Ursachenforschung

31. März 2011

Das niederländische Online-Fachmagazin „Schuttevaer“ berichtet heute über mögliche Ursachen der Explosion des Tankmotorschiffs Alpsray am Montagabend im Raffineriehafen der BP in Holthausen-Biene – wie das im Nachbarland so normal ist, in niederländischer Sprache.  Hier das Original – eine Übersetzung folgt der interessanten Passage finden Sie hier:

BP verletzt eigene Sicherheitsvorschriften

‘’Berichte von Schiffern, die regelmäßig in Lingen laden und entladen, weisen auf unsichere Arbeitsverfahren beim Beladen und Entladen hin. So sollten Mitarbeiter des BP-Terminals in Lingen regelmäßig Deckel von Ladetanks aufreißen, schon bevor das Schiff vollständig angelegt hat, und ohne um die Zustimmung des Schiffers zu fragen und zu kontrollieren, ob die Tanks unter Druck stehen. Nach dem Beladen bleibt in dem Schlauch des diagonalen Ladearms des BP-Terminals immer etwas Produkt zurück. Üblich ist es in Lingen, dieses mit einer Art Hilfsschlauch, durch einen geöffneten Tankdeckel, ins Schiff fließen zu lassen. Der Schlauch in dem Arm wird dann leergedrückt. Solche Verfahren widersprechen den  EBIS [European Barge Inspection Scheme ≈ Europäisches Binnenschiff-Inspektionssystem] und eigenen Sicherheitsregeln von BP. Nach Angaben von Schiffern in Lingen wird aber trotzdem seit Jahr und Tag so verfahren.
’Wir haben dort auch Benzin geladen. Da war es sicherlich 30 Grad’, berichtet einer von ihnen. ’Die Terminalbesatzung fragte, ob wir einen Tankdeckel öffnen wollten, damit sie eine Art Deckwaschschlauch in den Tank hängen konnten. Der war an den Ladearm angeschlossen, damit sie diesen leerdrücken konnten. Bei der Hitze strömen die Benzindämpfe dann in einer dicken Schicht über das Deck. Sie sagten, das machen wir immer so. Ich habe dieses später meinem Sicherheitsberater gemeldet und gefragt, ob er Van de Ven – der EBIS-Mann von BP – bitten wollte, dagegen etwas zu tun. Später bat er mich freundlich, hierüber meinen Mund zu halten, um keine Kunden zu verlieren. Van de Ven war über das Verfahren nicht glücklich und wollte dafür sorgen, dass sich das während einer zukünftigen Modernisierung des Terminals ändern würde. Als ich jetzt von der Explosion erfuhr, habe ich sofort gedacht, dass es genauso passiert sein kann’.

Mehrere Schiffer bestätigen diese Berichte. ’Es findet schon so lange statt, wie ich hierher komme und ich komme schon seit Jahren’, sagt ein etwas älterer Schiffer.

Eine andere oder eine begleitende Ursache könnte sein, dass ein oder mehrere Überdruckventile nicht richtig funktionierten, wodurch der Druck in einem oder mehreren Tanks zu hoch anstieg. Die Alpspray soll auf einer Werft neue Überdruckventile erhalten haben, möglicherweise war eines nicht geöffnet.

Tanker werden bei BP in Lingen wohl standardmäßig über eine Gaspendelleitung zum Kai hin entgast. Aber auch das scheint nicht immer sicher zu geschehen. ’Ich habe miterlebt, dass man fragte, ob ich Dampf durch die Tanks blasen wollte, um die Entgasung zu beschleunigen. Ich war gerade leer von Benzin und befand mich voll an der Explosionsgrenze’, sagt ein Schiffer. ’Dieser Dampf hat eine Temperatur von 350 Grad.’.
…“

Hier ein weiterer Bericht aus der Lokalpresse „Lingener Tagespost, der in etwa in dieselbe Richtung weist. Ich lese:

„Die Beschäftigten in der Be- und Verladung waren erst vor kurzer Zeit an den Personaldienstleister „iHp“ ausgegliedert worden. Dennoch seien das Engagement und die Motivation der dort arbeitenden 50 Mitarbeiter nach wie vor gut, erklärte Mohr (kfm. Leiter der ERE). „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren und in vielen Bereichen mit der iHp zusammen. Bisher hat es noch keine Klagen gegeben.“

„Dennoch“ und „nach wie vor“ irritieren mich dann doch. Dann ging bei mir noch diese Information ein:

Sämtliche Großkonzerne (…) betreiben dem „Gewinnmaximierungsprinzip“ gehorchend eine ganz gefährliche Politik zu Lasten der Arbeitssicherheit etc.: outsourcing – like devil – anstatt Fachkräfte, die definitiv fehlen, seriös auszubilden.
… ist die „Verladung“ bei BP ebenfalls in Händen von „Fremdarbeitnehmern“.  Tja, eine Abrechnung des Einkaufs kann ExxonMobil über Ungarn/Tschechien fahren, iHP macht die Personalkostenabrechnung für BP-Mitarbeiter. Aber sicherheitstechnisch sensible Bereiche in die Hände von werksfremden Niedriglöhnern zu legen: Da kann es nur knallen! Hat/ wird es auch…“

Lingens CDU-Fraktionschef Uwe Hilling wird heute mit diesem Satz zitiert: „Wenn die Ursachen bekannt sind, müssen BP und die Verantwortlichen in der Stadt prüfen, welche Vorkehrungen und Regelungen notwendig sind, damit solch ein Vorfall sich nicht wiederholen kann.“ – Recht hat er, der Mann. Danach muss die Abhilfe aber auch durchgesetzt werden.

Medienpreis-update

31. März 2011

Ein Update in Sachen Medienprreis

I.

II.

Der Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Stefan Wenzel, vermutet politische Einflussnahme bei der Absage des Medienpreises Emsland. Das machte er in einem Gespräch mit der ems-vechte-welle deutlich. Wenzel  sagte: „Ich kann nur feststellen, dass das ein höchst merkwürdiger Vorgang ist. Man kann nicht eine Jury einrichten, eine Entscheidung treffen lassen und hinterher, wenn einem die Entscheidung der Jury nicht passt, plötzlich dem Preis wieder seine Grundlage entziehen, oder gar den Preisträgern die Preisverleihung sozusagen vorenthalten. Das ist aus meiner Sicht etwas, was überhaupt nicht geht. Und von daher bin ich gespannt, wie sich diese Diskussion weiter entwickelt. Und vor allen Dingen bin ich gespannt, wer hier hinter den Kulissen Einfluss genommen hat.“ (Quelle)

III.

Michael Fuest (Bündnis’90 – Die Grünen) und Ratsmitglied in Lingen (Ems) hat eine besonders gute Idee: „Schaffen wir es“, fragt er, „kurzfristig einen „freien, alternativen Medienpreis“ für das Emsland auszuloben?“
Was meint dazu die Leserschaft dieses kleinen Blogs?

Spuren

31. März 2011

Der „Elternverein Restrisiko Emsland“ entstand vor 25 Jahren in der Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Damals hätte der Verein die zusätzliche Radioaktivitätsbelastung vor allen in Lebensmitteln nicht hätte messen können, wenn es keine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Physik der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg gegeben hätte. Eben dort wird die Radioaktivität in der Luft am Standort Wechloy seit dem 29.03.2011 kontinuierlich gemessen.

Dabei, so das Institut, wurden Spuren von Jod-131 (J-131) aus Fukushima nachgewiesen. Für die Messung wird über einen längeren Sammelzeitraum Luft durch einen geeigneten Filter gesaugt, der anschließend gammaspektrometrisch analysiert wird. In der folgenden Liste wird jeweils die über den Sammelzeitraum gemittelte Konzentration von Jod-131 in mBq/m3 (Millibecquerel pro Kubikmeter = Tausendstel Becquerel pro Kubikmeter) angegeben:

  1. 29.03.11 17:10 – 30.03.11 08:15: 2,2 mBq/m3
  2. 30.03.11 15:40 – 31.03.11 08:15: 1,2 mBq/m3 (vorläufig)
  3. weitere Daten folgen.

Mehr hier auf der Internetseite des Instituts.

Enttäuscht

31. März 2011

Der Großbrand im Lingener Raffineriehafen ist noch einmal glimpflich abgelaufen. Personen kamen nicht zu schaden. Doch es hätte weitaus schlimmer ausgehen können.

Ein Kommentar von Peter Kliemann (NDR).

Drei Schiffe, jeweils mit einer Million Liter Benzin beladen, auf einem bricht ein Feuer aus. Ein Horrorszenario, das gestandenen Feuerwehrleuten schon als Übungsszenario Schauer über den Rücken jagt. Entsprechend waren die Befürchtungen der Journalisten Dienstagmorgen vor einer eilig anberaumten Pressekonferenz. Vertreter von Raffinerie, Landkreis, Feuerwehr, Polizei und Stadt Lingen wurden aufgeboten. Doch es sprach nur einer: der Oberbürgermeister.

Er verlas eine nichtssagende, längst bekannte Erklärung, grüßte und ließ nach zwei Minuten eine verdutzte Runde zurück. Schweigen bei den anderen Vertretern, keine weitergehenden Fragen, keine Erläuterungen. „Alles im Griff, es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung!“ Punkt. Aus. Dieser ebenso banale wie meistens falsche Satz im Fall eines Unglücks mit diesen Ausmaßen sorgte für Ärger und Verwunderung in der Journalistenrunde. Was wollte der OB damit sagen? Drei Millionen Liter Benzin neben einer Raffinerie mit riesigen Tanklager, 70 Meter hohe Feuersäulen, 10 Hektar Schaumteppich auf dem Dortmund-Ems-Kanal, vielleicht hunderttausende Liter Benzin im Wasser – für den Oberbürgermeister kein Problem.

Lingen ist nicht Fukushima und nicht die „Deepwater Horizon“. Aber für einen Mann, der mit dem Anspruch „mehr Transparenz“ angetreten ist, ein schwaches Bild. Journalisten können in der Regel selber lesen, dafür braucht’s kein hochbezahltes Stadtoberhaupt. Krisenmanagement sieht inzwischen anders aus. Krisenmanagement erfordert die Analyse und den systematischen Umgang mit dem Problem. Kann man übrigens auch nachlesen, Herr Oberbürgermeister!

-.-.-.-.

Ich weiß nicht, ob Peter Kliemann etwas dagegen hat, dass ich hier seinen Beitrag vollständig veröffentliche. Aber er ist zu wichtig, als dass er in einem Leser-Kommentar versteckt bleiben darf (Danke J. Reul für den Hinweis!). Also eben ganz und im Wortlaut der Peter-Kliemann-Kommentar. Mit meiner Ergänzung, dass ich reichlich irritiert und enttäuscht bin, wie wenig professionell der OB da agiert hat.

Nachtrag: Auch die Lokalpresse krtisiert OB Krone: Amateurhaft.

Deklariert

30. März 2011

Auch in diesem Jahr will die Stadt Lingen den 1. Mai als verkaufsoffenen Sonntag begehen. Ich lese hier:

„Auf der Grundlage der niedersächsischen Ladenöffnungszeiten ist es zulässig, insgesamt an vier Sonntagen die Geschäfte zu öffnen. In Absprache mit den Geschäftsbetreibern der Innenstadt sind für das Jahr 2011 folgende Tage als „verkaufsoffene Sonntage deklariert worden: 3. April 2011, 01. Mai 2011 = Kirmessonntag, 02. Oktober 2011 = Kirmessonntag und 06. November 2011.“

Natürlich ist ein verkaufsoffener 1. Mai ein Affront gegenüber allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und zwar nicht nur, weil mit ihnen und ihren Organisationen  niemand gesprochen hat. Der 1. Mai ist bekanntlich der besondere Feiertag der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. DGB und KAB vor Ort protestieren deshalb jetzt gegen den geplanten verkaufsoffenen Sonntag  am 1. Mai 2011 in Lingen. Beide nehmen die Pläne zum Anlass, an den Oberbürgermeister und den Rat unserer Stadt einen offenen Brief zu richten. Hier der Wortlaut des Briefes, der mich heute erreichte:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Krone, sehr geehrte Damen und Herren,

die Genehmigung und Planung eines verkaufsoffenen Sonntags am 1. Mai in Lingen ist bei uns und unseren Mitgliedern im DGB und in der KAB auf völliges Unverständnis und energischen Protest gestoßen.

Für uns als Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) stehen bei den Ladenöffnungszeiten der Schutz des Sonntags, die Aufrechterhaltung kollektiver Freizeiten und der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Handel im Focus.

Insbesondere auch nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichtes steht die Sonn- und Feiertagsruhe unter besonderem Schutz.  Das Gericht hat daher die Sonntagsöffnung im Einzelhandel mit besonderen Auflagen verknüpft. Eine wesentliche Auflage besteht darin, dass verkaufsoffene Sonntage im öffent-lichen Interesse liegen müssen. Nach Ansicht des Gerichtes reichen hierzu die wirtschaftlichen Interessen des Einzelhandels oder Konsuminteressen von Verbrauchern nicht aus.

Wörtlich heißt es in der Urteilsbegründung: „Ein bloß wirtschaftliches Umsatzinteresse der Verkaufsstelleninhaber und ein alltägliches Erwerbsinteresse („Shopping-Interesse“) potenzieller Käufer genügen grundsätzlich nicht, um Ausnahmen von dem verfassungsunmittelbar verankerten Schutz der Arbeitsruhe und der Möglichkeit zu seelischer Erhebung an Sonn- und Feiertagen zu rechtfertigen.“

Daraus folgern wir, dass für jede Sonntagsöffnung konkret das öffentliche Interesse nachgewiesen werden muss.

Der Sonntag bedeutet für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Erholung, Ruhe, Familienleben und Teilhabe am sozialen Leben. Uns geht es um den Schutz der Beschäftigten. Wir bitten zu bedenken, dass jede Sonntagsöffnung eine zusätzliche Belastung der Beschäftigten im  Einzelhandel bedeutet. Rund 70 % der Angestellten sind Frauen. Sie werden uns doch sicher zustimmen, dass es nicht angehen kann, dass die Beschäftigten und ihre Familien den sozialen Preis für das Rund-um-die-Uhr-Shoppen zahlen müssen.

Das Bundesverfassungsgericht hat dies in seiner Urteilsbegründung genauso gesehen und verbindet den arbeitsfreien Sonntag mit dem Sozialstaatsprinzip. In der Begründung heißt es: „An den Sonn- und Feiertagen soll grundsätzlich die Geschäftstätigkeit in Form der Erwerbsarbeit, insbesondere derVerrich- tung abhängiger Arbeit, ruhen, damit der Einzelne diese Tage allein oder in Gemeinschaft mit anderen ungehindert von werktäglichen Verpflichtungen und Beanspruchungen nutzen kann.“ Das Gericht argumentiert weiter, der arbeitsfreie Sonntag stärke den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft, „da er es den Menschen ermöglicht, am sozialen, kulturellen Leben teilzunehmen und sich ehrenamtlich zu engagieren.“

Um es klar zu stellen: Wir sind nicht grundsätzlich gegen verkaufsoffene Sonntage in Lingen. Allerdings sind diese für uns nur in sehr wenigen Ausnahmefällen denkbar.

Darüber hinaus gibt es natürlich „verankerte“ Sonntagsarbeit, wie lebens-notwendige Dienstleistungen, die rund um die Uhr erbracht werden müssen: Polizei, Feuerwehr, Pflege, Notdienste sind nur einige dieser im öffentlichen Interesse stehenden Dienstleistungen. Daneben gibt es produktionsbedingte Arbeitszeiten an Sonn- und Feiertagen, beispielsweise in der chemischen Industrie oder in der Metallindustrie.

Beim Einzelhandel aber sieht es anders aus: Die möglichen Öffnungszeiten für den Einzelhandel sind schon heute ausreichend. Es gibt keinen vernünftigen Grund für verkaufsoffene Sonntage. Niemand ist gezwungen am Sonntag durch die Geschäfte zu gehen und z. B. Kleidung oder Möbel zu kaufen. Durch die Sonntagsöffnung wird kein Euro zusätzlich ausgegeben.

Wir fordern Sie als Oberbürgermeister und Rat der Stadt Lingen hiermit auf, die Sonntagsöffnung am 1.Mai in Lingen zu verhindern.

Der 1.Mai ist der „Tag der Arbeit“, ein gesetzlicher Feiertag, der von Arbeit- nehmerinnen und Arbeitnehmer vor mehr als 100 Jahren hart erkämpft wurde.

Der Plan, ausgerechnet am 1.Mai die Geschäfte zu öffnen und Arbeitnehme- rinnen und Arbeitnehmern somit die Möglichkeit zu nehmen, an den gewerkschaftlichen Veranstaltungen teilzunehmen, ist mindestens unsensibel. Dazu ist dieser Sonntag auch für viele Christen ein besonderer Tag: Der weiße Sonntag, an dem viele Familien an den Kommunionsfeiern teilnehmen wollen.“

Freundlicherweise wollen wir unterstellen, dass man sich in Lingen über die Bedeutung der Ladenöffnung am 1.Mai nicht im Klaren war. Darüber hinaus interessiert uns allerdings, aufgrund welcher Verwaltungsvorlage der verkaufsoffene Sonntag am 1. Mai 2011 in Lingen genehmigt wurde.

Wir fordern Sie auf, die Entscheidung für einen verkaufsoffenen Sonntag am 1. Mai in Lingen zu überdenken und uns baldmöglichst Ihre Entscheidung mitzuteilen.

Sehr herzlich laden wir Sie und Ihre Familien ein, an der Veranstaltung mit anschließendem Familienfest am „Tag der Arbeit“, 1. Mai 2011, ab 11:30 Uhr, beim Hubertushof Lingen/Schepsdorf  teilzunehmen. Über Ihre Zusage würden wir uns freuen.

Elisabeth Popken  (DGB)                                          Paul Kater (KAB)

Vor einigen Wochen habe ich in anderem Zusammenhang die Verwaltung gefragt, wie sie es mit der Umsetzung von höchstrichterlichen Urteile halte. Damals war das entsprechende Urteil „noch nicht bekannt“ (und bis heute offenbar immer noch nicht). Damit dies jetzt nicht wieder geschieht, hier gleich der Link zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 01.12.2009. Hier die Presseeklärung zur Entscheidung.Und -nebenbei- bitte erklärt mir nicht, dass das Grundrecht auf Sonntagsruhe in Niedersachsen nicht gilt.

Die Sonntagsruhe steht eigentlich nicht direkt im Grundgesetz, sondern im Artikel 139 der Weimarer Reichsverfassung von 1919: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Dieser nun 90 Jahre alte Weimarer Verfassungssatz ist freilich nicht mit der Weimarer Republik untergegangen, sondern durch Artikel 140 des Grundgesetzes dessen Bestandteil geworden; das Grundgesetz hat die Kirchenartikel der Weimarer Verfassung „inkorporiert“, wie die Verfassungsrichter sagen.

Die Süddeutsche resumierte nach Bekanntwerden des Urteils vor Jahresfrist:

Die Entscheidung ist aus mehreren Gründen spektakulär.

Erstens: Sie widerspricht der auch in der Rechtswissenschaft gängigen Auffassung, es handele sich bei der Sonntagsgebot nur um Verfassungslyrik. Die Richter sagen: Das Sonntagsgebot beruht auf einer historisch und verfassungsrechtlich so fest abgesicherten Tradition, dass man sie nicht einfach mit einem Ladenschlussgesetz wegschieben kann.

Zweitens: Die Richter verbinden den Schutz des Sonntags mit zwei anderen Verfassungsartikeln, nämlich mit dem Schutz der Arbeitnehmer und mit dem Schutz der Familie. Und zwar aus Artikel 2 Grundgesetz. Damit wird der Sonntagsschutz grundrechtlich aufgeladen. Es handelt sich also nicht nur um eine „objektiv-rechtliche Institutsgarantie ohne subjektive Berechtigung“, wie dies bislang Mehrheitsmeinung der Verfassungsrechtler war, sondern und das ist das Dritte, um ein Grundrecht der ganzen Gesellschaft.

Zwar ist am 1. Mai 2011 Kirmes in Lingen, aber das hat mit dem verkaufsoffenen Sonntag nichts zu tun. Außerdem ist eben 1. Mai und zugleich „Weißer Sonntag“.  Das gemeinsam  dürfte reichen, um an diesem Tag der Sonntagsruhe  Geltung zu verschaffen.  Ich finde die Initiative von DGB und KAB daher gut.

EU

30. März 2011

Wie passt es eigentlich zusammen, wenn das Bundesministerium für Verbraucherschutz der Bevölkerung versichert, dass es alle nur denkbaren Maßnahmen ergreift, um den deutschen Verbraucher vor den Folgen des GAUs in Fukushima zu schützen und gleichzeitig eine EU-Richtlinie durchsetzt, in der die Strahlenschutzgrenzwerte für Lebensmittelimporte aus Japan dramatisch erhöht wurden?

Einmal mehr zeigt sich, dass die Interessen der Wirtschaft die EU-Politik bestimmen und der Verbraucherschutz gar keinen Stellenwert hat, wenn er Wirtschaftsinteressen im Wege steht. Von Jens Berger (auf NachDenkSeiten.de)
Mehr…

Nachtrag vom Do 31.03.2011:
Zur Erhöhung der Grenzwerte durch die EU sagte Gerd Otten, Sprecher des Elternvereins Restrisiko Emsland e.V. am Donnerstag: „Der Elternverein hat immer darauf hingewiesen, dass  jede zusätzliche Strahlenbelastung für den menschlichen Körper schädlich sein kann. Daher haben wir immer empfohlen, das Lebensmittel für Erwachsene nicht höher als mit 50 Becquerel je Kg Lebensmittel und für Kinder nicht über 10 Becquerel je kg Lebensmittel liegen sollte. Diese Empfehlungen gibt z. B. auch der Strahlenbiologe Prof. Edmund Lengfelder vom von „Otto-Hug-Strahleninstitut“ in München und viele andere Wissenschaftler.
Der Wert von 600 Becquerel und nun 1250 wurde und ist aus handelspolitischen Gründen gewählt und stellt keinen Schutz für die Menschen dar. „

Niedecken

30. März 2011

30. März 1951 – Wolfgang Niedecken
Guter Jahrgang 😉

Disco Ensemble

30. März 2011

Disco Ensemble



Samstag, 02. April 2011, 20 Uhr
Alter Schlachthof, Lingen (Ems)

VVK 14,00 Euro zzgl. VVK-Gebühr

Danke

29. März 2011

Zwar habe ich noch nichts derartiges gehört, nehme aber an, dass längst alle Verantwortlichen ein dickes Dankeschön  jedem Einzelnen der  250 Feuerwehr- und Einsatzkräften  gesagt haben, die heute Nacht ebenso umsichtig wie mutig dafür gesorgt haben, dass die Flammen des explodierten Tankers Alpsray nicht -mit unabsehbaren Folgen- auf weitere Schiffe im Raffineriehafen übergreifen konnten.

Ich schließe mich dem Dank gern und aus Überzeugung an und denke dabei sogleich zurück an die Hagedorn-Brandkatastrophen vor 15 Jahren, als Feuerwehrleute vor den  angrenzenden Wohnhäusern stehend trotz extremer Hitze die Flammen bekämpften, als hinter ihnen schon die Fenstjalousien schmolzen. Es sind schon wirklich tapfere Feuerwehrleute, die wie hier in Lingen haben.

Deepwater horizon

29. März 2011

Unisono beklagten sich die Journalisten  über eine mehr als seltsame Informationspolitik nach der Explosion des Tankschiffs Alpsray im Hafen der Erdölraffinerie Emsland. Hier der Podcast der Ems-Vechte-Welle über BP, Deepwater horizon, die Informationspolitk, 80 Sekunden OB und viele falsche Ausagen:

“’Am Montag, den 28.03.2011 kam es um 22.50 Uhr zu einem Brand im Hafenbereich der Erdöl-Raffinerie Emsland. Ein Schiff, das mit Benzin beladen wurde fing Feuer und es kam zu insgesamt drei größeren Verpuffungen. Die Besatzung, die zum Zeitpunkt des Unfalls aus fünf Personen bestand, konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Ein Mitarbeiter der Schiffsbesatzung wurde leicht verletzt.‘ So beginnt die Pressemitteilung der BP. Viele Informationen hat der Erdöl-Riese zum Unglück in seinem Hafen allerdings nicht rausgegeben. Ems-Vechte-Welle-Reporter Mario Köhne war vor Ort und einer von den verdutzten Journalisten.“

Hier geht es zum -eindrucksvollen- podcast der Emsvechtewelle

Nachtrag:

«Derzeit kann man davon ausgehen, dass die Lage unter Kontrolle ist», sagte gegen (Dienstag-)Mittag Ralf Büring, Erster Stadtrat in Lingen (Ems). Das Technische Hilfswerk und eine Spezialfirma waren noch damit beschäftigt, das Wasser-Benzin-Gemisch und den Löschschaum abzupumpen. Wann das Schiff geborgen werden kann, ist noch unklar.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat unterdessen -wie in derartigen Fällen üblich-  Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung eingeleitet. Brandexperten untersuchen den Unglücksort. Der Kapitän des Tankschiffes steht unter Schock. Er konnte nach Angaben von BP noch nicht befragt werden.

(Quelle und Foto: © Ems-Vechte-Welle, Kieler Nachrichten)