Japanspende

15. März 2011

Bundespräsident Christian Wulff hat bei einem Besuch in der japanischen Botschaft in Berlin  die Deutschen zu Spenden für die Katastrophenopfer in Japan aufgerufen. Spenden seien die wirksamste Hilfe für Sofortmaßnahmen und Wiederaufbau, sagte er. Er selbst werde spenden.

Auch die Stadt Lingen (Ems) ruft ihre Bürgerinnen und Bürger ab Mittwoch zu Spenden auf und will für jeden gespendeten Euro einen aus dem Stadtsäckel drauflegen. Die Aktion geht auf eine Initiative der CDU-Ratsmitglieder zurück, die dafür schnell die FDP gewinnen konnten. SPD und Bündnis’90/Die Grünen sind dabei. Klar: Spenden für die gebeutelten Menschen in den zerstörten Regionen können beim Wiederaufbau wichtige Unterstützung leisten. Aber zu wenig Geld ist in Japan, dem drittgrößten Industriestaat der Erde, nicht das Problem. Ein Beispiel: Der Nikkei-Wertpapierindex der Börse von Tokio hat als Folge der Atomkatastrophe von Fukushima dramatisch an Wert verloren. Daraufhin hat die japanische Notenbank sofort rund 130 Milliarden Euro in die Märkte gepumpt. Das Rückkaufprogramm für Wertpapiere hat sie auf insgesamt 350 Milliarden Euro ausgeweitet.

Trotzdem spenden? Ich bin mir nicht sicher. Heute erhielt ich dazu diese E-Mail:

„Ja, geht’s denn noch???
Nicht, dass ich etwas gegen Spenden bei Naturkatastrophen oder ähnlichem hätte. Bei Japan reden wir aber von der drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt und der Energieversorger „Tepco“ ist meines Wissens die Nummer 4 in der Welt! Wo blieb denn beispielsweise der Aufruf der CDU beim Erdbeben in Haiti? Da hätte es wirklich Hilfe bedurft, weil der Staat selbst nicht dazu in der Lage war.

Spöttisch würde ich jetzt sagen, es handelt sich um „geplante Hilfsaktionen“ unter Atomkraftstandorten. Wenn es darum geht, sollte aber die RWE etwas in den Topf einzahlen.

Das ist doch völlig ohne Überlegung. Die wirklich Bedürftigen dieser Welt müssen sich da doch veräppelt vorkommen….“

Also meine Frage:
Ist der aktuelle Lingener Spendenaufruf mehr als ein bloßer Ausdruck von Hilflosigkeit? Was machen Sie?

9 Antworten to “Japanspende”

  1. lingentheo said

    Populismus

    Das ist mal wieder purer, populistischer Aktionismus der CDU, ohne überhaupt zu wissen, ob Hilfe in finanzieller Form vonnöten ist.
    Sicher ist auf jeden Fall, dass es eine Vielzahl armutleidender Regionen in der Welt gibt, die weit dringender auf Hilfe angewiesen sind. Die Weltgemeinschaft hat Japan Solidarität zugesichert und der Wiederaufbau wird nicht am Geld scheitern; zumal Experten prognostizieren, dass diese Katastrophe einen ungahnten Konjunkturaufschwung nach sich ziehen wird und damit große Selbstheilungschancen der japanischen Wirtschaftskraft entstehen.
    Es ist mal wieder so wie immer. Die CDU-Initiative ist nichts anderes als pharisäerhaftes Mitleidstum, um Wählerstimmen einzuheimsen. In der politischen Debatte zur Kernenergie gibt jeder Politiker ungefragt seinen Senf dazu, was bezüglich der Sicherheit von AKW Standorten getan werden muß, statt dies zunächst den wirklichen Experten zu überlassen. Diese oberschlaue Spezies vom Typ Politiker kann durch substanzloses Geschwafel überall mitreden, obwohl von nix ´ne Anhnung und daher grundsätzlich zum Kotzen.
    Wenn die Lingener CDU-Helden wirklich helfen wollten, dann sollte man mit gutem Beispiel vorangehen und die kopmpletten Sitzungsgelder für dieses Jahr an wohltätige Org. spenden. Will wetten, dass dann keiner mehr dabei ist!

  2. Christiane Adam said

    Diese Diskussion ist angesichts der dramatischen Ereignisse absolut unwürdig! Pharisäerhaft ist es, jetzt öffentlich gegeneinander abzuwägen, wer wohl Spenden nötiger gebraucht. So kann man immer reden. Es wird immer irgendjemanden geben, der eine Spende nötiger hat als eine andere Person, Einrichtung, ein anderes Land… Eine schöne Ausrede, um selber nichts zu spenden.

    In der Bergpredigt heißt es: „Wenn du also Almosen gibst, so laß nicht vor dir her trompeten, wie es die Heuchler in den Synagogen und in den Gassen machen, um von den Menschen gelobt zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben schon ihren Lohn. Du aber, wenn du Almosen gibst, dann soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen bleibe.“ (Matthäus 6.2-4)

    Ich empfinde es als zynisch, von einem „ungeahnten Konjunkturaufschwung“, der durch die Katastrophe entsteht, zu sprechen, noch bevor überhaupt ein Ende der Katastrophe abzusehen ist.

    • Liebe Christiane, nicht die Diskussion ist unwürdig. Es mögen einzelne Beiträge bzw. einzelne Formulierungen sein. Die Diskussion als solche aber ist notwendig.

      • Christiane Adam said

        Mag sein. Ich kann nur ausdrücken, wie ich empfinde.

      • kib said

        @Christiane: „Diese Diskussion ist angesichts der dramatischen Ereignisse absolut unwürdig!“ Ich persönlich halte sie sogar für äußerst „schäbig“, weil die Linien zwischen emotionalen Empfinden und politischer Gesinnung sich unerträglich verwischen.
        Mehrere hunderttausende Japaner sind zurzeit in ihrem Land vor der nukleareren „Gefahr“ (einem GAU!) auf der Flucht: In einem Land, in dem eine Infrastruktur nicht mehr vorhanden ist, im tiefsten Winter und mit der Ungewissheit, ob weite Teile dieses Landes jemals wieder bewohnbar sind (von der eigentlichen –regionalen- Heimat abgesehen). Mir könnte es niemals über die Lippen kommen, diesen Menschen zu sagen (Zitat):
        „Ja, geht’s denn noch???….. Bei Japan reden wir aber von der drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt und der Energieversorger „Tepco“ ist meines Wissens die Nummer 4 in der Welt!
        (an den unbekannten Email Verfasse: Zahlen < „zehn“ schreibt man aus).
        @Robert: Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum Du diese Diskussion entfacht hast! Denkst Du wirklich, es hilft den Menschen in Japan, wenn ich mit meinem Teelicht vor dem alten Rathaus in Lingen stehe? Das ist ein politisches „Licht“ für Dtl. und sehr wichtig (!), aber mehr zunächst nicht.
        Ich halte es für politisch sehr beliebig, das Thema Laufzeitverlängerung angesichts des unendlichen Leidens der Menschen in Japan zu „missbrauchen“ aber den wirklichen zivilen Opfern in Japan nicht beizustehen. (Empathisch betrachtet: Setzten, „sechs“!)

        Die politische Ebene betreffend, bist Du im Recht! Mir wird regelrecht schlecht, wenn ich betrachte, wer von den „politischen Helden der Union“ im letzten Herbst, so zwingen für die Laufzeitverlängerung plädierte … allen voran Günter Oettinger: Als ehemaliger Ministerpräsident von Baden Württemberg pflegt er nach wie vor beste Kontakte zum Basketball (EnBW-Ludwigsburg). Es gäbe noch Joachim Pfeiffer, Joachim Lang, Werner Schnappaus, Horsti Seehofer, Andreas Renner….zahlreiche Politiker (bzw. Expolitiker) setzten sich für die Interessen der Stromversorger ein- mit deren Gewissen möchte ich in diesen Tagen nicht schlafen gehen-
        an Deiner Stelle würde ich mich allerdings auch nicht wohl fühlen….

    • Buggy said

      @Christiane:

      ich habe ähnliches gedacht.
      zum Konjunkturaufschwung:

      In Wirtschafts- und Börsenkreisen wird der sog. Kobe-Effekt lebhaft diskutiert. Vor 16 Jahren sorgte ein sehr heftiges Erdbeben im japanischen Kobe für einen mittelfristigen Aufschwung (an der Börse in Tokio).

      http://www.stock-world.de/analysen/nc3700870-Wirtschaft_und_Naturkatastrophen.html
      ^^ dies ist eine der vielen „Bestandsaufnahmen“, die in Anlegerkreisen kursieren.
      Vernünftige Prognosen kann man wohl erst tätigen, wenn wenn das ganze Ausmaß der ablaufenden Katastrophe abzuschätzen ist.

  3. Markus said

    Ich finde keien Wörte wenn ich mir diese Bilder anschaue…..ich finde es immer noch sehr unglaublich! Wie hilflos der Mensch gegen der Natur ist…

    http://www.1anzeigen.de/japan-nach-der-tsunami-erdbeben-akw-katastrophe-die-neuesten-katastrophen-bilder-aus-japan_47_1.html

  4. Bernd Trueger said

    Gerne würden wir helfen indem wir eine Musik CD veröffentlichen und 50% vom Erlös spenden. Gibt es Sponsoren die sich an den Herstellungskosten beteiligen würden.
    Gerne hören wir von Euch
    Das Team von Wekamusic

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