Buchstaben des Vornamens des Mitarbeiters, dann einen Punkt und den Familiennamen, danach das @-Symbol; schließen Sie mit lingen.de ab. Dann haben Sie die geheime E-Mail-Adresse des Mitarbeiters der Stadt Lingen (Ems), dem Sie eine E-Mail schreiben wollen. Hier ein Beispiel: Doris Baar Durchwahl -160, Raum 331 ist per E-Mail so zu erreichen „d“ plus „.“ plus „baar“ „@lingen.de“. Warum ich bei diesem Thema jetzt auf Fachbereichsleiterin Baar gekommen bin… es wird wohl reiner Zufall sein.

Martin Koopmann jedenfalls danke ich für seine Nachfrage und der CDU Lingen für die unterstellte und kurz vor der Veröffentlichung erfragte (folglich noch nicht erteilte) Erlaubnis, das Foto des nachfragenden Ratsmitglieds aus Bramsche veröffentlichen zu dürfen.

Übrigens: Martin Koopmann wird heute 50 Jahre alt. Da ist es ohnehin Zeit für eine lobende Erwähnung in diesem kleinen Blog und einen herzlichen Glückwunsch. Wenn Sie sich den Glückwünschen anschließen möchten:  info@koopmann-lingen.de 🙂

(Foto: (c) CDU Lingen)