Stromhandel

18. Januar 2011

Kein Lingener Haushalt muss befürchten, demnächst ohne Strom dazu stehen. Aber die gut 1000 Kunden des Billiganbieters Teldafax könnten Problem bekommen. Denn seit geraumer Zeit zahlt das Stromhandelsunternehmen die Rechnungen der Stadtwerke Lingen (SWL) nicht pünktlich.

Nicht nur die SWL auch andere Netzbetreiber haben deshalb bereits damit gedroht, Teldafax den Zugang zu ihren Netzen zu kappen oder Vorkasse zu verlangen; das wusste schon vor einer Woche das Handelsblatt. Als Gründe hierfür werden  neben der schlechten Zahlungsmoral des Billigstromanbieters auch die negativen Presseberichte der letzten Wochen genannt.

Teldafax erzeugt selbst keinen Strom, sondern betätigt sich als reiner Händler. Das Unternehmen kauft im Großhandel Strom ein und gibt diesen an seine Kunden weiter. Für den Transport muss es den Netzbetreibern – den Eigentümern der großen Übertragungsnetze und Hunderten regionalen Versorgern – Gebühren bezahlen.

Obwohl das Unternehmen in den letzten Jahren 500.000 Kunden für sich gewinnen konnte, konnten bisher keine Gewinne erwirtschaftet werden. Das Geschäftsmodell, Bestandskunden auf hochpreisige Tarife umzustellen, funktioniert nicht. Teldafax verkaufte vorher den Strom zum Teil unter dem Selbstkostenpreis. Viele Kunden -auch aus Lingen- haben auch an Teldafax erhebliche Vorkassezahlungen und Kautionen geleistet. Bei einer Insolvenz dürften diese Gelder futsch sein.

Die Staatsanwaltschaft in Bonn ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, da das Unternehmen bereits seit 2008 keinen Jahresabschlussbericht vorweisen kann. Die Wirtschaftsprüfer von BDO verweigern bisher das Testat für die Abschlüsse 2008 und 2009.

Wohl auch wegen der angespannten Finanzen verlangte Teldafax jüngst von seinen Kunden, von der Lastschrift auf die Bezahlung per Überweisung umzustellen. Die Verbraucherzentralen raten hiervon ab. Die Umstellung von Lastschrift auf Überweisung sei eine Schlechterstellung, kritisiert der Verband. „Bei der Umstellung der Zahlweise auf Vorauskasse haben die Kunden nun nicht mehr die Möglichkeit, einmal abgebuchtes Geld bis zu sechs Wochen nach Wertstellung von der Bank unbürokratisch zurückbuchen zu lassen, sollte es Unstimmigkeiten mit Telafax geben“, so die Verbraucherzentrale Baden-Würtemberg. Sie rät dementsprechend davon ab, die Strom- oder Gasrechnung per Überweisung zu begleichen, sondern schlägt vor, die Möglichkeit der Lastschriftzahlung wahrzunehmen und die in ihren Augen unnötige Umstellung zu ignorieren.

Wird der Vertrag zwischen SWL und Teldafax wegen Rückständen des Handelsunternehmens gekündigt, kann Teldafax seine 1200 Lingener Kunden nicht mehr versorgen. Die erhalten dann automatisch ihren Strom aus der  Hand der Stadtwerke – nicht so billig wie bei Teldafax aber deutlich zuverlässiger.

6 Antworten to “Stromhandel”

  1. lingentheo said

    Verpennt!

    Die RWE (und natürlich „unsere Politiker“ auch) sind stolz darauf, hier in Lingen einen der größten und effizientesten Stromerzeugungsstandorte Europas zu haben.
    Wieso haben dann die Stadtwerke überhaupt geschäftliche Beziehungen mit dem unseriösen Händler Teldafax, über den die Verbraucherverbände seit Jahren sagen, dass man die Finger davon lassen soll.
    Ach so, was für die Verbraucher gilt, kann den Stadtwerken ja egal sein…
    In den zu Ende gebrachten Verhandlungen über die RWE-Beteiligung wäre doch gerade eine Strompreis-Sondervereinbarung mit den Stadtwerken allen Lingenern zugute gekommen. Das wurde mal wieder verpennt. Aber man wird sagen, dass wäre nicht zulässig gewesen, die übliche Leier eben, obwohl´s nicht stimmt.

    • @lingentheo, da läuft bei Ihnen was in die falsche Denk-Richtung:
      Die Stadtwerke Lingen haben zu Teldafax vertragliche Beziehungen, weil es in Lingen Teldafax-Strom- und Gaskunden gibt. Teldafax nutzt zu diesem Zweck die Leitungsnetze der Stadtwerke und zahlt dafür Netznutzungsentgelte, die alle Strom- und Gasnetzbetreiber für diese Nutzung von den Netznutzern erheben. Teldafax hat in den letzten Monaten diese geschuldeten Beträge mehrfach nur zögerlich und erst auf (mehrfache) Mahnung gezahlt
      Übrigens: Für Privathaushalte machen die Netznutzungsentgelte etwa ein Viertel des Strompreises aus, ein gutes Drittel sind die Energiekosten (Stromgestehungskosten), 30 % gehen an den Staat und ca. 6% entfallen auf KWK- und EEG-Umlage. (Quelle: wikipedia).

      • lingentheo said

        Zur Entlastung der Stadtwerke kann man dann den Betroffenen leider nur sagen: selber schuld.
        Dabei kann man beim Preisvergleich beispielsweise in den Portalen verifox und check24 die Risikofallen weitgehend selbst ausschalten, wenn man von vornherein darauf achtet, dass Anbieter mit Neukundenbonus, Vorauszahlungen, Kaution und ohne 12-monatige Preisgarantie gar nicht erst berücksichtigt werden. Bei Preisgarantie/Fixierung sollte ferner darauf geachtet werden, dass einige Anbieter eine Preissteigerung für das 2. Jahr vereinbaren, wobei diese aber kündbar ist.

        Der oft so verlockende Neukundenbonus von bis zu 155 Euro mit zusätzlichem Gratisangebot für die ersten 500 kwH ist oft der ausschlaggebende Punkt für einen Wechsel. Diese Vergünstigungen erhalten wiederum Kunden oft gar nicht, wenn sie nur für 12 Monate abschließen; nämlich meist erst nach einer fetten Preiserhöhung für das 2. Jahr wird verrechnet.
        Dann sind sämtliche Preisvorteile wieder dahin.

  2. Buggy said

    Theo, ich vermute, dass die Stadtwerke gesetzlich dazu verpflichtet sind, anderen Anbietern den Zugang zum Endkunden zu ermöglichen.

    Sind die Stadtwerke auch Stromverkäufer an TelDaFax?

    • @Buggy
      mit der Vermutung liegen Sie richtig, die Netzbetreiber (hier die Stadtwerke) sind dazu verpflichtet den offenen Netzzugang zu gewährleisten.

      Das können Sie hier ( http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/XBCBGI0542.pdf ) unter §20 des Zweiten Gesetzes zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts nachlesen.

      Ob die Firma TelDaFax ein tragfähiges Geschäftsmodell mit diesem Netzzugangsrecht zusammenbekommen hat, ist natürlich eine andere Sache.

      Weil Sie (bezogen auf den Lingener Fall ) ja eigentlich keine Lücken schließen (wozu der offene Netzzugang ja eigentlich gedacht war).

  3. klaus said

    Ich hätte da mal eine juristische Frage?
    Anfang November stand geschrieben, dass die Mitarbeiter von den Stadtwerken Lingen, stichprobenartig die Zählerstände (Wasser/Strom/Gas) ablesen wollten. Dann wurde geschrieben, dass die Stadwerke nun die Karten verschicken wollen, wo der Verbraucher seine ermittelten Zahlen notieren sollte und dann die Karten in den dafür vorbereiteten Tonnen werfen sollten. Mitte Dezember rief ich bei den Stadtwerken Lingen an, wo denn meine Karte blieb. Dort sagte man, wirklich Freundlich, dass man schon Mitte November abgelesen hat und ich keine Karte bekommen würde. So weit so gut. Was mich aber wundert ist, dass ich erst am letzten Freitag meine Abrechnung bekam. Ich sollte zum Glück eine gewisse Summe wiederbekommen. Gestern war ich dann bei meiner Bank und das Geld ist immer noch nicht auf meinem Konto. Meine Frage, wieso kann die Stadtwerke so lange mit der Versendung der Abrechnung warten. In der Grafschaft gab es die schon Ende Dezember, auch von den hiesigen Stadtwerken. Heißt das, dass die Stadwerke mit unserem Geld arbeiten? Dann möchte ich die Zinsen haben. Wie ist das rechtlich eigentlich geregelt? Hätten wir nicht schon im Dezember unsere Abrechnung bekommen müssen?
    Wenn wir nicht pünktlich zahlen, gibt es doch auch Ärger.

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