Schönes Lünne 4

3. Februar 2011

Neues aus Lünne (Wappen lks),
wo Exxon Mobile eine Probebohrung niederbringt. Das Ziel des Konzerns: Die  Gasförderung mittels Fracing:

a) matteselse berichtet:
„Ich war gestern vor Ort in Lünne. Mich hat gewundert, dass das Baustellenschild seit kurzer Zeit überklebt worden ist. Noch vor einer Woche sah es so aus. Bild Nummer 4.

Gestern wurde gesagt, dass man 1150 m tief bohrt. Auf dem Baustellenschild steht was von 900 m und in dem Hauptbetriebsplan soll etwas von einer Tiefe 650 m stehen. Frage: Darf man das? Wie sieht es mit der Kontrolle mal wieder aus?“

b)  Exxon-Pressesprecher Hans-Hermann Nack im Interview mit Horst Bauhof, am 02.02.2011, Bohrplatz Lünne:

Bauhof:
Hat Exxon vor, in Lünne vor ein Probefrac zu machen?

Nack:
Das ist noch nicht entschieden. Wir bohren noch und kernen auch noch. Das die Bohrung abgelenkt wird ist entschieden. Das heißt, dieses Loch, das zur Zeit senkrecht gebohrt wird soll im Anschluss abgelenkt werden.

In dem Schiefergas, was wir suchen, gibt es zur Zeit nur senkrecht Bohrungen und das ist die Damme, dieses (in Lünne) wäre die erste Ablenkung im Schiefergas.

Bauhof:
Welcher Gas-Einzugsbereich ergibt sich um die Bohrung?

Nack:
Kann man nicht sagen.
Wir kennen die Durchlässigkeit des Gesteins noch nicht, das heißt jede Lagerstätte hat unterschiedliche Parameter, je nach Durchlässigkeit in der jeweiligen Gesteinsschicht ist auch nur ein ganz bestimmter Bereich, der später als Gas-Zufluss gesehen werden kann. Das kann man nur sehen, wenn man die sogenannten Bohrkerne zieht, um sie dann auszuwerten.

Wir erwarten in 6 bis 12 Monaten die Ergebnisse der Kernbohrung von Lünne. So lange brauchen unsere Geologen und Geophysiker um die Daten des Kernmaterials auszuwerten.

Bauhof:
Wie dicht werden die Bohrungen zur Förderung gesetzt?

Nack:
Grundsätzlich hangt die s.g. Feldesentwicklung davon ab welche Lagerstättenparameter sie haben. Wir haben bis jetzt in Deutschland keine Schiefergasproduktion.

Bauhof:
Exxon weiß also noch gar nicht wie dicht die Gas-Förderbohrungen im einzelnen gesetzt werden müssen?

Nack:
Das ist richtig. Man hat bis jetzt keine Erfahrung darüber.

c) was der leitende Bergdirektor des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover, Klaus Söntgerath, am 2. Februar 2011 auf dem Exxon-Bohrplatz in Lünne sagte:

… zu einem möglichem Fracking:
„Ein Frac ist in jedem Fall genehmigungspflichtig, das Bergrecht ist da sehr restriktiv, dass nahezu alle Maßnahmen, die Auswirkungen auf die Umwelt und auch auf den Arbeitsschutz haben genehmigungspflichtig sind.“

… zu der Chemie in den Bohrwässern:
„Da müssen Analysen hergestellt werden, da sind die Unternehmen uns berichtspflichtig. Wenn wir da ein Wissen haben wollen, das gehört zur Überwachung, dann prüfen wir das auch nach. Und es ist für uns sehr entscheidend, welche Stoffe beispielsweise in einem Lagerstättenwasser sind weil da auch grundsätzlich von Kohlenwasserstoffen und anderen für die Umwelt relevanten Stoffen aus zugehen ist.“

… zur Entsorgung der kontaminierten Abwässer:
„Die Wasser, die bei der Förderung anfallen, das sind Wässer aus der Lagerstätte, die auch dann vom Erdgas abgetrennt werden müssen, werden gesammelt und letztendlich wieder in Lagerstätten, in Bereiche wo sie sicher abgeschlossen sind, zurückgeführt, mit den Inhaltsstoffen die sich auf jeden fall aus der Lagerstätte ergeben und die natürlich im Zusammenhang mit Bohrmaßnahmen und anderen technischen Maßnahmen auch darin enthalten sein können. (…) Wir müssen vorsichtig sein, prüfen und aufpassen.“

… zu den Bedenken der Lünner Bürger:

“Es gehört zu unseren Aufgaben Sorgen und Nöte wahrzunehmen und zu verstehen. Die in unsere Genehmigungsverfahren mit einzufließen lassen. Das ist ein ganz wichtiges Element unserer Arbeit.”

… zur Beruhigung der Lünner Bürger:
“Wir wollen offen sein, wir wollen informieren, dass auch Unklarheiten abgebaut werden können. Auf der anderen Seite ist bei uns auch sehr vieles rechtlich geregelt, es gibt Richtlinien, technische Vorschriften. Der Grundwasserschutz ist im Wasserrecht das bei solchen Maßnahmen gilt, deutlich beschrieben, es ist beschrieben wie man damit umzugehen hat.

Diese vielen Informationen und Grundlagen die können wir der Bevölkerung vermitteln um damit Information zu geben, die vielleicht zum Abbau von Befürchtungen führen können.”

… zu den Fracking-Folgen in Amerika:
“Wir müssen auch solche Nachrichten beobachten, wir müssen gründlich prüfen und überprüfen, dass so etwas nicht passieren kann, wir müssen uns der Risiken bewusst sein.

Wir haben als Behörde die Aufgabe, auch gegenüber dem Land Niedersachsen und der Bevölkerung, diese Sachen zu prüfen, das heißt wir müssen so was genau beobachten.

Wir können uns nicht auf eine absolute Sicherheit verlassen, wir müssen Risiken prüfen, wir müssen sie bewerten und dann auch entscheiden, ob man eine solche Maßnahme durchführen kann oder auch nicht. Wir müssen vorsichtig sein, prüfen und drauf aufpassen. “

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Quelle

Wahlversprechen

3. Februar 2011

Hartnäckig uneinsichtig gibt sich die CDU. In einem Gespräch, über das heute die Lingener Tagespost berichtet, halten die Unionisten auch unter ihrer neuen Führung an der Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im Altenlingener Forst fest – gleich am ganzen 33-Hektar-Bebauungsplan Nr. 20, der erst zu 30% abgeholzt ist. Die anderen 70% sollen offenbar bald dran glauben. „Um den Anliegen der Bevölkerung in Altenlingen entgegenzukommen“, schlägt die Lingener CDU mit zart-besorgtem Augenaufschlag deshalb „die Anlegung eines Schutzwaldes“ vor. „Unsere Idee ist es, neben den ohnehin geplanten Aufforstungsmaßnahmen einen Waldgürtel hinter der Schrebergartensiedlung am Schwarzen Weg bis zur Bahnlinie anzulegen“, sagte Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling. Die CDU werde deshalb beantragen, den Flächennutzungsplan (Fachkürzel: F-Plan) an dieser Stelle entsprechend anzupassen.

Soso, die CDU will einen Plan anpassen. Ein F-Plan ist aber kein Schutzwald. Er ist nur Polit-Show, ein neuer F-Plan ist erst einmal nichts anderes als bunt-gezeichnetes Papier. Ein Wald entsteht dadurch noch lange nicht. Denn man muss Eigentümer aufzuforstender Flächen sein, bevor auch nur ein Baum gepflanzt werden kann. Fast alle Flächen, die die CDU als Schutzwald planen will, sind in Privathand und nicht im Eigentum der Stadt. Was also soll der CDU-Vorschlag anderes, als davon abzulenken, den sinnfrei abgeholzten Altenlingener Forst wieder aufzuforsten?

Nebenbei: Auch die berichtete Aussage von OB Dieter Krone in derselben Publikation, er könne sich „als Kompromiss vorstellen, die abgeholzten Flächen gewerblich zu nutzen, wenn die übrigen Waldflächen zusammenhängend geschützt werden“, muss irritieren. Mit der Nichtaufforstung und dem Verkauf der 9 Hektar will OB Krone verhindern, dass der Stadt ein finanzieller Schaden entstehe, der sich angeblich auf 1,8 Mio Euro belaufen soll. Eine Milchmädchenrechnung, weil schon der Kauf von 10 Hektar neuer CDU-Schutzflächen in demselben Areal allein 3 Mio Euro kosten dürfte.  Mag auch der Baccumer Thomas Pertz  Krones Kompromiss Kappes wohlwollend kommentieren – mit dem Verkauf der abgeholzten Flächen entsteht allemal großer Schaden an der Glaubwürdigkeit des Dieter Krone. Dieser Vertrauensverlust dürfte für den OB persönlich sehr teuer werden. Denn Krone hat die Wiederaufforstung des Altenlingener Forstes zu seinem klaren Wahlkampfprogramm gemacht und damit seine Wähler überzeugt und gewonnen. Nicht mit einem windigen Kompromiss, der in Wahrheit nur der zweite Bruch eines Wahlversprechens wäre.

(Foto: Noch da: Baccumer Wald von © dendroaspis2008)