Museumstag

14. Mai 2011

„Wer entscheidet heute, an was wir uns morgen erinnern werden?“ fragt seit 1992 die UNESCO in ihrem Programm „Memory of the World“ – „Gedächtnis der Menschheit“. Der 34. Internationale Museumstag greift 2011 diese Frage auf. Zahlreiche  Museen in der Region beteiligen sich am heutigen Sonntag (15. Mai) mit Aktionen zum Motto „Museen, unser Gedächtnis!“ zu beteiligen. Der vom Internationalen Museumsrat (ICOM) jährlich im Mai ausgerufene Tag will auf die Bedeutung und Vielfalt der Museen weltweit aufmerksam machen.

Die niederländischen und die Grafschafter Museen sowie auch die Museen in Lingen beteiligen sich leider nicht, wenn ich dies richtig hier und die Internetseiten aus den Niederlanden ausgewertet habe. Enttäuschend ist auch die Beteiligung von lediglich neun Museen im benachbarten Münsterland.

In Osnabrück hingegen öffnen mustergültig  alle sieben Museen – das wiedereröffnete Kulturgeschichtliche Museum/Felix-Nußbaum-Haus (!), das Museum am Schölerberg – Natur und Umwelt, die Kunsthalle Dominikanerkirche, das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, das Museum Industriekultur und das Diözesanmuseum – ihre Türen bei freiem (!) Eintritt und bieten Themenführungen vor und hinter den Kulissen, Aktionen für Kinder, neue Präsentationen und den traditionellen Handwerkermarkt des Museum Industriekultur.

  • Drei Museen des Landkreises Emsland veranstalten einige kleinere Aktionen. Das Archäologiemuseum an der Koppelschleuse in Meppen ab 15 Uhr eine öffentliche Führung durch die aktuelle Sonderausstellung „Tiger, Panda & Co. – Flora und Fauna des Waldes“ an.  Im Anschluss an die Führung wird vor dem Museum wie in der Steinzeit Feuer entfacht. Dort dürfen sich Kinder Stockbrot backen. Der Eintritt ist an diesem Sonntag ermäßigt: Familien zahlen 7 Euro, Erwachsene 4 Euro und Kinder ab 6 Jahren 1,50 Euro.
  • Schloss Clemenswerth in Sögel veranstaltet um 15 Uhr ebenfalls eine Führung zum Thema, wie die Geschichte des Schlosses und seines Erbauers Clemens August bis heute bewahrt, ausgestellt und vermittelt wird. Die Führung ist im regulären Museumseintritt von 5 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro für Kinder und 12 Euro für Familien inbegriffen. Die Teilnehmerzahl ist allerdings auf magere 25 Personen begrenzt und man sollte sich auch unter der Telefonnummer 05952/932325 anmelden.
  • Fünf Themenführungen a 45 Minuten stehen Emsland-Moormuseum in Groß Hesepe auf dem Programm. Um 11, 12, 14, 15 und 16 Uhr stehen die zahlreichen Objekte der Sammlung  im Mittelpunkt. Zudem gibt es „eine kleine Überraschung“ für die  Besucher. Die  Teilnahme an den kostenlosen Führungen ist nur in Verbindung mit einer (kostenpflichten) Eintrittskarte möglich.

Schwierigkeiten sich auch nur an einen Tag zu erinnern, dürfte Sonntagabend wohl die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Johanna Wanka haben. Peinlich! Ihr überzogen wirkendes Tagesprogramm ist offenbar vor allem der ministeriellen PR-Arbeit bzw. den regionalen Zeitungen geschuldet aber nicht dem ehrlichen Interesse an erfolgreicher, interessanter Museumsarbeit:
Um 11 Uhr eröffnet sie nämlich in Emden im Rahmen eines Festaktes in der Johannes a Lasco-Bibliothek (1) den Internationalen Museumstag für Niedersachsen. Anschließend besucht die Ministerin die Kunsthalle Emden (2) und das Ostfriesische Landesmuseum (3). Dann fährt die CDU-Politikerin nach Oldenburg in das Stadtmuseum / Horst Janssen-Museum (4) und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte (5). Weitere Stationen der Ministerin werden das Industriemuseum Lohne (6) und das Tuchmachermuseum Bramsche (7) sein. Da fragt man sich, warum sie so übertreiben muss und erinnert sich an japanische Reiseprogramme aus dem 20. Jahrhundert: „Europa in 96 Stunden.“ London-Paris-München-Venedig-und-tschüss  Und man empfiehlt ihr ein herzliches „Weniger ist mehr!.“

Weitermachen

14. Mai 2011

Bünting ist längst mehr als Tee. Zum ostfriesischen Konzern gehören regional so bekannte Discounter wie  Combi, Markant, Telepoint und Famila (mehr…). Insgesamt sind knapp 9000 Mitarbeiter in den einzelnen Schwesterfirmen tätig, die einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro erwirtschaften.

In der Branche zählt das weiterhin in Leer ansässige Unternehmensverbund damit zu den Kleinen. Gerade deshalb gehört für ein solches Unternehmen das soziale und kulturelle Engagement zum Muss oder zur Firmenphilosophie, wie man auch sagen kann. Es unterscheidet sich damit von dem RWE, Aldi, Lidl-Einerlei, obwohl der finanzielle Aufwand eigentlich nicht sonderlich hoch ist.  Vor fünf Jahren gründeten folgerichtig die Bünting-Verantwortlichen anlässlich des 200-jährigen Gründungsjubiläums   die  Johann Bünting-Stiftung.  Sie unterstützt  seither soziale und kulturelle Projekte in unserer Region und vergibt jährlich zwei Förderpreise „für ehrenamtliches, generationsübergreifendes Engagement“ mit je 5.000 Euro. Darüber hinaus wird ein Sonderpreis für Schulprojekte verliehen, der ebenfalls mit 5.000 Euro dotiert ist. Vorgestern wurden im Leeraner Tee-Museum zum vierten Mal die Johann Bünting-Förderpreise verliehen (Foto oben). Gleich zwei von ihnen  gingen in diesem Jahr nach Lingen.

Hubert Köllen ist einer der beiden Lingener Preisträger.  Seit fast 40 Jahren gestaltet der inzwischen 75-jährige aus Biene spezielles Holzspielzeug für Kinder mit Beeinträchtigungen. Angefangen hatte es Anfang der 1970er Jahre mit kleinen Geschenken für die Ortsgruppe Biene des Lingener Christophorus-Werks. Inzwischen findet es  in Einrichtungen in ganz Deutschland und in Polen, Russland und Brasilien Verwendung.  Seine  Kenntnisse zur Arbeit mit Kindern mit Beeinträchtigung hat er unter anderem durch Gespräche mit seiner Tochter gewonnen, die als Lehrerin in einer Tagesbildungsstätte arbeitet. Außerdem tauscht er sich regelmäßig mit den Pädagogen aus, die das Spielzeug dann in ihren Einrichtungen einsetzen.

Köllers Spielzeug schult die Motorik der Kinder und spricht ihre Sinne an.  So befinden sich beispielsweise auf  Motorikplatten  bis zu 100 verschiedene Gegenstände – vom Holzwürfel bis zur Drehscheibe, von einer kleinen Wippe bis zum Spiegel oder einer Murmelsammlung. Damit können Kinder mit Hör- oder Sehschädigung oder geistiger Behinderung ihre motorischen Fähigkeiten ausprobieren, auf Klänge hören oder Formen ertasten. „Ich bin dankbar, dass ich noch etwas für andere Menschen machen kann. Es macht mir einfach Freude,“ sagte der ausgebildete Landwirt vor einiger Zeit.  Für Hubert Köllen ist der Förderpreis der Johann Bünting-Stiftung in der Kategorie „Alt für Jung“ nicht die erste Auszeichnung. Vor einigen Jahren  erhielt er bereits von der Caritasstiftung Osnabrück den „Sonnenscheinpreis“. Ans Aufhören denkt Köllen noch lange nicht: „Ich möchte mindestens noch bis 98 weitermachen.“

Soziales Projekt

Den Sonderpreis für Schulprojekte erhielt 2011 die Lingener Gesamtschule Emsland. Seit dem Jahr 2004 gehört das unspektakuläre Sozialprojekt im 8. Schuljahr zum festen Bestandteil unseres Schulkonzeptes. Für ein Jahr übernehmen alle Schülerinnen und Schüler (selbstverständlich ohne Bezahlung) eine Aufgabe, bei der etwas für andere getan wird (Foto re.) . Im zeitlichen Umfang von 90 Minuten pro Woche sind inzwischen rund 600 Schüler in einer öffentlichen, karitativen oder kirchlichen Einrichtung tätig gewesen (oder noch dabei). „Unsere Schule will mit dieser Aktion das gesellschaftliche Engagement, also die „soziale Kompetenz“ fördern und vielleicht auch Wege zu ehrenamtlicher Tätigkeit weisen. Arbeitsplätze finden sich z.B. in Kindergärten, Vereinen, Altersheimen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Kirchengemeinden, Tierheimen, bei der Feuerwehr, dem THW, dem Deutschen Roten Kreuz“,  schreibt die „GE“ auf ihrer Internetseite.

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B7

14. Mai 2011

Da wird sie fast zum Wanderpokal. Elisabeth Heister-Neumann (CDU), die Ex-Justiz- und Ex-Kultusministerin unseres Landes: Erst nämlich sollte (und wollte?)  sie in  Goslar, der Heimat von SPD-Chef Sigmar Gabriel, CDU-Kandidatin für das OB-Amt sein; da ist man jetzt enttäuscht und fühlt sich brüskiert (und die SPD dort hängt aus anderen Gründen auch durch). Aber jetzt will sie nicht mehr  OB in Goslar (Besoldungsstufe B5) sondern seit letzten Dienstag in der VW-Stadt Wolfsburg (Besoldung B7) werden.

Sie selbst sagt: „Ich komme aus der Kommune und bin gerne in der Kommune“ und begründet damit  ihre Ankündigung, für die CDU bei der Oberbürgermeister-Wahl in Wolfsburg zu kandidieren. Dort  will sie  ihrem Parteifreund Rolf Schnellecke folgen, der nach 10 Jahren nicht mehr kandidiert. Offiziell aus Altersgründen, aber –so die HNA– auch die handfeste Affäre um die Wolfsburger Stadtwerke mit dubiosen Wahlkampfhilfen für die CDU  dürfte eine Rolle gespielt haben. Die Wolfsburger SPD schickt derweil den Ersten Stadtrat Klaus Mohrs ins Rennen.

Ein Jahr ist es jetzt her, dass die heute 55-jährige Mutter von zwei Kindern bei der Kabinettsumbildung von Ex-Ministerpräsident Christian Wulff aus dem Kultusministerium und damit aus dem schwarz-gelben Kabinett ausgeschieden ist. Als Justizministerin hatte die Verwaltungsjurstin aus Helmstedt zuvor  im ersten Kabinett Wulff die harte Linie mit einem praxisuntauglichen Justizvollzugsgesetz und einem Zurückdrängen des Resozialisierungsgedankens von Strafgefangenen gefahren.

Als Heister-Neumann dann 2008 Kultusministerin wurde, agierte sie -sagen wir mal- irgendwie immer noch wie eine Abteilungsleiterin im geschlossenen  Vollzug, also ausgesprochen unglücklich. 10.000 Menschen gingen 2009 gegen die Einführung des Turbo-Abiturs  auf die Straße. Kurz danach folgte die Affäre um den Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Eberhard Brandt, dem sie ein Disziplinarverfahren wegen angeblichen Schulschwänzens  anhängen wollte. Als sie für Wulff zu einer Belastung wurde, ließ er sie fallen und ersetzte sie durch ihren Staatssekretär Bernd Althusmann. Seither ist die ehemalige Stadtdirektorin von Helmstedt nur noch einfache Landtagsabgeordnete.

Für die von einer 14köpfigen Findungskommission gekürte CDU-Frau wird es allerdings auch in Wolfsburg schwer und eher ungemütlich: Denn dort kämpft die CDU mit der Stadtwerke-Affäre gegen Vorwürfe wegen unerlaubter Wahlkampfhilfen (guckst Du hier). Aufräumen müsse sie dort nicht, sagt Elisabeth Heister-Neumann, die Aufklärung sei auf dem Weg: „Da macht unsere Justiz ihre Arbeit“, sagt sie und dann artig : “ Wolfsburg ist wahnsinnig spannend!“  Am 17. Juni soll sie offiziell zur CDU-OB-Kandidatin gekürt werden. Die OB-Wahlen sind am 11. September und an diesem nicht ganz fernen Abend wird Frau Heister-Neumann dann feststellen, dass es auch als Landtagsabegordnete des  den Wahlkreises  Salzgitter ganz nett ist…

(Foto: © Martina Nolte / Creative Commons BY-SA-3.0 de)