Enttäuscht

31. März 2011

Der Großbrand im Lingener Raffineriehafen ist noch einmal glimpflich abgelaufen. Personen kamen nicht zu schaden. Doch es hätte weitaus schlimmer ausgehen können.

Ein Kommentar von Peter Kliemann (NDR).

Drei Schiffe, jeweils mit einer Million Liter Benzin beladen, auf einem bricht ein Feuer aus. Ein Horrorszenario, das gestandenen Feuerwehrleuten schon als Übungsszenario Schauer über den Rücken jagt. Entsprechend waren die Befürchtungen der Journalisten Dienstagmorgen vor einer eilig anberaumten Pressekonferenz. Vertreter von Raffinerie, Landkreis, Feuerwehr, Polizei und Stadt Lingen wurden aufgeboten. Doch es sprach nur einer: der Oberbürgermeister.

Er verlas eine nichtssagende, längst bekannte Erklärung, grüßte und ließ nach zwei Minuten eine verdutzte Runde zurück. Schweigen bei den anderen Vertretern, keine weitergehenden Fragen, keine Erläuterungen. „Alles im Griff, es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung!“ Punkt. Aus. Dieser ebenso banale wie meistens falsche Satz im Fall eines Unglücks mit diesen Ausmaßen sorgte für Ärger und Verwunderung in der Journalistenrunde. Was wollte der OB damit sagen? Drei Millionen Liter Benzin neben einer Raffinerie mit riesigen Tanklager, 70 Meter hohe Feuersäulen, 10 Hektar Schaumteppich auf dem Dortmund-Ems-Kanal, vielleicht hunderttausende Liter Benzin im Wasser – für den Oberbürgermeister kein Problem.

Lingen ist nicht Fukushima und nicht die „Deepwater Horizon“. Aber für einen Mann, der mit dem Anspruch „mehr Transparenz“ angetreten ist, ein schwaches Bild. Journalisten können in der Regel selber lesen, dafür braucht’s kein hochbezahltes Stadtoberhaupt. Krisenmanagement sieht inzwischen anders aus. Krisenmanagement erfordert die Analyse und den systematischen Umgang mit dem Problem. Kann man übrigens auch nachlesen, Herr Oberbürgermeister!

-.-.-.-.

Ich weiß nicht, ob Peter Kliemann etwas dagegen hat, dass ich hier seinen Beitrag vollständig veröffentliche. Aber er ist zu wichtig, als dass er in einem Leser-Kommentar versteckt bleiben darf (Danke J. Reul für den Hinweis!). Also eben ganz und im Wortlaut der Peter-Kliemann-Kommentar. Mit meiner Ergänzung, dass ich reichlich irritiert und enttäuscht bin, wie wenig professionell der OB da agiert hat.

Nachtrag: Auch die Lokalpresse krtisiert OB Krone: Amateurhaft.

11 Antworten to “Enttäuscht”

  1. Tomas said

    Jetzt Frage ich mich:
    Waren die Gesamten Blogleser und kommentarfreunde hier nicht Befürworter von Dieter Krone?

    Ich glaube, und behaupte: JA!

    Also jetzt beschwert euch nicht über ihn sondern versucht es zu ändern.

    In eine Pressekonferenz zu gehen und schon im ersten Satz eine Lüge zu verbreiten.. Das ist der absolute Hit eines von den Bürgernahen, der SPD und letztlich auch von DIR, Robert, selbst gebastelten Oberhaupts!

    Ich freue mich auf die nächsten 7 1/2 Jahre! Das kann ja noch was werden.

  2. Hans Peters said

    Herrjeh, Tomas. Bevor die Kollektivhaftung zu sehr um sich greift: Ich war auch stets Befürworter von Miroslaw Klose. Dennoch hat unser Miro am Mittwoch in M’gladbach im Spiel gegen Australien den Ball nicht ins Tor geschossen, obwohl die Chance da und groß war.
    Ich glaube mich auch zu erinnern, dass der Betreiber dieses Blogs sich nachdrücklich für Frau Stüting als Oberbürgermeisterin ausgesprochen hat. Erst vor der Stichwahl hat er sich dann für Krone entschieden – wie ich angesichts der politischen Alternative Leinweber. Alles klar?

  3. Zurück zu den Wurzeln said

    Was ist ein eventueller Störfall? Oder haben wir einfach nochmal Glück gehabt?

    Hinter dem OB verstecken sich die Mitverantwortlichen, das macht traurig, und zornig, vor allem auch dann, wenn die politischen Strippenzieher auf beiden Seiten am Verhandlungstisch sitzen. Stehen denn wiedermal Wahlen vor der Tür?

    Alleine gelassen, und vorgeschoben, das kommt nicht gut, einfach nur schmutzig und feige, oder einen Schuldigen gefunden?

    Das nenn ich mal ganz einfach, absaufen lassen, wo ist das Krisenmanagement der BP? Ist denn nicht die BP Auslöserin der Gefahr und daher erster Adressat?

    Der Misstand ist nicht am OB festzumachen. Das, was ihm von Seite der Verantwortlichen da vorgesetzt wurde, hat er „in gutem Glauben“ weitergegeben, und die Hand schützend darüber gehalten. Das wird er sicherlich so kein zweites Mal mehr machen, ist eben auch nur ein Mensch, den man aber hilflos vorgeschoben hat. Was für ein Armutszeugnis der Hintermänner?

    Störfallbroschüre der BP

    Informationen für die Öffentlichkeit gemäß 12.BImSchV

    Da steht am Anfang, warum wir informieren…., und unter Punkt 6, wenn doch was passiert, die Behörden sorgen für die Warnung der Nachbarschaft, und leiten die Hilfeleistungen ein, um die Auswirkungen zu begrenzen.

    Gut, diesmal lagen nur drei vollgetankte Schiffe im Hafen, von dem gerade mal erst das Mittlere explodierte…….!

    Auch wenn sich die Betreiberin hinter dem OB versteckt, es bleibt ihre alleinige Verantwortung.

    Jetzt soll nach der Ursache geforscht werden, wo bleibt eine Stellungnahme der für die Sicherheit zuständigen, und verantwortlichen Person, was wurde sträflich vernachlässigt? Wo ist die Lücke im Vorbeugenden Brandschutz (Brandverhütung)? Darunter fallen Maßnahmen zur Verhinderung der Brandentstehung und zur Vermeidung der Brandausbreitung. Blitzschlag kann wohl in diesem Fall ausgeschlossen werden.
    Oder müssen wir zukünftig mit dreierlei eventuellen Störfällen nach BImSchG rechnen?

    Eine Entschuldigung hilft hinterher den Opfern nichts. Wer Auslöser der Gefahr ist, hat im Vorfeld Gefährdungen zu vermeiden und soll sich nicht hinter dem OB verstecken!

  4. otto h said

    Ich habe es bereits vor der Wahl mehrfach geschrieben: Krone ist und war genau so ein Verlegenheitskandidat wie Leineweber, nur eben für SPD und Grüne. Beeck als 100% Klon von Heiner Pott vertrat genau das, was die Wähler gerade NICHT wieder haben wollten, nämlich eine nahtlose Fortsetzung der selbstherrlichen Politik der Mehrheitsfraktion mit einem willfährigen FDP Mann. Der einzig echten Alternative Sabine Stüting fehlte eine breitere Basis, die Bürgernahen waren noch zu wenig bekannt, zu neu.

    Anders als Leineweber schien Krone immerhin intellektuell beweglich, lernfähig zu sein und erweckte auch beim Wähler den Eindruck, so etwas wie eine eigene Meinung zu haben, die er auch durchsetzen werde. Das war leider Gottes wie wir alle inzwischen bitter erfahren mussten eine völlige Fehleinschätzung dieses Kandidaten.

    Jetzt haben wir ihn und müssen damit leben, dass er nicht einmal genug Rückgrat hat, sich dagegen zu wehren, von der Raffinerieleitung völlig unvorbereitet „ins Feuer“ geschickt zu werden. Die drücken ihm einen Zettel in die Hand, den sie vorher schon verteilt haben und lassen ihn das Ding noch einmal vorlesen. Und Abgang.

    Peinlich, doch wohl inzwischen nicht mehr wirklich überraschend. Die CDU macht es bekanntlich mit ihm genau so. Die sagen dem parteilosen Krone, was er zu denken hat und Krone tut`s, spricht es aus. So wird aus einem vehementen Vertreter der Forderung nach Aufforsten im Altenlingener Forst ein Vertreter der Umwidmung in ein Industriegebiet. Angeblich weil dort schon zu viel Geld verbuddelt wurde.

    Er hätte es als oberster Dienstherr der kommunalen GEG besser wissen können, wenn er nur einmal selbständig initiativ geworden wäre und von den beiden CDU Geschäftsführern Auskunft verlangt hätte. Hat er aber nicht. Jetzt kommt raus, dass er auf Basis von Zahlen argumentiert, die er offensichtlich blind nachplappert. Die stammen ja schließlich von der CDU. Jetzt lernt der Oberstudienrat, dass nur selber Denken schlau macht. Ob er wirklich daraus lernt?

    Er wird von einem Gegner einer Emslandarena und Befürworter des Ausbaus der Emslandhallen zu einem erklärten Befürworter einer neuen Arena, weil eine geschickte „Gestaltung“ der jeweiligen Kalkulationen ihn „überzeugt“. Überzeugt? Tatsächlich ist er mit dieser Materie offensichtlich hoffnungslos überfordert.

    Er wird von einem erklärten Gegner des Ausbaus der Ulanenstraße von der CDU so geschickt nach vorne geschickt, dass er sich dafür hergibt, quasi den obersten Fürsprecher für diesen Unsinn zu geben. Wenn es nachher Kritik gibt für diese sinnlose Geldverschwendung, werden sie mit dem Finger auf den Promoter Krone zeigen. Merkt der das nicht?

    Und jetzt erleben wir halt, wie er sich willenlos in illustrer Runde vor ein Mikrofon stellt und dort mit zittriger Stimme einen Zettel vorliest, den alle bereits in der Tasche haben. Ob er wirklich glaubt, dass nie eine ernsthafte Gefahr für die Menschen in der Umgebung bestanden hat? Aber irgendwelche „Respektspersonen“ werden ihm schon geflüstert haben, dass das so seine Richtigkeit hat. Und er tut es.

  5. lingentheo said

    Hilflos, peinlich, amateurhaft. Lübke soll mal gesagt haben, er hätte nur präservative Aufgaben…

  6. Küster said

    Was OB Krone während des Wahlkampfes wissen musst –aber auch lange davor- ist die Tatsache, dass er es bei einer möglichen Wahl mit einer Ratsmehrheit zu tun haben wird, die ganz sicher kein Interesse an Erfolgen des OB Krone haben kann. Jens Beek hätte es vielleicht etwas leichter gehabt, weil die FDP-Freunde ohnehin in der CDU aufgehen werden. Sabine Stüting hätte unter Umständen bessere Berater gehabt, aber auch auch Frau Stüting wäre wie Krone an den Seilschaften einer Machtversessenen CDU gescheitert.

    Auch die Kommunalwahlen im September lassen nicht hoffen, dass es zu anderen Ratsmehrheiten kommen wird. Lingen ist nicht Baden Württemberg. Auch da wird es die neue Landesregierung zu tun haben mit verfilzten Verwaltungen und Obrigkeiten, die alles daran setzen werden zu beweisen, dass das Wahlergebnis gegen die CDU ein fulminanter Fehler war.

    Dieter Krone hat eine Wahl gewonnen, weil er etwas grandios anderes darzustellen vermochte. Die „Wahlteilnehmenden Bürger“ sahen in Dieter Krone nicht den Heilsbringer, sondern den Gegenpol zu 60 Jahren Filz. Natürlich muss die Enttäuschung jetzt erst einmal groß sein, weil der neue Oberbürgermeister noch nicht erreicht hat, was auf Podiumsdiskussionen leicht verkündet werden kann. Aber vielleicht liegt ein nicht unwesentlicher Fehler daran, dass die Oppositionsparteien sich auf einem Wahlerfolg ausruhen, der sich im derzeitigen Zustand nicht wiederholen lassen wird.

    Dieter Krone benötigt mehr Solidarität von denen, die ihn getragen haben. Nur die haben im Moment nichts Besseres zu tun, als sich mit sich selber zu beschäftigen. In der öffentlichen Wahrnehmung steht Krone auf verlorenem Posten. Ob er ohne die Solidarität und wirklich entschlossene Einsatzbereitschaft der befreundeten Fraktionen seine Amtszeit übersteht darf durchaus bezweifelt werden. Es ist dies was Dieter Krone einfordern muss und zu Recht auch einfordern sollte.

  7. Frank O. said

    „Jens Beek hätte es vielleicht etwas leichter gehabt, weil die FDP-Freunde ohnehin in der CDU aufgehen werden. Sabine Stüting hätte unter Umständen bessere Berater gehabt, aber auch auch Frau Stüting wäre wie Krone an den Seilschaften einer Machtversessenen CDU gescheitert. “

    Frank O. fragt:

    …und wie würde es laufen wenn der Kandidat von „Die Linke“ gewonnen hätte?

  8. Heukampstannener said

    „Frank O. fragt: …und wie würde es laufen wenn der Kandidat von „Die Linke“ gewonnen hätte?“

    Auch in dem Fall hätte Sabine Stüting die besseren Berater gehabt.

  9. Jochen S. said

    hätte hätte Fahrradkette..

    Frau S, Herr K, Herr X oder Frau Y. Sie brauchen also lediglich bessere Berater resp. Einflüsterer, dann wird alles gut.

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