Baracke 35

15. Mai 2011

Vor drei Jahren ist die Britische Armee aus Osnabrück abgezogen. In den Quebec Barracks (rechts ein Luftbild aus 1956; (c) Stadt Osnabrück)  im westlich gelegenen Stadtteil Atter befand sich zuletzt das Hauptquartier der Britischen Streitkräfte in Deutschland, der früheren  Britischen Rheinarmee.  Nach den Plänen der Stadt Osnabrück entsteht auf dem 38-ha-Gelände der  Quebec Barracks, der ehem.  Kaserne Eversheide, jetzt ein Gewerbegebiet. Ein Fotovoltaik-Unternehmen will viele Baracken abreißen, heißt es bei der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Die Anstalt privatisiert das Gelände. Inzwischen hat die Bima aber etwas mehr Zeit. Denn die Kasernen-Baracken stehen nun unter Denkmalschutz; sie weisen eine ganze Reihe von historischen Besonderheiten auf.

Anfang der 1940er Jahre wurden die damals erst ein paar Jahre alten Kasernen zum Kriegsgefangenenlager Eversheide. Es hieß Oflag (=Offizierslager) VIc. Inhaftiert waren dort seit 1941 etwa 5000 serbische Offiziere. Viele vor allem königstreue Offiziere kehrten nach 1945  nicht in das sozialistische Jugoslawien des Marschall Tito zurück. Viele von ihnen blieben in Osnabrück und gründeten dort u.a. die serbisch-orthodoxe Gemeinde, aus deren Kirche übrigens  am vergangenen Sonntag  das ZDF einen serbisch-orthodoxen Gottesdienst übertrug. Unter den internierten Offizieren Serbiens waren auch 450 Männer jüdischen Glaubens. Fast unbehelligt konnten sie den Schabbat und die jüdischen Feiertage feiern; es gab im Lager auch eine Gebetsbaracke.  Bei einem Bombenangriff am 6.12.1944 starben 161 Männer in dem Lager.

Unter dem Eindruck, dass es besondere Baracken sind, die da privatisiert werden, hat sich in der Stadt des Westfälischen Friedens von 1648 vor einigen Monaten eine Initiative gegründet; der Verein „Antikriegsbaracke Atter-Osnabrück e.V.“  will die Geschichte des Oflag VIc erforschen und an das erinnern, was dort damals geschehen ist.

Und er will Teile des Lagers erhalten und in eine Gedenkstätte umwandeln, allerdings nicht das gesamte 38 Hektar große Areal mit seinen knapp 40 Baracken, Fahrzeughallen und Verwaltungsgebäuden. Der Verein begnügt sich mit einem Teil, insbesondere der Baracke Nr. 35 , in dem einst Teile der Wachmannschaften untergebracht ware. Daneben will er auch das Haupttor des  früheren Lagers erhalten, um eine Gedenkstätte für Antikriegskultur und Friedenshandeln einzurichten.

Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) hat sich inzwischen für einen Vermarktungsaufschub eingesetzt und die Bima hat zugestimmt. Bis nach den Sommerferien ist nun Zeit. In dieser Woche will sich auch der Verwaltungsausschuss des Osnabrücker Rates mit den Forderungen des Vereins auseinandersetzen.

Ich begrüße die Entwicklung in Osnabrück. Die Initiative tut  etwas gegen das Vergessen und die schnelllebige Onerflächlichkeit unserer Zeit. Das  ist anders als hier und ich denke mit Sorge auch an das Emslandlager XI in Groß Hesepe. Auf dem Gelände dieses früheren Lagers befindet sich heute die Außenabteilung Groß Hesepe der JVA Lingen. Direkt vor dem Tor der JVA vergammelt die letzte Baracke des einstigen Unrechtslagers, in dem die  Menschen wie Vieh krepierten. Niemand scheint sich um dieses einzigartige historische Denkmal zu kümmern. Ich hoffe, dies ändert sich bald und bevor es zu spät ist

Meine Quellen und mehr lesen Sie hier in der taz und in der NOZ.

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