Scherbenhaufen II

24. März 2011

Das Chaos um die Verleihung des Medienpreis Emsland geht in die nächste Runde und der Scherbenhaufen wird noch größer: Der Medienpreis Emsland wird in diesem Jahr nun doch nicht vergeben. Das teilte gestern die -durch die eigenen, dummen Entscheidungen zum Medienpreis in ihrem Ansehen arg beschädigte- Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung  per Pressemitteilung mit. Die Stiftung sehe sich außerstande, heißt es da, das begonnene „Verfahren ordentlich abzuschließen“. Damit widersprach die Stiftung der Aussage von Stiftungsrats- und Jurymitglied Alexander Mainka. Der Lingener Unternehmer hatte noch vor wenigen Tagen angekündigt, wie geplant werde die Stiftung im Mai  den Medienpreis verleihen.  Jede Weiterführung des diesjährigen Medienpreises erscheine „angesichts der emotionalen Reaktionen einzelner Jurymitglieder“  zwecklos, so die Stiftung aber nun; sie wolle mit diesem Schritt jegliche Spekulationen über das weitere Vorgehen beenden.

Die „einzelnen Jurymitglieder“, die laut Pressemitteilung so emotional reagierten und zurücktraten, als der Stiftungsrat ihre Vorschläge verwarf, waren bekanntlich keine geringeren als der Autor Hermann Vinke, die Journalistin  Beate Tenfelde (Neue Osnabrücker Zeitung), Waltraud Luschny, Studioleiterin des NDR Osnabrück, und  Prof. Dr. Achim Baum, Hochschule Osnabrück/Lingen (Ems). Sie hatten beschlossen, den mit 10.000 Euro dotierten Preis  an die Redakteure Sebastian Beck (Süddeutsche Zeitung) und Tobias Böckermann (Neue Osnabrücker Zeitung) zu vergeben. Das Problem: Die Preisträger hatten sich kritisch mit den besonderen emsländischen Verhältnissen auseinander gesetzt.  Der der Jury formal übergeordnete Stiftungsrat hatte daraufhin die Preisverleihung abgelehnt und behauptet, dies geschehe  „aus formalen Gründen“. Öffentlich entstand der Eindruck, dass in Wahrheit als zu kritisch empfundenen Äußerungen der beiden Preisträger der Grund für das Nein des Stiftungsrates waren.

Inzwischen hat selbst die meist betuliche Emsland-SPD das Hin und Her kritisiert. Es schade dem Ansehen des Emslandes, sagte SPD-Abgeordneter Georg Tranel (Meppen) im Kreistag. Als ob es nur um Image geht und nicht um Qualität und Zensur. Mehr

Auch der scheidende Landrat Hermann Bröring hat sich nach längerem Schweigen jetzt doch noch -gegenüber der NOZ– erklärt. Er sei  „nicht als Landrat, sondern als Privatperson Mitglied der Stiftung“, sagte das Mitglied des Stiftungsrates. „Sehr wohl habe ich gesagt, dass ich zu der Entscheidung des Stiftungsvorstandes stehe, wegen formaler Fehler die potenziellen Preisträger aus der Wertung zu nehmen“, ergänzte Bröring. Seine Erklärung, er habe an keiner Stelle Einfluss genommen, überzeugt sicherlich nur wenige. Denn immerhin hat der Stiftungsrat, dem Hermann Bröring angehört, die Preisvergabe gestoppt. „Aus diesem Grund habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, nicht Mitglied der Jury zu sein, weil ein Medienpreis immer zu inhaltlichen Diskussionen in die eine wie andere Richtung führen kann“, versuchte Bröring davon abzulenken, dass „sein“  Stiftungsrat die Jury-Entscheidung abgelehnt hat. Oder war er etwa nicht da, als der Stiftungsrat mit Nein votierte?

Insgesamt wirkt die gestrige Presseerklärung der Stiftung wenig ehrlich: „Der Stiftungsvorstand hat zu keinem Zeitpunkt inhaltlich Einfluss genommen und sich auch nicht mit den eingereichten Arbeiten befasst.“ Ach?! Wer hat denn sonst die Jury-Empfehlung gestrichen?

2 Antworten to “Scherbenhaufen II”

  1. lingentheo said

    EINE EINZIGE BLAMAGE

    Damit die peinliche Angelegenheit möglichst nicht an die Öffentlichkeit kommt, war zuvor ein im Internet verfasster Kommentar des Meppener Redakteurs Hermann-Josf Mammes offenbar von „oberer Stelle“ gecancelt worden. Jetzt hat man ihn gelassen und der geneignte Leser fragt sich, wie, wohl was auf welcher Führungsschine da gelaufen ist.

    Der mutige Kommentar, (mit Google leider nicht gefunden) hat folgenden Wortlaut:

    „Eine einzige Blamage“

    „Die Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung wollte mit dem Medienpreis das Emsland noch bekannter machen. Mit 10.000 Euro ist die Auszeichnung auch sehr hoch dotiert. Die Resonanz war entsprechend groß. Rund 50 Journalisten reichten Beiträge ein.

    Eine fünfköpfige Jury, darunter 4 Medienexperten, sollten die Arbeiten beurteilen. Für die Juroren besaß die journalistische Qualität oberste Prorität. Nach disen Aspekten gaben sie dann auch ihr Mehrheitsvotum an den Stiftungsrat weiter.

    Diese beiden auserwählten kritischen journalistischen Arbeiten waren vom Stiftungsrat jedoch nicht erwünscht. Sie stellten das Emsland offenbar nicht im gewünschten Licht dar.
    Der Stiftungsrat schob wohl deshalb formalrechtliche Belange vor, um den mehrheitlichen Vorschlag der Jury doch noch zu kippen.

    Dass der Stiftungsrat jetzt auch noch die vier Jurymitglieder massiv angreift, ist einfach nur dreist. Die drei erfahrenen Redakteure und ein Professor für Medienwissenschaften haben ehrenamtlich eine Aufgabe übernommen und diese mit großem Engagement und aller Ernsthaftigkeit durchgeführt. Ihr Rücktritt war nur konsequent. Blamiert hat sich nur der Stiftungsrat.“

    —————————————————–
    Quelle:
    Meppener Tagespost, Hermann Josef Mammes,
    j.mamme@meppener-tagespost.de
    —————————————————–

    Hermann-Josef Mammes gebührt für seine Haltung Hochachtung und Respekt, und wie ich erfahren habe, hat er grosse Unterstütztung aus dem Kollegenkreis dafür bekommen.

    Die Frage, ob die von M. zu überwindenden Widerstände neben der Chefetage der NOZ auch unmittelbar aus Politik und Stiftungsrat entstammten, vermag ich nicht zu beantworten.

    Für die bevorstehende Berichterstattung über den Wahlkampf in Lingen möchte ich aber den zuständigen Redakteur, Herrn Pertz, auch zu politsch unbequemen Wahrheiten und zu mehr Fairness den Parteien gegenüber ,als dies in der Vergangenheit der Fall war, ermutigen.

    Dann hätte die unrümlichen Peinlichkeiten um den diesjährigen Medienpreis Emsland doch noch was Gutes an sich.

  2. Monia said

    Ja, der Kommentar ist zweifelsohne gut und bringt die Sache auf den Punkt. Mit Lobhudeleien auf H. Mammes würde ich dennoch ein wenig vorsichtig sein, fällt er doch in der Regel dadurch auf, dass er seine Werbekunden aus der emsländischen Wirtschaft ein wenig arg hoch in den Himmel lobt – hier nur ein Beispiel, weil’s so schön zum Thema passt:
    http://www.noz.de/lokales/49993264/rothkoetter-eroeffnet-hochwertige-betriebstagesstaette-am-eurohafen-in-haren
    Hier ist sogar von „wunderbar“ die Rede:
    http://www.noz.de/artikel/50001217/wunderbare-tagesstaette
    Im EL-Kurier Meppen (Redaktionsleiter: H. J. Mammes) stand kein einziges Wort über den Medienpreis, statt dessen eine schöne, große Stellenanzeige von Rothkötter.

    Wie gesagt: Guter Kommentar, ganz klar. Aber wenn nicht Tobias Böckermann einer der beiden Preisträger gewesen wäre, hätte er ihn ganz sicher nicht geschrieben.

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