Torramadé

23. Mai 2011

Rechtsruck in unserer Partnerstadt Salt. Die Wähler haben sich am Sonntag bei den Kommunalwahlen gegen die sozialistische Bürgermeisterin Yolanda Pinada entschieden. Neuer Bürgermeister (Alcalde) wird der konservative Jaume Torramadé. Er hatte das Amt bereits von 1999 bis 2007 bekleidet. Seine Amtszeit ging vor vier Jahren nach einigen -beschreiben wir es mal mit – undurchsichtigen Geschäften zu Ende, als die Bürger in Salt die junge Yolanda Pinada (PSC) wählten.

Jetzt errang die konservative katalanische CiU mit Jaume Torramadé 9 Sitze im Stadtrat, die Sozialisten kamen nur noch auf 6 Mandate. Drittstärkste Kraft wurde auf Anhieb die fremdenfeindlich-rechtspopulistische „Plattform für Katalonien“ („PxC“) mit 3 Ratsvertretern. Dem 21-köpfigen Gemeinderat gehören außerdem zwei Vertreter der unabhängigen „IPS n’aconsegueix“ und ein Ratsherr der spanischen Volkspartei PP an.

Auf den neuen Amtsinhaber warten große Probleme. Salt hat erhebliche Schwierigkeiten nach einer unkontrollierten Zuwanderung von Migranten aus Nordafrika und den lateinamerikanischen Ländern. Die Bevölkerungszahl der keine 7 Quadratkilometer großen Partnerstadt ist in den letzten  10 Jahren um 40 % auf jetzt mehr als 30.000 Einwohner gestiegen. Besonders drammatisch: Der Ausländeranteil beträgt nach 6 % im Jahr 2000  inzwischen 43 %. Erhebliche Probleme des Zusammenlebens und im  sozialen Gefüge der Stadt sind die Folge. Anfang des Jahres war es deshalb zu Unruhen in Salt gekommen. Der Wahlkampf drehte sich entsprechend um Fragen der Einwanderung. Daneben standen  Probleme der Stadterneuerung im Mittelpunkt, darunter Wohnungsfragen.

Knapp 8500 Wähler gaben am Sonntag ihre Stimmen ab (= 57,4 %), rund 42,6% der Wahlberechtigten nahmen nicht teil. Knapp 4 Prozent votierten ungültig oder gaben als Protest einen nicht ausgefüllten Stimmzettel ab. Viele der Zuwanderer konnten nicht abstimmen oder Nichtabstimmen, selbst wenn sie gewollt hätten:  Sie hatten kein Wahlrecht.

Was bedeutet das Wahlergebnis in der Partnerstadt für uns in Lingen? Bedeutet es überhaupt etwas?

Ich stelle die Gegenfrage:
Wer will hier im Rahmen der Völkerverständigung fremdenfeindliche Populisten empfangen oder welcher Lingener will in Salt von solchen Vertretern empfangen werden? Ich nicht. Wir werden uns im Stadtrat darüber verständigen müssen, wie wir mit der neuen Situation umgehen.

(Foto: (c) Diari de Girona)

Nachtrag vom 24.05.2011, 00.00 Uhr. 

Ich habe gestern Abend eine Reihe klebrig-rechtslastiger Kommentare rausgeworfen und schon geahnt, dass ich irgendwie in den Verteiler einer unappetitlich rechten Dumpfbacken-Internetseite geraten bin. So ist es.

Blogleser Moax schreibt:
Kein Wunder, dass da so ein Shitstorm bei dir im Blog losgeht, wenn eine Geert Wilders (u.a.) Unterstützer-Seite zu dir verlinkt.

http://www.pi-news.net/2011/05/auch-spanien-im-konservativen-trend/

Vorschlag von meinem Leser: Alle Kommentare entfernen, anschließend Kommentarfunktion deaktivieren. Einmal editieren und reinschreiben, dass eine Diskussion nicht möglich ist, wenn die Leserschaft der „PI-News“ rüberschwappt.

Dann machen wir das doch!