Bauernopfer

15. Januar 2011

Wir dürfen uns alle im Dioxin-Skandal irritiert  zurücklehnen und über Neues staunen:

Die Landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaft in Damme (Landkreis Vechta), der unter Dioxin-Verdacht steht, soll seine Lieferbeziehungen zu Hunderten landwirtschaftlicher Betriebe den Behörden nicht mitgeteilt haben. Das Unternehmen wirbt mit dem Satz „Qualitätsfutter ohne Kompromisse“ und hatte Futterfette vom inzwischen insolventen schleswig-holsteinischen Unternehmen Harles und Jentzsch bezogen. Von den beiden LBD-Betrieb in Damme und den Niederlassungen in Soltau und Steinfeld  sind offenbar auch Dioxin belastete Futtermittel-Lieferungen nach Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern gegangen. Noch am Samstag hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg  alle Geschäftsräume der 94 Jahre alten Genossenschaft durchsuchen lassen, um Beweismaterial sicherzustellen, so die Oldenburger Staatsanwältin Carolin Castagna.  Der Futtermittelhersteller hatte laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover erst auf Druck der Behörden vollständige Lieferlisten seiner Abnehmer erstellt.

Als Folge der Futtermischwerkverschwiegenheit sind am Freitagabend bundesweit 934 Betriebe „zusätzlich gesperrt“ worden,  unter anderem 110 Legehennenbetriebe, 403 Schweinemastbetriebe und 248 Ferkelmastbetriebe. Allein in Niedersachsen müssen damit zurzeit wieder insgesamt 900 Betriebe ihre Vermarktung einstellen. Die Aktivität: Etwa drei Wochen -die ersten Informationen über Dioxinfutter waren am 22. Dezember bekannt geworden- lang sind die Endprodukte – vorwiegend Eier – in den Markt gelangt. Mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Verbraucher sei aber weiterhin nicht zu rechnen, hieß es zugleich beflissen und unehrlich aus dem Landwirtschaftsministerium in Hannover.

„Das ist ein Skandal im Skandal“, schimpfte Samstagmittag in Berlin Bundesministerin Ilse Aigner (CSU), die den Unfähigen um McAllister geradezu dankbar sein kann, dass angesichts der peinlichen hannöverschen Vorstellung ihr eigenes, längst in die Kritik geratenes Versagen jetzt keine (große) Rolle mehr spielt. Mit tatsächlicher oder gespielter (wen interessiert’s?) Empörung  forderte die CSU-Politikerin von McAllister „personelle Konsequenzen“ in Niedersachsen. Sie war noch am Freitagnachmittag in Sachen Dioxin in Hannover gewesen und hatte mit dem amtierenden Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Sander (FDP), Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke (CDU) und dem Chef des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (kurz: Laves), Eberhard Haunhorst die Situation besprochen. Kein Gesprächspartner Aigners hatte sie dabei über die Dammer Lügelisten informiert. Davon erfuhr sie erst, als sie wieder in Berlin war.

Der Begriff Bauernopfer bekommt damit in Niedersachsen eine besondere Bedeutung. Der zuständige, weil der amtierende Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Sander müsste eigentlich wegen Unfähigkeit entlassen  werden. Aber er gehört zur FDP und einen FDP-Minister kann CDU-Ministerpräsident David McAllister nicht rausschmeißen, ohne damit zugleich die Koalition zu beenden. Ein Ende für schwarz-gelb will der Wulff-Nachfolger aber nicht. Denn die dann folgenden Neuwahlen würden die bestehenden politischen Mehrheitsverhältnisse hinwegfegen.

Also wird in Hannover Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke den Hut nehmen müssen oder gar aus der dritten Reihe der  Präsident des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Eberhard Haunhorst, abberufen. Interessant, dass CSU-Aigner beide als möglichen Abberufungskandidaten nannte. „Ich erwarte bis heute Nachmittag einen ausführlichen Bericht des Ministerpräsidenten und ich erwarte, dass er bis heute Abend personelle Konsequenzen zieht“, schimpfte sie heute Mittag. „Mir wurde von niedersächsischer Seite wiederholt und auch gestern erneut mit Nachdruck versichert, dass die für die Futter- und Lebensmittelüberwachung zuständigen Landesbehörden alle erforderlichen Maßnahmen zur Aufklärung des Dioxin-Falls in die Wege geleitet hätten“, sagte Aigner.

Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke (hier gehts zu seiner Autogrammkarte!) wies gegenüber dem NDR die Forderung Aigners zurück. „In schwierigen Situationen muss ruhig entschieden werden“, sagte Ripke. „Das erwarte ich auch vom Bundeslandwirtschaftsministerium.“ Mit Blick auf den Ruf nach personellen Konsequenzen sagte er: „Ich bin nicht erfreut, werde aber eine saubere Abwicklung im Sinne des Verbraucherschutzes weiter betreiben.“ An der politischen Diskussion wolle er sich nicht beteiligen, kündigte aber an: „Ich arbeite weiter“.

100 Tage – II

15. Januar 2011

Noch ein 100-Tage-Interview mit OB Dieter Krone – dieses nach 99 Tagen in der LT:

„Zur Emslandarena, zum Emsauenpark und zur Ulanenstraße wurde bereits viel gesagt, und auch der Altenlingener Forst lässt sich nicht innerhalb von 100 Tagen wieder aufforsten. Deshalb wollte unsere Zeitung von Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone wissen, wie er und seine Familie die ersten 100 Tage im neuen Amt erlebt haben.

Herr Oberbürgermeister, haben sich ihre Vorstellungen und Erwartungen erfüllt?

Ja, eindeutig. Ich habe…

(weiter auf der Seite der Lingener Tagespost)

Vorbild

15. Januar 2011

„In Korea wird viel Reis gegessen, in Deutschland eher nicht. Doch Shin Won Kang arbeitet daran, das zu ändern. Der koreanische Inhaber der Bok-Restaurants in Hamburg lässt Essen an Obdachlose verteilen.

„Wir machen jeden Morgen zirka 15 Portionen fertig“, erzählt sein Mitarbeiter Rai Chandra. Der Nepalese steht an einem dampfenden Reistopf und befüllt Plastikbehälter. Die stellt er dann von 11.30 Uhr bis ungefähr 12 Uhr auf einen Tisch der Restaurant-Terrasse in Ottensen. Ein Schild erklärt…“

(weiter auf der Seite der taz)

ps Das Wort „Bok“ ist übrigens koreanisch und bedeutet „Glück“.

Dass Emsland-Tortentesterin Christiane Adam wirklich kein Weg zu weit, kein Wetter zu schlecht und kein Tortenstück zu groß ist, um ihre Liste von Landcafés zu komplettieren, hat sie jetzt erneut bewiesen! Ca. 14 Uhr entschloss sie sich am vergangenen Mittwoch, ein weiteres Landcafé im kalten Januarregen zu testen, fast drei Stunden später und mit über 100 km mehr auf dem Kilometerzähler saß sie dann vor einer … Waffel ! Also erstmalig keine Torte. Und das kam so:

Zunächst fuhr sie die wenigen Kilometer zum Reiterstübchen Bockmeyer in Lingen. Das öffnet aber erst um 16 Uhr. Beim Wegfahren verfranste sie sich in der Gegend hinter dem Christophoruswerk und sah zufällig ein Schild „Pension und Café Sigrid Lagemann„. Sie fuhr auf den Hof, wo die Hausdame sie mit der Information begrüßte, das (reine) Terrassencafé habe lediglich im Sommer geöffnet. Also hat  die Tortentesterin sich das Café für spätere Erkundungen notiert.

Dann entschloss sie sich, eines der Cafés zu testen, das bereits auf der Liste vermerkt sind,  sie aber selbst noch nicht besucht hat. Die Wahl fiel auf den Bauerngasthof Übermühlen. Den zu finden, war ohne Navi schwierig. Christiane: „Ohne telefonische Hilfe  hätte ich es vielleicht gar nicht gefunden.“ Beim Eintreffen begrüßte sie dann nur der Hofhund, der seinerseits wohl darauf hoffte, dass sie ihm etwas zu futtern geben könnte. Denn: Mittwochs ist Ruhetag! Inzwischen war es aber 16 Uhr, und sie erinnerte sich an das Reiterstübchen Bockmeyer. Dort gab es zunächst die Enttäuschung, dass es heute „keine Torte mehr“ gebe. Aber sie probierte eine Waffel mit roter Grütze und war letztendlich zufrieden – „vor allem, da ich für Waffel und Kakao nur 2,50 Euro bezahlen musste“, wie sie zufrieden anmerkte.

Übrigens: Inzwischen bewertet Christiane Adam die regionalen Landcafés. Die Bewertungen finden Interessierte  in der Xing-Gruppe Emsland: http://bit.ly/dE4L4o Man muss dort allerdings Mitglied sein.

Hier die Daten der beiden neuen Cafés plus eines in Lotte, das Christiane Adam aus Osnabrück als Tip bekam:

Lingen (Ems)
Pension und Café Sigrid Lagemann
Hohenfeldstraße 55

Lingen (Ems)
Reiterstübchen Bockmeyer
Unter den Eichen 14
CA

Lotte-Altlotte
Landcafé Am Goldbach
Gaster Landweg 6

 

Nachtrag durch Christiane Adam vom 16.01.:

Ich hab wieder eins! Heute war ich im Stiftscafé Menke in Wietmarschen. Wunderschön ist es da, auch die Umgebung, in der man schön spazierengehen kann. Torte und Kakao haben mich ebenfalls überzeugt. Der Tee wird auf Stövchen serviert, so muß es sein!
Ein weiteres Café – ebenfalls in Wietmarschen – möchte ich hinzufügen. Leider ist dieses „bis auf Weiteres“, wie ein Schild zeigt, geschlossen und nur auf Anfrage für Familienfeiern usw. geöffnet. Ich liste es dennoch auf, vielleicht haben Sie ja mal eine Familienfeier und möchten darauf zurückkommen? Schade eigentlich, denn es sieht von außen ganz gut aus, das Wietmarscher Hofcafé der Familie Rosen.“

Wietmarschen
Stiftscafé Menke

Wietmarschen
Wietmarscher Hofcafé Familie Rosen

 

(Fotos. Waffel mit heißen Kirschen, © dev null CC; Christiane Adam © privat)