Explosion

28. März 2011

Drei schwere Explosionen haben am späten Montagabend die Menschen um die zum BP Konzern gehörende Erdölraffinerie Emsland (ERE) in Angst und Schrecken versetzt.  Wie die Ems-Vechte-Welle berichtet, war um 22.40 Uhr ein mit 900.000 Liter Superbenzin beladenes Tankschiff im Hafen der am Dortmund-Ems-Kanal gelegenen Raffinerie explodiert.  Eine Sprecherin der ERE sprach in diesem Zusammenhang von einer „Verpuffung“.

Die Ems-Vechte-Welle informierte am frühen Dienstag zunächst, dass keine Menschen zu Schaden gekommen seien. Gegen 1.00 Uhr meldete der Sender dann, bei dem Unglück könnte es doch Verletzte gegeben haben. Andreas Mohr, kaufmännischer Leiter der Raffinerie, habe auf einer Pressekonferenz gesagt, dass es keine Schwerverletzten gegeben habe. Rettungswagen hatten allerdings mit Blaulicht das ERE-Gelände verlassen. Kurz nach Beginn des Unglücks habe es noch fünf Vermisste gegeben, so Mohr. Die Mitarbeiter konnten aber alle gefunden werden. Mindestens einer von ihnen  erlitt Verbrennungen.

Für die Lingener Feuerwehren wurde Vollalarm ausgegeben. Die Anwohner in den Lingener Stadtteilen Altenlingen, Holthausen-Biene und Heukamps-Tannen waren zunächst aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten, nachdem erst unklar war, was das Tankschiff geladen hatte. Die Bundesstraße 70 war zunächst zwischen den Anschlussstellen Lingen-Damaschke und Osterbrock ebenso wegen der Rauchentwicklung vollständig gesperrt (unten ein Ausriss von der NDR-Verkehrsinfo-Seite) wie die Meppener Straße im Bereich Holthausen-Biene. Dasselbe gilt für den Dortmund-Ems-Kanal.

Der große Feuerschein beleuchtete noch den 5 km entfernten Marktplatz (Foto oben). Die Werksfeuerwehr der ERE und Feuerwehren aus dem Umland versuchten, den Brand zu bekämpfen. Nach etwa zwei Stunden meldete die lokale Tageszeitung, die Wehren hätten ihn unter Kontrolle. Dann wurden allerdings die Ortsfeuerwehren Baccum, Bramsche und Brögbern zusätzlich alarmiert.

Das Schiff ist inzwischen untergegangen. Im Hafenbecken brennt es nach Polizeiangaben jedoch weiter, da sich Wasser und Benzin vermischt haben. Die alarmierten sechs Feuerwehren setzten Löschschaum ein und konnten so verhindern, dass sich das Feuer auf der Wasseroberfläche ausbreitete. Das Gemisch entzündete sich aber immer wieder und ist noch nicht unter Kontrolle.

Hoffen wir, dass bei dem Unglück keine Menschen zu Schaden kommen bzw gekommen sind. Weitere Informationen und eine Pressekonferenz der Polizei soll es am Dienstagmorgen geben. Auch die Ergebnisse der durchgeführten Schadstoffmessungen werden dann bekannt sein. Die Ems-Vechte-Welle berichtet auf 95,6 MHz.

update: Mehr und Bilder von NordwestMediaTV

Ein „Erfahrungsbericht“ bei den BürgerNahen

 

 

23 Antworten to “Explosion”

  1. tiffany said

    Lieber blog-Besitzer,
    hier ist dringend eine öffentliche Diskussion über die Sicherheit und den Schutzwald erforderlich. Eine Tangente durch den AL-Forst birgt ebenfalls große Gefahren für die jetzt betroffenen Stadtteile, sollte sich ein Unfall mit einem Tanklaster auf jener Tangente ereigenen. Nun sind unsere gewählten politischen Vertreter in der Pflicht sich dieses Themas erneut und öffentlich anzunehmen.

  2. Vorrausschauender said

    Wie meistens, wenn der Brennstoff verbrannt ist, dann ist auch das Feuer aus. Zuerst brennt es, dann entwickelt es sich zum Großbrand, und wenn fast nichts mehr da ist, kann der Schaumteppich die Sauerstoffzufuhr unterbrechen und das Feuer ist aus. Mit Wasser löschen funktioniert eben bei derlei Brennstoff nicht.

    Da kann man eben nur löööschend zuschauen wie es abbrennt und untergeht im Hafenkessel, eingekesselt. Wie sieht es aber aus, wenn sowas bei den großen Tanks oder bei den Gaskugeln passiert? Das werden dann aber lange Tage und Nächte, bis der Brennstoff verbrannt ist und die Evakuierung aufgehoben ist.

    Da bekommt der Werbespruch eine ganz neue Bedeutung “ Nicht’s ist unmööööglich Toyota“. Und Herr Büring sagt dann, es ist alles wieder unter Kontrolle. Dank dem Schutzwald der die große Druckwelle abgefangen hat, und wir Bürger sind froh, das seinerzeit die CDU Regierung, den Schutzwald wieder aufforsten ließ, dafür nochmal Danke!

  3. Job said

    Einzige Möglichkeit: Schließung der Raffinerie
    Sie ist viel zu gefährlich. Und viel zu nah an einer Ortschaft (Biene/Holthausen) aber auch viel zu nah zur Stadtmitte.

  4. Thomas said

    Die Stärke der Detonationen waren erschreckend und der Brandgeruch in Altenlingen gut wahrnehmbar. Für mich wird durch dieses Ereignis noch klarer, dass man den bestehenden Schutzwald als Schutz vor der Raffinerie dringend erhalten muss! Das sehen die Bürgernahen offensichtlich auch so.

    http://bnlingen.wordpress.com/2011/03/29/schlecht-geschlafen/

  5. Tomas said

    Am besten schließen wir dann noch alle Tankstellen und fahren nur noch mit Strom … Sag mal… Langsam übertreibt ihr es doch auch mal!
    Natürlich ist das Ganze schlecht für die BP, aber kann sowas nicht auch bei jeder Betankung einer Tankstelle durch die Lastzüge auch passieren?

    Sobald irgendwas passiert ist, heißt das nicht sofort das alles geändert werden muss: wenn ein Autounfall Passiert sagen wir doch nicht auch: alle Autos abstellen…

    So ein Schwachsinn, was hier ab und zu gefordert wird!

    Wir können froh sein, dass wir die BP, aber auch andere Firmen wie RWE etc haben. Die fördern die Lingener Sportvereine und geben vielen Lingenern Arbeit! Aber das seht ihr mit Euren rosaroten Brillen wohl nicht!

  6. Michael said

    @Tomas: Wessen Brot ich ess, … .

    Und selbstverständlich muss man aus Unfällen lernen, das heißt natürlich nicht, dass alles geändert werden muss.

    Das KKE mit der Raffinerie zu vergleichen ist dumm. Ein Unfall im KKE hätte u.U. weitaus größere Folgen.

    Die Gefahr eines Brandes ist bekannt, es wurde reagiert, der Brand wurde gelöscht. Ich kann zwar nicht glauben, dass die Umwelt keine Schäden genommen hat, aber die Folgen sind meiner Meinung nach vertretbar.

    Bleibt mir nur noch, der verletzten Person alles Gute zu wünschen.

  7. Michael said

    Ich muss doch noch etwas zum KKE sagen bzw. fragen:
    Woher kommt deren Kühlwasser. Kommt dies im Normalbetrieb aus dem Kanal?

  8. Arndt said

    @ Job: Die Raffinerie dicht zu machen ist nicht gerade einfach und ökonomisch absolut nachteilhaft. Die Raffinerie ist schließlich auch ein größerer Faktor der Wirtschaft in Lingen und sorgt auch für eine größere Menge an Steuereinnahmen.

    Man schaltet doch keine Technologie ab, bei der es einmal einen Unfall gab. Das sieht man doch an Autos, wären Sie konsequent, würden Sie keines fahren. Auch öffentliche Verkehrsmittel wären tabu, selbst Fahrräder sind äußerst gefährlich, wenn man die Unfallstatistiken anschaut 😉

    Bezüglich des KKE: Vermutlich ist es schon gerechtfertigt, die Erdölraffinerie mit dem Kernkraftwerk zu vergleichen. Ja, sicher, ein richtiger Unfall, wie er im AKW Emsland, wie es sich offiziell zu nennen scheint, wie er z.B. in Japan geschah, hätte schlimmere Konsequenzen. Dennoch ist dies hier wohl so unwahrscheinlich, dass man das Restrisiko eingehen kann und z.T. auch noch will. Wäre da ein größeres Risiko, also eines, dass in absehbarer Zukunft realisiert würde, hätte man die Kernenkraftwerke wesentlich schneller abgeschaltet und abgebaut.

  9. Anne Coßmann-Wübbel said

    Ist es nicht so,dass wir in Lingen von den immensen Gewerbesteuern in allen Bereichen immer gut gelebt haben. Wir sind im Laufe der Jahrzehnte angepasst worden und viele(ich) trotz kritischer Beobachtungen nicht ausreichend aktiv geworden! Erst Japan ( hallo Wach) jetzt der Brand bei BP in Lingen- sind wir lernfähig?! JA
    Also Robert irgendwie stehe ich mit deinem Blog auf Kriegsfuss, nun will er meinen Eintrag nicht, weil er angeblich doppelt ist. Wer ist mein Zwilling, den ich nicht kenne?

  10. Verdammt, jetzt gibts noch weniger Super….bald gibts nur noch E10…

  11. Michael Ryba said

    Leider komme ich erst jetzt dazu meine Gedanken zu diesem denkwürdigen Ereignis nieder zu schreiben, als Einwohner von Holthausen, der von seiner Haustür direkten Blickkontakt zur Raffinerie hat, möchte ich es aber dennoch tun.

    Montag Abend, kurz vor 11 Uhr, ich stehe gerade im Badezimmer. Plötzlich ein dumpfer Knall, die Scheiben vibrieren. Was ist das? Ein Überschallknall mitten in der Nacht?

    Dann, wenige Minuten später, ein zweiter, ähnlicher Knall. Mulmiges Gefühl in der Magengegend. Ein Blick aus dem Fenster. Nichts zu sehen. Ein Blick aus der Haustür: Oh Gott, lodernde Flammen in Richtung Raffinerie. Die Feuerwehr rückt aus. Wie groß ist die Gefahr? Sollen wir die Kinder ins Auto packen und flüchten? Woher bekomme ich Informationen? Die Flammen scheinen kleiner zu werden. Leichte Beruhigung …

    Dann, zehn bis fünfzehn Minuten später, ein dritter, deutlich stärkerer Knall. Fliegt uns jetzt die ganze Raffinerie um die Ohren? Wieder größere Flammen. Ich gehe vors Haus. Einige Nachbarn sind auch auf der Straße. Allen ist mulmig. Die ersten Nachbarn packen ihre Kinder ins Auto und fahren weg. Was tun?

    Ich brauche Information! Dringend! ich setze mich vor meinen Computer.
    Web-Seite der BP-Raffinerie. Fehlanzeige.
    Web-Seite der Stadt Lingen. Fehlanzeige.
    Web-Seite der Lingener Tagespost. Fehlanzeige.
    Web-Seite der Ems-Vechte-Welle. Fehlanzeige.

    Verdammt! Ich warte. Dann um 24.00 Uhr, Nachrichten der Ems-Vechte-Welle. Immer noch nichts. Schlafen die alle?

    Endlich, 0.28. Uhr, Ticker der Lingener Tagespost. Ein Schiff ist beim Beladen im Raffineriehafen explodiert. Ich bin ein wenig beruhigt. Zeit zum Schlafen. Den Beginn meines Geburtstages hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt …

    Übrigens: Von Aufforderungen Türen und Fenster geschlossen zu halten, habe ich nichts mitbekommen. Ein Lautsprecherwagen wäre nicht verkehrt gewesen. Wach waren hier sowieso alle.

    Dienstag, den ganzen Tag Termine. Ich bekomme wenig mit. Abends erfahre ich von den Ereignissen der Pressekonferenz. Ich kann es kaum glauben.

    Drei Verpuffungen. Alles unter Kontrolle. Keine weiteren Aussagen.

    Sieht so das Kommunikationsmanagement eines Weltkonzerns aus?

    Anmerkung 1:
    Lingen ist nicht Fukushima, aber: Ein wenig japanische Demut würde auch Emsländischen Raffineriemanagern gut zu Gesicht stehen. Ein Wort der Entschuldigung an an die Bevölkerung, der man den Schlaf geraubt und die man miserabel informiert hat, wäre sicherlich angemessen gewesen. Und vor allem: Viele, sehr viele Dankesworte an die engagieren Feuerwehrleute, die schlimmeres verhindert haben.

    Anmerkung 2:
    Ich stelle mir mal wieder die Frage, wieso sich Risikotechnologien (Raffinerie, AKW, Hagedorn) in direkter Nachbarschaft zu Wohngebieten befinden. Jeder, der sich schon einmal mit Risikomanagement beschäftigt hat weiss: Die Beste Art des Risikomanagements ist Risikovermeidung!

    Anmerkung 3:
    Das Abholzen von Schutzwald zum Schaffen von Industrie- bzw. Gewerbegebieten sollte nach diesem Ereignis endgültig vom Tisch sein!

    Schlussbemerkung:
    Mein Kommentar ist etwas länger geworden als geplant. Aber ich musste meine Gedanken einfach zu „Papier“ bringen.

    • Michael Ryba said

      Nachtrag:
      Mein ganz persönlicher Dank gilt allen Feuerwehrleuten, Polizisten, Einsatzkräften die unter Gefahr für Leib und Leben schlimmeres von uns allen abgewendet haben !!!

    • Tomas said

      Was haben wir damals nur ohne Twitter und Co gemacht?
      Genau: eben 112 oder 110 angerufen und gefragt was los ist! Die Herren und Damen in der Leitung helfen einem dann wohl mal schnell weiter!
      Das Lingen nicht Berlin ist und das Ems Vechte Welle Studio nicht 24 Stunden am Tag besetzt ist, ist ja wohl klar oder?
      Meines Wissens aber stand schon sehr früh was auf twitter. Ich selber bin da auch nicht aber mein Nachbar hat es mir gesagt!

      Zu deiner Aussage zum schutzwald:
      Du sagst das jetzt die Sache vom Tisch sein sollte:
      Damals als das erste Auto erfunden wurde und damit ein tödlicher Unfall geschah hat man doch auch nicht gesagt: „nene, noch schnellere Autos darf es nicht geben“ sondern man hat weiter experimentiert bis man (wie in hamburg gesehen) mit 291 geblitzt werden kann!
      Bleibt bei der Realität: im Ernstfall hilft euch der Wald auch kein bischen! Und sollten wir holthausen/Biene nicht am besten dann noch an die westliche Seite der Ems umsiedeln damit noch mehr Platz ist? Hm. Das wäre doch wieder ein Grund zu diskutieren…

      Spaß beiseite: solche gefahren sind halt da.. Die sind genauso da wie ein Wirbelsturm (wobei ich da gerne eure Diskussion sehen möchte wie ihr dem verbietet nach Lingen zu kommen!)
      Das kann man kalkulieren aber nicht restlos ausschließen.

      • Steffen said

        @ Thomas:

        Das wählen des NOTRUFES (110/112) ist wohl die denkbar schlechteste Möglichkeit an Informationen zu kommen, dieses ist, wie der Name schon sagt, dafür da, im Falle eines Notfalles Hilfe zu bekommen und nicht, um Auskünfte zu erteilen. Stellt sogar nach § 145 StGB einen Straftatbestand dar, wird nur leider viel zu selten verfolgt. Die Disponenten auf den Leitstellen habe in dem Moment auch durchaus besseres zu tun als Fragen irgendwelcher Bürger zu beantworten.

        Dass die Informationsweitergabe nicht optimal gelaufen zu sein scheint ist, denke ich, jedem klar, hier wären mit Sicherheit Durchsagen per Lautsprecher und NDR sinnvoll gewesen, dass sowas aber immer eine gewisse Vorlaufzeit braucht sollte jedem klar sein, die wenigsten Sender in Onlineredaktionen sind 24 h besetzt.

        Gibt es eigentlich für die Raffinerie auch eine Störfallbroschüre wie für das Kernkraftwerk?

        Grüße!

    • Buggy said

      zu Deiner Anmerkung #2:

      Betrachte doch mal die Wohnbebauung zu der Zeit, als die Industrieanlagen geplant und gebaut wurden…

      Ich frage mich, wie manche Kommentatoren und Kritiker ihr Geld verdienen? So ganz ohne produzierendes Gewerbe lässt sich der Wohlstand in unserer Gesellschaft nicht halten.

      zu Anmerkung #3:

      Mir fällt das Wort „Schutzwald“ in letzter Zeit viel zu häufig. Wovor soll denn ein Schutzwald schützen. Vor Wind?, ungebetene Blicke?, Druckwellen nach Explosionen? Sauerstoffknappheit?

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