leichte Kost

9. Januar 2011

Nun habe ich alter Kritiker ja angekündigt, dem neuen OB Dieter Krone die Schonfrist von 100 Tagen zu gewähren. Heute fällt mir dies reichlich schwer. Denn ich bin enttäuscht vom  Neujahrsempfang in der historischen Wilhelmshöhe zurück, an dem gemeinsam mit mir weitere 800 Lingenerinnen und Lingener teilnahmen. Heiner Pott war auch da, und ich hab ihm anschließend gesagt, diese Neujahrs-Rede des Neuen hätte er auch halten können. Anschließend durften die Jung-Unionisten bei Twitter jubeln, „TOP – Krone stellt CDU-Politik der letzten Jahre vor.“

Die Fehlgriffe Krones, den Lingener Bahnhof als Hauptbahnhof , die Wasserrutsche als Längste im Emsland zu bezeichnen,  und die lockere  Übertreibung, Lingen werde einer „der schönsten Hochschulstandorte Deutschlands“  – geschenkt.

Meine Enttäuschung hatte andere Gründe: Dieter Krone hatte mit einem Woody-Allen-Zitat  begonnen: „Ich denke viel an die Zukunft, weil das der Ort ist, wo ich den Rest meines Lebens zubringen werde.“ Aber dann kam doch eigentlich Vergangenheit. Mit Ankündigungen für die Zukunft war Krone eher sparsam. Der angekündigte „Bildungsgipfel“ war neu, aber sonst? Vielleicht noch die Aufforderung an alle, sich in die Gestaltung Lingens einzubringen. Doch dann verstrickte sich Dieter Krone in eine inventurähnliche Auflistung beschlossener Dinge und verzichtete auf inhaltliche gesellschaftliche Aussagen und  Perspektiven. Neudeutsch: Wieder einmal haben wir bei einem Lingener Neujahrsempfang vor allem eine Aufzählung in Sachen längst bestellter Hardware gehört und nur ganz wenig zu entwickelnder Software. Rätselhaft für mich, weshalb in Zeiten von Dioxin und Kohlendioxid kein Wort zur natürlichen Umwelt zu hören war, zu den Stadtwerken. Wie wollen wir die Stadt entwickeln? Wie halten wir es mit der Zuwanderung? Mit der Kultur? Was wird weshalb mit dem Altenlingener Forst? Auch die Massentierhaltung und die Ulanenstraßendiskussion ließ Dieter Krone aus. Wer gar jenseits dieser Projekte und Probleme auf Antwort, Erklärung und Wegweisung gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Lingen1 twitterte irritiert. „Neujahrsempfang in Lingen! Welchem Zweck dient das nochmal? ;D“

Auf die Umstehenden wirkte der anschließende „virtuelle Stadtrundgang“  wie eine Mischung zwischen Reiseführer und Grundschulklasse. Ganz leichte Kost. Auch die bestellten, gesammelten und wohl auch vorbereitend-geprüften Fragen an die drei Dezernenten blieben unverbindliche Plauderei und gewannen nur durch die Moderation des einmal mehr souveränen Marko Schnitker (Ems-Vechte-Welle). Nur  die Lingener  Zucchini Sistaz – wenn der Neujahrsempfang den Zweck hatte, diese „Frauenpower  mit  Genuss“  (Krone) weiter bekannt zu machen, dann hat das jedenfalls zu recht geklappt. Aber sonst…

Nachtrag:
Hier die OB-Rede im Wortlaut.

Rio

9. Januar 2011

Gerade lese ich hierRio Reiser, eigentlich Ralph Christian Möbius, wäre heute 61 Jahre alt geworden. Rio Reiser war, gemeinsam mit seinem Jugendfreund Ralph Peter Steitz (R.P.S Lanrue), einer der beiden Köpfe von Ton Steine Scherben. Nach der Auflösung der Band  1985 begann er eine Solokarriere. Er starb 1996. Er fehlt.

 

ps Sind „die Scherben“ eigentlich mal in Lingen oder umzu aufgetreten? Kann da jemand weiterhelfen?

Strafanzeige

9. Januar 2011

Ein gänzlich ungewöhnlicher Vorgang ist am Wochenende bekannt geworden: Der Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe Thomas Schulte-Kellinghaus hat Strafanzeige gegen den Präsidenten des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord erhoben.  Das berichtet Spiegel-online.

Es geht um den gezielten Drohnenangriff der US-Streitkräfte auf pakistanisches Territorium am 4.Oktober 2010 auf ein bestimmtes Haus in der Stadt Mir Ali. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Darunter sollen drei Deutsche gewesen sein, unter ihnen auch der 20.jährige Bünyamin Erdogan. In der Folge prüfte -bislang ohne Ergebnis- auch der Generalbundesanwalt, ob er wegen des Drohnenangriffs und der Tötung deutscher Staatsbürger ermitteln muss. Solche Ermittlungen müssten sich zunächst gegen das US-Militär richten, das gemeinsam mit der Bundeswehr in Afghanistan Krieg führt. „Wir haben einen Beobachtungsvorgang angelegt“, erläuterte der zuständige Bundesanwalt Rolf Hannich Mitte Dezember in Karlsruhe. Die Bundesregierung hatte zu diesem Zeitpunkt auf eine entsprechende Anfrage des Generalbundesanwalts noch nicht geantwortet.

Jetzt dürften die zurückhaltenden Erkundigungen des Generalbundesanwalts durch die Strafanzeige von  Oberlandesrichter Schulte-Kellinghaus so schwerlich weitergehen können. Schulte-Kellinghaus, stellvertretender Vorsitzender einer Berufungskammer in Zivilsachen in der OLG-Außenstelle Freiburg (Foto), will mit seiner Anzeige offenbar direkte Ermittlungen gegen Verantwortliche in Deutschland veranlassen. Sie könnten klären, welche Rolle deutsche Sicherheitsdienste wie das BKA, der BND oder der Verfassungsschutz bei der Tötung von Bünyamin E. gespielt haben. Diese Behörden könnten -so der Verdacht-  Informationen an das US-Militär geliefert und so Beihilfe zur illegalen Hinrichtung eines deutschen Staatsbürgers im Ausland geleistet haben.

Vergeblich hatte auch der ehemalige Bundesrichter Wolfgang Neskovic, heute Bundestagsabgeordnete für Die Linke,  im Bundestag Auskunft über die Hintergründe des Drohnenangriffs verlangt. Er erhielt vom Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche (CSU, Bundesinnenministerium) die Antwort, aus “strafprozessualen Maßnahmen” seien keine Informationen an die USA gegangen, so der Spiegel. “Diese ausweichende Antwort und die Indizienlage lassen keinen anderen Schluss zu, als dass geheimdienstliche Informationen an die US-amerikanische Seite weitergegeben wurden” kommentierte Neskovic die Auskunft des Staatssekretärs.

Anzeigeerstatter Schulte-Kelllinghaus ist ein engagierter Mann. Als Mitglied im Bundesvorstand der Neuen Richtervereinigung (NRV) ist er davon überzeugt,  dass die Ausübung des Amtes als Richterin oder Richter, Staatsanwältin oder Staatsanwalt immer eine gesellschaftspolitische Relevanz habe und daher politisch sei. Daher tritt die NRV  für „Demokratie, Menschenrechte und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen“ ein. Thomas Schulte-Kellinghaus selbst setzt sich seit Jahren für eine strikte rechtsstaatliche Gewaltenteilung und den Schutz der Verfassung ein. Hätten das BKA und weitere  deutsche Sicherheitsbehörden im Vorfeld des Drohnenangriffs Informationen an die USA weitergegeben, die zu dem tödlichen Schlag führten, wären allerdings nicht nur diese Verfassungsgrundsätze verletzt.

(Foto: OLG Karlsruhe, Außenstelle Freiburg, © user:Joergens.mi CC)

Ei-phone & Co.

9. Januar 2011

Gefunden bei Heise.de:

Der für Android, Bada, iOS und Symbian kostenlos erhältliche Barcode-Scanner barcoo soll nun auch mit Dioxin belastete Eier erkennen. Hierfür wertet die App die auf jedem Ei abgedruckten Erzeugercodes aus. Laut Anbieter vergleicht die Anwendung die Codes mit den von Verbraucherzentralen und vom Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen veröffentliche Listen von Erzeugercodes der belasteten Eier. Taucht der überprüfte Code in dieser schwarzen Liste auf, schlägt die App Alarm.

Solange noch belastete Eier im Umlauf sind, können sich Verbraucher vor dem Kauf mit der App absichern.

Auch wer kein (Ei- oder sonstiges) Smart-Phone besitzt, findet an mehreren Stellen im Internet  detaillierte Informationen. So hat die Verbraucherzentrale Hamburg eine Liste der Codes von Eiern mit Dioxin-Belastung über dem Grenzwert veröffentlicht. Auch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung hat auf seinen Seiten Informationen zu Dioxinvorkommen in Eiern zusammengestellt. (spo)

Wer sichergehen möchte, dass die künftig gekauften Eier unbelastet sind, sollte im Regal zu Bio-Eiern greifen. Diese sind – soweit aktuell bekannt – nicht von dem Skandal betroffen, da nach der EU-Öko-Verordnung den Futtermitteln keine isolierten Fettsäuren zugesetzt werden dürfen.

Das barcoo-App  erkennt Bio-Eier und zeigt diese an. Am Ende soll uns allen eines bewusst werden: gute Lebensmittel kosten einfach Geld und für ein gesundes Stück Fleisch darf man auch mal mehr  bezahlen.

(Foto: © Barcoo)