Rückgrat

26. Mai 2011

Nordhorn akzeptiert die Bürgerproteste der Anwohner. Der Verwaltungsausschuss der Stadt Nordhorn hat deshalb die umstrittenen Pläne für den Bau eines Krematoriums am Nordhorner Südfriedhof gekippt. Als Hauptgrund nannte Bürgermeister Meinhard Hüsemann (SPD) am Mittwochabend aus drücklich „die massiven Bürgerproteste der Anwohner“.

Die hatten gegen den geplanten Bau des Krematoriums in ihrer Nachbarschaft protestiert. Fast 250 Anwohner demonstrierten  gegen das Krematorium, weil es zu nah an ihren Häusern und Gärten wäre. Viele äußerten ethische Bedenken und dass die „ausgestoßenen Dämpfe der Gesundheit schaden“ , auch wenn die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Außerdem fühlten sie sich unwohl, nur wenige Hundert Meter von einem Haus entfernt zu leben, in dem Leichen verbrannt werden.  Hüsemann konnte die gesundheitlichen Bedenken nicht teilen: „Das Gewerbeaufsichtsamt hält natürlich entsprechende Vorschriften ein, auch bei der Baugenehmigung werden diese überprüft.“ Außerdem habe der Betreiber Hammonia GmbH zugesichert, dass alle Bedingungen eingehalten werden. Ohne Komplikationen betreibt das Unternehmen bereits Anlagen in Hamm und Werl in Nordrhein-Westfalen. Trotzdem und trotz des unbestrittenen Bedarfs für eine Feuerbestattungsstätte knickten die Parteien im Nordhorner Verwaltungsausschuss ein.

Bereits 2009/2010 hatten auch im Lingener Stadtteil Darme Einwohner massiv Bedenken geäußert, als die Stadt den Bau eines Krematoriums südlich des dortigen Waldfriedhofs konkret zulassen wollte und den Darmern vorstellte. Ich habe damals  die zum Teil hysterischen Äußerungen kritisiert.

Der Nordhorner Hendrik Bäumer trifft in seinem Kommentar für die GN meine Stimmungslage, wenn er schreibt: „Es gibt immer irgendjemanden, der etwas dagegen hat. An einem Friedhof wäre doch der würdigste Platz. Ich wohne auch an einem Friedhof, hätte nichts dagegen. Es scheint ja Bedarf da zu sein, also müssen mal wieder viele wegen wenigen Rücksicht nehmen.“
Die Fakten sind:
Die Feuerbestattung ist Teil unserer in Jahrtausenden entstandenen Bestattungskultur. Zurzeit aber müssen hunderte trauernde Familien im Emsland und der Grafschaft Bentheim oft wochenlang warten, bis ihre Angehörigen in den überlasteten Krematorien der Region eingeäschert und dann die Urne beigesetzt werden kann. Ich nenne dies gleichermaßen unwürdig und schäbig.
Deshalb braucht unsere Region eine angemessene Einrichtung zur Feuerbestattung. Lingen ist dafür der richtige Ort. Aber angemessen ist es nicht, Verstorbene in einem Gewerbegebiet einzuäschern, auch rechtlich ist es unzulässig. Wir brauchen also ein würdiges Krematorium an einem der Lingener Begräbnisplätze liegt. Darme ist gut geeignet, vielleicht auch der Friedhof im Ortsteil Brögbern-Bülten an der Duisenburger Straße.
Aber: Am 11. September wird kommunal gewählt. Welcher Kandidat, welche Partei in Lingen hat das Rückgrat, trotz Wahl  für ein Krematorium in unserer Stadt einzutreten? Er darf mich sofort anrufen. Ich bin dabei.
( Foto: Modernes Krematorium in Bispebjerg, Kopenhagen (DK), Architekten Friis & Moltke;
©  Bispebjerg Krematorium; Københavns Kommune)

13 Antworten to “Rückgrat”

  1. Machen Sie sich doch bei den BürgerNahen dafür stark!

    • hans1550 said

      Offenbar ist Robert lange genug dafür im Geschäft um zu wissen, dass es nicht ohne einen Partner geht.
      Was ist denn eigentlich Ihre Meinung Herr Gautier? (Ich würde auch ausnahmsweise einem Link zum CDU oder A.G.-Blog folgen.)

  2. Frings said

    Machen Sie sich doch in Ihrem Blog dagegen stark! (Kam ja schon lange nichts(!) mehr!)

    Die Menschen, die gegen ein Krematorium sind, lassen auch ihr Haus von Google verpixeln, haben Angst vor einer Moschee und meinen, dass AKWs sicher sind.

  3. Hans Peters said

    @Gautier
    Wer wie Sie die Öffentlichkeitsarbeit der CDU Lingen organisiert, muss damit rechnen, dass man bei einer solchen Frage nach dem Hintersinn forscht.

    @Frings
    Menschen mit Moschee-Angst und AKW-sind-sicher-Meinung ist die Klientel; da haben Sie recht. Google-Verpixer sind es meines Erachtens nicht. Deren kritischer Ansatz ist ein anderer.

  4. Küster said

    Gegen den Willen der Darmerinnen und Darmer habe ich mich seinerzeit „für“ den Standort am Darmer Friedhof ausgesprochen. An der entsprechenden Bürgerversammlung habe ich teilgenommen, wegen Gesundheitsgefahren aber nicht zu Wort gemeldet. Ich teile die Auffassung, dass Sterben etwas Menschenwürdiges haben muss. Ich habe das auch in einem Zeitungsbeitrag zu Protokoll gegeben. Warum ein Kernkraftwerk weniger schädlich für meine Gesundheit und dem Wert meines Grundstückes und dem darauf wachsenden Gemüse sein soll, hat sich mir schon damals nicht erschlossen. Ein Krematorium gehört dorthin, wo es hingehört: Zur letzten Ruhestätte!

  5. Frank O. said

    Herr Küster, es geht nicht um das Sterben……es geht um das Entsorgen.Das Sterben ist Menschenwürdig aber wer möchte schon ein Krematorium in der Nachbarschaft haben. Ist doch immer das gleiche Lied…..wir haben ja nichts dagegen aber warum denn gerade bei uns?!
    Ob AKW, ob Krematorium oder Endlager….find ich gut aber doch nicht bei uns…wir haben doch nichts gegen schwule aber doch nicht in unseren Haus…..wir haben doch Kinder…das geht nicht….

    Wär das nix für den Altenlingener Forst? 😉

    • hans1550 said

      …um das „Entsorgen“!? Geht´s noch?

      • Frank O. said

        Ist ihnen „Beseitigung“ lieber?
        Bei Tieren heißt es Tierkörperbeseitigungsanstalt und wer in Bio aufgepasst hat weiß ja, dass der Mensch……

    • Job said

      Was ist eigentlich mit den Friedhöfen in Nähe von Wohnsiedlungen/Wohnhäuser?
      Ich denke da an die Würmer und anderes Getier, die den Leichnam langsam auffressen. Kommen die Würmer und Maden auch auf die Nachbargrundstücke?

  6. Theobald Tiger said

    Vor weiteren Entscheidungen in dieser existenziellen Frage muss es möglichst schnell einen Stresstest für Krematorien geben.
    Wer meldet sich freiwillig?

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