Kopfarbeit

25. April 2011

„Lieber Gerd Otten!

Ja, ich werde morgen um 18 Uhr an dem Schweigekreis vor dem historischen Lingener Rathaus teilnehmen. Morgen, am 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Es ist ein Verdienst des von Dir getragenen Elternverein Restrisiko Emsland eV, dass auch in unserer Stadt offen an diese Zeitenwende gedacht und an den 26. April 1986 erinnert wird.

Allerdings darf es nicht mehr dazu kommen, dass Antidemokraten den Protest gegen die Atomenergie in einer Weise für ihre intoleranten Parolen instrumentalisieren, wie dies bei der Lingener Demonstration am Ostersamstag an der Spitze des Demonstrationszuges der Fall war.  Ich ärgere mich maßlos über diese österliche Demonstration, die der Anti-Atom-Bewegung in Lingen geschadet hat, und ich ärgere mich folgerichtig auch über meine eigene Rolle. Selbstverständlich ging ich davon aus, dass es eine Demonstration des Elternverein Restrisiko ist, an der ich da teilnehme. Oder jedenfalls ein Aufzug, der maßgeblich vom Elternverein, vom BUND, Bündnis’90 – Die Grünen und anderen Demokraten getragen ist, nachdem bei den Schweigekreisen montags mehrfach zur Teilnahme aufgerufen worden war.

Aber dann fand ich mit mit mehr als 300 anderen Teilnehmern auf dem Pferdemarkt bei einer Demonstration wieder, die nicht nur die am schlechtesten organisiserte war, die es in Lingen je gegeben hat. Dass die Junge Union ausgeladen worden ist – egal; denn was wollten diese ewigen Atomkraftbefürworter auf dieser Veranstaltung!?

Nein, der Punkt ist:  Da latschte ich tatsächlich hinter,  für einen Demokraten völlig inakzeptablen Krwawalltransparenten der Wagenburgkinder hinterher: Fick Dich, Merkel. Und Atomausstieg ist Handarbeit ,  klein darunter geschrieben, schwer lesbar der  Zusatz: Schottern, blockieren, sabotieren. Ich habe diese antidemokratischen Transparente erst nach dem Ende der Demonstration gelesen, darüber ärgere ich mich um so mehr.

Nein, die Arbeit gegen die Atomkraft ist keine ungesetzliche Handarbeit, wie es da gefordert und zu lesen war.  Sie ist geradewegs Kopfarbeit – die Du, Gerd, (und ich) seit fast 40 Jahren machen. Und dann kommen diese chaotischen Leute daher und rufen zu Straftaten auf. In Lingen! Ausgerechnet da, wo viele meinen, dass Atomenergie zwar irgendwie gefährlich aber allemal deshalb sicher sei, weil es doch die eigenen Nachbarn sind, die „im Kernkraftwerk“ arbeiten und ja nie etwas Unsicheres machen würden. Buggy, der in meinem Blog gern und oft das Wort erhebt, hat völlig recht, wenn er schreibt

Mit dieser Forderung lässt sich natürlich nicht ein gesellschaftlicher Konsens für den schnellst möglichen Atomausstieg herstellen. So ist es doch kein Wunder, dass die Beteiligung an den Demos gegen Atomkraft relativ gering ist!

In Lingen – muss man hinzusetzen, Buggy. Denn andernorts demonstrieren Tausende. Aber hier tut sich der Protest nicht leicht. Er wird gar deutlich erschwert, überlässt man ihn -wie am Ostersamstag- diesen pöbelnden und in Mikros schreienden Leuten; denn sie betreiben das Geschäft derer, die dreist behaupten, sie gingen voRWEg.

Gerd, warum hatte man sich völlig von den bundesweiten Demonstrationen  losgelöst, die am Ostermontag an 12 Atomenergie-Standorten in Deutschland stattfinden? Warum gab es keine andere Organisationsform als den sinnfreien Fußmarsch mit Dröhnmusik durch meist leere Innenstadtstraßen  (zB eine Radfahrdemo zum AKW)? Vor allem: Warum gab es keine weitergehenden inhaltlichen Festlegungen,  Gerd?  Warum kein Nein zu undemokratischen Parolen? Immerhin hat Dein Elternverein zur Teilnahme aufgerufen.

Die für das inhaltliche Scheitern der Demonstration Verantwortlichen sind also keine  „jungen Leute, die man machen lassen muss“, wie Du mir am Samstag auf meine erste, vorsichtige Kritik geantwortet hast. Es sind Elternverein, BUND, SPD, Grüne – es sind Du,  ich und unsere Freunde. Wir haben es zugelassen und uns instrumentalisieren lassen. Ich ärgere mich maßlos darüber.

Trotzdem und gerade deshalb: Morgen Abend sehen wir uns.

Mit freundlichen Grüßen
Dein Robert Koop“

—-
ps Postempfänger Gerd Otten (Langen bei Lengerich) ist Sprecher und Vorsitzender des Elternverein Restrisiko Emsland

37 Antworten to “Kopfarbeit”

  1. Jürgen Dietrich said

    Ja, ich habe auch ein Wochenende mit einer nicht endenen Diskussion über das Für und Wider der Anti AKW Demo am Samstag hinter mir. Meine Kinder waren sehr empört über mich und meine Frau, dass wir uns von den Chaoten, wie von Robert beschrieben, benutzt haben lassen.
    Natürlich habe ich mich über meine Blauäugigkeit geärgert. Natürlich distanziere ich mich mit aller Entschiedenheit vom ungesetzlichen Handeln.
    Dennoch werde ich morgen dabei sein. Sollte allerdings das alte ehrwürdige Rathaus mit Parolen unter der sogenannten Gürtellinie verhangen sein, wird dies auch gleichzeitig meine letzte Teilnahme sein.

  2. Marian said

    Lieber Robert,

    eine sachliche Diskussion findet also deiner Meinung nach nicht statt?
    Befürworter möchte man nicht dabei haben… achja.
    Das ist also Demokratie!

  3. Frank said

    @Marian

    Warum machen die Befürworter denn keine Demo? Wenn man so überzeugt von der Atomenergie ist, dann kann man doch eine eigene Demo machen… aber dafür ist sich die CDU und gerade die JU wohl zu fei(ge)n!

    Wann ist die demokratische Demo?

  4. Fank O. said

    Es ist und bleibt mir unerklärlich wie man, bei klaren Menschenverstand, dafür sein kann solange die Entsorgung und Entlagerung ungeklärt ist.
    Erstmal Müll produzieren…..dann schauen wie wir ihn weg bekommen….unsere Nachkommen werden sich schon drum kümmern….
    Grausame Gedanken tun sich in mir auf, nach Fukushima, Tschernobyl, Asse und co. kann kein gesunder Mensch weiter die Augen vor den Gefahren verschliessen.
    Es kann doch wirklich nur ein Käfighaltungseierkäufer, der die Augen vor der grausamen Haltung der Hühner verschliesst, für Atomstrom sein.
    Was ich nicht sehe oder schmecke interessiert mich nicht.
    Hoch lebe die Lobby, ein Hoch auf die Partei, denn die sind dafür…also bin ich es auch.

  5. Frank said

    Lese gerade in der NWZ, dass es keinen Versicherer gibt, der AKW´s versichern würde. Theoretisch würde die Versicherungsprämie bei ca. 100 Mrd € pro Kraftwerk liegen. Das würde bedeuten, dass die Kilowattstunde zwischen 15 und 20 € liegen würde. So viel zum Thema billiger Strom…

    Aber wenn Papa und seine CDU dafür sind, dann muß ich es als junger Unionler ja auch sein… ohne viel darüber nachzudenken!

    Freue mich schon auf die Befürworter-Demo 😉

  6. Buggy said

    Vielleicht sollte man in dem Schweigekreis nicht nur schweigen, sondern sich auf eine konkrete Forderung zum Ausstieg einigen.
    Irgendwie sind ja alle für einen Ausstieg auch- die CDU. Aber es gibt einige, die wollen sofort weltweit alle Anlagen stilllegen, andere den schnellen nationalen Alleingang und noch mal andere wollen einen Ausstieg, der sozial verträglich in der EU organisiert wird.
    Ich werbe für ein Ausstiegsszenario, das auch die sozialen Auswirkungen hierzulande, aber auch in den Entwicklungsländern berücksichtigt. Eine schwächere Wirtschaft trifft immer zuerst die Schwächeren in der Gesellschaft. Sollten die Nahrungsmittelpreise weltweit weiter ansteigen, weil riesige Mengen an Mais, Rübe, Rohr und Weizen zu Bioenergieträgern verarbeitet werden, trifft das die Ärmsten der Armen, weil diese Menschen 100% des Einkommens in Nahrung investieren müssen. (In Deutschland liegt dieser Wert übrigens bei 11-12% und hat „nur“ bei den niedrigeren Einkommensklassen gravierende Folgen)

    Ich glaube, dass ein gesellschaftlicher Konsens nur mit dem Blick auf die sozialen Auswirkungen und mit legitimen Mitteln erreicht werden kann und deshalb finde ich es gut, dass RK sich ganz deutlich von einigen Plakaten und Bannern distanziert.

  7. GroenLinks said

    Hallo liebe Leser,
    es ist immer leicht mit dem Finger auf Leute zu zeigen und ihre anders geartete Lebenskultur zu diskriminieren. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, es zu ermöglichen, dass sich viele am besten alle an der Gestaltung von Gemeinschaft und Zukunft beteiligen.

    Ich persönlich lehne jede Form von Extremismus ab, möchte mir persönlich aber keine Schranken im Denken setzen lassen. Das manche Linksextremismus und Rechtsextremismus gleich setzen wollen ist mir zu kurz gegriffen.

    Den Stempel Antidemokrat zu verwenden mag zwar in diesem Fall sachlich richtig sein doch zementiert es die Gegebenheiten nur umso fester. Was passiert denn, wenn man Menschen an den Rand drängt? Jeder der in die Ecke gedrängt wird verharrt letztendlich entweder in Lethargie oder greift zu Gewalt.

    Doch ist es in diesem Fall gar nicht der Punkt, hier sind Menschen aus verschiedensten Strömungen zu einer Demonstration zusammen gekommen und Gerd Otten hat sich dazu „verleiten“ lassen Leuten Kompetenzen zu zusprechen, die sie sich sowieso nicht hätten nehmen lassen. Nur Gerd Otten wusste genau, will er einen Generationen übergreifenden Protest haben wird er sich wohl auf die „Stimme der Straße“ einlassen müssen.
    Fahrradtouren, Sonntagsspaziergänge wurden in den letzten 25 Jahren zu Thema Anti-Atom, des Öfteren hier im Emsland veranstaltet und hat auch immer die angesprochen, die sich von so etwas ansprechen lassen. Nun war es auch mal an der Zeit eine andere Form des Protestes zu wählen.

    Autonome, Chaoten, Punks – ja es gibt viele Begriffe für alternative Lebenskultur doch zum Glück keine Schublade. Solange man sich mal ein Stück „Linken Lifestyle“ kaufen kann – ob nun als Punkkonzert a la „Slime“ (wo war denn dort ihre Distanzierung von Texten wie „Bullen Schweine“, „Deutschland muss sterben“ oder „Legal, Illegal, Scheißegal“ Herr Koop), als Nummernschild „LIN –KS“ oder was man sonst so im „Revolution Sell Out“ bekommt.
    Es ist ein schwieriger Diskurs, dies ist mir bewusst aber man sollte zum Dialog bereit sein und Demokratie so gestalten, dass alle darin Platz finden.

    „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach‘s wie deine Brüder“
    (Franz Josef Degenhard)

    Gruß

    Mitglied der Grünen Jugend

    • Robert Koop said

      „Den Stempel Antidemokrat zu verwenden mag zwar in diesem Fall sachlich richtig sein doch zementiert es die Gegebenheiten nur umso fester.“

      Wie bitte?

      • GroenLinks said

        Anders formuliert:

        Damit wird der Randgruppen-Status nur noch mehr bestärkt.
        Damit grenzt man von vornerein Menschen aus. Zumal es auch eine Unterstellung bleibt, die erst einmal bewiesen werden muss.

    • Bernd Koop said

      »Ich persönlich lehne jede Form von Extremismus ab«

      ach so.

      • GroenLinks said

        Extremismus lehne ich ab, ja.
        Doch die Menschen (die sich in extremen Lebensumständen befinden) möchte ich nicht verloren wissen.

  8. kib said

    „… wenn man Menschen an den Rand drängt?“*.. AKW- war Thema- nicht Du bzw, Deine Frisy! Du erinnerst Dich?
    *“Dein Zitat“ über das Du bitte im Zusamenhang mit dem Blogthema speziell und im Zusammenhang mit Extremismus generell nachdenkst? Und Dich dann wieder (hofffentlich besser sortierst) meldest?

  9. Mitglied_der_Öffentlichkeit said

    Irgendwie erscheint es mir schon albern, dass jetzt ausgerechnet die Randgruppen, die schon immer gegen den Atom-Mist waren (und wahrscheinlich noch gegen viele andere Sachen wie den doofen Kapitalismus etc.), dass also ausgerechnet diese Advantgarde der Erkenntnis (zumindest in diesem einen Punkt, das muss man sagen) jetzt nicht mehr dabei sein soll, wenn genau ihr Anliegen endlich auch von der „breiten Mehrheit“ vertreten wird. Erinnert an: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, …

    Woher kommt diese Ablehnung? Ist die Sorge um den Ruf der Bewegung, um die Massenkompatibilität und Durchsetzbarkeit der Forderungen wirklich der Grund für diesen Blogbeitrag? Oder fühlen sich vielleicht auch einige Menschen um die 50 peinlich an ihre eigene Jugend- und Protestkultur erinnert? Die war nämlich überhaupt nicht immer politisch korrekt oder lupenrein demokratisch im Sinne der FDGO und am Konsens orientiert. Wenn ich mich recht erinnere, ging es da auch viel um Krawall, Provokation und Subversion. DARAUS sind die Grünen doch überhaupt erst entstanden, erinnert man sich noch?

    Mit welchem Recht fordern jetzt die spätberufenen Protest-Nachzügler, dass der Protest aber bitteschön nicht zu frech sein darf? Wie kleingeistig ist das?

    Ich glaube nicht, dass dieser Blogeintrag von der Sorge um das Anliegen motiviert ist. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier einige durch die Institutionen Marschierte nicht allzu deutlich an ihre eigene Vergangenheit erinnert werden wollen.

    Lustig ist auch, dass der ELTERNVEREIN aufgefordert wird, die Demos besser zu organisieren. Ich schlage vor, dass sich beim nächsten mal alle in Zweierreihen aufstellen und sich an den Händen fassen. Dann wird durchgezählt, die Fahrradhelme werden verteilt und dann machen eine politisch voll korrekte Protest-Fahrradtour (an der Ampel steigen wir ab!).

    • GroenLinks said

      „Das Gegenteil von Mut, in unserer Gesellschaft, ist nicht Feigheit, sondern Anpassung“ – Unbekannter Autor

    • Avantgarde! Wow, Sie Großgeist!

      ps Ihre E-Mailadresse ist inkorrekt. Sie wissen möglicherweise, dass es dafür hier die Gelbe Karte gibt.

    • Hans Peters said

      @Mitglied der Öffentlichkeit
      „Advantgarde der Erkenntnis“ – Vergessen wir mal den Schreibfehler. Mit „Avantgarde der Erkenntnis“ meinen Sie doch bestimmt die Junge Union? Respekt, gut beobachtet! Ansonsten wirkt das meiste, was Sie da schriftlich absondern, ziemlich arrogant.

      • Mitglied_der_Öffentlichkeit said

        „wirkt das meiste, was Sie da schriftlich absondern, ziemlich arrogant“

        Mag sein.

        Und inhaltlich? Anmerkungen?

        Gruß, MdÖ

  10. Alexander_der_Kleine said

    Herr Koop…

    wie wäre es, wenn Sie sich demnächst einfach vorher die Plakate/Transparente ansehen und dann entscheiden, ob Sie teilnehmen oder nicht. Denn jetzt erwecken Sie den Eindruck, als hätten Sie alles Geschehene bloß beobachtet, um wieder irgendeinen Aufsehen erregenden Text auf Ihren Blog online stellen zu können.

    So klein waren die auf den Transparenten zu findenden Texte nun auch wieder nicht. Jeder/Jede hatte genügend Zeit sich auf dem Pferdemarkt eine stilistische Kostprobe zu genehmigen und zu entscheiden, ob er/sie mitgeht oder nicht.

    Spätestens beim „Schaltet ab, schaltet ab, sonst machen wir die City platt“ hätten Sie gehen können. Haben Sie aber nicht. Merken Sie eigentlich nicht, dass Sie schon in den Kreisen Ihrer eigenen Partei belächelt werden?

  11. Alexander_der_Kleine said

    …in einem Punkt möchte ich Ihnen jedoch Recht geben: Eine Demonstration als geplante Großaktion (wie auf .ausgestrahlt dargestellt) hätte der Bewegung mehr Aufwind gegeben…

  12. MarvinDerMarsMensch said

    Es wäre schön mal jemanden zu Wort kommen zu lassen, der vorne in der ersten Reihe stand und von gewissen Personen als „Chaot“ o.ä. beschrieben wird.

    Wie schon in einigen Kommentaren angesprochen, gab es die verschiedensten Gruppierungen, die sich einem gemeinsam Ziel verschrieben haben. Das es da nun zu völlig verschiedenen Vorstellungen über den Ablauf der Demo kommt, hätte jeder der bis drei zählen kann von vorne herein wissen müssen.

    Um aber nun mein eigenes Ehrgefühl und das aller anderen, an der Demo beteiligten Chaoten, zu wahren verbitte ich mir jeglichen Vorwurf es wären rechtsextremistische Parolen gerufen worden.
    Dies ist auch ganz einfach nachzuvollziehen. Wer es auf die Probe stellen will kann sich ja mal spaßeshalber in ein Rudel Punks stellen und Nazi-Parolen brüllen. Mein Tip, gutes Schuhwerk tragen.

    Wenn man sich nun noch vor Augen hält, das selbst massive Ausfälle und Störungen in diversen AKW`s die Menschheit nicht wachgerüttelt hat,von den ganzen „unchaotischen“ Demonstrationen mal ganz zu schweigen, kann ich gut nachempfinden das der Ruf nach radikalen Methoden lauter wird.

    An einem Osterwochende in einer Kleinstadt zu demonstrieren ist so schon ein gewagtes Unterfangen, bezüglich der in der Stadt zu erregenden Aufmerksamkeit.
    Wenn man nun die ganzen Punks und Chaoten von der TeilnehmerListe streicht, bleiben auch nicht mehr so viele Demonstranten übrig.

    Und ohne die ganzen hübschen Plakate und die so schön bunt gekleidete „Zunft des Chaos“, gäbe es nicht so schöne Photos und Artikel…sprich Aufmerksamkeit!
    Auch die angebliche Ignoranz der Passanten gegenüber dem Protestzug ist eine Form der Aufmerksamkeit. Denn man weiß ja wie der Emsländer ist, sowas wird nicht auf der Straße besprochen, sondern beim Sonntagskaffee mit Herrengedeck!

    In diesem Sinne Grüße vom Mars

  13. Rolf Heinrich said

    Aufarbeitungsversuch (Teil 1):

    „Aus der Geschichte lernen, heißt …“

    Westdeutsche Uni-Stadt ( so um die 100 000 Einwohner), September 1980, die Kontroverse um den sog. NATO-Doppelbeschluss erfasst allmählich die BRD:
    Schüler, Studenten, Bürger verschiedenster politischer Couleur treffen sich zur Vorbereitung einer ersten Friedensdemo in besagter Stadt.
    Ablauf des Treffens:
    „Wer meldet denn die Demo an?“ – „Das machen wir von der DFG!“
    „Wer schreibt den Demo-Aufruf und das Flugblatt, das während der Demo verteilt werden soll? – „Das kann ich machen, ist doch inhaltlich keine strittige Frage: Wir sind hier im Raum doch alle gegen den Nato-Nachrüstungsbeschluss!“ (Breite Zustimmung)
    „Wer macht denn die Transparente?`“ – „Das machen wir, an sowas haben wir jungen Leute richtig Spaß.“
    usw.
    Alle gingen friedensbewegt und gut gelaunt nach Hause, weil ja vor allem das Absprechen der (lästigen) organisatorischen Fragen so glatt gelaufen ist.

    Demo (zwei, drei Wochen Später):
    – Die Resonanz war überraschend gut.
    – Im Flugblatt wurden die US-Pershings und C.Ms scharf als „kriegstreiberische Waffen“ der imperialistischen und revanchisten Kräfte des westlichen Großkapitals geächtet. Dagegen wurde die Stationierung der SS-20 in Ost- und Mitteleuropa als Geste des Friedenswillens der großen Sowjetunion und ihrer volksdemokratischen Verbündeten gefeiert.
    In ähnlicher Weise wurde in diesem Aufruf auch der Einsatz der Roten Armee in Afghanistan eingestuft!
    – Parolen der Transparente: dito
    Die überwiegende Mehrheit der Demo-Teilnehmer brauchte ein bisschen Zeit, bis sie die inhaltliche Ausrichtung „ihrer“ Demo erkannte und ging dann auf Distanz, zunächst nur räumlich.

    Was war da schiefgelaufen?

    Man erinnere sich an das Vorbereitungstreffen. Die vielen spontanen Helfer, die sich ganz schnell und freiwillig für die teilweise zeitaufwendigen Vorarbeiten für die Demo meldeten, gehörten allesamt der DKP oder Organisationen an, die zu ihr gehörten (z. B. MSB Spartakus). Einige waren sogar bezahlte Funktionäre der moskauhörigen West-Kommunisten oder Angestellte der UZ.
    Sie hatten ganz einfach die politische Naivität und die Trägheit der anderen beteiligten Gruppen und Personen ausgenutzt für „ihre Sicht“ der Nachrüstungsdebatte

    Fortsetzung folgt!

  14. Rolf Heinrich said

    Aufarbeitungsversuch (Teil 2):

    Nach dieser Erfahrung übernahm in besagter Stadt ein breites Aktionsbündnis diverser Gruppen die Organisation der weiteren Aktivitäten (Info-Stände, Mahnwachen, Podiumsdiskussionen und Demos).
    In diesem Aktionsbündnis arbeiteten auch die DKP und ihre Unterorganisationen weiter mit. Niemand dachte daran, sie auszuschließen (!).
    Im Unterschied zur ersten Demo wurde vor den neuen Aktivitäten jetzt aber intensiv inhaltlich diskutiert, z. B. über:
    – Inhalte der Flugblätter,
    – Gestaltung der Transparente,
    – Parolen und Sprechchöre und Lieder
    – usw.

    Dann wurde demokratisch darüber abgestimmt. So stellte man einen möglichst breiten Konsens her.Alleingänge einzelner Gruppen unter dem Namen „Fiedensbewegung“ waren nicht mehr möglich.

    Auch der oft lästige organisatorische „Kleinkram“ wurde ab sofort auf mehrere Schultern verteilt. In dem Aktiuonsbündnis bildete sich ein „SprecherInnenrat“, der auch die Kontakte zur bundesweit im stärker werdenden Friedensbewegung herstellte (z. B.: ab Nov. 1980 gab es den „Krefelder Appell“ und diverse Kongresse).

    Die DKP und ihre Aktivisten aus anderen Gruppierungen blieben übrigens Teil der Friedensbewegung. Dies störte kaum einen. Nur ihre einseitgen Parolen konnte sie ab sofort nicht mehr unter diesem Namen verbreiten.
    Sie veranstaltete dann z. B. an Aktionstagen ihren eigenen Info-Stand oder Büchertisch und bei Demos verteilte sie die „UZ“ und ihre DKP-Flugblätter. Sie isolierten sich irgendwie selbst.
    Teilnehmer von Demos und Passanten wussten dann, woran sie waren. Manchen taten die stets aktiven DKPler sogar ein bisschen leid …

    Fortsetzung folgt

  15. Rolf Heinrich said

    Aufarbeitungsversuch (Teil 3)

    zurück in die Gegenwart:

    Ostern 2011 – Proteste gegen Kernkraft und für eine neue Energiepolitik, auch nin unserer Region!

    Werfen wir zunächst einen Blick nach Gronau, einem „Städtchen“ von rund 47 000 Einwohnern im beschaulichen Münsterland.

    Hier fand am Ostermontag (25. April) eine Anti-Atom-Demo statt. Hierzu riefen lt. Flugblatt auf:

    – Gronauer Organisationen: AKU – BioStand „Möhrchen“ – Die Linke, Stadtverband – DGB Ortsverband – Gronauer Trägerkreis „Gronauer Ostermarsch“ – GAL, Ratsfraktion – Gal – NUG – Öko-Technik Rottmann – SPD Stadtratsfraktion – UWG Stadtratsfraktion – verdi, Ortsverein.

    – Bundesweit vernetzt mit ca. 15 weiteren Gruppen, Verbänden etc., einige Beispiele: NRW Landeskonferenz gegen Atomkraft, Arbeitskreis
    Energie des BBU, BUND,LV NRW usw.

    – aus den Niederlanden: Enschede voor Vrede

    Kehren wir nach unserem Streifzug in die Geschichte und dem Umweg über Gronau nach Lingen/Ems zurück. Ein „Städtchen“ von rund 52 000 Einwohnern im beschaulichen Emsland:

    Hier fand am Ostersamstag eine Anti-Atom-Demo statt. Hierzu rief lt. Plakat auf (v. i. S. d. P):

    Hans Maulwurf, Straße 1, Lingen

    Fortsetzung folgt

  16. Job said

    Kann man diese Fortsetzungen/Selbsdarstellungen des Herrn Heinrich nicht stoppen??

  17. Rolf Heinrich said

    Warnung! Herr Job, bitte nicht weiterlesen!

    Aufarbeitungsversuch (4. Teil)

    Die Gefühlslage der Mehrheit der Demo-Teilnehmer am Ostersamstag in Lingen hat R.K.in seinem Brief an Gerd Otten treffend beschrieben. Er stellt auch die richtigen Fragen hinsichtlich der Durchführung der Demo!
    Seine Verweise auf Elternverein, BUND, SPD, Grüne suggerieren aber, als handele es sich hier um ein schlagkräftiges Anti-Atom-Bündnis in Lingen. So ist es aber nicht!

    Die Organisationbsstruktur hier vor Ort ist nicht gut! (Hier lohnt sich ein Blick ins „Städtchen“ Gronau)

    1) Gerd Otten ist mehr oder weniger ein „Einzelkämpfer“. Er braucht dringend Unterstützung, zumal er auch nicht das gesamte Jahr für seine Tätigkeit zur Verfügung steht!
    2) Der „Elternverein“, dem meine Familie seit seiner Gründung angehört, ist „de facto“ nicht mehr aktiv.
    Dieser Verein hatte bei seiner Gründung auch eine recht spezielle Zielsetzung (Messung der Strahlenbelastung von Lebensmitteln nach Tschernobyl). Er war in diesem Sinne eigentlich keine BI gegen Atomkraft, wenngleich Gerd Otten mit seinen regelmäßigen Informationsbriefen (anfangs wöchentlich!) für die Mitglieder des Elternvereins ein „BI-Feeling“ aufbaute.
    3)Andere Anti-Atom-Gruppen (wie zum Beispiel die „Frauen gegen Atomkraft)haben in den letzten Jahren meinem Eindruck nach ihre Aktivitäten weitgehend eingestellt.

    Fazit: Es gibt z.Z. in Lingen weder eine BI gegen Atomkraft noch ein funktionierendes, regelmäßig öffentlich tagendes Aktionsbündnis, das die verschiedensten Gruppen aus diesem Spektrum vernetzt!

    Hier liegt der Kern der Probleme, die sich auch bei der Demo am Ostersamstag zeigten.

    Abhilfe müsste möglich sein. Denn die Teilnehmerzahl sowohl bei der Demo als auch bei den Mahnwachen war recht gut und stabil. Es waren neben den „alten“ auch viele neue Gesichter dabei. Es sollten sich Menschen finden, die an der Arbeit in einer BI Interesse haben!

    Wie kommen wir weiter?

  18. Katiki said

    Ich kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Natürlich sind die Menschen aus der Wagenburg und andere ‚Chaoten‘ bunter, lauter, provokanter und deren Forderungen oft auch in irgend einer Art und Weise verfassungswidrig. Aber lebt eine Demonstration nicht erst durch solche Leute auf?
    Sollte man nun also dazwischen geraten und dies nicht mit seinem Gewissen vereinbaren können, kann man sich von diesen Leuten entfernen. Man könnte auch direkt anscheinend ähnlich gesinnte ansprechen und sich mit mehreren Leuten absplitten (anstatt sich später darüber aufzuregen). Ergibt dann zwar eine kleinere Gruppe, aber es sind auch keine Antidemokraten mehr dabei. Da muss man halt Prioritäten setzen – was ist wichtiger? Aufmerksamkeit oder Ordnung?

    Ich kann verstehen, dass Punks und co einigen Leuten unangenehm sind, aber ich bezweifel, dass sie der Atombewegung schaden könnten. Es wird hoffentlich niemand Atomkraft wieder gut finden, nur weil die Punks dagegen sind. Das wäre eher die typische Trotzreaktion eines Jugendlichen 😉

    Seid doch froh, dass sich so viele Menschen für eine gemeinsame Sache einsetzen – wenn auch mit vielleicht unterschiedlichen Mitteln und Wegen. Man muss ja nicht das machen, was die anderen machen.

    Für mehr Toleranz und den ganzen Rest. Auf das Leben.

    • Hannes ,Jäger said

      Moin,
      Ich freue mich doch immer wieder über das Schubladen Denken vieler Leute. Weder waren Menschen der Wagenburg an der Organisation der Demonstration beteiligt noch waren es alles „Punk´s“ die vorne liefen. Hinzu kommt das Niemandem es verwehrt war sich einzubringen, wir sind keine Monster und meist den meisten bekannt.
      Sprechen kann helfen um Unstimmigkeiten zu klären.
      Ganzer Kommentar folgt.
      Hannes

      • @Hannes ,Jäger
        Ganzer Kommentar folgt.
        War doch Kommentar genug. Das Thema ist hinreichend ausgetauscht. Also bitte nicht noch mal nachlegen.

        • Hannes ,Jäger said

          Doch gerade jetzt,noch mal.

          Von mir/uns ein ganz großes Dankeschön an Dich Gerd und allen anderen Menschen aus den Treffen im Calvienhaus,und allen anderen Helfenden Menschen.
          Hat uns Kraft gegeben!

          Ja, jetzt noch mal aus Sicht des Anmelders dieser Demonstration am Ostersamstag.
          Bleibt einem ja kaum etwas übrig bei den Anschuldigungen, Spaltungsversuchen und Beleidigungen.
          Erstmal denke ich, dass wir für unsere schlechten Voraussetzungen (Finanzen, Logistik, Erfahrungen, Spalter) lief doch alles sehr gut. Es stimmt, dass das mit der Lautsprecheranlage und der Musik nicht ideal gelaufen ist.
          Die Erfahrung nehmen wir mit.
          Leider gab es ja auch vorher nicht ein bisschen Unterstützung von außen und so waren wir froh, dass es doch auch solidarische Menschen gibt, die nicht nur erzählen und große Reden schwingen, sondern auch praktisch helfen. Dank an alle!
          Unter anderem der fast total Boykott der Tagepost bei den Mahnwachen, genauso mit einem vernünftigen Bericht im Vorfeld, hinzu die leider nur losen Verbindungen untereinander.
          „Wir“, die vorne Laufenden und die Infotisch-Aufbauer haben uns viel Mühe gegeben ein konsequentes, aber nettes Bild nach außen zu zeigen.Es gab weder einen „Schwarzen Block“ noch anderweitiges aggressives auftreten. Es war von keinem beabsichtigt andere Menschen zu benutzen, totaler Schwachsinn. Es war einfach das Bedürfnis vieler Menschen auf die Straße zu gehen und eine klare Botschaft zu versenden wobei dafon in Lingen nicht gerade viele giebt.
          Und das es bestimmt zig Menschen dort gab die sich gegenseitig nicht riechen können, ist noch lange kein Grund hier alles schlecht zu reden. Es wurde hier nicht zum Massenmord aufgerufen, sondern zum schottern, was lediglich eine leichte Sachbeschädigung darstellt. Und keinerlei die menschliche Gesundheit gefährdet. Es ist eine Art der Notwehr gegen Geldgierige Konzerne und ihrer Helfer in der Politik und Presse. Hier geht es doch um EIN ziel, was trotz langem und anstrengenden Kampf noch nicht erreicht ist. Nur eine breite Masse kann vielleicht eine Wende herbei führen.

          Da kommen wir zum nächsten: wo waren denn die ganzen selbstgemalten Fahnen und Transparente, Flyer, Anzüge usw. Da haben sich doch einige Teilnehmer sehr zurück gehalten (Nett waren die Plakate der Kinder 🙂 ).Genauso war es im Vorfeld, wir wurden nicht einmal angesprochen, ob es vielleicht noch Unterstützer/Eigenvorschläge, Forderungen gibt.
          Gerd hat geholfen und auch einige andere aber sonst lag alles an uns.
          Da empfinde ich es schon als Frechheit rum zu pöbeln, anstatt mal mit konstruktiven Vorschlägen zu kommen, wie es weiter gehen kann, oder ist mit dem Samstagsspaziergang schon die Luft raus?
          Es reicht nun mal nicht, wenn einige wenige Gruppen gespalten gegen diesen mächtigen Gegner (Atom-Lobby) vorgehen, da ist vielleicht auch mal kreativer und konsequenter Widerstand notwendig. Und gemeinsame Akzeptanz/Toleranz.
          Die Bewohner des Wendlands zeigen schön was wahre Solidarität bei einer so wichtigen Frage ist.
          Und jetzt noch mal zum Anti-demokratischen Verständnis, ich halte viel von Demokratie (Basis Demokratie) und ich denke, dass auf der Demo wirklich jeder sprechen durfte (außer CDU) auch bei mir/uns gab es auch vorbehalte, z.b. PaxCristie, alle Parteien, aber so was steht ja wohl hinten an, wenn wir die Chance haben, zusammen eine Wende bei dieser Menschenverachtenden Technologie herbeizuführen. Da muss es ja wieder Menschen geben die sich jedem fortschrittlichen Zusammenkommen entgegen stellen.
          Ich hoffe ich sehe sie am 28.05.11 in Münster auf der Anti-Atom Demo, aber nicht erschrecken: auch da werden Menschen sein, die bereit sind, weiter zu gehen als nur die Straße hoch zu laufen und sich einen netten Button an die Jacke heftet. Damit sind keine Gewaltexesse gemeint. Eher so Dinge wie Sitzblockaden, Schottern oder auch Besetzungen, Blockaden.
          Was einfach nur einen Aktiven Widerstand darstellt.

          Ich wünsche ihnen was,

          Gruß Hannes Jäger

          Ps: Sie hätten ruhig das Persönliche Gespräch suchen können.

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