Geburtstagsfeier

10. Mai 2011

Nach einem Hinweis des Veranstalters habe ich diesen Artikel habe ich hier noch einmal aktualisiert.

Platt

10. Mai 2011

16.000 Euro, im wesentlichen Steuergelder, hat eine Aktion des „Verein Lingen Wirtschaft Touristik“ (LWT) gekostet. Das Problem:  Sie ist reichlich sinnfrei. An sechs Standorten „rund um die Stadt“  sind nun bunte Informationstafeln für Radfahrer aufgestellt –  wie stets mit Bremborium eingeweiht und gefeiert. Begrüßungs- und Infoportale heißen großspurig die Schilder. Immer vier Tafeln enthalten einen Stadtplan, bieten „mit einer Radkarte Routenalternativen“, werben für  Gastronomie- und Unterkunftsangebote und vermitteln „durch Fotos und Texte einen Eindruck“  von Stadtgeschichte und -tatsächlich!- „Natur“. Die Erzeugnisse sind gar von der EU gefördert, aber trotzdem nur deutschsprachig.  Guckst Du hier.

Ich habe den Bericht über die neuen Schilder gelesen und mich nach ihrem Zweck gefragt. Dann stelle ich mir  Hunderte von Radwanderern vor, die orientierungslos im Emsland herumradeln und sich uns nähern. Ganz zufällig und unvorbereitet stoßen sie dabei auf unser Städtchen Lingen, und dann hilft ihnen das  „Portal“. Jetzt endlich können sie sich erstmals für Routenalternativen entscheiden und finden nur so  Hinweise auf Trank, Trunk und spontan auch eine Übernachtung, an die sie überhaupt noch nicht gedacht hatten, als sie zu ihrer Radtour aufbrachen.  Das nenne ich fürsorglich durchdacht: Eine LWT-Portal-Tafel taucht vor diesen orientierungslos  unvorbereitet Anradelnden,  verzweifelt Hilfe suchenden Radtouristen auf, wissen sie doch überhaupt  nicht, wo sie sind, was hier ist und wohin sie wollen!  Da müssen doch die LWT-Portale so ähnlich wirken, wie die Oase in der Wüste  für einen Verdurstenden.

Ironie beiseite. Der LWT kann sich mit diesem Schildavorhaben für das ProjektDümmste Tourismusinitiative des Monats“ bewerben, zumal ich darüber (noch einmal hier) ungewöhnlich Plattes lese :

Es gelte, ständig neue Akzente zu setzen. Die Interessen, Wünsche und Anregungen der Radfahrer müssten dabei im Vordergrund stehen, so der LWT-Vertreter. Es gelte, die Infrastruktur stetig zu verbessern. Die Devise laute auch hier: „Stillstand ist Rückschritt!“

Boah! In solche Sätze bekommt man nicht einmal mit Pressluft etwas hinein. Der erste Preis des empfohlenen Projekts müsste übrigens ein Outdoorworkshop hinterm Lingener Rathaus sein, bei dem platte Reifen von Radtouristen durch die tatkräftigen LWT-Mannen repariert werden und zwar sinnvollerweise Samstags, wenn die Tourismuszentrale im Rathaus größtenteils geschlossen ist.

Ginge es wirklich um konkrete Hilfe für Radtouristen und weniger um Selbstbeweihräucherung eines orientierungslos wirkenden Vereins, könnte dort am Rathaus auch endlich die Fahrradtankstelle und -werkstatt verwirklicht werden, an deren vor 15 Jahren beschlossene Aufstellung ich bisweilen erinnert habe. Und einen Hinweis auf die Fahrradcontainer hinterm Rathaus könnten die LWTisten auch zeichnen, damit Radtouristen wissen, wo sie ihr Gefährt samt Gepäck deponieren können, wenn sie wirklich durch Lingen spazieren wollen. Allerdings stehen nur noch drei Fahrradcontainer im Hof des Rathauses, die anderen sind verschwunden … weiß der Geier wohin. Aber Werkstatt, Pressluft und Container wären ja konkrete Hilfen für Radfahrer, die  nicht  wie sechs sinnfrei-überflüssige Portale in der Gegend stehen und an denen Radtouristen flott vorbei radeln werden.

(Foto: Platt; (c) Johannn-Christian Hanke )