Emskanal

10. Februar 2011

Was haben der Flug zum Mond und der Emskanal von Papenburg bis Leer miteinander zu tun? Die Antwort auf diese Frage hat jetzt die so genannte „Ems-Lenkungsgruppe“ der Landesregierung gegeben. Sie hatte sich Anfang der Woche in Hannover unter Leitung von  Staatssekretärin Christine Hawighorst getroffen. Das Resultat des Treffens: 1,1 Milliarden Euro würde ein Ems-Kanal  von Dörpen nach Leer kosten. Allein 780 Millionen Euro würde der Teil der neuen künstlichen Wasserstraße, parallel zur Ems, von Papenburg nach Leer quer durch Westoverledingen kosten. Also: Der Kanal ist zwar technisch machbar, aber wie die Mondlandung zu teuer. Diplomatisch heißt die Antwort, dass der Plan „angesichts der Kosten erst einmal zurückgestellt“ wird. Im Mittelpunkt der Gespräche standen neben dem Nein zum Emskanal, so die Medien verquast-verklausuliert, „Ansätze zur Lösung der ökologischen und ökonomischen Fragestellungen an der Ems“.

In der Lenkungsgruppe sind neben der Staatskanzlei die zuständigen Ministerien für Umwelt, Wirtschaft und Landwirtschaft, die Landkreise Emsland und Leer, die Meyer-Werft, die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest und die Umweltverbände BUND, NABU und WWF vertreten. Sie soll neben der jetzt offenbar abgeblasenen, großtechnischen Idee des Emskanals „auch alternative Lösungen für die Region entwickeln und bewerten“. Die Entscheidung gegen den Emskanal erfolgte Anfang der Woche einstimmig -also mit Zustimmung der Meyer-Werft. Sie lautet:

„Die Vorstudie zur Machbarkeit des Emskanals hat gezeigt, dass dieser grundsätzlich technisch machbar wäre. Aufgrund der geschätzten Gesamtkosten von mindestens 780 Mio. Euro für den Abschnitt Papenburg – Leer bzw. von mindestens 1,1 Milliarden Euro für beide Abschnitte (Leer – Dörpen) werden die zahlreichen im Zusammenhang mit dem Emskanal stehenden Fragestellungen solange zurückgestellt bis Lösungsalternativen untersucht und bewertet worden sind.“

Ganz vom Tisch ist der auch und wohl ernsthaft diskutierte Bau eines gigantischen Damms in der Dollartmündung; denn der würde nach grober (!) Schätzung (!) nicht nur mindestens drei Milliarden Euro kosten, nicht vor dem Jahr 2035 realisierbar und vor allem nicht „mit dem gegenwärtigen Umweltrecht vereinbar „sein. Er scheidet deshalb, so die Lenkungsgruppe ebenfalls, als Alternative zum Emskanal aus.

Die laufenden Untersuchungen zu den verbleibenden Lösungsansätzen (Dauerstau der Ems, Tidesteuerung durch das Emssperrwerk, Einbau einer Sohlschwelle, Schaffung von Flutraum in den Emsseitenbereichen, Sohlverflachung und Rückverlegung des Tidewehrs Herbrum) sollen zunächst abgeschlossen werden. Ein „hydromorphologisches Gutachten“ soll Auskunft über die unterschiedlichen Wirkungen auf die Wasserstände, die Strömungen, den Salzgehalt und den Sedimenttransport geben und Aussagen über die Änderungen der Gewässergüte der Ems ermöglichen. Auf dieser Grundlage soll dann die beste Lösung gefunden werden. Dieses Gutachten soll „noch im Herbst 2011 in Auftrag gegeben“ werden. Das Wort „noch“ irritiert, wie Sie zugeben werden.

Die Lenkungsgruppe hat außerdem eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, den jetzigen Stand der Informationen und Bewertungen im Projektbeirat und in der Region vorzustellen. Die Menschen hinter den Ems-Deichen wollen Ergebnisse, Sie haben nämlich längst große Ängste, sagt Hajo Rutenberg, der Sprecher der Bürgerinitiative IG Ems (Logo oben lks). Durch die dauernden Baggereien würden die Deiche absacken: „Die Häuser werden in Mitleidenschaft gezogen, es gibt zahllose Beispiele von eingerissenen Giebelwänden und abgesackten Grundstücken.“ Das dürfe in dieser Form nicht weitergehen. Die Bürgerinitiative fordert seit langem eine zumindest teilweise Verlegung der Meyer-Werft an die Küste.

Der BI-Sprecher räumt ein, dass die Meyer-Werft „selbstverständlich wichtig für die Arbeitsplätze“ sei, die absoluten Vorrang hätten: „Nur muss man sich natürlich immer wieder Gedanken dazu machen, ob die Arbeitsplätze auch am richtigen Ort sind.“ Werftchef Bernard Meyer sieht das anders. Befürchtungen um die Standsicherheit der Deiche seien unbegründet, sagte er vor einem Monat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Das größte Problem sei „das Schlickproblem“, wodurch sich die Wasserqualität der Ems verschlechtert habe und es „weniger Fisch“ gebe.  Dieses Problem müsse gelöst werden, sagt Meyer. Von einem Umzug seiner Werft will der Unternehmer aber nichts wissen:„Wir haben immer wieder gesehen, wenn wir uns andere Standorte angesehen haben, dass das Risiko für die Werft zu groß ist“, formulierte Meyer es am Dienstag auf der Mitgliederversammlung 2011 des Wirtschaftsverbandes Emsland in Papenburg.

Die Verlegung der Meyer-Werft ans Meer statt  Milliardensubventionen in den Umbau der Landschaft  rückt aber  ganz offensichtlich langsam näher. In das ostfriesische Emden beispielsweise. Mir scheint angesichts unkontrolliert größer werdender Umweltprobleme. Das größte Risiko für die Werft ist ein Beharren auf dem Standort Papenburg.