Blase

9. Februar 2011

Jetzt verkauft uns die Lingener CDU schon das zweite Mal binnen einer Woche ihre Abholzungspläne in Altenlingen als „Kompromiss“ mit dem Sprechblasenspruch „Wir wollen damit ein deutliches Signal setzen, um einen möglichst breiten Konsens zu diesem Thema herbeizuführen“. Können Sie diesen Politsprech eigentlich noch hören? Er klingt schon unehrlich. Inhaltlich ist er  reiner Wahlkampf: Die Lingener CDU will damit ihre veraltete Politik verschleiern und trickreich Vertrauen zurückgewinnen. Garniert mit positiv klingenden Begriffen wie Schutzwald, Unterpflanzen, Ökologie lenkt sie vom künftigen und überflüssigen Abholzen ab. Denn 9 Hektar „Schutzwald“ sind weg, 24 weitere sollen noch kommen. Ganz unverhohlen heißt es hier:

„Sofern sich herausstellen sollte („wovon wir derzeit nicht ausgehen“), dass nach vollständiger Vermarktung der gerodeten Fläche tatsächlich weiterer Bedarf für die Nutzung der Flächen vorliege und dies durch entsprechende Verträge nachgewiesen werde, wolle die CDU dann nach intensiver Beratung auch in der Öffentlichkeit darüber entscheiden, ob noch weitere Flächen gerodet werden.“

Aaaaah ja: Verträge über nicht abgeholzte Flächen, Nachweis und dann entscheiden, ob… Da glaubt doch nicht einmal Vater Frilling, dass „nach Diskussion auch in der Öffentlichkeit“  „weitere Bäume nicht fallen“, wie es in der Überschrift steht. Also ist jetzt Klarheit: Mit der Union wird  weiter abgeholzt, wenn sie es für richtig hält. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Klopfen wir den „Kompromiss“ weiter ab, hat sich innerhalb von zwei Jahren überhaupt nichts an der Baum-ab-Haltung der Lingener CDU geändert, die dieser Blog auch an anderer Stelle kritisiert hat. Denn:

a) Die abgeholzte Fläche von 9 Hektar bleibt abgeholzt.

b) Der restliche Bebauungsplan bleibt auch und damit droht die Abholzung weiterer 24 Hektar.

c) Der geforderte „Schutzwald“ ist so teuer, dass er nicht kommen kann. Die Flächen sind nicht im Eigentum der Stadt, müssten also teuer gekauft oder auf Jahrzehnte genauso teuer gepachtet werden. Ein Hektar in diesem Bereich wird eine Viertel Million kosten. Mindestens. Wie teuer sind dann 9 Hektar? Wie teuer 33 Hektar Schutzwald, der 33 Hektar abgeholzten Wald direkt nebenan ersetzen soll?

Wie kann man nur so einen Unsinn ernsthaft vertreten: 33 Hektar weg und dafür direkt nebenan 33 Hektar aufforsten? Hier werden die empörten Lingener schlicht auf den Arm genommen, um nicht ein anderes unappetitliches A-Wort zu verwenden. Deshalb haben die Protagonisten der Bürgerinitiative pro-Altenlingener Forst vor einigen Wochen im Wohnzimmer von Aktivist Georg Klein auch nur staunend den Kopf geschüttelt, als sie die CDU-Spitze mit ihrem „Kompromiss“ umgarnen wollte, und Gerda Siebert, die Vorsitzende des Bürgervereins Heukampstannen, winkt ab: „Olle Kamellen!“.

Nebenbei: Stören Sie auch diese immer gleichen Verlautbarungs-Sprechblasen: „Konsens“ („breit“!), „alle Seiten wiederfinden“, „Steuergelder in den Sand“  und „Signal“, „tatsächlicher Ausgleich“, „starkmachen“ (auch noch fälschlich in einem Wort  geschrieben, damit es ganz besonders kräftig wirkt)? Alles Blasen. Die CDU-Worte ebenso wie die Inhalte.

Freunde, gehen wir angesichts der unehrlichen Show besser zu den notwendigen Fragen über:

Wie und wo wollen wir Arbeit, Industrie und Gewerbe in Lingen künftig aufstellen und entwickeln? Arbeitsplätze durch Abholzen, auf Kosten der Umwelt? Lassen wir künftig alles zu, oder setzen wir einen Rahmen (welchen?) für eine nachhaltige Stadtentwicklung? Wollen wir unsere Umwelt erhalten oder ist sie nicht so wichtig?
Wo, Dieter Krone, bleibt der runde Tisch, wo die Ratsdiskussion zum Thema? Beides bringt mehr als diese Presseerklärungsoffensive einer Noch-Ratsmehrheit.  Noch mehr bringt der 11. September. Dann sind Kommunalwahlen.

7 Antworten zu “Blase”

  1. Dierke said

    Was hat es mit den Kosten von 1,8 Mio. Euro, die man nicht „in den Sand setzen möchte“ auf sich ? Sind es die Kosten für die bereits erfolgte Abholzung oder für eine evt. Aufforstung ?? Innerhalb von einer Woche produziert die CDU „reichlich“ nervös angesichts der Kommunalwahl im September 2011 „zwei Sprechblasen“. Da könnten noch weitere hinzukommen ?! bei soviel „Bewegung in die Diskussion um den Altenlingener Forst“….
    Und wieder einmal findet auch OB Krone die neuerlichen Vorschläge der CDU – höchst unkritisch – gut, weil man ja nicht 1,8 Mio. Euro in den Sand setzen möchte. Das paßt alles nicht zusammen. Bei der Emsland-Arena will man 30 Mio. Euro plus immenser Folgekosten Jahr für Jahr vergeuden.
    Der Altenlingener Forst muß wieder aufgeforstet werden. Mit ein Grund für die Wahl von D. Krone !!!

  2. Alan Shore said

    In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass der Herr Oberbürgermeister versucht, sein politisches Standing über „Kompromiss“-Findungen zu definieren, obwohl er damit vielmehr der CDU in die Hände spielt. Seine Wählerinnen und Wähler, die ihn in Altenlingen und vor allem in Heukampstannen mit überwältigender Mehrheit für den Erhalt des Altenlingener Forstes gewählt haben, bleiben so leider auf der Strecke.

    Er mag für 8 Jahre sicher gewählt worden sein, aber er möge bitte nicht vergessen, wem er es zu verdanken hat. Im Übrigen dürfen auch seine Unterstützer SPD und Grüne nicht vergessen, dass sie noch Oppositionsarbeit zu leisten haben, auch wenn dieses in den letzten 5 Jahren nur teilweise der Fall war, gerade was die Rodung von Wäldern angeht.
    Besonders die SPD muss sich jetzt zu diesem Thema äußern, wenn sie nicht in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden will, Das geht allerdings auch nur, wenn man entschlossen und solidarisch handelt.

    Jetzt gilt es zu zeigen, dass ein Rot-Grüner Oberbürgermeister und die Ratsmitglieder jener Parteien eine Alternative zur „gottgewollten“ Ratsmehrheit, die schon lange nicht mehr die Mehrheit der Bürger repräsentiert, darstellen und sich nicht auf faule „Kompromisse“ einlassen!

  3. Was meinen Sie zu dem Alan-Shore-Kommentar? Ich meine, es ist der Kommentar des Tages.

  4. Thomas said

    Für die Opposition ist es doch nur von Vorteil, dass die Betonköpfe um Hilling & Co. nicht begreifen, dass sie gerade die Chance eines glaubhaften Neustarts verspielt haben. Selbst der im Gewand des Kommentars gekleidete Warnruf von T. Pertz hat die CDU nicht hören wollen.

    Weiter so, ich warte gespannt auf die dummen Gesichter im Konrad Adenauer Haus, wenn die Ergebnisse der Kommunalwahl bekannt gegeben werden.

  5. Markus Held said

    Endlich zeigt die CDU mal Entgegenkommen und bewegt sich auf die Kritiker zu, doch deren Leute meinen immer noch, sich mit ihren Fundamentalforderungen duchsetzen zu können. Man fragt sich allmählich wirklich, ob deren Kompromissbereitschaft überhaupt vorhanden ist.

    Sie, Herr Koop, schießen dann mit dem Wahlkampf-Vorwurf auch noch ein glattes Eigentor. Oder wollen Sie im September nicht wiedergewählt werden?

    Übrigens: Wo liegt eigentlich Ihre persönliche Kompromisslinie zu diesem Thema, Herr Koop? Dazu schweigen Sie sich – mal wieder – genüsslich aus. Es ist ja auch einfacher, auf die CDU zu hauen. Wie billig und populistisch!

    • Thomas said

      Die einzigen halbwegs vernünftigen bei der CDU sind doch die Jungs von der Jungen Union unter Philipp Heinrichs. Die wollten, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, einen richtigen Neuanfang wagen. Schade, dass die sich nicht durchsetzen können.

      • Alan Shore said

        Bitte?! Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass diese Party-Süchtige und pseudopolitische Vereinigung irgendeinen vernünftigen Ansatz jemals bieten wird. Die treiben lieber infantile Spielchen in Wahlkämpfen.

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