Ganz sicher

25. März 2011

Die Diskussion über die notwendige Abschaltung der Atomkraftwerke bekommt aus Lingener  Sicht einen neuen und ganz  lokalen Schwerpunkt, über den gestern auch der Lingener Stadtrat kurz und freimütig diskutiert hat.  Laut Atomgesetz können nämlich die RWE als Betreiber des Kernkraftwerk Emsland überzählige Strommengenkontingente von stillgelegten Atomreaktoren auf die Lingener Anlage (Foto re.) übertragen, die dann entsprechend länger laufen kann. Ziel der Regelung war seinerzeit, die Betreiber zu veranlassen, die ältesten Anlagen schneller vom Netz zu nehmen.

Unsere schwarz-gelbe Herumruder-Koalition hat nun aber allen deutschen AKW im vergangenen Jahr große Mengen zusätzlicher Stromkontingente genehmigt. Damit können die alten Anlagen 8 Jahre und die neueren AKW 14 Jahre länger laufen.

Für Lingen bedeutet dies eine erhebliche Veränderung: Würden die ältesten sieben AKW tatsächlich in Kürze stillgelegt, so könnten die Betreiber diese riesigen unverbrauchten Strommengen auf jüngere Kraftwerke übertragen. Wegen der Laufzeitverlängerung hat die Übertragungsregel jetzt die absurde Folge, dass diese „jüngeren“  AKW bis über 2050 hinaus betrieben werden könnten. Konkret: Mit den Strommengen der unsicheren, alten AKW Biblis A und Biblis B könnte der Betreiber RWE die Laufzeit des AKW Emsland von bisher 2033 bis 2051 weiter verlängern. Erst dann -mit 63- ginge es in Rente.  So ist die aktuelle Gesetzeslage nach dem Atomgesetz. Im Rat wurden ich und der Kollege Michael Fuest (Bündnis’90/Die Grünen) gestern der Panikmache gescholten, als ich darauf hinwies und Michael Fuest zustimmte.

AKW Lingen bis 2051? Ich bin dann 100. Ganz sicher.

(Quelle; Foto:  AKW Emsland, alle Rechte:  Dendroaspis2008 flickr)