Thomas Stockmann

26. Mai 2011

An den Folgen einer Lungenembolie ist Dr.-Ing. Thomas Stockmann im Alter von nur 51 Jahren am vergangenen Sonntag völlig überraschend gestorben. In der St. Marien-Pfarrkirche im Stadtteil Brögbern findet morgen (am Freitag) um 14.30 Uhr das Seelenamt statt, anschließend ist die Beisetzung auf dem dortigen evangelischen Friedhof.

Dort, in Brögbern war Thomas Stockmann zuhause. Der Pädagoge engagierte sich vielfältig in der Gesellschaft.Von 2007 bis 2009 war er  Vorsitzender der damals noch einigen SPD Lingen (Ems). Lange Jahre war er  in der Elternarbeit des Franziskusgymnasiums aktiv. Er war Schöffe am Lingener Amtsgericht und engagierte sich in der Gemeindearbeit seiner Kirche. Beruflich arbeitete  als Lehrer an den Gewerblichen Berufsbildenden Schulen Grafschaft Bentheim in Nordhorn. Auf deren Internetseite habe ich diesen, sehr persönlichen Nachruf auf den Menschen Thomas Stockmann gefunden.

„Die Nachricht über den plötzlichen Tod von Dr. Thomas Stockmann hat uns alle geschockt. Wir sind traurig und ratlos. Dass er nach den großen Ferien nicht wieder kommt und Seite an Seite mit uns ins neue Schuljahr startet ist eigentlich gar nicht vorstellbar.

Leider können wir durch seine längere Krankheitsphase aber schon ziemlich gut abschätzen, welche Lücke das traurige Ereignis nun dauerhaft reißen wird. Zeugnisschreibung, Homepage, Softwareverwaltung, Steuerungstechnik und und und … Viele Posten werden wohl nie wieder mit so einem Format ausgefüllt werden können.

Denn Thomas war etwas Besonders. Etwas Ungewöhnliches in der Zunft der Ingenieure: Ein promovierter, hochkarätiger Techniker, der Forschung und Technik unbändig geliebt und verehrt hat. Aber, mindestens genauso hat Thomas das Miteinander und das Leben unter Leuten geliebt. Diese Balance gelingt nicht vielen.

Einerseits war Thomas immer ein versierter und aktuell informierter Gesprächspartner über klassische und brandneue Themen aus den Natur- und Ingenieurswissenschaften, gebildet auch weit über sein eigentliches Studienfach hinaus. Stets interessiert und mit fundierter eigener Meinung war es eine Freude mit ihm zu fachsimpeln, zu basteln, Probleme zu lösen, nachzuforschen, neugierig zu sein und zu bleiben. Und wenn sich Probleme auftaten, hatte Thomas oft eine gute Idee oder einen pragmatischen Lösungsweg parat – sowohl in der Technik als auch im normalen Schulalltag.

Andererseits konnte er sich ebenso gut an den einfachen, unkomplizierten Dingen des Lebens erfreuen: Eine gemeinsame Tasse Kaffee, ein schönes Lied, ein freches Wortspiel, eine Reise bei Sonnenschein, ein schöner Anblick, eine zünftige  Brotzeit, ein deftiges Essen, einen guten Schluck Bier oder eine feine Spirituose – Hauptsache, er genoss diese Kleinigkeiten im Kreise von Menschen, die er mochte. Thomas war ein Genießer – auch das hat ihn sehr sympathisch gemacht.

Das Miteinander hatte für Thomas immer einen hohen Stellenwert, allem voran in der Familie. Aber auch für viele andere war Thomas da: für seine Freunde und Kollegen, für seine Nachbarschaft, für die Gemeinde, ihrer Jugendarbeit und ihrer musikalischen Aspekte im Besonderen, letztlich für die Gesellschaft an sich – in der Politik und im Ehrenamt als Schöffe.

All das zusammen genommen war es nur natürlich, dass Thomas eines Tages der freien Wirtschaft den Rücken gekehrt hatte und fortan seine Arbeitskraft und seine profunden Kenntnisse der Schule und damit vielen jungen Menschen, unserem Kollegium, letztlich wiederum der Gesellschaft an sich, zur Verfügung gestellt hat.

Mit Thomas geht ein geliebtes Familienmitglied, ein guter Freund, ein hoch geschätztes Gemeindemitglied, ein engagierter Bürger, ein hochkarätiger Ingenieur vom alten Schlag und nicht zuletzt …

… ein verdammt guter Kollege!!! Thomas, Du wirst uns fehlen.“

(Foto: (c) SPD Lingen)

Rückgrat

26. Mai 2011

Nordhorn akzeptiert die Bürgerproteste der Anwohner. Der Verwaltungsausschuss der Stadt Nordhorn hat deshalb die umstrittenen Pläne für den Bau eines Krematoriums am Nordhorner Südfriedhof gekippt. Als Hauptgrund nannte Bürgermeister Meinhard Hüsemann (SPD) am Mittwochabend aus drücklich „die massiven Bürgerproteste der Anwohner“.

Die hatten gegen den geplanten Bau des Krematoriums in ihrer Nachbarschaft protestiert. Fast 250 Anwohner demonstrierten  gegen das Krematorium, weil es zu nah an ihren Häusern und Gärten wäre. Viele äußerten ethische Bedenken und dass die „ausgestoßenen Dämpfe der Gesundheit schaden“ , auch wenn die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Außerdem fühlten sie sich unwohl, nur wenige Hundert Meter von einem Haus entfernt zu leben, in dem Leichen verbrannt werden.  Hüsemann konnte die gesundheitlichen Bedenken nicht teilen: „Das Gewerbeaufsichtsamt hält natürlich entsprechende Vorschriften ein, auch bei der Baugenehmigung werden diese überprüft.“ Außerdem habe der Betreiber Hammonia GmbH zugesichert, dass alle Bedingungen eingehalten werden. Ohne Komplikationen betreibt das Unternehmen bereits Anlagen in Hamm und Werl in Nordrhein-Westfalen. Trotzdem und trotz des unbestrittenen Bedarfs für eine Feuerbestattungsstätte knickten die Parteien im Nordhorner Verwaltungsausschuss ein.

Bereits 2009/2010 hatten auch im Lingener Stadtteil Darme Einwohner massiv Bedenken geäußert, als die Stadt den Bau eines Krematoriums südlich des dortigen Waldfriedhofs konkret zulassen wollte und den Darmern vorstellte. Ich habe damals  die zum Teil hysterischen Äußerungen kritisiert.

Der Nordhorner Hendrik Bäumer trifft in seinem Kommentar für die GN meine Stimmungslage, wenn er schreibt: „Es gibt immer irgendjemanden, der etwas dagegen hat. An einem Friedhof wäre doch der würdigste Platz. Ich wohne auch an einem Friedhof, hätte nichts dagegen. Es scheint ja Bedarf da zu sein, also müssen mal wieder viele wegen wenigen Rücksicht nehmen.“
Die Fakten sind:
Die Feuerbestattung ist Teil unserer in Jahrtausenden entstandenen Bestattungskultur. Zurzeit aber müssen hunderte trauernde Familien im Emsland und der Grafschaft Bentheim oft wochenlang warten, bis ihre Angehörigen in den überlasteten Krematorien der Region eingeäschert und dann die Urne beigesetzt werden kann. Ich nenne dies gleichermaßen unwürdig und schäbig.
Deshalb braucht unsere Region eine angemessene Einrichtung zur Feuerbestattung. Lingen ist dafür der richtige Ort. Aber angemessen ist es nicht, Verstorbene in einem Gewerbegebiet einzuäschern, auch rechtlich ist es unzulässig. Wir brauchen also ein würdiges Krematorium an einem der Lingener Begräbnisplätze liegt. Darme ist gut geeignet, vielleicht auch der Friedhof im Ortsteil Brögbern-Bülten an der Duisenburger Straße.
Aber: Am 11. September wird kommunal gewählt. Welcher Kandidat, welche Partei in Lingen hat das Rückgrat, trotz Wahl  für ein Krematorium in unserer Stadt einzutreten? Er darf mich sofort anrufen. Ich bin dabei.
( Foto: Modernes Krematorium in Bispebjerg, Kopenhagen (DK), Architekten Friis & Moltke;
©  Bispebjerg Krematorium; Københavns Kommune)