Verrat

3. März 2011

Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand von Bündnis’90/Die Grünen, hatte T-Mobile im Sommer 2009 auf Herausgabe der Daten verklagt, die T-Mobile über ihn gespeichert hatte. Es sind „seine“ Vorratsdaten. Der Kritiker der – vor einem Jahr vom Bundesverfassungsgericht gekippten – Vorratsdatenspeicherung zeigt, wie es mit der Datenvorhaltung in der täglichen Praxis aussieht. Mein Fazit: Schlimm sieht es aus.

Die Spitz’schen Daten -immerhin satte 35.000- sind vorbildlich in einer interaktiven Karte von Open Data City visualisiert (Grafik unten)  und im Zusammenwirken mit dem Grünen-Politiker bei ZEIT online veröffentlicht. Das Gerät von Malte Spitz hat sich in den sechs beispielhaften Monaten von August 2009 bis Februar 2010  alle zehn Minuten bei einer Funkzelle gemeldet, um nach neuen E-Mails zu suchen. In dem Intervall hat es ein halbes Jahr lang Daten gesendet und abgerufen. Da es selten ausgeschaltet war, wurden die Bewegungen zu 78 Prozent erfasst. Nur für ein paar Tage im November 2010 sowie um die Jahreswende liegen keine Daten vor

Dargestellt werden Standortdaten, Uhrzeiten, die Zahl der ein- und ausgehenden Anrufe und SMS sowie die Dauer, in der Malte Spitz eine Verbindung zum Internet hatte. Die visualisierten Daten lassen sich auch als Film abspielen, so dass ein flott animiertes Bewegungsprofil sichtbar wird.

ZEIT online hat die Daten zusätzlich mit öffentlich verfügbaren weiteren Daten „angereichert“.  Zu Spitz‘ Bewegungen werden also seine Twittertweets und alle  Blogeinträge angezeigt, die er in dieser Zeit geschrieben hat.

Dargestellt wird aus Datenschutzgründen zwar nicht, welche Telefonanschlüsse Spitz angerufen hat und von welchen aus er angerufen wurde. Polizeilichen Ermittlern (neudeutsch: Strafverfolger) stünden aber auch diese Daten uneingeschränkt zur Verfügung.

Die Daten sind keine Vorrats- sondern Verratsdaten. Malte Spitz ist gläsern geworden.  Er sagt: „Mir war klar, dass die theoretische Bedrohung einer solchen Massenspeicherung, endlich greifbar werden muss. Daher habe ich mich dazu entschlossen die Daten zu veröffentlichen um klarzumachen, Vorratsdaten machen dein Leben transparent und greifen massiv in deine Privatsphäre ein, und zwar von allen Bürgerinnen und Bürgern.“

(Grafik: copyright Open Data City)