Abklingbecken

11. April 2011

Die Lingener Ratsmitglieder von Bündnis’90 – Die Grünen haben jetzt nachgefragt:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Krone!

Die AKW-Betreiber in Lingen beantworten in der letzten Zeit unsere Anfragen so außergewöhnlich kurz wie noch nie – so auch unsere letzte, die wir in der Ratssitzung erhielten.

1. Wir beantragen daher, die Vertreterinnen und Vertreter des Atomkraftwerks Lingen zur übernächsten Sitzung des Umweltausschusses zum Thema „Sicherheit und Gefahren – Atomkraftwerk Lingen II“ (ordentlicher TOP) vortragen zu lassen.

2. Das Magazin Monitor berichtete am 7.4.11 u. a.:
„Statt die Brennelemente wenigstens relativ sicher in Castoren zu lagern, ist es viel billiger, sie einfach länger im Wasser stehen zu lassen. Denn wenn sie hier weiter abkühlen, kann man später auch mehr von ihnen in einen teuren Trockenbehälter verpacken. So wird das Abklingbecken zum Zwischenlager, um Kosten zu sparen. Wie voll die Becken in Deutschland sind, belegt diese vertrauliche Liste der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Da steht, dass allein im Kernkraftwerk Isar I das Abklingbecken zu 91 % voll ist. Vor allem mit alten Brennelementen, die längst transportfähig wären. Im Schnitt aller deutschen Kernkraftwerke sind es 83 %.“

Wir fragen daher:

1. Wieviele Brennelemente lagerten im Atomkraftwerk Emsland in Abkühlbecken zum 31.3.11?

2. Wieviele Brennelemente lagerten im Zwischenlager des Atomkraftwerk Emsland (31.3.11)?

3. Bis wann ist das Zwischenlager als Zwischenlager genehmigt?

4. Wie voll würde es sein, wenn das AKW Emsland bis zum Jahr 2051 laufen würde.

Wir bitten darum, dass uns die – möglichst ausführlichen – Antworten baldmöglichst mit der Ratspost zugestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Fuest

ps Zwei Hinweise:
a) Heute Abend um 18 Uhr findet die Mahnwache vor dem hist. Rathaus statt.

c) Anschließend veranstaltet das Holthausener Ludwig-Windthorst-Haus einen Akademieabend. Ab 19.30 Uhr wird über das Thema „Nichts ist mehr, wie es war“ über Kernenergie nach Fukushima diskutiert. Auf dem Podium dabei der in Lingen aufgewachsene Hannoveraner Theologe Prof. Dr. Jürgen Manemann, Horst Kemmeter (Leiter Kernkraftwerk Emsland), Dr. Gerhard Feige (Abteilungsleiter Atomaufsicht, Strahlenschutz im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz) und Michael Fuest (Ratsmitglied Lingen, Bündnis’90 – Die Grünen) .
Eintritt 6 Euro (erm 4 Euro)

pps Ein weiterer Nachtrag:
Hier ein kleiner Blick zurück in eine fern zurückliegende, betreiber-dröhnende Zeit: Vor gerade mal zwei Monaten…

ppps Und noch dies:

a) die Theorie durch einen Lingener Praktiker:

Wie steht es denn um die Sicherheit bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen?

Unsere Anlage ist gegen Erdbeben gesichert, obwohl solche Ereignisse im Emsland aufgrund seiner Bodenstruktur nicht zu erwarten sind. Was das Thema Flugzeuge anbelangt, so schützt die dicke Reaktorkuppel aus Stahl und Beton gegen Abstürze von Passagierflugzeugen und auch schnell fliegenden Jagdmaschinen. Nach dem 11. September wurden außerdem zusätzliche Maßnahmen getroffen. Was die Nähe zum Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range anbelangt, ist anzumerken, dass die Flugbewegungen insgesamt rückläufig sind. Unser Kernkraftwerk darf von den Militärmaschinen nicht überflogen werden, weil hier eine Flugverbotszone eingerichtet wurde.

b) die Antwort:

 

14 Antworten zu “Abklingbecken”

  1. Hansi said

    Verständnisfrage:
    Im Lingener Zwischenlager sind abgekühlte Brennstäbe in Castoren deponiert.
    Frage: „Halten die Außenwände der Halle einen Flugzeugabsturz aus und wenn nicht, schützen zumindest die Catoren uns vor einem Austritt von Radioaktivität?“

  2. Die Antwort kannste Dir denken, Hansi. も また、真実.

  3. Christoph said

    Weil die Auskunftsfreude des Betreibers des Kernkraftwerks Emsland gering sein könnte, ziehe ich es vor, die Zahlen aus der im „Monitor“-Beitrag einblendeten Tabelle zu entnehmen:

    Interne Nasslagerkapazität der Kernkraftwerke mit Leistungsreaktoren […]

    Anlage: Emsland
    Genehmigt: 768
    Freizuhalten für Core: 193
    Nicht nutzbar: 6
    Verfügbare Kapazität: 569
    Freie Positionen: 167
    Mittlere Entlademenge pro Jahr: 52

    Damit ergibt sich für das Lingener Abklingbecken eine Auslastung von 70,65 Prozent. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

    • Eberhard said

      Ist diese Größe des Abklingbecken immer schon so groß gewesen, oder ist hier ohne Öffentlichkeit nach Manier der CDU nachgenehmigt worden?

  4. Tobias said

    Hallo,

    vielleicht merken es die Grünen ja auch nochmal:

    Es gibt kein „Atomkraftwerk Lingen II“!
    Es heißt: Kernkraftwerk Emsland!

    http://www.umwelt.niedersachsen.de/live/live.php?navigation_id=2218&article_id=9033&_psmand=10

    • Tobi, DAS musste wirklich mal gesagt werden. 😉

    • Rolf Heinrich said

      @ Tobias/ JU:

      Im Gegensatz zur JU stärken Die Grünen im Rahmen der breiten gesellschaftlichen Debatte um die zukünftige Energiepolitik ihr Profil, auch in Lingen! Mit ihrem Schreiben an OB Krone (s. o.) werfen sie brechtigte Fragen auf und Ratsherr M. Fuest stellt sich der Öffentlichkeit am AKW-Standort Lingen und ist Podiumsgast beim gestrigen Akademieabend des LWH zum Thema „Kernenergie nach Fukushima“ gewesen.
      Diese klare Positionierung der Grünen kommt gut an. Die Menschen dieser Stadt haben das Gefühl, dass ihre berechtigten Fragen und Sorgen hier zumindest ernst genommen werden. Gerade auch die sachliche Art von Herrn Fuest verleiht der atomkritischen Position der Grünen hier vor Ort auch ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit.
      Gerade daran mangelt es aber der schwarz-gelben Regierung in der Debatte um die zukünftige Energiepolitik. Die Menschen durchschauen die wahltaktischen Manöver recht schnell und zweifeln an der Aufrichtigkeit der Aussagen hinsichtlich Energiewende und Atomausstieg.
      Das Verhalten der JU hier vor Ort trägt mit zu diesem Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der Regierungspartei CDU bei. Wortklaubereien wie in dem obigen Blogbeitrag können den fatalen Eindruck entstehen lassen, dass die JU eher eine Spaß- und Freizeitgemeinschaft als eine politische Jugendorganisation ist, die ernsthaft am gesellschaftlichen Diskurs über eine zentrale Zukunftsfrage teilnimmt.
      Auch die Abwesenheit von JU-Vertretern bei den seit fünf Wochen montags stattfindenden Mahnwachen vor dem historischen Rathaus passt in dieses Bild. Damit fällt die JU und auch die Lingener CDU hinter die Positionen der Bundes-CDU zurück. Es ist mir unbegreiflich, warum Umweltminister Röttgen hier vor Ort keine wahrnehmbare öffentliche Unterstützung durch junge CDU-Mitglieder erfährt, zumal es zum Selbstverständnis jeder Jugendorganisation einer politischen Partei dazugehört, innerparteiliche Diskussionen um neue Positionen voranzutreiben und den Altvorderen auch mal ein bßchen „Feuer zu machen“.
      Daher lässt das Abtauchen von JU und CDU in Lingen nur den Schluss zu, dass man weiterhin voll auf Atomstrom setzt.
      Bei der Wahlentscheidung vieler Menschen dieser Stadt wird dies eine wichtige Rolle spielen und zwar nicht nur bei Bundestags- oder Landtagswahlen, sondern auch schon am 11. September 2011.

      • Jochen S. said

        tja, sowas nennt man „vom Pferd geschossen“ 😀

        Klasse Beitrag, @ Rolf!

        • Tobias said

          Hallo Herr Heinrich,

          gerne können wir diese Diskussion in einem persönlichen Gespräch fortführen, da eine Diskussion auf dieser Plattform nicht zielführend ist. Ich ziehe das persönliche Gespräch dem Internet gerade bei einem solch emotionalen Thema vor.

          Grüße,
          Tobias

          • Eberhard said

            Butter bei den Fischen, wir wollen etwas davon mitkriegen!

          • Rolf Heinrich said

            @ Tobias

            Montag, 18. April 2011, 18.00-18.30 Uhr,
            Marktplatz Lingen, Historisches Rathaus.

            Mein Erkennungszeichen: blauweiße Umhängetasche, könnte vom ASV sein.

          • kib said

            @ Tobi: Vielleicht überlegst Du künftig, auf welcher „Plattform“ Du missionierst.
            Gehen wir vernünftig mit „unser aller Ressourcen“ um so oder so… oder anders (aber letzteres lieber nicht).
            Ich stand in den letzten Wochen auch nie vor dem alten Rathaus in Lingen, aber NEIN, ich bin keiner deiner Parteikumpel: Ich für mich GANZ persönlich realisiert, der „Drops“ ist längst gelutscht: Das klärst Du bestimmt nicht in einem „persönlichen Gespräch“… … insbesondre ohne Angebot, wo dies stattfinden soll (oder warst Du so fair, über den Blogbetreiber einen Termin anzubieten?)

  5. kalli said

    @Tobi: Halten Sie das für wirklich zielführend? Ich vermute, Sie (bzw. …) verlieren reichlich Federn (insbesonderer diejenigen, die vermeintlich dick aufgeblustert sind)

  6. Rolf Heinrich said

    @ Tobias

    Komme gerade vom Marktplatz zurück. Keine Zeit für ein „persönliches Gespräch“ gehabt? Schade!

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