Rukeli

16. Mai 2011

In Hannover erinnert noch bis zum 30. Juni ein „temporäres Denkmal“ an den deutschen Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann. Am 9. Juni 1933 stieg der Hannoveraner als Deutscher Meister im Halbschwergewicht aus dem Ring des Berliner Sportpalastes. Eine Woche später erkannte der Boxsportverband den Titel wieder ab, wegen „armseligen Verhaltens“ (wohl unter dem Vorwand von Trollmanns Freudentränen nach dem Sieg).  Nach anderen Quellen seien  „ungenügende Leistungen“ der Grund gewesen sein, die Johann Trollmann und sein Gegner Adolf Witt gezeigt hätten; der Meistertitel wurde in diesem Jahr nicht vergeben. Der wahre Grund: Für die Nationalsozialisten stellte der Sieg des „nicht-arischen“, sinto-deutschen Boxers  eine ideologische Bedrohung dar. Denn der junge Trollmann war ein Liebling des Publikums, das ihn für seinen tänzelnden Stil bewunderte.

Nach dem Verlust des Meistertitels war es mit der Boxkarriere vorbei: Die NS-Sportfunktionäre verboten Trollmann, seine charakteristische Beinarbeit einzusetzen und verlangten, „deutsch“ und nicht mehr „zigeunerhaft“ zu kämpfen. So boxte Trollmann im Juli 1933, seiner Technik beraubt und sich der Aussichtslosigkeit seiner Lage bewusst, mit hell gefärbten Haaren und weiß gepuderter Haut gegen Gustav Eder – und wurde k.o. geschlagen.

Seit Donnerstag auf dem Hannoveraner Ballhofplatz das Skultpur, ein abgeschrägter Boxring, den die Berliner Künstlergruppe NURR und Florian Göpfert kreiert haben. Ganz in der Nähe war der 1907 nahe Gifhorn geborene Trollmann in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen; hier ist seit einigen Jahren auch eine Straße nach ihm bekannt.

1928 ging er nach Berlin, wo er fünf Jahre später seinen größten sportlichen Triumph erzielte. Die Nationalsozialisten verfolgten dann zunehmend die deutschen Sinti; 1942 ordnete Heinrich Himmler die Deportation aller Sinti an. Johann Trollmann (Foto lks) verschleppten die Schergen in das Hamburger Konzentrationslager Neuengamme. 1944 wurde er im Außenlager Wittenberge erschlagen. Im Jahr zuvor war sein 27-jähriger Bruder Heinrich („Stabeli“) in Auschwitz ermordet worden. An beide erinnern Stolpersteine im Hannoveraner Kreuzkirchenviertel.

Jahrelang war Trollmanns Schicksal vergessen, erst Ende 2003 übergab der Bund Deutscher Berufsboxer den aberkannten Meistergürtel symbolisch an seine Familie. „Seit 2003 tue ich alles dafür, seine Geschichte weltweit bekanntzumachen und ihm die gestohlene Ehre wiederzugeben“, sagte bei der Denkmaleinweihung Manuel Trollmann, der Großneffe des Boxers.  In Berlin sind inzwischen eine Sporthalle und ein Box-Turnier nach Trollmann benannt. Dort lebt auch Trollmanns Tochter Rita Vowe. „Das hier ist etwas ganz Besonderes für mich. Ich wusste gar nicht, dass mein Vater jetzt so geehrt wird“, sagte die 76-Jährige.

Quellen: Hamburger Abendblatt, NDR, Erinnerung und Zukunft, Familienseite

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